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GRI 413

Kinderschutz

Der Tourismus setzt Kinder besonderen Gefahren sexueller Ausbeutung aus. Nach Schätzungen des Kinderhilfswerks UNICEF werden jedes Jahr weltweit etwa zwei Millionen Mädchen und Jungen schon in frühester Kindheit sexuell ausgebeutet. Auch eine von ECPAT International – Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung – veröffentlichte globale Studie zur sexuellen Ausbeutung von Kindern im Tourismus zeigt, dass mehr Kinder als je zuvor von sexueller Ausbeutung betroffen sind. Die steigende Zahl der Reisenden, das Internet und mobile Technologien haben die Zunahme sexueller Gewalttaten gegenüber Kindern im Tourismus verstärkt. Aus diesem Grund trägt die Reisebranche eine besondere Verantwortung für den Schutz von Kindern.

Das Thema Chancen für Kinder und Jugendliche ist ein Handlungsfeld der Säule Gesellschaftliches Engagement innerhalb der Nachhaltigkeitsstrategie der REWE Group. Mit ihren Aktivitäten in diesem Handlungsfeld verfolgt die REWE Group unter anderem das Ziel, den Schutz von Kindern zu gewährleisten.

Die REWE Group setzt sich darüber hinaus dafür ein, Kinderarbeit systematisch zu bekämpfen. In ihrer Leitlinie für Fairness steht das Thema neben existenzsichernden Löhnen und Einkommen sowie Frauen in der Lieferkette im Fokus. Darüber hinaus hat die REWE Group in ihrer Leitlinie zur Prävention von Kinderarbeit Anforderungen und Maßnahmen mit Blick auf die Prävention und Beseitigung von Kinderarbeit definiert und engagiert sich in zahlreichen Projekten. Um Kinderarbeit auf der Stufe des Rohstoffanbaus zu bekämpfen, setzt das Unternehmen zudem auf international anerkannte Zertifizierungsstandards (für mehr Informationen siehe Abschnitt Kinder- und Zwangsarbeit).

GRI 413: Lokale Gemeinschaften

Managementansatz

Grundsätze

Die DER Touristik vertritt eine sehr ambitionierte Kinderschutzpolitik. 2012 definierte sie Grundsätze, die Kinder des Urlaubslandes sowie Kinder von Gästen schützen und der Wahrung ihrer Rechte innerhalb der Tourismuswirtschaft dienen. Im Fokus liegt dabei die Prävention der sexuellen Ausbeutung von Kindern im Tourismus.

Am 11. März 2016 unterzeichnete Sören Hartmann, Chief Executive Officer (CEO) der DER Touristik Group, im Rahmen der Tourismusmesse ITB in Berlin den Verhaltenskodex „The Code“ zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung. Dieser basiert auf der UN-Menschenrechtserklärung und der UN-Konvention über die Rechte des Kindes. Für seine Umsetzung ist ECPAT Deutschland e. V. verantwortlich, die der DER Touristik als kompetenter Partner zur Seite steht. Mit der Unterzeichnung bekennt sich die DER Touristik zu dem Kodex und verpflichtet sich zur Einhaltung folgender Aspekte, die bereits aktiv und vollständig umgesetzt werden:

  • Einführung einer Richtlinie und von Maßnahmen gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern
  • Durchführung von Mitarbeiterschulungen über die Rechte von Kindern, die Prävention sexueller Ausbeutung sowie das Melden von Verdachtsfällen
  • Vermerk einer Klausel in den Hotelverträgen, dass die sexuelle Ausbeutung von Kindern durchweg abgelehnt und in keinem Falle toleriert wird
  • Bereitstellen von Informationen für Reisende über die Rechte von Kindern, über die Prävention sexueller Ausbeutung sowie über Möglichkeiten, sich durch die Meldung von Verdachtsfällen aktiv am Kinderschutz zu beteiligen
  • Unterstützung von und Zusammenarbeit mit Stakeholdern im Kampf gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern
  • Jährlicher Report über die Umsetzung von „The Code“

Umsetzung

Die Kinderschutzpolitik der DER Touristik wird an allen Destinationen deutlich kommuniziert. Sie ist zudem ein zentraler Themenschwerpunkt innerhalb eines Schulungskonzepts. Dieses sensibilisiert Hotelmitarbeiter:innen und Reiseleiter:innen in den Zielgebieten sowie Mitarbeiter:innen an den Zentralstandorten, in den Zielgebietsagenturen und bei wichtigen Partnern für das Thema. Zudem wird erklärt, wie mit Verdachtsfällen umzugehen ist.

2021 wurde erstmals ein digitales Format für Live-Schulungen in Form von interaktiven Webinaren umgesetzt. Ebenfalls wurden in verschiedenen der bereits ausführlich geschulten Hotels Auffrischungskurse im Rahmen allgemeiner Schulungsmaßnahmen umgesetzt. Zudem nahmen Mitarbeiter:innen an Online-Schulungen der DER Touristik, durchgeführt von ECPAT, teil. 2021 wurden insgesamt 62 Personen (2020: 0 aufgrund Corona; 2019: 102) zu diesem Thema geschult. Die vergleichsweise geringe Zahl ist erneut der Corona-Pandemie zuzuschreiben – die regulären Schulungen wurden erst zum Ende des Berichtsjahres wieder aufgenommen.

Im Rahmen ihres Informations- und Präventionskonzepts engagiert sich die DER Touristik mit weiteren Sensibilisierungsmaßnahmen. So werden beispielswiese Reisende aktiv über den Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung im Urlaub informiert. Im Mittelpunkt steht dabei die Meldeplattform „nicht-wegsehen.net“, die von ECPAT Deutschland betrieben wird und über die Urlauber:innen Verdachtsfälle und Straftaten melden können.

Des Weiteren beteiligt sich die DER Touristik an der Gestaltung regelmäßig stattfindender Destinationsworkshops, die vom Deutschen Reiseverband und ECPAT organisiert werden. Teilnehmer:innen sind verschiedene Stakeholder der Dienstleister vor Ort, mit denen die DER Touristik unter anderem auch in Kinderschutz-Gremien auf multilateraler Ebene zusammenarbeitet. Diese werden im Rahmen der Workshops über sexuelle Ausbeutung von Kindern im Tourismus informiert, entsprechend sensibilisiert und im Hinblick auf den Umgang mit Verdachtsmomenten und Möglichkeiten zur Prävention geschult. Zuletzt fanden 2018 zwei Workshops in Indonesien statt. Die für 2020 und 2021 geplanten Workshops mussten aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden. Die Fortführung ist für 2022 geplant.

GRI 413-2

Geschäftstätigkeiten mit erheblichen tatsächlichen oder potenziellen negativen Auswirkungen auf lokale Gemeinschaften

Risikoanalyse

2021 führte die DER Touristik eine Risikoanalyse durch, um Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie die Rechte von Kindern innerhalb der touristischen Wertschöpfungskette und bei ihren Partnern durch verschiedene Aktivitäten berührt werden. Diese zeigte zum einen, dass relevante Risiken in diesen Wertschöpfungsketten gut identifiziert werden können. Zum anderen konnte abgeleitet werden, dass Produkte und Aktivitäten des gemeindebasierten Tourismus oder Besuche bei sozialen Projekten eine Spezifizierung der bisherigen Regelungen erfordern. Hierzu sollen Maßnahmen und Anforderungen formuliert werden, um existierende Strategien zum Kinderschutz über die Prävention der sexuellen Ausbeutung hinaus zu komplementieren und in einen weiter gefassten Ansatz zu überführen. Somit sollen unterschiedliche, mit touristischen Aktivitäten verbundene Risiken minimiert und dabei der Nutzen für Gemeinschaften über die Teilhabe an der touristischen Wertschöpfung maximiert werden.

Es ist zudem geplant, die Kinderschutzpolitik der DER Touristik durch eine umfängliche Richtlinie zu ergänzen. Basierend auf den Kinderschutz-Grundsätzen der DER Touristik soll die Richtlinie Anforderungen für unterschiedliche Aktivitäten spezifizieren und die Zielgruppen erweitern. Des Weiteren soll sie für interne und externe Stakeholder umfassende Informationen bereitstellen und über Projekte, Kampagnen und Branchendialog Veränderungen bewirken. Im Vordergrund stehen dabei die Reduzierung von Risiken und die Stärkung der Rechte von Kindern und Familien. Die Erweiterung der Strategie zum Kinderschutz steht auch im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie und der damit gestiegenen Vulnerabilität von Kindern weltweit.