REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2020

Klimaschutz in der Lieferkette

Mit dem Klimawandel steht die Weltgemeinschaft vor besonderen Herausforderungen. Menschliche Aktivitäten tragen zur Erderwärmung bei – diese hat Auswirkungen auf Ökosysteme und damit auch auf das gesellschaftliche Leben. Im Jahr 2015 haben sich aus diesem Grund 195 Länder in Paris auf das Ziel geeinigt, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Dieses Klimaabkommen wird nun durch politische Rahmenbedingungen und Zielsetzungen auf nationaler Ebene umgesetzt. Verschiedene wissenschaftliche Institutionen haben Methoden und Handlungsempfehlungen entwickelt, um dieses ambitionierte Ziel in die Praxis zu übersetzen.

Angesichts der großen Bedeutung von Treibhausgasemissionen der globalen Landwirtschaft für den Klimawandel liegt der Fokus der Anstrengungen des Einzelhandels zum Klimaschutz zunehmend auf der vorgelagerten Wertschöpfungskette. Auch durch die Aktivitäten in den vorgelagerten Lieferketten der REWE Group werden Treibhausgasemissionen freigesetzt: etwa beim Anbau und bei der Herstellung der Produkte oder beim Transport in die Märkte. Gleichzeitig entstehen durch die Klimaveränderung auch Risiken für das Handelsunternehmen – von Beeinträchtigungen der Landwirtschaft durch Starkwetterereignisse bis zu regulativen Entwicklungen wie einer CO2-Bepreisung.

Auch Konsument:innen, Mitarbeiter:innen sowie Fachstakeholder der REWE Group bewerteten das Thema im Rahmen der Wesentlichkeitsanalyse als besonders bedeutend für das Unternehmen: Sie wünschen sich, dass Klimaschutz auf allen Ebenen berücksichtigt wird. Zentral ist für die Stakeholder außerdem ein nachhaltigeres Sortiment mit vermehrt regionalen Produkten (für mehr Informationen siehe Abschnitt Wesentlichkeitsanalyse).

Um Nachhaltigkeit als festen Bestandteil in die Unternehmensprozesse zu integrieren, hat die REWE Group eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie mit den vier zentralen Säulen Grüne Produkte, Energie, Klima und Umwelt, Mitarbeiter:innen und Gesellschaftliches Engagement entwickelt. Im Jahr 2017 wurde die Strategie Grüne Produkte 2030 verabschiedet, um Nachhaltigkeit noch stärker in die Beschaffungsprozesse zu integrieren. Im Rahmen der Handlungsfelder Mensch, Tier und Umwelt entwickelt das Handels- und Touristikunternehmen wirksame Maßnahmen in der Säule Grüne Produkte, um ökologische und soziale Auswirkungen zu reduzieren. Das Thema Klima stellt eines der drei Fokusthemen des Handlungsfelds Umwelt dar. In diesem Rahmen verfolgt die REWE Group das Ziel, die CO2-Emissionen in ihrer vorgelagerten Lieferkette zu reduzieren und auf diese Weise einen wirksamen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

GRI 305: Emissionen

Managementansatz

Die REWE Group möchte in den eigenen Lieferketten einen Beitrag zur Begrenzung der globalen Erwärmung und zur Erreichung des Pariser Klimaabkommens leisten. Für diesen Zweck hat das Unternehmen im Berichtsjahr einen strategischen Ansatz, mit dem Grundsatz „vermeiden" vor „reduzieren" vor „kompensieren", verabschiedet. Dieser bezieht sich auf die vorgelagerten Wertschöpfungsketten aller Eigenmarkenartikel, die bei REWE und PENNY in Deutschland vertrieben werden.

Im Rahmen des Ansatzes verfolgt die REWE Group das Ziel, in den Lieferketten ihrer Eigenmarkenartikel eine absolute Reduktion der Treibhausgasemissionen von 15 Prozent bis Ende 2030 im Vergleich zu 2019 zu erreichen. Bei der Entwicklung des Ziels hat sich das Unternehmen an den Anforderungen der unabhängigen Science Based Targets Initiative (SBTi) orientiert. Der Zusammenschluss aus UN Global Compact, World Resources Institute und WWF unterstützt Unternehmen dabei, wissenschaftsbasierte Klimaziele zu entwickeln – um die Erderwärmung bis 2050 auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu beschränken.

Berechnung des CO2e-Fußabdrucks

Um das Ziel zu definieren und das Basisjahr festzusetzen, hat die REWE Group erstmalig den gesamten CO2e-Fußabdruck der REWE- und PENNY-Eigenmarken für das Kalenderjahr 2019 berechnet. Für diesen Zweck hat das Unternehmen seine Lieferkette gemäß GHG Protocol nach Scope-3-Emissionen untersucht. Betrachtet wurden die Emissionen von wesentlichen Warengruppen, die durch Anbau und Rohmaterialgewinnung, Herstellung, Weiterverarbeitung und Transport verursacht werden.

Aus Gründen der Wesentlichkeit, Beeinflussbarkeit und Datenverfügbarkeit wurden zunächst die von REWE und PENNY zentral beschafften Eigenmarkenprodukte in Deutschland betrachtet – nicht erhoben wurden die Lieferkettenemissionen von Drittmarken sowie weitere von der REWE Group eingekaufte Waren (z. B. Betriebsmittel) und Dienstleistungen.

Die Berechnungsmethode basiert auf dem sogenannten „Environmentally Extended Input-Output-Modell", welches globale Warenströme und die mit dem Einkaufsvolumen in einem bestimmten Sektor und in einer bestimmten Region korrespondierenden Umwelt- und Sozialauswirkungen abbildet.

Auf Basis dieses Fußabdrucks hat das Unternehmen anschließend jene Warengruppen identifiziert, die einen hohen Klimaeinfluss haben. Das sind Milch- und Molkereiprodukte, Wurst, Gemüse, Käse, Geflügel, Obst, Eier sowie Schweine- und Rindfleisch. Bei der Ableitung der Klimaschutzmaßnahmen stehen diese neun Warengruppen im Fokus.

Neben den Treibhausgasemissionen, die in der Lieferkette der REWE Group entstehen, werden auch in den eigenen Märkten und an den Verwaltungsstandorten der REWE Group Emissionen freigesetzt (für mehr Informationen zu den Maßnahmen zur Reduktion der betrieblichen Treibhausgasemissionen siehe Abschnitt Klimaschutz auf Unternehmensebene).

Maßnahmen und Projekte zur Reduktion der Treibhausgasemissionen

Um die Treibhausgasemissionen in der Lieferkette der Eigenmarken konsequent zu reduzieren, setzt die REWE Group schon heute eine Reihe verschiedener Maßnahmen um. Das Unternehmen ist sich bewusst, dass eine kontinuierliche Erweiterung dieser Maßnahmen notwendig ist, um das Reduktionsziel zu erreichen.

Entwaldungsfreie Lieferketten
Die REWE Group verfolgt das Ziel, ihre Lieferketten in den Bereichen Holz/Papier, Palmöl und Soja-Futtermittel bis Ende 2025 entwaldungsfrei zu gestalten. Dafür hat sich das Unternehmen konkrete Ziele gesetzt (für mehr Informationen siehe Abschnitte Fokusrohstoffe - Food und Fokusrohstoffe - Non-Food). Auf diese Weise möchte die REWE Group den Fußabdruck in der Lieferkette reduzieren. Dank der Verwendung von nachhaltigerem Soja als Futtermittel ist das gesamte Eigenmarkensortiment für Frischeier, Trinkmilch und frisches Geflügelfleisch bei REWE und PENNY bereits seit Ende 2019 zertifiziert entwaldungsfrei. Dieses Engagement möchte die REWE Group auf frisches Schweine- und Rindfleisch ausweiten und mit 100 Prozent entwaldungsfreien Soja-Futtermitteln bis Ende 2021 zu einer entwaldungsfreien Lieferkette beitragen.

PRO PLANET-Gewächshaus
Bei PRO PLANET-Gewächshauskulturen wie Paprika, Tomaten und Erdbeeren setzen REWE und PENNY auf einen ressourcenschonenden Anbau in besonders nachhaltig betriebenen Gewächshäusern. Dabei werden regenerative Energien eingesetzt und so Treibhausgasemissionen reduziert.

Torffreie Erde
Bis Ende 2025 stellt die REWE Group ihr gesamtes Erdensortiment – sowohl im Bereich der Eigenmarken als auch bei Markenartikeln – bei REWE, PENNY und toom Baumarkt auf torffreie Alternativen um. Durch den Verzicht auf Torf reduziert die REWE Group den Ausstoß von Klimagasen aus trockengelegten Mooren. Für mehr Informationen siehe Abschnitt Fokusrohstoffe - Non-Food.

Verpackungen
Bis Ende 2030 gestaltet die REWE Group sämtliche Verkaufs- und Serviceverpackungen der Eigenmarken bei REWE, PENNY und toom Baumarkt umweltfreundlicher. Auf diese Weise können – etwa durch die Einsparung von Kunststoffen oder auch den Einsatz von Rezyklaten – Treibhausgasemissionen vermieden werden. Für mehr Informationen siehe Abschnitt Verpackungen.

Pflanzliche Alternativen: Food for Future

Durch die Vermeidung tierischer Produkte können Treibhausgase eingespart werden. Auch vor diesem Hintergrund stärkt die Vertriebslinie PENNY mit ihrer veganen Eigenmarke „Food for Future" seit 2020 den Konsum pflanzlicher Alternativen: Fleisch, Eier oder Milch werden beispielsweise durch Erbsen, Soja oder Lupinen ersetzt.

Weitere Themen aus diesem Bereich:

Produktbezogene Risikoanalysen

GRI 102-11

Regionalität

GRI 204-1

Fokusrohstoffe – Food

GRI FP1

Fokusrohstoffe – Non-Food

GRI FP1

Bio

GRI FP2

PRO PLANET

GRI FP2

Verpackungen

GRI 301

Wasser

GRI 303

Biodiversität

GRI 304

Klimaschutz in der Lieferkette

GRI 305

Ökologische Aspekte
in der Lieferkette

GRI 308

Soziale Aspekte
in der Lieferkette

GRI 412, 414

Frauen in der Lieferkette

GRI 414

Existenzsichernde
Löhne und Einkommen

GRI 414

Kundengesundheit und Produktsicherheit

GRI 416

Nachhaltigen Konsum fördern

GRI 417

Tierwohl

FP10

Kinder- und Zwangsarbeit

GRI 408, 409

Ernährung

FP10