REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2020

Frauen in der Lieferkette

Die REWE Group bezieht eine Vielzahl von Produkten über Lieferketten aus aller Welt. Dazu zählen Länder, in denen die staatlichen Rahmenbedingungen zum Schutz der Menschenrechte unzureichend sind und in denen geltende Arbeits- und Sozialstandards missachtet werden. Frauen sind häufig am Anfang globaler Lieferketten tätig und in vielen Fällen von wirtschaftlichen Chancen und Vorteilen des internationalen Handels ausgeschlossen. Sie stehen daher im Fokus der Aktivitäten der REWE Group.

Um Nachhaltigkeit als festen Bestandteil in die Unternehmensprozesse zu integrieren, hat die REWE Group eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie mit den vier zentralen Säulen Grüne Produkte, Energie, Klima und Umwelt, Mitarbeiter:innen und Gesellschaftliches Engagement entwickelt. Im Jahr 2017 wurde die Strategie Grüne Produkte 2030 verabschiedet, um Nachhaltigkeit noch stärker in die Beschaffungsprozesse zu integrieren. Im Rahmen der Handlungsfelder Mensch, Tier und Umwelt entwickelt das Handels- und Touristikunternehmen wirksame Maßnahmen in der Säule Grüne Produkte, um ökologische und soziale Auswirkungen zu reduzieren. Innerhalb des Handlungsfelds Mensch wurde das Fokusthema Frauen in globalen Lieferketten identifiziert. Die REWE Group verfolgt das Ziel, Frauen in ihren Lieferketten zu schützen und zu fördern.

GRI 414: Soziale Aspekte in der Lieferkette

Managementansatz

Für alle Geschäftsbeziehungen greift die Leitlinie für nachhaltiges Wirtschaften der REWE Group. Sie umfasst unter anderem den fairen Umgang mit Mitarbeiter:innen und das Verbot von Diskriminierung.

Um ihre Anforderungen zur Förderung und zum Schutz von Frauen zu konkretisieren, hat die REWE Group im Jahr 2021 die Leitlinie Frauen in der Lieferkette veröffentlicht. Sie beinhaltet Ziele und Maßnahmen, um die Rechte von Frauen entlang globaler Wertschöpfungsketten zu stärken und sie in ihrer ökonomischen Eigenständigkeit und Teilhabe zu fördern.

Hierfür verfolgt die REWE Group einen universellen Ansatz. Dieser umfasst zum einen klare Leitlinien zum Schutz und zur Förderung von Frauen, die der REWE Group und auch ihren Geschäftspartnern in der Lieferkette als Orientierung dienen sollen. Außerdem prüft die REWE Group im Rahmen des Ansatzes kontinuierlich bestehende Maßnahmen und passt sie bei Bedarf an. Ergänzend dazu werden, wo notwendig, neue Maßnahmen und Ziele definiert, um den Bedürfnissen von und Risiken für besonders betroffene Lieferketten (also solchen, in denen ein hoher Anteil von Frauen zu verzeichnen ist und/oder in denen besonders hohe Herausforderungen vorliegen) gerecht zu werden.

Im Jahr 2020 ist die REWE Group der UN-Initiative „Women's Empowerment Principles" beigetreten und bekennt sich zur gezielten Stärkung von Frauen im Unternehmen und in der Gesellschaft.

Risikoanalyse
Im Jahr 2020 führte die REWE Group eine Risikoanalyse durch, um festzustellen, welchen negativen menschenrechtlichen Auswirkungen Frauen besonders ausgesetzt sind und in welchen für die REWE Group relevanten Sektoren und Ländern die Risiken für Frauen besonders hoch sind. Dabei wurde ein besonderes Augenmerk auf die in der Leitlinie für Fairness identifizierten Fokusrohstoffe gelegt. Des Weiteren wurde, wo es die Datenlage ermöglichte, der jeweilige Anteil der Frauen in den betrachteten Sektoren und Ländern ermittelt. Im Ergebnis wurden drei Risikofelder identifiziert: Prekäre Arbeitsbedingungen und niedrige Löhne, Arbeitssicherheit und Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz und mangelnde Teilhabe am wirtschaftlichen Leben – etwa, weil Frauen häufig nicht in Entscheidungsprozesse eingebunden oder beim Erwerb von Eigentum rechtlich eingeschränkt sind. Darüber hinaus lässt sich festhalten, dass Frauen in sämtlichen Lieferketten präsent sind und Risiken überall bestehen – wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß.

Ziele
Auf Basis der Erkenntnisse aus der Risikoanalyse und aus einem ebenfalls 2020 durchgeführten Fairness-Dialog mit Stakeholdern aus der Zivilgesellschaft hat die REWE Group drei Ziele definiert, die dem Schutz und der Förderung von Frauen in ihren Lieferketten dienen:

Ziel 1: Dialog und Kommunikation:
Die REWE Group sucht und pflegt den Dialog zu Standardorganisationen und anderen Stakeholdern, um sich für die Rechte und Bedürfnisse von Frauen einzusetzen. Ihre Anforderungen kommuniziert sie dabei an ihre Stakeholder und schult relevante Mitarbeiter:innen zu den spezifischen Risiken für und Bedürfnisse von Frauen.

Ziel 2: Social Capacity Building Program:
Die REWE Group stellt sicher, dass Trainingsinhalte die spezifischen Bedürfnisse und Risiken für Frauen in den Fabriken adressieren.

Ziel 3: Projekte:
Die REWE Group initiiert individuelle Projekte, die die Rechte von Frauen stärken und sie in ihrer ökonomischen Eigenständigkeit und Teilhabe fördern.

Maßnahmen und Projekte

Die REWE Group kauft zunehmend zertifizierte Rohstoffe ein – beispielsweise durch Fairtrade, Rainforest Alliance / UTZ, Global Organic Textile Standard (GOTS), Cotton made in Africa, den Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO), XertifiX und Forest Stewardship Council (FSC®). Alle Produktionsstätten der ersten Lieferkettenstufe aus definierten Risikoländern müssen zudem ein Sozialaudit nach den Standards der amfori BSCI oder dem SA8000-Standard sowie SMETA-Audits nachweisen. All diese Zertifizierungen stellen bereits Anforderungen an die Gleichbehandlung und den Schutz von Frauen, die im Rahmen von Audits überprüft werden. Dabei geht es beispielsweise um die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen bei gleicher Arbeit, um das Verbot von Diskriminierung aufgrund des Geschlechts oder um das Angebot entsprechender Fortbildungen.

Darüber hinaus setzt die REWE Group verschiedene Maßnahmen und Projekte um, um die ökonomische Eigenständigkeit und Teilhabe von Frauen zu fördern. Im Folgenden werden ausgewählte Beispiele dargestellt.

Geschlechtsspezifischer Gewalt in Textillieferketten begegnen

Das Bündnis für nachhaltige Textilien verfolgt das Ziel, die sozialen und ökologischen Bedingungen in der weltweiten Textilproduktion zu verbessern. Um das weit verbreitete Problem der geschlechtsspezifischen Gewalt gegen Frauen zu adressieren, müssen Bündnismitglieder ab 2021 im Rahmen der verpflichtenden Berichterstattung eine Risikoanalyse durchführen und sich hierbei auch mit den Sektorrisiken Diskriminierung, sexuelle Belästigung und geschlechtsspezifische Gewalt beschäftigen. Als Bündnismitglied möchte die REWE Group durch die Identifizierung geeigneter Maßnahmen (z. B. das Social Capacity Building Program) aktiv zum Bündnisziel beitragen, geschlechtsspezifischer Gewalt in ihren Textillieferketten zu begegnen.

Social Capacity Building Program

Im Rahmen des Social Capacity Building Program werden Manager:innen strategischer Produktionsstätten in einem 18-monatigen modularen Trainingsprogramm in den Bereichen Gesundheit und Sicherheit, Beschwerdemechanismen, Löhne und Arbeitszeit sowie ethische Personalbeschaffung geschult. Das Trainingsprogramm wird in Fabriken für Food- als auch für Non-Food-Waren durchgeführt. 2020 wurde es dahingehend überprüft, ob die spezifischen Bedürfnisse und Risiken für Frauen ausreichend adressiert werden. In diesem Zuge wurden weitere Inhalte inkludiert. In deren Fokus steht die Sensibilisierung von Beschäftigten und des Managements, um geschlechtsspezifischer Diskriminierung am Arbeitsplatz vorzubeugen und entgegenzuwirken.

Verbesserte Situationen von Kakaobäuer:innen an der Elfenbeinküste

Als Gründungsmitglied der Multi-Stakeholder-Initiative Forum Nachhaltiger Kakao unterstützt die REWE Group zusammen mit anderen Unternehmen das 2015 gestartete Projekt PRO-PLANTEURS, das zusammen mit der Bundesregierung und der ivorischen Regierung umgesetzt wird. Innerhalb der nächsten Jahre sollen 30.000 Kakaobäuer:innen sowie ihre Produzentenorganisationen professionalisiert werden, um so eine Einkommenssteigerung zu erreichen und die Lebenssituation der Familien zu verbessern. Das Projekt in den östlichen und südöstlichen Regionen der Elfenbeinküste soll dazu beitragen, dass insbesondere Frauen die Möglichkeit erhalten, ihr eigenes Einkommen zu optimieren, um so bessere Nahrungsgrundlagen für ihre Familien zu schaffen. PRO-PLANTEURS unterstützt die Frauen beispielsweise bei der Produktion, Verarbeitung und Vermarktung von Agrarprodukten. Im Rahmen des Projekts wurden darüber hinaus gemeinsam mit dem Nationalen Ernährungsprogramm der Côte d'Ivoire 76 Frauen zu landwirtschaftlichen Berater:innen ausgebildet.

Unterstützung und Weiterbildung von Kaffeebäuer:innen in Peru

Die Fairtrade-Kaffeekooperative Valle de Incahuasi in Peru produziert den REWE Feine Welt Kaffee, der Fairtrade- und Bio-zertifiziert ist. Die REWE Group hat eine Abnahmegarantie für den Kaffee ausgesprochen - das gibt den Kaffeebäuer:innen Stabilität und Planungssicherheit. Die Kooperative besteht aus 488 Mitgliedern, davon 84 Frauen. In jeder Gemeinde, die die Kooperative beliefert, gibt es ein Frauenkomitee, das sich mit Ernährungssicherung, Fortbildungen und Maßnahmen zur Einkommensbeschaffung speziell für Frauen beschäftigt - beispielsweise durch Beihilfen zur Anlage von Gemüsegärten, die Unterstützung kleiner Betriebe oder Schulungen zur Qualitätskontrolle von Kaffee und zu betriebswirtschaftlichen Grundkenntnissen. Im Rahmen der langjährigen Zusammenarbeit bietet die REWE Group Weiterbildungen speziell für Bäuerinnen an, um die Partizipation der Frauen innerhalb der Kooperative zu stärken („Women's school of Leadership").

Fairtrade-Rosen: langfristiges Fairhandels-Engagement

2007 nahm die REWE Group als erster Lebensmittelhändler in Deutschland fair gehandelte Schnittrosen aus Ostafrika ins Angebot von REWE- und PENNY-Märkten. Die meisten dieser mit dem PRO PLANET-Label versehenen Rosen stammen aus Kenia. Häufig belasten Pflanzenschutzmittel die Gesundheit der vornehmlich weiblichen Arbeiterinnen und die Umwelt. Deshalb stammen PRO PLANET-Rosen ausschließlich von Fairtrade-Blumenfarmen. Das Fairtrade-Siegel verpflichtet die Produzenten, den Gebrauch von Chemikalien einzuschränken und die Arbeiter:innen fair zu bezahlen.

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