REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2020

Verpackungen

Verpackungen gehören zu unserem alltäglichen Leben. Sie erfüllen viele wichtige Funktionen: Sie halten Nahrungsmittel frisch, schützen sie und ermöglichen ihren Transport. Außerdem bieten sie Platz für wichtige Informationen. Jedoch entstehen entlang der Wertschöpfungskette von Verpackungen eine Vielzahl negativer ökologischer Effekte. Bei der Verpackungsherstellung werden beispielsweise natürliche Ressourcen eingesetzt, Energie verbraucht und Emissionen ausgestoßen. Wird der Verpackungsmüll falsch entsorgt und nicht dem Recycling zugeführt, so landet dieser in einer Verbrennungsanlage, bei nicht sachgerechter Entsorgung auch in der Natur. Die Stakeholder der REWE Group schätzen das Thema Verpackungen als besonders relevant für das Unternehmen ein (für mehr Informationen siehe Abschnitt Wesentlichkeitsanalyse).

Um Nachhaltigkeit als festen Bestandteil in die Unternehmensprozesse zu integrieren, hat die REWE Group eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie mit den vier zentralen Säulen Grüne Produkte, Energie, Klima und Umwelt, Mitarbeiter:innen und Gesellschaftliches Engagement entwickelt. Zudem wurde die Strategie Grüne Produkte 2030 verabschiedet, um Nachhaltigkeit noch stärker in die Beschaffungsprozesse zu integrieren. Im Rahmen der Handlungsfelder Mensch, Tier und Umwelt entwickelt das Handels- und Touristikunternehmen wirksame Maßnahmen in der Säule Grüne Produkte, um ökologische und soziale Auswirkungen zu reduzieren. Innerhalb des Handlungsfelds Umwelt wurden die Fokusthemen Kreislaufwirtschaft, Wasser sowie Biodiversität identifiziert. Eine besondere Rolle beim Fokusthema Kreislaufwirtschaft spielt der Bereich Verpackung.

GRI 301: Materialien

Managementansatz

In ihrer Leitlinie für nachhaltiges Wirtschaften bekennt sich die REWE Group zu einer effizienten Nutzung der natürlichen Ressourcen Boden, Luft und Wasser sowie von Rohstoffen, Kraft- und Brennstoffen. Dafür optimiert die REWE Group relevante Ressourcenverbräuche in ihren Geschäftsprozessen und setzt produkt- oder rohstoffbezogene Maßnahmen um, die in vor- und nachgelagerten Stufen der Wertschöpfungskette ansetzen.

Leitlinie gibt den Rahmen vor

Um Verkaufs- und Serviceverpackungen umweltfreundlicher zu gestalten, hat die REWE Group eine Leitlinie für umweltfreundlichere Verpackungen erstellt. Sie definiert einen verbindlichen Handlungsrahmen für die REWE Group und ihre Vertragspartner. Darin wird beschrieben, welche Faktoren grundlegend positive („Dos") und negative („Don'ts") Effekte auf die Umweltfreundlichkeit einer Verpackung haben.

Für die REWE Group ist die Kreislaufwirtschaft ein bedeutender Lösungsansatz, um Ressourcen zu schonen und Umwelt und Klima zu schützen. Da Verpackungen einen erheblichen Ressourcenverbrauch verursachen, hat der Handelskonzern einen umfassenden Ansatz für umweltfreundlichere Verpackungen entwickelt. Dabei arbeitete die REWE Group eng mit wichtigen Stakeholdern zusammen – von den Einkaufsbereichen über ausgewählte NGOs bis hin zu Expert:innen der Verpackungsgestaltung.

Um den Ansatz zu entwickeln, wurde zunächst eine Datenanalyse durchgeführt. Anhand dieser wurden wesentliche Auswirkungen und Stellschrauben identifiziert. Anschließend wurde der Ansatz durch Ziele und Maßnahmen konkretisiert. In einem Stakeholder-Review-Prozess wird er stetig weiterentwickelt.

Um die Fortschritte messbar zu machen, hat die REWE Group für den Bereich Verpackungen folgenden Key Performance Indikator (KPI) mit dazugehörigen Zielen definiert:

KPI Ziel Status
Anteil umweltfreundlichere Verkaufs- und Serviceverpackungen der Eigenmarken1 100 % bis Ende 2030 ↗︎
↗︎In Umsetzung Ziel erreichtZiel nicht erreicht
1 Betrachtet wird die Bezugsmenge der Eigenmarkenverpackungen. Dieses Ziel gilt für die REWE Group in Deutschland (REWE, PENNY, toom Baumarkt) und seit 2019 auch für die internationalen Marken (BILLA, MERKUR, PENNY und ADEG).

„Umweltfreundlichere Verpackungen“ sind solche, die möglichst geringe Auswirkungen auf die Umwelt haben. Dafür gilt es, Verpackung wo möglich zu vermeiden, zu verringern oder hinsichtlich ihrer Umwelteffekte zu verbessern. Diese Prinzipien sind in der hier angegebenen Rangfolge anzuwenden – so ist die ökologisch beste Verpackung die, die vollständig vermieden werden kann.

Sechs Kriterien für umweltfreundlichere Verpackungen

Die folgenden sechs Kriterien dienen als Stellschrauben, um die negativen Umweltauswirkungen einer Verpackung zu senken:

  • Einsatz von Mehrweg-Alternativen
  • Reduktion des Materialeinsatzes
  • Förderung der Recyclingfähigkeit
  • Einsatz von Sekundärrohstoffen
  • Einsatz von alternativen Materialien
  • Einsatz zertifizierter Rohstoffe
  • Verpackungen, bei denen die Kriterien angewandt werden, weisen im Idealfall auch ein besseres Ergebnis bei einer ökobilanziellen Bewertung auf. Ökobilanzielle Bewertungen sieht die REWE Group als ein hilfreiches Instrument zur Beurteilung der Umweltfreundlichkeit von Verpackungen, beispielsweise bei einem Materialwechsel. Jede Optimierung einer Verpackung oder eines Verpackungsbestandteils gemäß den Kriterien hat grundsätzlich einen positiven Umwelteffekt und trägt dazu bei, das Ziel „100 Prozent umweltfreundlichere Eigenmarkenverpackungen“ zu erreichen. Verpackungen sollten stets so umfassend wie möglich optimiert bzw. reduziert werden. Auf Basis des aktuellen Forschungsstands und aktueller Entwicklungen werden Verpackungen stetig überprüft und kontinuierlich optimiert.

Neben dem strategischen Verpackungsziel „100 Prozent umweltfreundlichere Eigenmarkenverpackungen“ hat sich die REWE Group weitere Unterziele gesetzt, die ebenfalls einer kontinuierlichen Fortschrittsüberprüfung unterliegen: So sollen 100 Prozent der PET-Verpackungen im Bereich Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel bis Ende 2021 zu 100 Prozent aus Rezyklat bestehen – wo möglich, strebt die REWE Group mindestens 20 Prozent Rezyklat aus dem gelben Sack an. Außerdem sollen alle PET-Getränkeflaschen bis Anfang 2025 im Durchschnitt einen Rezyklatanteil von 25 Prozent aufweisen.

In den Eigenmarkenverpackungen von REWE und PENNY in Deutschland sollen darüber hinaus bis Ende 2025 20 Prozent weniger Kunststoff eingesetzt werden. Ergänzend dazu streben die beiden Vertriebslinien an, dass bis Ende 2025 100 Prozent der Eigenmarken-Kunststoffverpackungen recyclingfähig sind. Ihr Ziel, bis Ende 2020 100 Prozent zertifizierte Eigenmarken-Papierverpackungen einzusetzen, haben REWE und PENNY in Deutschland leicht verfehlt. Sie arbeiten weiter daran, das Ziel zu erreichen.

Auf Produkten, die umweltfreundlicher verpackt sind, sorgt die REWE Group mit drei entsprechenden Siegeln für Transparenz. Die Kund:innen können durch die Kennzeichnungen auf immer mehr Produkten auf einen Blick erkennen, welche Maßnahmen zur Optimierung der Verpackung bereits umgesetzt wurden, wie reduzierter Materialeinsatz, Einsatz von Sekundärrohstoffen oder Einsatz alternativer Materialien.

Systematische Integration in die Einkaufsprozesse
Der Ansatz für umweltfreundlichere Verpackungen wird systematisch über alle Sortimente in die Einkaufsprozesse integriert. Einen Wissenstransfer innerhalb des Unternehmens stellt die REWE Group unter anderem durch einen fest installierten Arbeitskreis zum Thema Verpackungen sicher.

Bei der Implementierung setzt die REWE Group auf drei aufeinander aufbauende Säulen:

  • Der Handelskonzern verankert definierte Anforderungen an umweltfreundlichere Verpackungen in seinen Einkaufsprozessen. Für die Bewertung von Verpackungen und Verpackungsalternativen hat die REWE Group Instrumente entwickelt, die auf Grundlage der Anforderungen eine Einordnung der Umweltfreundlichkeit von Verpackungen erlauben.
  • Lieferantengespräche stellen die Basis für eine Kooperation mit Blick auf Potenziale zur Verbesserung der Umweltfreundlichkeit von Verpackungen dar.
  • Innovationsprojekte führen zur Entwicklung neuer Verpackungskonzepte, so zum Beispiel durch die Zusammenarbeit mit Partnern aus der Lieferkette, durch Engagements in Forschungsprojekten und Brancheninitiativen oder durch die Zusammenarbeit mit Start-ups. Dabei kann es etwa um den Einsatz alternativer Rohstoffe oder die Vermeidung von Verpackungen mittels innovativer Technologien gehen.

Auszeichnung nachhaltigerer Verpackungsideen

Im Berichtsjahr hat die REWE Group zum zweiten Mal gemeinsam mit der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V. den Sonderpreis Verpackung des Deutschen Nachhaltigkeitspreises verliehen. Im Zentrum des Wettbewerbs stehen Konzepte und Ideen, die Verpackungen reduzieren, optimieren oder vermeiden und gleichzeitig den Anforderungen der Verbraucher:innen an Hygiene, Information und Bequemlichkeit entsprechen. Gewonnen hat der Lebensmittelhersteller Frosta für seine Tiefkühlverpackung aus Papier.

Maßnahmen für umweltfreundlichere Verpackungen

Um ein Zeichen für die Reduzierung des Plastikmülls zu setzen, hat die REWE Group in ihren Vertriebslinien REWE (2016), PENNY (2017), DER Touristik Reisebüros (2017) und toom Baumarkt (2018) in Deutschland sowie bei BILLA, MERKUR, PENNY, BIPA und ADEG in Österreich (2017) die Plastiktüte ausgelistet.

„Raus aus Plastik“

Mit ihrer Initiative „Raus aus Plastik“ arbeitet die REWE Group in Österreich daran, Plastik in den Regalen von BILLA, MERKUR, PENNY und ADEG einzusparen. Beispielsweise bietet Echt B!O, die Eigenmarke von PENNY Österreich, seit 2018 Blutorangen im Baumwollnetz an. Einige Obst- und Gemüsesorten werden auch unverpackt angeboten, darunter Speisekürbisse und Zucchini. Seit Ende 2019 wird zudem das gesamte Bio-Obst- und -Gemüse-Sortiment in Österreich nur noch unverpackt und lose oder umweltfreundlicher verpackt angeboten und im Jahr 2020 wurde die Bio-Milch der Eigenmarke Ja! Natürlich auf Mehrweg-Glasflaschen umgestellt. Seit dem Start der Verpackungsoptimierungen 2011 konnten alleine bei der Handelsmarke Ja! Natürlich bereits 1.100 Tonnen Plastik und 4.830 Tonnen CO2 eingespart werden.

Darüber hinaus hat die REWE Group weitere vielfältige Maßnahmen zur umweltfreundlicheren Gestaltung von Verpackungen und zur Optimierung des Ressourceneinsatzes implementiert. Durch über 2.000 umgesetzte Verpackungsänderungen sparen REWE und PENNY jährlich rund 8.900 Tonnen Kunststoffe ein (Stand Oktober 2019).

In einem ersten Schritt arbeitet die REWE Group intensiv daran, Verpackungen zu vermeiden (1):

Mehrwegnetze im Obst- und Gemüsebereich

Ende 2017 hat sich die REWE Group erstmals damit befasst, wie die Obstbeutel aus Plastik („Knoten-Beutel“) reduziert werden können: Kund:innen konnten in den teilnehmenden REWE-Testmärkten Mehrwegfrischenetze erwerben und diese für den Obsttransport immer wieder mitbringen. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass Obst und Gemüse mit natürlicher Schutzhülle auch ganz ohne Verpackung transportiert werden können. Im Oktober 2018 führte REWE als erster großer Lebensmittelhändler in Deutschland diese Mehrwegfrischenetze bundesweit ein, 2019 folgte PENNY mit der bundesweiten Einführung der Baumwollnetze. Und auch in Österreich bietet die REWE Group seit 2018 als erster Händler Mehrwegfrischenetze an – für den ressourcenschonenderen Transport von unverpacktem Obst und Gemüse. Im Berichtsjahr wurde die REWE Group in Österreich mit dem WorldStar Packaging Award ausgezeichnet.

Weniger Verpackungen durch Natural Branding

Seit März 2017 wendet REWE das sogenannte „Natural Branding“ an: Per Laser werden Logos und Informationen direkt auf die äußere Schale von Süßkartoffeln aufgetragen. Hierzu werden lediglich Pigmente der äußersten Schalenschicht abgetragen. Das Labeling findet nur an der Oberfläche statt, ist völlig kontaktlos und hat keinen Einfluss auf Geschmack, Qualität oder Haltbarkeit. Bedruckte Verpackungen zur Kennzeichnung von Bio-Ware werden so überflüssig – Plastik, Papier und Metall können eingespart werden. Während der Saisonplanung werden regelmäßig Obst- und Gemüseartikel auf ihre Natural-Branding-Fähigkeit geprüft und, wo sinnvoll, getestet bzw. umgestellt.

Obst und Gemüse unverpackt

REWE und PENNY bieten verschiedene Obst- und Gemüseartikel bereits seit langer Zeit unverpackt an – und weiten ihr Engagement immer weiter aus. Seit April 2020 bietet REWE in Deutschland bundesweit Bio-Obst und Bio-Gemüse weitestgehend ohne Plastik oder mit verbesserter Verpackung an. Auf diese Weise können jährlich Einsparungen von 210 Tonnen Plastik und 80 Tonnen Papier im Bereich Bio-Obst und -Gemüse realisiert werden. Diesem Schritt vorausgegangen war ein „Unverpackt-Test“ in 630 REWE- und nahkauf-Märkten in Baden-Württemberg, der Pfalz und dem Saarland. Dabei wurde im Bereich Bio-Obst und -Gemüse weitestgehend auf Plastikverpackungen verzichtet oder umweltfreundlichere Verpackungen eingesetzt. Hierbei unterstützte der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) beratend mit seiner Expertise.

Ein weiteres Beispiel für die Vermeidung von Verpackungsmaterial ist die Umstellung von Folienverpackung auf Klebebanderolen oder Klebeetiketten bei Gurken. Indem REWE und PENNY auf die Folienverpackung bei Gurken verzichten, werden pro Jahr rund 160 Tonnen Plastik eingespart. Und auch toom Baumarkt arbeitet daran, Verpackungsmaterial zu vermeiden. So reduziert die Vertriebslinie den Einsatz von Kunststoffetiketten bei Pflanzenprodukten. Bis 2020 konnten bereits sieben Millionen Etiketten eingespart werden.

DER Touristik vermeidet Einweg-Plastikflaschen

Mindestens 20 Plastikflaschen verwendet jede:r Urlauber:in durchschnittlich während einer Asien-Rundreise. Um die Menge an Plastikabfall in den Urlaubsregionen zu reduzieren, gibt Go Vacation, die Zielgebietsagentur der DER Touristik, seit Winter 2017/18 an die Rundreise-Gäste der DER Touristik-Veranstalter Dertour, Jahn Reisen, ITS, Meier’s Weltreisen, ADAC Reisen, Travelix und Kuoni in Indonesien zu Reisebeginn wiederbefüllbare Trinkflaschen aus, die sie auch mit nach Hause nehmen können. In allen Rundreisehotels und auch bei Zwischenstopps in Restaurants können die Flaschen dank Wasserspendern aufgefüllt werden. Auf Einweg-Plastikflaschen wird künftig komplett verzichtet. Auf Bali erhalten die Gäste zusätzlich Stofftaschen, damit Plastiktüten überflüssig werden. Die Trinkflaschen und auch die Stofftaschen wurden lokal produziert. Die Aktion wurde 2019 auf Vietnam und Sri Lanka ausgeweitet.

Einwegplastik im Tourismus vermeiden: „Plastic Free Balearics“

Das Futouris-Projekt „Plastic Free Balearics“ verfolgt das Ziel, die Verwendung von Einwegplastik in der Hotellerie zu reduzieren oder komplett zu vermeiden. So soll auch die Menge an Plastikabfällen reduziert und eine weitere Verwertung optimiert werden. 2019 wurden bei ausgewählten Hotels die Plastik-Hot-Spots ermittelt: Dazu zählen Wasserflaschen und Hygieneartikel aus Einwegplastik in den Gästezimmern sowie einzeln verpackte Portionen am Buffet oder die Verwendung von Bechern und Besteck aus Einwegplastik im Außenbereich. Die DER Touristik Group nimmt mit einem Hotel auf Mallorca an diesem Projekt teil. Hier wurden aufbauend auf den Erkenntnissen Maßnahmen wie die Bereitstellung plastikfreier Strohhalme, loser Tees, Spender für Seife, Shampoo und Duschgel sowie Kommunikationsmaßnahmen für die Gäste und Trainings für Mitarbeiter:innen umgesetzt. Zudem werden die Plastikverpackungen von angelieferten Waren und Lebensmitteln analysiert und wenn möglich reduziert.

Verpackungsfreie Produkte an der Frischetheke

Nach erfolgreichen Tests im März 2019 und dem Rollout im Juli 2019 ermöglicht die REWE Group in Österreich in allen BILLA- und MERKUR-Filialen das Befüllen von Wurst und Käse sowie von Kaffeegetränken in mitgebrachte Behältnisse. Die Kund:innen bringen eine leere, saubere Mehrwegbox bzw. einen Kaffeebecher mit. Die Mitarbeiter:innen befüllen dieses Behältnis und versehen es mit einem Etikett. Auf diese Weise kann der Verpackungsverbrauch reduziert werden. Seit Juni 2019 ist das Mitbringen von Behältnissen auch in fast allen deutschen REWE-Märkten mit Frischetheken möglich.

Mehrwegsystem für die Salatbar

Als erster Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland bietet die Vertriebslinie REWE seit 2020 zusammen mit dem Start-up VYTAL ein kostenloses Mehrwegsystem für die Salatbar an. Die Besonderheit ist, dass das System ohne Pfand funktioniert. Neben der Salatbar steht ein VYTAL-Automat mit frischen Mehrwegverpackungen. Kund:innen können sich am Automaten eine Schale nehmen, indem sie den QR-Code von ihrem VYTAL-Kundenkonto einscannen. Die Schale können sie wie gewohnt befüllen und an der Kasse bezahlen. Dort wird das Eigengewicht der Schale automatisch abgezogen. Innerhalb von 14 Tagen kann die Schale entweder im Rückgabeautomaten im REWE-Markt oder bei anderen Partnern von VYTAL, wie Cafés und Restaurants, zurückgegeben werden. Das pfandlose Mehrwegsystem wird zunächst in fünf Kölner REWE-Märkten getestet.

Ist die vollständige Verpackungsvermeidung nicht möglich, so arbeitet die REWE Group mithilfe verschiedener Maßnahmen daran, das Material zu verringern (2):

Verpackungsmaterial reduzieren

Folieneinsparungen bei ausgewählten REWE- und PENNY-Eigenmarkenprodukten, beispielsweise bei Frühstücks- und Müllbeuteln und bei Verpackungen von Küchentüchern und Toilettenpapier, führen zu einer Gesamteinsparung von 590 Tonnen Plastik pro Jahr. Und auch in Österreich arbeitet die REWE Group daran, Material zu reduzieren: Die Vertriebslinie BIPA bietet seit 2020 ausgewählte Produkte der Marke bi good im Nachfüllbeutel an. Diese Maßnahme spart bis zu 75 Prozent Verpackungsmaterial ein.

Einsparung dank Schlauchbeutel

Seit 2020 verkauft die Vertriebslinie REWE das Rinderhackfleisch von Wilhelm Brandenburg im sogenannten Schlauchbeutel. Durch die Verpackung mit Schutzgasatmosphäre können rund 60 Prozent Kunststoff eingespart werden - das entspricht etwa 35 Tonnen pro Jahr.

Dort, wo keine Verringerung der Verpackung vorgenommen werden kann, wird sie mit Blick auf die Umweltfreundlichkeit so weit wie möglich verbessert (3):

Materialien im Kreislauf führen

Um die nicht vermeidbaren Verpackungen zu verbessern, spielt das Konzept der Kreislaufwirtschaft eine wichtige Rolle für die REWE Group. Denn durch den Einsatz von Sekundärrohstoffen können Rohstoffe im Kreislauf gehalten und somit Ressourcen eingespart werden. So ist die REWE Group Mitglied der Recyclat-Initiative, einer Kooperation von Partnern verschiedener Branchen, die sich für ein effektives Recycling starkmachen und dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft Rechnung tragen. Das gemeinsame Ziel ist es, nachhaltige Materialkreisläufe zu entwickeln und dafür Wertstoffe aus dem Gelben Sack zu nutzen. Bei der Warengruppe „Waschen, Putzen, Reinigen" stellen REWE und PENNY schon seit 2017 kontinuierlich auf Verpackungen um, die zu 100 Prozent aus Rezyklat bestehen, von dem wiederum 20 Prozent aus dem Gelben Sack stammen. Darüber hinaus bieten REWE und PENNY seit 2019 Duschgel und Seifen der Eigenmarke „today" in Verpackungen aus 100 Prozent Rezyklat an. Auch hier stammt das Material zu 20 Prozent aus dem Gelben Sack. Die Nutzung der Rohstoffe aus dem Gelben Sack ist aufgrund einer speziellen, auf Laseroptik basierenden Sortiertechnologie möglich. Zukünftig will die REWE Group weitere Verpackungen auf Rezyklat umstellen (für weitere Informationen siehe „Managementansatz").

Getränkeflasche aus 100 Prozent Rezyklat

Viele Eigenmarken-Getränkeflaschen der REWE Group bestehen bereits seit Längerem zu einem nennenswerten Anteil aus recyceltem PET (rPET). Mit einer Wasserflasche aus 100 Prozent Rezyklat führten REWE und PENNY Anfang 2019 als erste Lebensmitteleinzelhändler eine Eigenmarken-Getränkeflasche ein, die komplett aus recyceltem Kunststoff besteht – so beispielsweise die 0,75 l-Wasserflasche (still) mit Sportscap der Eigenmarken PENNY Ready und REWE Beste Wahl. Bis Anfang 2025 sollen alle PET-Getränkeflaschen im Durchschnitt einen Rezyklatanteil von 25 Prozent aufweisen.

Einsatz von recyceltem Kunststoff

toom Baumarkt entwickelte in Zusammenarbeit mit Lieferanten und weiteren Partnern Verpackungen, die zu fast 100 Prozent aus recyceltem Kunststoff hergestellt werden. Schon seit 2011 bieten die Baumärkte Eigenmarken-Farbe in Eimern aus recyceltem Kunststoff an. Im Jahr 2020 umfasste das Sortiment aus Farbeimern aus recyceltem Kunststoff (Procyclen®) 130 Artikel. Im Vergleich zu Verpackungen aus Primärmaterial ist der CO2-Ausstoß bei Gebinden aus Rezyklat um bis zu 50 Prozent reduziert. Damit hat toom Baumarkt seit der Einführung über 1.000 Tonnen CO2 eingespart. Seit 2015 hat toom Baumarkt darüber hinaus beispielsweise Farbwannen sowie Eimer und Aufbewahrungsboxen aus recyceltem Kunststoff ins Sortiment aufgenommen und baut sein Angebot an Produkten mit Rezyklatanteil kontinuierlich aus. Zudem fordert toom Baumarkt seit Juli 2020 von seinen Pflanzenlieferanten, dass sie ausschließlich recyclingfähige Kulturtöpfe einsetzen, die zu mindestens 50 Prozent aus Post-Consumer-Rezyklat bestehen.

Joghurt-Deckel als Mehrweglösung

Sowohl REWE als auch PENNY verzichten bei ausgewählten Joghurt-Eigenmarken im 500-Gramm-Becher auf den zusätzlichen Plastikdeckel. Durch diese Maßnahme sparen die beiden Vertriebslinien jedes Jahr insgesamt 120.000 Kilogramm Plastik ein. Damit die Kund:innen den geöffneten Joghurtbecher bequem und hygienisch wieder verschließen können, bieten REWE und PENNY lebensmittelechte Mehrwegdeckel an.

bi good: Verpackungen mit höchstmöglichem Recyclinganteil

In Österreich hat die Vertriebslinie BIPA im Jahr 2014 unter dem Namen bi good eine neue Linie für Haushalts- und Pflegeprodukte eingeführt. Die Verpackungen bestehen ausschließlich aus wiederverwertbaren Materialien und haben den aktuell maximal möglichen Recyclinganteil. So werden Flaschen (HDPE oder PET) und Faltschachteln (Papier) aus 100 Prozent und Tuben (PE) aus 60 Prozent Recyclingmaterial hergestellt.

Ein funktionierendes Recycling unterstützen

Damit Verpackungsmaterialien nach der Entsorgung erneut eingesetzt werden können, ist ein funktionierendes Recycling zentral. Für dieses wiederum muss der Verpackungsabfall sortenrein getrennt werden. Um diesen Prozess zu unterstützen, ist die REWE Group seit 2020 Gründungsmitglied bei „Holy Grail 2.0“. Die Initiative will eine verbesserte Sortierung durch ein digitales Wasserzeichen auf Verpackungen ermöglichen. Die mit dem bloßen Auge nicht wahrnehmbaren Codes werden auf der ganzen Verpackung aufgetragen. Mithilfe einer hochauflösenden Kamera werden die Wasserzeichen in der Abfallsortieranlage erkannt und die Verpackung kann entsprechend den jeweiligen Daten automatisch sortiert werden. Das Ergebnis: bessere Sortierströme und damit hochwertigere Rezyklate.

Einsatz alternativer Materialien

Ein weiterer Ansatz, um Verpackungen zu verbessern, ist der Einsatz von Graspapier. Das alternative Verpackungsmaterial besteht zu 40 Prozent aus sonnengetrocknetem Gras und nur zu 60 Prozent aus Holz. Gras ist ein schnell nachwachsender Rohstoff und benötigt bei der Verarbeitung zu Graspellets weniger Wasser und Energie als für die Herstellung von Frischfaser oder Altpapier. Chemie kommt bei der Herstellung der Graspellets gar nicht zum Einsatz. Zudem verursacht die Produktion von Graspapier weniger Treibhausgase als die Herstellung von herkömmlichem Papier aus Frischfaser oder Altpapier. Der Rohstoff für die Graspellets stammt von ungenutzten Ausgleichsflächen aus der näheren Umgebung der Papierfabrik. Damit hat die Grasverpackung eine vergleichsweise gute Ökobilanz.

Derzeit nutzt die REWE Group Verpackungen aus Graspapier zum Beispiel für die PENNY Naturgut Bio Äpfel national, PENNY Naturgut Bio Rispentomaten national und die REWE Bio Birnen regional. Bei der REWE Group in Österreich sind seit 2020 außerdem die Kräuter- und Blumensamen sowie Tees der Marke Ja! Natürlich in Graspapier verpackt.

Um die Verpackungen von Pflanzen zu verbessern, hat toom Baumarkt im Berichtsjahr damit begonnen, die Schutzhüllen schrittweise auf dünnes Kraftpapier umzustellen.

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