REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2020

Wesentlichkeitsanalyse

Vom Lebensmitteleinzelhandel über Baumärkte bis zur Touristik – die REWE Group ist mit ihren Geschäfts- und Tätigkeitsfeldern breit aufgestellt. Ebenso vielfältig sind auch die potenziell wesentlichen Nachhaltigkeitsaspekte, die das Unternehmen betreffen können. Neben anderen Instrumenten wie beispielsweise produktbezogenen Risikoanalysen ist die Wesentlichkeitsanalyse eine Methode, mit der die REWE Group wesentliche Themen identifiziert und Schwerpunkte bei der Maßnahmenentwicklung setzt. Dabei spielen insbesondere die Einschätzung der internen und externen Stakeholder sowie die Auswirkungen der Unternehmenstätigkeit auf Mensch, Tier und Umwelt eine bedeutende Rolle.

GRI 102-46:

Vorgehen zur Bestimmung des Berichtsinhalts und der Abgrenzung der Themen

Um sich veränderten Gegebenheiten anzupassen, hat die REWE Group ihre Wesentlichkeitsanalyse im Jahr 2020 aktualisiert. Die Ergebnisse der vorangegangenen Analyse aus dem Jahr 2018 bildeten hierbei die Basis. So wurden die ursprünglich 18 Nachhaltigkeitsthemen vom Bereich Corporate Responsibility auf Aktualität, Relevanz und fehlende Schwerpunkte überprüft. Hierfür wurde die Themenliste mit unterschiedlichen Frameworks, wie den GRI-Standards oder dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex, abgeglichen. Aus Gründen der Verständlichkeit wurden ausgewählte Themen hinsichtlich ihrer Begrifflichkeit angepasst. Das Thema „Bewusste Ernährung“ wurde für ein besseres Verständnis in „Förderung gesunder Ernährung“ und „Ausweitung des Angebots nachhaltiger Produkte“ unterteilt. Das Ergebnis stellt eine konsolidierte Liste von 19 Nachhaltigkeitsthemen dar.

Neben diesen 19 Themen hat die REWE Group fünf weitere Themen definiert. Diese wurden jedoch im Rahmen der Analyse nicht zur Diskussion gestellt, da sie übergeordnete Managementkonzepte betreffen, die für die Geschäftstätigkeit der REWE Group besonders relevant sind, oder weil das Unternehmen aufgrund der Anforderungen der GRI hierzu Informationen offenlegen muss:

  • Nachhaltigkeit in der Unternehmensführung
  • Integrität und Compliance
  • Faire Geschäftsbeziehungen
  • Dialog
  • Ökonomische Performance

In einem zweiten Schritt führte die REWE Group eine onlinebasierte Befragung von Konsument:innen, Mitarbeiter:innen sowie weiteren Fachstakeholdern durch. Insgesamt 6.150 Stakeholder in Deutschland und Österreich* schätzten die 19 Themen nach ihrer Relevanz ein. Im Ergebnis bewerteten die Befragten die Themen Tierwohl, Umweltfreundlichere Verpackung, Klimaschutz, Faire Arbeitsbedingungen in den eigenen Betrieben und Ökologische Aspekte in der Lieferkette als besonders relevant für die REWE Group. Im Vergleich zur letzten Stakeholderbefragung aus dem Jahr 2018 nahm das Thema Tierwohl noch mal an Relevanz zu.

Zusätzlich zu der Priorisierung der 19 Themen hatten die Befragten die Möglichkeit, ihre konkreten Erwartungen zu ihrem „Top-Thema“ offen zu äußern. Mit Blick auf das am relevantesten eingestufte Thema Tierwohl wurde insbesondere der Wunsch nach einer größeren Auswahl an Tierprodukten mit sehr guten Haltungsbedingungen geäußert. Und auch die Auslistung von Tierprodukten mit schlechter Tierhaltung stellt eine zentrale Erwartung dar. In Bezug auf Umweltfreundlichere Verpackung nannte ein Großteil der Befragten die Vermeidung von Plastik, die Reduktion der Verpackungsmengen, die Ausweitung von Mehrweglösungen und die Verbesserungen von Verpackungen unter ökologischen Gesichtspunkten. Das Thema Klimaschutz sahen die Befragten als Querschnittsthema und erwarten von der REWE Group, dass Klimaschutz eine Grundlage bei allen Entscheidungen darstellt. Insbesondere sind kurze Lieferwege im Zusammenhang mit einem stärkeren Angebot regionaler Produkte für eine Vielzahl der Befragten ein wichtiger Faktor.

Ergänzend dazu wurden die Teilnehmer:innen gebeten, die Leistung der REWE Group bei ihrem „Top-Thema“ zu bewerten. Insgesamt bewertete mindestens die Hälfte der Befragten die Leistung der REWE Group hinsichtlich jedes der 19 Themen mit „befriedigend“ (Schulnote 3) oder besser. Die höchste Zufriedenheit äußerten die Befragten beim Thema Aus- und Weiterbildung: 77 Prozent gaben hier die Schulnote 3 oder besser. Platz zwei und drei der Leistungsbewertung belegten die Ausweitung des Angebots nachhaltiger Produkte und die Arbeitssicherheit und Gesundheit. Die Leistung der REWE Group hinsichtlich der Themen Nachhaltigere Logistik, Digitalisierung und Nachhaltigkeit sowie Tierwohl wurde hingegen am wenigsten positiv bewertet.

Die Ergebnisse der Wesentlichkeitsanalyse fließen neben anderen Informationen in das jährliche Review der Nachhaltigkeitsstrategie ein (für weitere Informationen siehe Abschnitt Nachhaltigkeitsstrategie).

Relevanz aus Sicht der internen und externen Stakeholder

Abschließend wurden die Ergebnisse der Wesentlichkeitsanalyse dem Top-Management in verschiedenen Gremien und Arbeitsgruppen vorgestellt.

* Anzahl der Teilnehmer:innen an der Konsumenten- und Mitarbeiterbefragung nach Gruppen: 3.848 Deutschland (extern), 655 Deutschland (intern), 505 Österreich (extern), 1.144 Österreich (intern). Für die Berechnung des Gesamtergebnisses wurden die Gruppen gewichtet.

GRI 102-47:

Liste der wesentlichen Themen

Themen der Wesentlichkeitsanalyse Zugeordnete GRI-Themen
Grüne Produkte
Ausweitung des Angebots nachhaltiger Produkte:
Zum Beispiel größerer Produktanteil mit Nachhaltigkeitslabels und -zertifizierungen (u. a. Bio, Regionalität, Fairtrade)
Beschaffungspraktiken (GRI 204); Anteil des Einkaufsvolumens,
welches nach anerkannten Standards zertifiziert ist (GRI FP2)
Förderung gesunder Ernährung:
Zum Beispiel Produkte mit weniger Zucker, Nährwertkennzeichnung oder Ernährungstipps für eine vielfältigere und gesündere Ernährung
Gesunde und erschwingliche Lebensmittel (FP)
Ökologische Aspekte in der Lieferkette:
Zum Beispiel Berücksichtigung ökologischer Aspekte in der Lieferkette/beim Wareneinkauf durch die REWE Group (u. a. Reduktion von Pestiziden und Chemikalien zum Schutz der biologischen Vielfalt, Schutz von Gebieten mit Wasserstress, entwaldungsfreie Flächennutzung)
Umweltbewertung der Lieferanten (GRI 308)
Soziale Aspekte in der Lieferkette:
Zum Beispiel Berücksichtigung von sozialen Aspekten in der Lieferkette/beim Wareneinkauf durch die REWE Group (u. a. im Hinblick auf Menschenrechte, Vermeidung von Zwangs- und Kinderarbeit, angemessene Entlohnung)
Soziale Bewertung der Lieferanten (GRI 414),
Prüfung auf Einhaltung der Menschenrechte (GRI 412)
Tierwohl:
Zum Beispiel Einhaltung und Verbesserung von Tierschutzstandards (u. a. mehr Platz für Tiere, keine Kastration von Schweinen ohne Betäubung, kein Kürzen von Schnäbeln), Schutz von Tierrechten an den Reisedestinationen
Tierwohl (FP10)
Transparenz und Kundensensibilisierung:
Zum Beispiel Kennzeichnung von Produkten und Dienstleistungen (u. a. verständliche Angaben zu Haltungsbedingungen, Rückverfolgbarkeit, Nachhaltigkeitssiegel und -label bei Produkten und Reisen)
Nachhaltigen Konsum fördern (GRI 417)
Umweltfreundlichere Verpackung:
Zum Beispiel Vermeidung, Verringerung und Verbesserung von Verpackungen (u. a. durch plastikfreie oder unverpackte Ware, Mehrwegverpackungen und Rücknahmesysteme, Wiederverwertung von Verpackungen)
Materialien (GRI 301)
Energie, Klima und Umwelt
Betriebliche Ressourcenschonung:
Zum Beispiel Energieeffizienz (u. a. LED-Beleuchtung und effiziente Kühlgeräte in den Märkten), nachhaltigeres Bauen (u. a. Märkte nach dem Standard der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), Hotels), Reduktion des Wasserverbrauchs, konsequentes Abfallmanagement
Materialien (GRI 301), Green Building (RG1)
Klimaschutz:
Zum Beispiel Vermeidung von CO2-Emissionen und anderen Treibhausgasemissionen (u. a. durch klimafreundlichere Produktangebote, erneuerbare Energien, klimaschonende Kältemittel bei Kühlanlagen)
Emissionen (GRI 305)
Nachhaltigere Logistik:
Zum Beispiel optimierte Routenplanung, optimale Fahrzeugnutzung (Fahrzeugauslastung), Modernisierung des eigenen Fuhrparks
Energie (GRI 302), Emissionen (GRI 305)
Mitarbeiter:innen
Arbeitssicherheit und Gesundheit:
Zum Beispiel Vermeidung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten (u. a. durch Präventionsmaßnahmen bei körperlich anspruchsvollen Tätigkeiten), Förderung der Gesundheit (u. a. durch Sport- und Entspannungsangebote)
Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz (GRI 403)
Aus- und Weiterbildung:
Zum Beispiel vielfältige Einstiegs- und Ausbildungsmöglichkeiten, bedarfsorientierte Weiterbildung (Präsenz und digital), regelmäßige Beurteilung und Feedback, vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten
Aus- und Weiterbildung (GRI 404)
Beruf und Lebensphasen:
Zum Beispiel Sicherstellung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie/Privatleben (u. a. flexible Arbeitsmodelle wie Homeoffice, Teilzeit, Gleitzeit, Pflege- bzw. Familienpflegezeiten, Sabbaticals), Unterstützung bei der Wiedereingliederung
Beschäftigung (GRI 401)
Faire Arbeitsbedingungen in den eigenen Betrieben:
Zum Beispiel Sicherstellung und Messung der Mitarbeiterzufriedenheit, faire Löhne, Recht auf Mitbestimmung
Beschäftigung (GRI 401), Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Verhältnis (GRI 402)
Vielfalt und Chancengleichheit:
Zum Beispiel Einstellung, Entlohnung und Entwicklungsmöglichkeiten (Chancengleichheit) von Mitarbeiter:innen unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Behinderung, Religionszugehörigkeit oder Weltanschauung, Alter oder sexueller Orientierung, Sensibilisierung von Mitarbeiter:innen bzgl. Antidiskriminierung
Diversität und Chancengleichheit (GRI 405), Diskriminierungsfreiheit (GRI 406)
Gesellschaftliches Engagement
Engagement im Bereich Ernährungsbildung und Bewegung:
Zum Beispiel Unterstützung von Projekten zur Förderung von ausgewogener Ernährung und Bewegung (u. a. an Kindergärten)
Indirekte ökonomische Auswirkungen (GRI 203)
Engagement im Bereich Artenvielfalt und Umweltschutz:
Zum Beispiel Förderung von Projekten zum Umweltschutz und für den Erhalt der biologischen Vielfalt
Biodiversität (GRI 304)
Unterstützung von bedürftigen Menschen:
Zum Beispiel Unterstützung von Kindern, Jugendlichen, Geflüchteten, Wohnungslosen und älteren Menschen
Lokale Gemeinschaften (GRI 413)
Unternehmen
Dialog Allgemeine Angaben (GRI 102)
Digitalisierung & Nachhaltigkeit:
Zum Beispiel verantwortungsvoller Einsatz digitaler Lösungen (u.a. durch Rückverfolgung von Produkten mehr Transparenz in der Lieferkette schaffen), gewissenhafter Umgang mit Kundendaten
Datenschutz (GRI 418),
Digitale Verantwortung (RG 2)*
Faire Geschäftsbeziehungen Wettbewerbswidriges Verhalten (GRI 206)
Integrität und Compliance Korruptionsbekämpfung (GRI 205)
Politische Einflussnahme (GRI 415)
Sozioökonomische Compliance (GRI 419)
Schutz der Kundendaten (GRI 418)
Nachhaltigkeit in der Unternehmensführung Allgemeine Angaben (GRI 102)
Ökonomische Performance Wirtschaftliche Leistung (GRI 201)

* Das Thema „Digitale Verantwortung“ ist kein explizites Thema der GRI Standards. Die Abkürzung „RG 2“ stellt daher keine Verbindung zu den GRI Standards dar, sondern steht für einen eigenen REWE Group-Indikator.

GRI 102-49:

Änderungen bei der Berichterstattung

Siehe Bestimmung des Berichtsinhalts und Themenabgrenzung

Weitere Themen aus diesem Bereich:

REWE Group Porträt

GRI 102-1 – 102-7, 102-10

Mitarbeiter­struktur

GRI 102-8, 102-41

Lieferkette

GRI 102-9

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GRI 102-11

Brancheninitiativen und Mitgliedschaften

GRI 102-12, 102-13

Grundsätze und Leitlinien

GRI 102-16

Nachhaltig­keits­strategie

GRI 102-18 – 102-21

Stakeholder­dialog

GRI 102-40, 102-42 – 102-44

Wesentlichkeitsanalyse

GRI 102-45 – 102-47, 102-49

Berichtsprofil

GRI 102-48, 102-50 – 102-56

Wirtschaftliche Leistung

GRI 201

Compliance

GRI 205, 206, 307, 419

Steuern

GRI 207

Zusammenarbeit mit Politik

GRI 415

Datenschutz

GRI 418

Digitale Verantwortung

RG 2