REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2020

Tierwohl

Sowohl im Lebensmitteleinzelhandel als auch in der Touristik spielt die Haltung und Nutzung von Tieren eine bedeutende Rolle. Tierische Produkte wie Fleisch oder Eier sind ein fester Bestandteil heutiger Ernährungsgewohnheiten – die Nutztierhaltung ist damit ein wesentlicher Zweig der landwirtschaftlichen Produktion. In vielen Urlaubsdestinationen ist außerdem die Interaktion mit Tieren Teil des lokalen Unterhaltungsangebots. Oftmals leiden sie jedoch unter schlechten Lebensbedingungen oder einem nicht artgerechten Umgang. Für die Tourist:innen sind diese Auswirkungen nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Die aktuelle Diskussion in der Gesellschaft zum Thema Tierwohl zeigt, dass Verbraucher:innen und Urlauber:innen eine artgerechte Haltung der Tiere immer wichtiger wird – auch die Stakeholder der REWE Group bewerten das Thema als besonders relevant für das Unternehmen. Im Fokus steht für sie eine größere Auswahl an Tierprodukten mit sehr guter Tierhaltung (für mehr Informationen siehe Abschnitt Wesentlichkeitsanalyse).

Um Nachhaltigkeit als festen Bestandteil in die Unternehmensprozesse zu integrieren, hat die REWE Group eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie mit den vier zentralen Säulen Grüne Produkte, Energie, Klima und Umwelt, Mitarbeiter:innen und Gesellschaftliches Engagement entwickelt. Hierzu wurde die Strategie Grüne Produkte 2030 verabschiedet, um Nachhaltigkeit noch stärker in die Beschaffungsprozesse zu integrieren. Im Rahmen der Handlungsfelder Mensch, Tier und Umwelt entwickelt das Handels- und Touristikunternehmen wirksame Maßnahmen in der Säule Grüne Produkte, um ökologische und soziale Auswirkungen zu reduzieren. Mit Blick auf das Handlungsfeld Tier verfolgt die REWE Group das Ziel, Tierwohl in ihren Lieferketten und an den Urlaubsdestinationen der DER Touristik zu fördern.

GRI FP10: Physische Veränderung an Tieren

Managementansatz

In ihrer Leitlinie für Nachhaltiges Wirtschaften bekennt sich die REWE Group zur Einhaltung und Verbesserung von Tierschutzstandards sowie zum Ausbau des Tierschutzes in der Tierhaltung. Um dieser Verpflichtung nachzukommen, veröffentlichte die REWE Group 2019 die Leitlinie für Tierwohl. Sie löst das Leitbild Nutztierhaltung der Zukunft aus dem Jahr 2015 ab, dokumentiert die Haltung der REWE Group zum Thema Tierwohl und legt Ziele sowie Maßnahmen für einzelne Nutztierarten fest. Damit zeigt die Leitlinie die verschiedenen Anforderungen auf, die eine zukunftsfähige Landwirtschaft in Einklang bringen muss. Dazu zählen neben Tierwohl auch Umwelt- und Klimaschutz, Ressourceneffizienz, Lebensmittelsicherheit und Wirtschaftlichkeit. Sie ist ein verbindlicher Handlungsrahmen für Geschäftspartner und Stakeholder der REWE Group und definiert die Ansprüche des Unternehmens an eine nachhaltigere Erzeugung von Waren tierischen Ursprungs. Die REWE Group in Österreich hat 2016 eine eigene Leitlinie Tierwohl veröffentlicht, die die wesentlichen Maßnahmen und Handlungsfelder für Österreich darstellt.

Im Jahr 2020 hat die REWE Group damit begonnen, ihre Strategie für das Handlungsfeld Tier zu überarbeiten und neu auszurichten. So verfolgt das Unternehmen das Ziel, mehr Tierwohl in den Lieferketten zu verankern. Dabei orientierte sich die REWE Group an einem vierstufigen Prozess. Dieser dient dazu, die wesentlichen Auswirkungen auf das Tierwohl zu identifizieren und geeignete Maßnahmen zur Verbesserung in den Lieferketten der Produkte umzusetzen:

Schritt 1: Mit ausführlichen Analysen werden Auswirkungen identifiziert. Zu diesem Zweck hat die REWE Group im Jahr 2020 Hot Spots für das Handlungsfeld Tier analysiert, Sortiment und Eigenmarken genauer betrachtet und die für die Stakeholder relevanten Themen ermittelt.

Schritt 2: Aus den im ersten Schritt gewonnenen Erkenntnissen werden Schwerpunkte im Rahmen eines Workshops unter Beteiligung von Stakeholdern abgeleitet. So wurde beispielsweise das Fokusthema Haltungsbedingungen bestätigt. Weitere Fokusthemen werden aktuell noch erarbeitet.

Schritt 3: Die Themen werden mit entsprechenden Maßnahmen bearbeitet, um das Tierwohl zu fördern. Diese Maßnahmen werden durch einen Managementansatz auf drei verschiedenen Ebenen umgesetzt:

  1. Interne Zusammenarbeit: beispielsweise durch Schulung von Einkäufer:innen
  2. Zusammenarbeit in der Lieferkette: beispielsweise durch Anforderungen an Lieferanten oder die Durchführung von Projekten
  3. Zusammenarbeit mit Stakeholdern: beispielsweise durch die Beteiligung und das Mitwirken an Brancheninitiativen

Schritt 4: Die durchgeführten Aktivitäten werden überwacht und evaluiert. Die Erkenntnisse aus dem Monitoring fließen in die Weiterentwicklung der Maßnahmen ein.

Tierwohl bei der DER Touristik
Um dem Anspruch nach tierfreundlichen Angeboten gerecht zu werden, gilt für die gesamte DER Touristik Gruppe eine verbindliche Tierschutzrichtlinie. Sie beinhaltet eine umfassende Gruppenstrategie und einen Aktionsplan mit verbindlichen Maßnahmen. Bis 2022 soll die Anpassung des gesamten Produktportfolios des Konzerns an etablierte Tierschutzstandards abgeschlossen sein. So verfolgt die DER Touristik das Ziel, Tiere vor Ausbeutung und Vernachlässigung zu schützen. Zusammen mit Expert:innen und Branchenteilnehmer:innen arbeitet die DER Touristik daran, Standards zum Schutz der Tiere im Tourismus zu verbessern, lokale Anbieter:innen für das Thema zu sensibilisieren und sie dabei zu unterstützen, tierfreundlichere Einrichtungen zu gestalten. Der Fokus liegt auf Tierarten, die besonders durch touristische Aktivitäten betroffen sind. Um zu überprüfen, ob die Anforderungen eingehalten werden, werden ausgewählte Attraktionen nach bestimmten Kriterien, angelehnt an die Global Welfare Guidance for Animals in Tourism des britischen Reiseverbands ABTA, durch externe Audits überprüft. Beispielswiese wurden Elefantenreiten und Elefantenshows bereits komplett aus den Programmen der Veranstalter der DER Touristik genommen. Um die Anbieter:innen bei der Verbesserung der Standards für Tiere zu unterstützen, werden auch die Mitarbeiter:innen der DER Touristik, insbesondere die der weltweit tätigen Zielgebietsagenturen, hierzu geschult.

Projekte und Maßnahmen zur Verbesserung des Tierwohls

Konkrete Maßnahmen zum Tierwohl setzt die REWE Group im Rahmen von drei Ansätzen um:

1. Interne Zusammenarbeit
Ziel ist es, nachhaltige Beschaffung weiter in die Einkaufsprozesse der REWE Group zu integrieren, um Nachhaltigkeitsaspekte bei jeder Einkaufsentscheidung zu berücksichtigen. Dabei legt das Unternehmen durch strategische und organisatorische Projekte die Basis für konkrete Aktivitäten. Die REWE Group trägt beispielsweise durch die Bereitstellung von Risikoanalysen und Briefings, die Abstimmung von verbindlichen Zielen mit den Einkaufsbereichen sowie Schulungen zu Nachhaltigkeitsthemen zur internen Sensibilisierung bei. Interne Reportings ermöglichen eine kontinuierliche Weiterentwicklung innerhalb der einzelnen Nachhaltigkeitsthemen. Die externe Kommunikation schafft Transparenz gegenüber Stakeholdern.

2. Zusammenarbeit in der Lieferkette
Bei der Zusammenarbeit mit ihren Lieferanten setzt die REWE Group auf die drei Ebenen: Verpflichtungen durch konkrete Anforderungen, Kontrollen durch Audits und Standards sowie die Entwicklung im Rahmen von Projekten.

Verbesserte Haltungsbedingungen
Die REWE Group setzt sich seit Jahren für die Verbesserung branchenweiter Tierwohlstandards ein. Dazu zählt auch eine transparente und vergleichbare Kennzeichnung der Produkte. REWE und PENNY kennzeichnen ihr gesamtes Frischfleisch-Eigenmarkensortiment aus den Selbstbedienungsbereichen mit der vierstufigen Haltungsform. Sie gibt Verbraucher:innen auf der Produktverpackung einen Überblick darüber, wie die Tiere, von denen das Fleisch des jeweiligen Produkts stammt, gehalten wurden. Die Kennzeichnung ist aktuell für die Tierarten Hähnchen, Pute, Schwein und Rind verfügbar – weitere Tierarten folgen im Jahr 2021.

Das System besteht aus folgenden Stufen:
Stufe 1: Stallhaltung
Diese Haltungsform entspricht den gesetzlichen Anforderungen bzw. dem QS- oder einem vergleichbaren Standard.
Stufe 2: Stallhaltung Plus
Die Tiere werden mit höheren Tierwohlstandards wie etwa mindestens zehn Prozent mehr Platz im Stall und zusätzlichem Beschäftigungsmaterial gehalten. Die Kriterien der Stufe 2 entsprechen den Anforderungen der Initiative Tierwohl.
Stufe 3: Außenklima
Diese Haltungsform bietet den Tieren unter anderem noch mehr Platz und Frischluftkontakt.
Stufe 4: Premium
Die Tiere haben noch mehr Platz und müssen zwingend Auslaufmöglichkeiten haben. Bio-Fleisch wird in diese Stufe eingeordnet.

Schon heute verkauft die REWE Group bei ihren Eigenmarken lediglich Frischfleisch von Hähnchen und Puten, die PRO PLANET-zertifiziert sind und mindestens der Haltungsform Stufe 2 entsprechen.
Mit anspruchsvollen Zielen zur Haltungsform will die REWE Group das Tierwohl in den Sortimenten weiter ausbauen:

Frischfleisch bei REWE im Sortiment der Bedientheke:
  • 50 Prozent des Frischfleisches mindestens auf Haltungsform Stufe 2 bis Ende 2021 umstellen
Eigenmarken-Frischfleisch-Artikel (Rind, Schwein und Geflügel) bei REWE und PENNY in Deutschland im Selbstbedienungssortiment sowie im Sortiment der Bedientheke:
  • 100 Prozent der Eigenmarken-Frischfleisch-Artikel mindestens auf Haltungsform Stufe 2 bis Ende 2025 umstellen
  • 100 Prozent der Eigenmarken-Frischfleisch-Artikel mindestens auf Haltungsform Stufe 3 und Stufe 4 bis Ende 2030 umstellen
Geflügelfleischprodukte bei REWE und PENNY in Deutschland im Selbstbedienungssortiment sowie im Sortiment der Bedientheke:
  • Verdopplung des Anteils der Geflügelfleischprodukte mit Haltungsform Stufe 3 und 4 bis Ende 2023
  • Mindestens 20 Prozent des Geflügelfleischsortiments in der Haltungsform Stufe 3 und 4 bis Ende 2026
Wurstsortiment* bei REWE und PENNY (Rind, Schwein und Geflügel) in Deutschland im Selbstbedienungssortiment:
  • 50 Prozent des Wurstsortiments auf Haltungsform Stufe 2 bis Ende 2025 umstellen

* inkl. verarbeiteter Fleischwaren (TK, Konserven und Convenience mit einem Fleischanteil von >50 Prozent)

Bessere Standards bei „Fair zum Tier“

Die REWE Group in Österreich bietet unter dem Label „Fair zum Tier“ Fleisch- und Molkereiprodukte sowie Eier an, die aus konventioneller Tierhaltung stammen. Die höheren Tierwohlstandards betreffen Haltung, Transport und Schlachtung und liegen deutlich über den gesetzlichen Bestimmungen. In der Schweineaufzucht beispielsweise werden um- bzw. neu gebaute Ställe eingesetzt, da die Richtlinien ein Verbot von Vollspaltenböden, mehr Platz und den Zugang ins Freie vorschreiben. Darüber hinaus dürfen Eingriffe am Ferkel, wie die Kastration oder das Kupieren des Schwanzes, nicht ohne vorangehende Schmerzausschaltung, Betäubung sowie Schmerznachbehandlung durchgeführt werden. Alle Tiere unter „Fair zum Tier“ werden mit gentechnikfreiem Futter gefüttert, welches zum Großteil aus Österreich stammt. Die Einhaltung der Standards wird jährlich kontrolliert.

Keine betäubungslose Ferkelkastration

Bei nicht kastrierten männlichen Schweinen kann sich mit der Geschlechtsreife ein strenger Geruch entwickeln, der auch auf das Fleisch übergeht. Daher werden männliche Ferkel etwa sieben Tage nach der Geburt kastriert – in der Vergangenheit erfolgte dies in der Regel ohne Betäubung. Seit Anfang 2021 ist die betäubungslose Ferkelkastration gesetzlich verboten. Die REWE Group befürwortet dieses Verbot und konnte die Anforderungen bereits im Vorfeld bei der Mehrheit der Zulieferbetriebe umsetzen, indem eine Umstellung auf Alternativmethoden erfolgte. In diesem Zusammenhang akzeptiert die REWE Group explizit auch das Fleisch von geimpften Tieren. Bis Ende 2019 wurden gemeinsam mit Landwirt:innen, Schlacht- und Verarbeitungsunternehmen Projekte zur Impfung gegen Ebergeruch umgesetzt. Die Impfung verhindert, dass die männlichen Ferkel ab der Geschlechtsreife ein Hormon entwickeln, das dem Fleisch einen unangenehmen Geruch verleihen kann.

Förderung einer alternativen Putenrasse

Die Geflügelmast nach ökologischen Richtlinien bringt besondere Herausforderungen mit sich. So sind herkömmliche Putenrassen für die ökologische Geflügelmast nur bedingt geeignet, da es durch ihr schnelles Wachstum zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen kann und die Puten sich nicht für die eigene Nachzucht eignen. REWE Bio unterstützt die Biofino GmbH daher auf einem richtungsweisenden Weg in der Züchtung. Durch die Kreuzung von englischen Freilandputen der Rasse Auburn und einer konventionellen Hybridrasse wurde eine neue Rasse gezüchtet, die sich durch besondere Robustheit und Vitalität auszeichnet und sich sehr gut für die Aufzucht in Auslaufhaltung und Fütterung mit Biofutter eignet. In der Aufzucht stehen jedem Tier rund zwölf Quadratmeter Auslauf im Stall, auf dem Freigelände und im überdachten Außenbereich zur Verfügung. Eine längere Dauer des Wachstums wird dabei bewusst in Kauf genommen. Im Jahr 2020 stammten 50 Prozent des Bio-Putenfrischfleischs der Eigenmarken von REWE und PENNY von der Biofino GmbH und damit von diesen Puten. Die REWE Group verfolgt das Ziel, das Bio-Putenfrischfleisch der Eigenmarken REWE Bio vollständig auf die neue Putenrasse umzustellen.

Vermarktung von Weidemilch für mehr Tierwohl in der Milchkuhhaltung

Die Weidehaltung ist die Haltungsform, die der natürlichen Lebensform der Kühe am nächsten kommt – sowohl hinsichtlich der Futteraufnahme als auch des Fortbewegungs- und Sozialverhaltens. Bei der Weidehaltung stehen die Tiere an mindestens 120 Tagen im Jahr für mindestens sechs Stunden auf Weideflächen. Die REWE Group hat sich das Ziel gesetzt, bis Ende 2020 100 Prozent aller aus Weidemilch bestehenden Molkereiprodukte zertifiziert durch einen Standard zur Weidehaltung anzubieten. Dieses Ziel konnte im Berichtsjahr erreicht werden. Ebenso konnten REWE und PENNY das Ziel, bis Ende 2020 100 Prozent der Weidemilch mit dem Tierschutzlabel „Für Mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbunds anzubieten, erreichen. Damit gehen hohe Anforderungen an die Haltungsbedingungen wie ein großzügiges Platzangebot, eine gentechnikfreie Fütterung und eingestreute Liegeflächen einher. Auch Frischmilch wird mit diesem Label angeboten. Zudem werden bei REWE sechs verschiedene Käseartikel aus Milch aus Weidehaltung verkauft und die Weidebutter trägt das Siegel „PRO WEIDELAND – Deutsche Weidecharta“.

Early Feeding: mehr Tierwohl bei frisch geschlüpften Mastküken

In klassischen Brutschränken sind einzelne Tiere bis zu 36 Stunden unversorgt – mit der Folge, dass die früh geschlüpften Küken durch Dehydrierung bis zu zehn Prozent des Schlupfgewichts verlieren und an Vitalität und Robustheit einbüßen. Eine Lösung stellen innovative Early-Feeding-Systeme dar, mit denen sich die REWE Group als erster Lebensmittelhändler in Deutschland dem Tierwohl nach dem Schlupf annimmt. Aktuell gibt es zwei unterschiedliche Systeme: das HatchCare-Verfahren sowie die „Schlupf-im-Stall“-Systeme. Beide Verfahren sorgen dafür, dass die Tiere unmittelbar nach dem Schlüpfen mit den Grundbedürfnissen des Lebens versorgt werden.

Im HatchCare-Verfahren rutscht das Küken, sobald es geschlüpft ist, zu den anderen Tieren in einen gesonderten Korb im Brutschrank. In den zweistöckigen Brutkörben – sogenannten Horden mit jeweils maximal 90 Eiern – rutschen die frisch geschlüpften Küken automatisch in die untere Etage. Dort haben sie ausreichend Licht, Luft und Platz, um sich ohne störende Eierschalen frei bewegen und Trinkwasser sowie Futter unmittelbar nach dem Schlupf aufnehmen zu können. Zusätzlich sind die Brutschränke beleuchtet und bieten dadurch Schlupfbedingungen mit mehr Tierwohl. Seit dem Frühjahr 2017 schlüpfen in den Brütereien die ersten Küken mit dem neuen Verfahren.
Bei den sogenannten „Schlupf-im-Stall“-Systemen schlüpfen die Küken direkt im Maststall. Damit entfällt für die Küken der Schlupf in der Brüterei sowie der oft mehrstündige Transport. Auch im Stall haben die Küken direkten Zugang zu Futter und Wasser.

Beide Verfahren erzielen positive Ergebnisse: Durch die frühe Fütterung und Trinkwasserversorgung, durch optimale Klimaführung sowie ausreichend Platz und Licht wird Entwicklungsstörungen vorgebeugt. Alle Küken erhalten einen gleichmäßigeren und vitalen Start in ihr Leben. Auch die Kükensterblichkeit kann so deutlich gesenkt werden.

Verzicht auf Eier aus Käfighaltung

Die Haltungsbedingungen von Legehennen in Käfighaltung sind für die REWE Group nicht akzeptabel. Bereits seit 2010 vermarktet die REWE Group in Deutschland nur noch Eigenmarken-Eier aus Boden- und Freilandhaltung, die den Anforderungen des Vereins für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen e.V. (KAT) entsprechen. Im Jahr 2012 folgte der Entschluss, in Deutschland auch bei verarbeiteten Produkten auf den Einsatz von Käfigeiern und Eiern aus Kleingruppenhaltung zu verzichten. Bis spätestens 2025 soll auch in allen Auslandsgesellschaften der Handel mit Käfigeiern beendet werden.

Verzicht auf Schnabelkürzen

In der konventionellen Tierhaltung war es bis Anfang 2017 die Regel, dass die Schnäbel der Legehennen gekürzt werden, um die Verletzungsgefahr durch gegenseitiges Picken zu reduzieren. Als erstes Handelsunternehmen in Deutschland hat die REWE Group auf 100 Prozent Eier ohne Schnäbelkürzen der Legehennen umgestellt. Seit September 2017 verkauft sie in allen REWE- und PENNY-Märkten keine konventionellen Eigenmarken-Eier von Legehennen mit gekürztem Schnabel. Bio-Eier sind von dieser Maßnahme nicht betroffen, da für die Bio-Zertifizierung die Unversehrtheit der Schnäbel bereits verpflichtend ist.

Artgerechte Haltung von Wachteln: „free to fly“

In Deutschland gibt es keine Mindestvoraussetzungen für die Haltungsbedingungen von Wachteln für die Eierproduktion. Die Vertriebslinien REWE und PENNY verwenden für ihre Eigenmarken ausschließlich Wachteleier aus der Haltungsform „free to fly“. Bei dieser Haltungsform genießen die Wachteln einen ihrem natürlichen Lebensraum nachempfundenen Auslauf, können picken, scharren, sandbaden und frei fliegen. Das Futter ist gentechnikfrei. Außerdem verzichtet dieser Standard auf Schnabelbehandlungen, unnötige Lebendtiertransporte über mehr als 50 Kilometer und zieht männliche Eintagsküken auf.

Haltungsanforderungen für Büffel implementiert

Für die Herstellung von Mozzarella aus Büffelmilch muss eine Kuh jährlich ein Kalb zur Welt bringen. Etwa die Hälfte dieser Kälber sind männlichen Geschlechts. Weil sie keine Milch geben und ihr Fleisch beim Verbraucher:innen unbeliebt ist, besteht wenig Interesse an ihrer Aufzucht und den Tieren wird nicht ausreichend Nahrung und Platzangebot zur Verfügung gestellt. Tierschutzorganisationen machen immer wieder auf die daraus entstehenden Probleme und Tierschutzverstöße aufmerksam. Um Verstößen entgegenzutreten, gibt die REWE Group Mindestanforderungen an die Lieferanten vor: So sollen sie sich an die Vorgaben zur Büffelhaltung der Tierschutzorganisation VIER PFOTEN halten und beispielsweise den Zugang zu Schlammbädern ermöglichen oder Wassersprühanlagen installieren.

Kükentötenfreie Lieferketten
Bei der Zucht von Legehennen für die Eierproduktion werden jedes Jahr in Deutschland Millionen männliche Küken noch an ihrem ersten Lebenstag getötet. Der Grund ist, dass sie weder Eier legen können noch zur Mast geeignet sind, da sie langsamer und ineffizienter wachsen sowie weniger Brustfleisch ansetzen als Hähnchen der Mastrassen. Die REWE Group hat den Anspruch, diese Praxis zu beenden.
Vor diesem Hintergrund verfolgt die REWE Group das Ziel von 100 Prozent kükentötenfreien Lieferketten bei verarbeiteten Eigenmarkenprodukten bis Ende 2022. Zuvor werden die Vertriebslinien REWE und PENNY bereits bis Ende 2021 frische Eier der Eigenmarken auf kükentötenfreie Lieferketten umstellen.

Dafür hat die REWE Group zwei Methoden implementiert – sie betreffen die Bruderhahnaufzucht, also die Aufzucht männlicher Küken, und die Geschlechtsbestimmung im Brutei. Darüber hinaus beschäftigt sich die REWE Group mit dem Thema Zweinutzungsrasse. Hier werden die Tiere nicht nur auf ein Leistungsmerkmal gezüchtet, sondern dienen beispielsweise der Eier- und der Fleischproduktion.

Aufzucht männlicher Küken

Unter der Exklusivmarke „Spitz & Bube“ werden Eier aus Freilandhaltung seit Juli 2017 deutschlandweit in allen teilnehmenden REWE-Märkten verkauft. Dabei werden die Schnäbel der Legehennen in ihrer natürlichen Form belassen und ihre männlichen Artgenossen bis zur Schlachtreife aufgezogen. Seit 2018 sind auch „Spitz & Bube“-Frischeier aus Bodenhaltung national verfügbar. Und seit Ende 2020 bietet die Vertriebslinie REWE 100 Prozent der Bio-Eier mit Bruderhahnaufzucht an. Damit wird sichergestellt, dass bei einem REWE Bio-Ei kein männliches Küken mehr getötet wird. Darüber hinaus enthält das REWE Beste Wahl Hühnerfrikassee Fleisch aus dem Projekt „Spitz & Bube“.

Als erster Discounter in Deutschland hat PENNY Anfang 2017 mit HERZBUBE bundesweit Frischeier aus Bodenhaltung eingeführt, bei denen die Legehennen mit ungekürzten Schnäbeln gehalten und die männlichen Küken aufgezogen werden.

Geschlechtsbestimmung im Brutei

Mit dem SELEGGT-Verfahren kann bei den Legehennen-Rassen auf das Töten von männlichen Küken verzichtet werden. Mithilfe einer neuen Technik wird das Geschlecht des Kükens bereits im Brutei ermittelt: Dabei wird mit einem Laser ein maximal 0,3 Millimeter kleines Loch in die Schale des Bruteies gebrannt, um einen Tropfen Allantoisflüssigkeit zur Geschlechtsbestimmung zu entnehmen. Das Innere des Bruteies bleibt dabei gänzlich unversehrt. Anschließend wird die Flüssigkeit analysiert und die Bruteier können nach ihrem Geschlecht sortiert werden. Ausschließlich die weiblichen Bruteier werden weiter ausgebrütet und legen später als Legehennen die sogenannten respeggt-Eier „Ohne Kükentöten“. Die männlichen Bruteier werden zu einem hochwertigen Futtermittel verarbeitet.
Die Grundlagenforschung zum SELEGGT-Verfahren wurde von der Universität Leipzig entwickelt. Für eine praxistaugliche Gestaltung hat die REWE Group gemeinsam mit einem holländischen Technologie-Unternehmen das Joint Venture respeggt gegründet. Es führt neben der Durchführung der Geschlechtsbestimmung auch eine Lieferkettenverifizierung durch und kann somit den Mehrwert „Ohne Kükentöten“ für Kund:innen garantieren.

Seit Anfang 2020 können Kund:innen in allen rund 5.500 REWE- und PENNY-Märkten Deutschlands die sogenannten „respeggt-Freiland-Eier“ kaufen. Seit Oktober 2020 ist zusätzlich der REWE Beste Wahl Eiersalat mit Schnittlauch aus respeggt-Eiern in allen REWE-Märkten erhältlich.

Regionalprogramme
Mithilfe verschiedener Regionalprogramme in ganz Deutschland will die REWE Group regionale Strukturen fördern und erhalten und durch kurze Transportwege sowie verbesserte Haltungssysteme für mehr Tierwohl sorgen. Zentral dabei sind die partnerschaftliche und faire Zusammenarbeit und der enge Austausch mit den Landwirt:innen. Vor diesem Hintergrund setzt die REWE Group aktuell 13 Regionalprogramme mit Tierwohlmehrwerten bei den Tierarten Schwein, Rind und Hähnchen um.

Beispielsweise bietet die Vertriebslinie REWE unter der Marke „Strohwohl“ Fleisch von Schweinen aus Nordrhein-Westfalen an, die überwiegend auf Stroh gehalten wurden. Aufzucht und Mast erfolgen in modernen Familienbetrieben nach neuesten Standards. Die Tiere haben doppelt so viel Platz wie gesetzlich vorgeschrieben und erhalten gentechnikfreies Futter. Außerdem wird auf Reserveantibiotika verzichtet. Und unter der Marke „FairMast“ wird Fleisch von deutschen Hähnchen angeboten, die in tiergerechten Ställen mehr Platz als in anderen Haltungsformen haben. Sie werden nach den Standards der Europäischen Masthuhn-Initiative gehalten und das Fleisch trägt das Label „Für Mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbunds.

Kein Einsatz von Affen bei der Kokosnussernte
Die Allgemeinen Qualitätsanforderungen der Qualitätssicherung der REWE Group legen fest, dass für die Ernte von Kokosnüssen für Eigenmarken-Produkte keine Tiere eingesetzt werden dürfen – dies gilt sowohl für Kokosmilch-Eigenmarken der REWE Group sowie für Eigenmarken mit Kokosnuss-Bestandteilen in der Weiterverarbeitung. Die Allgemeinen Qualitätsanforderungen stellen die Grundlage für sämtliche Lieferantenverträgen der REWE Group dar und sind verbindlich.

3. Zusammenarbeit mit Stakeholdern
Die Herausforderungen zur Bearbeitung von Nachhaltigkeitsrisiken in der Produktion der Eigenmarkenprodukte liegen oft in den globalen Handelsstrukturen und sind durch politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen beeinflusst. Ein wichtiger Ansatzpunkt zur Identifikation der relevanten Themen und zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie ist daher ein gutes Stakeholder-Management. Um die Tierwohlstandards sicherzustellen und weiterzuentwickeln, steht die REWE Group mit Lieferanten, der Wissenschaft und verschiedenen Nichtregierungsorganisationen im Austausch.

Verbesserung branchenweiter Tierwohlstandards: Initiative Tierwohl

Als Gründungsmitglied der Initiative Tierwohl setzt sich die REWE Group für die Verbesserung branchenweiter Tierwohlstandards ein. Mit dem im Jahr 2015 gestarteten Zusammenschluss bekennen sich die Partner aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft, Lebensmittelhandel und Gastronomie zu ihrer gemeinsamen Verantwortung für Tierhaltung, Tiergesundheit und Tierschutz in der Nutztierhaltung. Die Initiative Tierwohl unterstützt Landwirte dabei, über die gesetzlichen Standards hinausgehende Maßnahmen zum Wohl ihrer Nutztiere umzusetzen.
Durch die Beteiligung von mehr als 6.400 Betrieben konnten die Haltungsbedingungen für über zwei Milliarden Schweine, Hähnchen und Puten verbessert werden. Jeder Betrieb in der Initiative Tierwohl wird jedes Jahr im Rahmen eines regulären Audits und durch ein unangekündigtes Audit kontrolliert. Betriebe, die gegen die Vorgaben der Initiative Tierwohl verstoßen, werden konsequent sanktioniert. Die ITW befindet sich mit dem Programm 2021–2023 bereits in der dritten Programmphase. Seit ihrem Start haben die teilnehmenden Lebensmitteleinzelhändler gemeinsam bereits über 645 Millionen Euro in das Tierwohl von Schweinen, Hähnchen und Puten investiert. Massive zusätzliche Investitionen wurden Anfang 2021 zudem für Schweinehalter beschlossen: Um allen interessierten Betrieben eine ITW-Teilnahme zu ermöglichen, stellen die teilnehmenden Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels statt wie geplant rund 75 Millionen Euro für die Jahre 2021–2023 nun rund 135 Millionen Euro für Ferkelerzeuger in einem Fonds bereit. Aus diesem erhalten die Ferkelerzeuger zusätzlich zu dem Marktpreis einen Tierwohl-Aufpreis pro Ferkel.

Verbraucher-Milch: „Du bist hier der Chef“

Die Verbraucherinitiative „Du bist hier der Chef“ hat im Berichtsjahr eine Umfrage durchgeführt, welche Merkmale beim Produkt Milch besonders wichtig sind. Die daraus entstandene Verbraucher-Milch ist unter anderem in den rund 400 REWE-Märkten der Region Mitte erhältlich. Sie bietet eine faire Vergütung für die Landwirt:innen, eine Verpackung aus nachwachsenden Rohstoffen und stammt aus ökologischer Landwirtschaft. Die Kühe erhalten regional hergestelltes Futter und verbringen mindestens vier Monate im Jahr auf der Weide.

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Produktbezogene Risikoanalysen

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