REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2020

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrte Partner und Freunde der REWE Group,

es war ein Highlight unseres digitalen REWE Group-Dialogforums im Mai 2021:
Prof. Dr. Richard David Precht hielt seine Keynote mit dem Titel „Chancen und Herausforderungen der Nachhaltigkeit in Pandemie-Zeiten“. Und wir durften miterleben, wie der Philosoph und Publizist mit großer Leidenschaft für einen realistischen Optimismus plädierte – als Voraussetzung dafür, die vor uns liegenden, gewaltigen ökologischen und sozialen Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen. Seine konkreten Beispiele haben mich beeindruckt und vor allem sein Satz: „Unternehmen können der Politik zeigen, was möglich ist.“

Wir in der REWE Group sollten diesen Satz als Auftrag und Ansporn verstehen. Tatsächlich ist es so, dass wir bereits in der Vergangenheit allein und gemeinsam in Brancheninitiativen aktiv geworden sind und der Politik gezeigt haben, was möglich ist. Prominente Beispiele sind die Initiative Tierwohl, unser Engagement gegen das Kükentöten, der Verzicht auf Plastikverpackungen oder die Reduktion von Zucker, Salz und Fett in unseren Eigenmarken-Produkten. Ganz aktuell haben wir mit der „Very Fair“-Schokolade bei REWE und PENNY ein wichtiges Zeichen gesetzt. Der Kakao für diese Eigenmarken-Tafelschokolade stammt aus einem wegweisenden Projekt mit einer Kooperative in Ghana, das sich um existenzsichernde Einkommen in diesem Teil der Lieferkette kümmert. All dies sind zentrale Projekte und Initiativen, die unser Kerngeschäft im Lebensmitteleinzelhandel betreffen und von hoher Relevanz für unsere Kund:innen sind.

Wir wollen und sollten nicht warten, bis uns immer und überall regulatorische und gesetzliche Leitplanken den Weg zu einer Problemlösung aufzeigen. Ich bin der Auffassung, dass wir als Unternehmen selbst die Verantwortung haben und vor allem auch die Innovationskraft und das Engagement, um ökologische und soziale Probleme anzupacken und Lösungen zu entwickeln.

Wir sind in diesem Bemühen sicher nicht perfekt; wir machen auch Fehler und schlagen mitunter Pfade ein, die sich bei näherer Betrachtung als nicht zielführend erweisen. Beim Engagement für eine faire und nachhaltige Landwirtschaft in Deutschland und Europa zum Beispiel sind auch wir als Unternehmen gefordert, uns noch stärker einzubringen.

Aber wir haben uns aus Überzeugung und Verantwortung auf den Weg gemacht, ein immer nachhaltigeres Unternehmen zu werden. Und dies bereits vor fast 15 Jahren. Wir sind auf diesem Weg auch lern- und kritikfähiger geworden. Und deshalb wissen wir: Wir werden keinen Punkt erreichen, an dem wir sagen können: „mission completed“. Sondern nachhaltigeres Wirtschaften (und Leben) ist ein dauernder Prozess mit stets neuen Herausforderungen.

Gerade die Corona-Pandemie hat uns vor Augen geführt, wie schnell vermeintliche Gewissheiten und Gewohnheiten verloren gehen können. Als Unternehmen hat uns die Pandemie in nie da gewesener Weise gefordert. Die uneingeschränkte Versorgung der Verbraucher:innen mit hochwertigen, sicheren Lebensmitteln war gerade in der Zeit des ersten Lockdowns eine große Kraftanstrengung für alle Beteiligten – vor allem für unsere Mitarbeiter:innen in den Märkten und in der Logistik. Zudem belastete der nahezu komplette Zusammenbruch des Reiseveranstalter-Marktes unsere DER Touristik Gruppe schwer.

Mein besonderer Dank gilt allen Mitarbeiter:innen der REWE Group im In- und Ausland ebenso wie unseren selbstständigen Kaufleuten, die – jeder an seinem Platz – mit großartigem Engagement dafür gesorgt haben, dass unser Unternehmen bis hierhin weitgehend unbeschadet durch die Krise gekommen ist. Und mehr noch: Mit unseren Leistungen im Lebensmittelhandel und im Baumarktgeschäft haben wir ganz entscheidend dazu beigetragen, dass der „Laden am Laufen gehalten“ werden konnte. Zugleich sind der Zusammenhalt und die Solidarität in unserer genossenschaftlichen Gruppe stärker denn je.

Was wir zudem sehr deutlich gespürt haben: Die Nachfrage nach nachhaltigeren Produkten ist in der Pandemie enorm gewachsen. Gesunde und ausgewogene Ernährung mit Bio- und Regional-Produkten sowie mit Lebensmitteln, deren Herkunft und Verarbeitung transparent als nachhaltiger zu erkennen sind – zum Beispiel durch unser PRO PLANET-Label –, hat bei den Menschen sehr an Bedeutung gewonnen.

Wir wissen aus unserer Marktforschung, dass die Pandemie das Bedürfnis der Verbraucher:innen nach Nachhaltigkeit und die Orientierung zu sinnhaftem Konsum weiter verstärkt hat.

Mit einem Blick über die aktuelle Krise hinaus müssen wir aber auch feststellen, dass trotz Corona der Klimawandel und der Verlust von Artenvielfalt nach wie vor die größten Bedrohungen sind. Und sie haben eine unmittelbare Bedeutung für die Erzeugung von Lebensmitteln.

Wir bei der REWE Group werden im Hinblick auf unser eigenes Klimaziel nochmals nachschärfen: Bis zum Jahr 2040 wollen wir klimaneutral werden. Das ist – nach der bisher schon von uns erreichten Reduktion von Treibhausgasemissionen – unsere neue, vom Vorstand beschlossene Zielvorgabe.

Einen positiven Blick in die Zukunft zu wagen, bedeutet im Sinne von Richard David Precht nicht Naivität, sondern sich auf die Chancen zu fokussieren. Das werden wir weiterhin tun – bei der Umsetzung neuer Regeln wie dem Lieferkettengesetz, von dem ich hoffe, dass es uns nicht mit überbordender Bürokratie belastet; ebenso bei neuen Initiativen in den vier Säulen unserer Nachhaltigkeitsstrategie: Grüne Produkte; Energie, Klima und Umwelt; Mitarbeiter:innen; Gesellschaftliches Engagement.

Ich wünsche Ihnen eine aufschlussreiche und interessante Lektüre dieses Nachhaltigkeitsberichts 2020!

Ihr Lionel Souque
Vorstandsvorsitzender