REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2020

Biodiversität

Als Handels- und Touristikunternehmen hat die Geschäftstätigkeit der REWE Group vielfältige Auswirkungen auf die biologische Vielfalt. Neben direkten Auswirkungen, beispielsweise an den Standorten des Unternehmens oder beim Transport von Waren, sind vor allem auch die vor- und nachgelagerten Stufen der Wertschöpfungskette von Bedeutung. Auswirkungen entstehen hier durch die nicht nachhaltige Nutzung von natürlichen Ökosystemen – etwa bei der Gewinnung von Rohstoffen, in der Warenproduktion oder bei touristischen Angeboten.

Um Nachhaltigkeit als festen Bestandteil in die Unternehmensprozesse zu integrieren, hat die REWE Group eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie mit den vier zentralen Säulen Grüne Produkte, Energie, Klima und Umwelt, Mitarbeiter:innen und Gesellschaftliches Engagement entwickelt. Im Jahr 2017 wurde die Strategie Grüne Produkte 2030 verabschiedet, um Nachhaltigkeit noch stärker in die Beschaffungsprozesse zu integrieren. Im Rahmen der Handlungsfelder Mensch, Tier und Umwelt entwickelt das Handels- und Touristikunternehmen wirksame Maßnahmen in der Säule Grüne Produkte, um ökologische und soziale Auswirkungen zu reduzieren. Innerhalb des Handlungsfelds Umwelt wurde Biodiversität als eines der Fokusthemen definiert. Das Handelsunternehmen verfolgt das Ziel, die natürlichen Ressourcen zu erhalten und die Biodiversität entlang der Lieferketten zu schützen und zu fördern.

GRI 304: Biodiversität

Managementansatz

In der Leitlinie für nachhaltiges Wirtschaften bekennt sich die REWE Group zum Erhalt und Schutz natürlicher Ökosysteme und befürwortet die Ziele des UN-Übereinkommens zum Schutz der biologischen Vielfalt (Convention on Biological Diversity). Außerdem hat sich die REWE Group im Rahmen der Initiative Biodiversity in Good Company dazu verpflichtet, den Schutz und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt in das betriebliche Nachhaltigkeitsmanagement zu integrieren.

Bei der Gestaltung nachhaltigerer Sortimente ist der Erhalt der biologischen Vielfalt ein wichtiges Kriterium. Biodiversitätskriterien können über Standardsysteme wie Bio, Fairtrade, Forest Stewardship Council (FSC®), Rainforest Alliance / UTZ und Marine Stewardship Council (MSC) berücksichtigt werden. Sie finden außerdem Anwendung innerhalb der Leitlinien, die von der REWE Group für Rohstoffe wie Palmöl, Fisch oder Kakao formuliert wurden. Auch bei produktbezogenen Analysen im Rahmen des Vergabeprozesses der PRO PLANET-Labels werden Auswirkungen auf die biologische Vielfalt untersucht. So können negative Auswirkungen auf die Biodiversität identifiziert und Maßnahmen zum Erhalt und zur Förderung ergriffen werden (mehr hierzu siehe Abschnitt PRO PLANET).

Um das Thema Biodiversität voranzubringen, setzt die REWE Group auf Kooperationen. Das Unternehmen fördert gemeinsam mit zahlreichen Landwirt:innen und seinen Partnern NABU, der Bodensee-Stiftung und verschiedenen Kulturlandschaftsstiftungen regionale Projekte, die die biologische Vielfalt in der landwirtschaftlichen Nutzung fördern.

Die REWE Group hat sich mit Blick auf die Förderung der Biodiversität das Ziel gesetzt, alle relevanten, regionalen Freilandobst- und -gemüseprodukte bis 2025 auf einen biodiversitätsfördernden Anbau umzustellen.

„Food for Biodiversity“: Bündnis zum Schutz der biologischen Vielfalt

Im März 2021 hat die REWE Group gemeinsam mit weiteren Unternehmen, Verbänden und Zertifizierungsorganisationen aus der Lebensmittelbranche sowie Umweltverbänden und Forschung den Verein „Food for Biodiversity“ gegründet. Dieses erste branchenweite Bündnis setzt sich dafür ein, den Schutz der biologischen Vielfalt als ein zentrales Anliegen der Lebensmittelbranche bis in die vorgelagerten Wertschöpfungsketten zu verankern. So wollen die Mitglieder einen Beitrag zur Erreichung der Ziele der deutschen und der europäischen Biodiversitätsstrategie, den Zielen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt sowie zu den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung leisten.

GRI 304-2:

Projekte zum Schutz vor erheblichen Auswirkungen von Aktivitäten, Produkten und Dienstleistungen auf die Biodiversität

Die größten Einflussmöglichkeiten der REWE Group auf die Sicherung der biologischen Vielfalt liegen im Bereich der Eigenmarkenproduktion. Die folgenden Projekte zeigen die Schwerpunkte des Engagements im Berichtszeitraum. Fortschritte und Wirkungen werden auf Projektbasis evaluiert und im Rahmen der vorgestellten Projekte berichtet.

Naturschutz und Landwirtschaft: Hand in Hand für mehr Biodiversität

Ziel des PRO PLANET-Projekts ist es, durch eine gute Zusammenarbeit von Landwirt:innen und Naturschützer:innen die biologische Vielfalt auf konventionellen Obst- und Gemüsebetrieben zu erhöhen. Dabei sind neben den vielen teilnehmenden Landwirt:innen insbesondere die Bodensee-Stiftung, der NABU sowie verschiedene Kulturlandschaftsstiftungen wichtige Partner der REWE Group, die vor Ort individuelle Maßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt umsetzen. Beim Projektstart im Jahr 2010 lag der Fokus zunächst auf Apfel- und Birnenplantagen. Seit 2016 wurde das Projekt nach erfolgreichen Pilotierungen auf verschiedene Obst- und Gemüsekulturen ausgeweitet. Die Zahl der teilnehmenden Obst- und Gemüsebetriebe ist mittlerweile auf über 530 gewachsen (Stand Ende 2020). Zu den Produkten zählen neben Äpfeln und Birnen auch Brokkoli, Chinakohl, Eisbergsalat, Romanasalat, Möhren, Kartoffeln, Zwiebeln, Kirschen, Zwetschgen und Heidelbeeren. Das Obst und Gemüse erhält das PRO PLANET-Label mit dem Zusatz „Für mehr Artenvielfalt".

Die positiven Auswirkungen des Projekts sind vielfältig: Seit 2010 wurden in ganz Deutschland 24.900 (2019: 14.300) Büsche, Bäume und Sträucher gepflanzt. Rund 842 Hektar (2019: 612 Hektar) Blühstreifen wurden angelegt und aufgewertet, darüber hinaus wurden verschiedene Formen von Strukturanreicherungen wie Trockensteinmauern oder Kleingewässer errichtet. Außerdem wurden seit 2010 rund 11.745 (2019: 10.130) Nistkästen und Nisthilfen für Vögel und Fledermäuse sowie 5.698 Insektennisthilfen (2019: 4.722) aufgestellt. Durch regelmäßige Monitorings prüft die REWE Group den Erfolg der umgesetzten Maßnahmen. Die Ergebnisse des im Jahr 2017 in der Bodenseeregion durchgeführten Wildbienen-Monitorings zeigen im Vergleich zu 2010 einen deutlichen Zuwachs um etwa 100 Prozent von 56 auf 117 verschiedene Wildbienenarten, darunter auch 25 (2010: 5) bedrohte Arten. Im Jahr 2019 wurde darüber hinaus ein Wildbienen-Monitoring im südlichen Rheinland durchgeführt. Demnach kamen auf idealen Blühflächen, die eine hohe Blütendichte und eine ungestörte Lage aufweisen, mehr Wildbienen-Individuen vor als auf Flächen ohne Maßnahmen. Nistmöglichkeiten im Boden hatten einen positiven Effekt auf die Anzahl der Arten. Im Ergebnis lässt sich bestätigen, dass sich Blühareale positiv auf Wildbienengemeinschaften auswirken – unter der Voraussetzung, dass es sich um ungestörte, gut entwickelte Flächen mit hoher Blütendichte handelt. Die REWE Group verfolgt das Ziel, ihr Monitoring zur Erfolgskontrolle weiter auszubauen. So wird das nächste Wildbienen-Monitoring voraussichtlich 2021 stattfinden.

Das Projekt wurde 2020 in den Leitfaden für den Einzelhandel zum Schutz von Bestäubern der Europäischen Union aufgenommen. 2019 wurde es mit dem European Bee Award ausgezeichnet und war im selben Jahr eines der UN-Dekade-Projekte für Biologische Vielfalt. Zudem erhielt das Projekt bereits 2016 den Deutschen CSR-Preis.

Biodiversität auf Apfelplantagen: Aus Liebe zur Biene

Gemeinsam mit der polnischen Gesellschaft für Vogelschutz (OTOP) und Landwirt:innen in der Region Grojec setzt sich die REWE Group für mehr Biodiversität ein: Zu den Maßnahmen auf den Apfelplantagen im größten Anbaugebiet für Äpfel in Polen gehören das Anlegen von Blühstreifen als Nahrungsquelle für Insekten sowie das Aufstellen von Insektenhotels und Vogelhäusern. Die von den Obstbäuer:innen bezogenen Äpfel werden separat gehandhabt und zur Herstellung des REWE Beste Wahl-Apfelsafts und des PENNY Paradiso-Apfelsafts „Aus Liebe zur Biene“ verwendet, die mit dem PRO PLANET-Label ausgezeichnet sind und saisonal verfügbar sind.

Insektenschutzfonds mit dem NABU zur Förderung von Biodiversität in der Landwirtschaft

Diverse Forschungsstudien kommen zu dem Ergebnis, dass die Masse der Fluginsekten in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen hat. Deswegen hat REWE die Gründung eines Insektenschutzfonds seines langjährigen strategischen Partners NABU in den Jahren 2018 und 2019 zum Start mit einer Summe von insgesamt über 300.000 Euro unterstützt. Mit dem Betrag wurde die bundesweite Umsetzung von umfassenden Maßnahmen zum Schutz von Insekten ermöglicht und somit ein Beitrag gegen den Insektenrückgang geleistet.

Mithilfe des Insektenschutzfonds werden Flächen angekauft, um sie langfristig als artenreichen Lebensraum für Insekten zu entwickeln und zu sichern. Insgesamt wurden 164.800 Quadratmeter Fläche erworben. So wurden zum Beispiel 25.000 Quadratmeter konventionell bewirtschaftete Ackerflächen gekauft und die Bewirtschaftung eingestellt, damit Entwicklungsmaßnahmen für die Insektenvielfalt umgesetzt werden konnten. Des Weiteren wurden verschiedene Maßnahmen zum Monitoring von Insekten umgesetzt, Blühflächen angelegt und Landbesitzer:innen sowie Verpächter:innen in Sachen Insektenförderung beraten.

Heimische Artenvielfalt mit dem Naturschutzprogramm „Blühendes Österreich" fördern

Die Stiftung „Blühendes Österreich" wurde 2015 von der REWE Group in Österreich gemeinsam mit der Naturschutzorganisation BirdLife Österreich gegründet. Der Stiftungsauftrag besteht in einer strategischen, transparenten und systematischen Finanzierung von Naturschutzprojekten. Indem Projekte gemeinsam mit Partnern aus öffentlichen Institutionen, gemeinnützigen Organisationen und der Privatwirtschaft realisiert werden, stärkt „Blühendes Österreich" insbesondere die regionale Zusammenarbeit. Die Finanzierung der Stiftung und der Projektaktivitäten wurde an bestimmte Produkte gekoppelt: Für jedes verkaufte Produkt der Eigenmarken „Da komm ich her" (erhältlich bei BILLA, MERKUR, ADEG und AGM), „immer grün" (MERKUR) und „Ich bin Österreich" (PENNY) fließt ein Teil der Umsatzerlöse in die Stiftung. Heute ist die Stiftung nicht nur die erste, sondern auch die größte privatwirtschaftliche Initiative für eine gesunde Umwelt und eine nachhaltige Landwirtschaft in Österreich. Im Jahr 2020 betrug das Stiftungsbudget 1,4 Millionen Euro.

Die Naturschutzstrategie 2018–2022 der Stiftung mit dem Titel „Nachhaltigkeit verankern, Österreichs Vielfalt leben" verfolgt das Ziel, bis 2022 insgesamt 1.000 Hektar an bedrohten ökologischen Flächen zu schützen. 2020 nahmen 132 Betriebe an dem Programm FLORA (Förderung von Landwirt:innen und Organisationen zur Rettung unserer Artenvielfalt) teil. Dadurch können 621 Hektar ökologisch wertvolle Fläche mit einer Prämiensumme von knapp 290.000 Euro erhalten werden. Die finanzielle Unterstützung dient den klein strukturierten, bäuerlichen Familien außerdem als wirtschaftliche Planungsperspektive und sichert Arbeitsplätze.

REWE, PENNY und toom Baumarkt stellen auf torffreie Erden um

Für den Abbau von Torf wurden und werden jahrtausendealte Moore trockengelegt. Dadurch verlieren Tiere und Pflanzen ihren Lebensraum und im Moor gespeicherter Kohlenstoff wird als klimaschädliches CO2 freigesetzt. Deshalb hat sich toom Baumarkt 2016 als erste Baumarktkette in Deutschland dazu entschieden, das gesamte Erdensortiment sowohl der Eigenmarken als auch der Markenprodukte bis spätestens 2025 auf torffreie Alternativen umzustellen. 2020 bestand das Eigenmarkensortiment torffreier Erden aus insgesamt zehn Produkten, davon sieben Naturtalent by toom® Blumenerden und drei Produkte der toom Qualitätsmarke. Die Naturtalent by toom® Blumenerden sind mit dem PRO PLANET-Label ausgezeichnet und mit dem Bio-Grünstempel® zertifiziert. Neben der Ausweitung torffreier Produkte wird auch der Anteil von Torfersatzstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen über alle Erden hinweg sukzessive gesteigert. Mit dieser Umstellung leistet toom Baumarkt einen Beitrag gegen den Klimawandel und für die biologische Artenvielfalt. Auch die Vertriebslinien REWE und PENNY haben ihr saisonales Erdensortiment um torffreie und torfreduzierte Alternativen ergänzt.

Systematische Reduktion von Pestiziden und der Verzicht auf Glyphosat bei toom Baumarkt

Glyphosat, das weltweit am meisten eingesetzte Pestizid in der Landwirtschaft, steht immer wieder in der Kritik. Unter anderem stellte eine viel beachtete Bewertung der Internationalen Behörde für die Krebsforschung (IARC) im Jahr 2015 fest, dass Glyphosat wahrscheinlich krebserregend sei. Darüber hinaus bestehen bei nicht ordnungsgemäßer Nutzung Gefahren für die Umwelt, insbesondere für Gewässer und deren Organismen. Wegen dieses Risikos für Mensch und Umwelt verzichtet toom Baumarkt seit 2015 als erster Baumarkt Deutschlands auf den Verkauf von glyphosathaltigen Produkten.

Zusätzlich wurde auch der Verkauf von besonders bienengefährlichen Pestiziden sowie deren Einsatz in der Produktion des Pflanzensortiments von toom Baumarkt eingeschränkt. Um aktiv zum Bienen- und Umweltschutz beizutragen, hat toom Baumarkt die Vorgaben für seine Zierpflanzenlieferanten verschärft und bietet seit 2017 als erster Baumarkt Deutschlands nur noch Zierpflanzen an, die ohne die von Greenpeace als besonders bienengefährlich eingestuften Pestizide produziert wurden. Und auch im Bereich der chemischen Pflanzenschutzmittel verzichtet toom seit 2015 komplett auf Produkte, die laut einer Greenpeace-Studie besonders bienengefährliche Wirkstoffe enthalten.

Neben dem Schutz von Insekten durch die Auslistung bestimmter Wirkstoffe und Pestizide baut toom Baumarkt das Angebot an bienenfreundlichen Pflanzen seit 2016 kontinuierlich aus. Ein Entomologe bewertet dafür alle relevanten Artikel auf ihre Bienenfreundlichkeit. Bis Ende 2020 wurden bereits knapp 1.000 Artikel - darunter Blumenzwiebeln, Kräuter und Obstbäume – als bienenfreundlich bewertet und tragen damit den Claim „Bienenfreunde".

Eine Negativliste zum Pestizideinsatz bei konventionellem Obst und Gemüse
Die REWE Group hat sich das Ziel gesetzt, die Pestizidbelastung bei konventionellem Obst und Gemüse zu reduzieren. Dazu arbeitet sie mit Erzeugern, NGOs und der Wissenschaft an Lösungen, um die Umwelt und Gesundheit möglichst wenig zu belasten und dabei die Produktion und Ertragssicherheit für Landwirt:innen sicherzustellen. So hat die REWE Group eine Negativliste definiert, die Wirkstoffe aufführt, die von den Erzeugern in der Produktion nicht eingesetzt werden dürfen. Für mehr Informationen zum Pestizideinsatz bei konventionellem Obst und Gemüse siehe Abschnitt Ökologische Aspekte in der Lieferkette.

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