REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2020

Fokusrohstoffe – Non-Food

Insbesondere in den Lieferkettenstufen des Rohstoffanbaus und der Verarbeitung gibt es ökologische Herausforderungen sowie ein erhöhtes Risiko der Missachtung von Arbeits- und Sozialstandards. Sie stehen daher im Fokus der Aktivitäten der REWE Group. Im Rahmen seiner produktbezogenen Risikoanalyse ermittelte das Handelsunternehmen folgende kritische Rohstoffe im Non-Food-Bereich: Baumwolle und Textilien sowie Natursteine.

Um Nachhaltigkeit als festen Bestandteil in die Unternehmensprozesse zu integrieren, hat die REWE Group eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie mit den vier zentralen Säulen Grüne Produkte, Energie, Klima und Umwelt, Mitarbeiter:innen und Gesellschaftliches Engagement entwickelt. Zudem wurde die Strategie Grüne Produkte 2030 verabschiedet, um Nachhaltigkeit noch stärker in die Beschaffungsprozesse zu integrieren. Im Rahmen der Handlungsfelder Mensch, Tier und Umwelt entwickelt das Handels- und Touristikunternehmen wirksame Maßnahmen in der Säule Grüne Produkte, um ökologische und soziale Auswirkungen zu reduzieren. Innerhalb dieser Handlungsfelder spielen die Aktivitäten zu den Fokusrohstoffen Baumwolle und Textilien sowie Natursteine im Non-Food-Bereich eine besondere Rolle.

GRI FP1:

Anteil des Einkaufsvolumens, welches in Übereinstimmung mit den Leitlinien des Unternehmens beschafft wurde

Die REWE Group arbeitet kontinuierlich daran, ihre Lieferketten sozial und ökologisch verträglicher zu gestalten. Dabei setzt das Unternehmen auf international anerkannte Zertifizierungsstandards, arbeitet gemeinsam in Brancheninitiativen, setzt eigene Projekte auf und formuliert eigene Anforderungen im Rahmen seiner Leitlinien sowie im PRO PLANET-Prozess. Im Folgenden werden die Ansätze für einzelne Rohstoffe vorgestellt.

Baumwolle und Textilien

Baumwolle ist einer der wichtigsten Rohstoffe der Textilindustrie und wird vornehmlich in Indien, China und den USA angebaut. Der konventionelle Baumwollanbau ist wasserintensiv und erfolgt unter hohem Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln. Um den Anteil der aus nachhaltigerer Baumwolle hergestellten textilen Produkte zu erhöhen, setzt die REWE Group in Deutschland auf Cotton made in Africa (CmiA), den Global Organic Textile Standard (GOTS) und auf Textilien aus recycelten Fasern. Außerdem unterstützt das Handelsunternehmen zusätzlich das deutsche Textilsiegel Grüner Knopf. Die REWE Group strebt an, den Anteil der Textilien aus nachhaltigerer Baumwolle bei REWE, PENNY und toom Baumarkt in Deutschland bis 2025 auf 100 Prozent zu erhöhen. Im Jahr 2020 betrug der Anteil 91 Prozent.

Anteil nachhaltigerer Textilien aus Baumwolle (REWE, PENNY und toom Baumarkt in Deutschland)

2018 2019 2020
Anteil CmiA- oder GOTS-zertifizierter Textilien 85 % 88 % 91 %

Die REWE Group unterstützt CmiA bereits seit 2008. Die Initiative der Aid by Trade Foundation setzt sich dafür ein, die Lebensbedingungen afrikanischer Kleinbäuer:innen durch Hilfe zur Selbsthilfe zu verbessern. In landwirtschaftlichen Schulungen werden den afrikanischen Kleinbäuer:innen effiziente Anbaumethoden vermittelt, die die Erträge und die Qualität der Baumwolle steigern und gleichzeitig ihre Gesundheit schonen und die Umwelt entlasten. Dank dieser Maßnahmen verbessert sich das Einkommen der Bäuer:innen und ihrer Familien. Darüber hinaus werden sie mit verschiedenen Kooperationsprojekten, zum Beispiel im Bereich Bildung und Frauenförderung, unterstützt.

Der Grüne Knopf

Um ihren Konsument:innen beim Einkauf von nachhaltigeren Textilien Orientierung zu geben, unterstützt die REWE Group den Grünen Knopf seit seiner Einführung im Jahr 2019. Das staatliche Siegel für nachhaltige Textilien soll ökologische und soziale Standards in der textilen Lieferkette sicherstellen. Insgesamt 46 Sozial- und Umweltkriterien stellen verbindliche Anforderungen an das Produkt und seinen Herstellungsprozess – von Abwassergrenzwerten bis zum Verbot von Zwangsarbeit. Direkt am Produkt angebracht, ist er beim Einkauf für die Kund:innen leicht zu erkennen. REWE und PENNY in Deutschland zeichnen bereits 23 Artikel mit dem Grünen Knopf aus. Dazu zählen ihre Baumwolltragetaschen, das Mehrwegfrischenetz von PENNY sowie Bekleidungs- und Heimtextilien der REWE- und PENNY-Märkte.

Neben dem Fokus auf den Rohstoff Baumwolle engagiert sich die REWE Group durch vielseitige Maßnahmen für einen nachhaltigeren Textilsektor. Um die ökologischen Auswirkungen in der Lieferkette von Textilien zu verbessern, hat sich die REWE Group im Jahr 2014 der Detox-Kampagne von Greenpeace angeschlossen und ein entsprechendes Programm für Produkte mit der REWE Group als Inverkehrbringer in den Warengruppen Kleidung, Schuhe und Heimtextilien aufgesetzt. Das Ziel ist eine sichere Textilproduktion ohne gefährliche Chemikalien. Dazu arbeitet die REWE Group gemeinsam mit ihren Lieferanten daran, gefährliche Chemikalien systematisch aus der Textilproduktion zu eliminieren. Mit dem Jahr 2020 lief die Greenpeace Detox-Kampagne offiziell aus. Unabhängig davon hat sich die REWE Group weiterhin dazu verpflichtet, gefährliche Chemikalien in der Textilproduktion zu eliminieren (für mehr Informationen siehe Abschnitt Ökologische Aspekte in der Lieferkette).

Außerdem hat die REWE Group im Jahr 2013 das Abkommen „The Bangladesh Accord on Fire and Building Safety“ (Accord) für mehr Sicherheit in der Textilindustrie in Bangladesch unterzeichnet (für mehr Informationen siehe Abschnitt Soziale Aspekte in der Lieferkette)). Darüber hinaus ist die REWE Group Mitglied im internationalen Fur Free Retailer Program. In den Eigenmarkensortimenten gilt das Verbot von Echtpelz bereits seit mehreren Jahren. In der Leitlinie für nachhaltigere Textilien beschreibt die REWE Group ihren Managementansatz und ihre Aktivitäten.

Holz und Papier

Die REWE Group setzt sich für den Schutz der Wälder und der dort lebenden Tier- und Pflanzenarten ein. Sie unterstützt daher eine umweltgerechte und sozialverträgliche Waldwirtschaft, indem sie Holz und Papier für ihre Produkte und Verpackungen zunehmend aus nachhaltig bewirtschafteten Quellen bezieht. Dabei setzt die REWE Group auf die Siegel des Forest Stewardship Council (FSC®) und des Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC™) sowie auf das Umweltzeichen Blauer Engel. Bereits eine Vielzahl von Produkten der REWE Group sind mit diesen Siegeln ausgezeichnet. Für die Vertriebslinien REWE und PENNY in Deutschland hat sich die REWE Group im Berichtsjahr das Ziel gesetzt, dass im Bereich Non-Food bis Ende 2025 und im Bereich Near-Food bis 2020 100 Prozent der Holz- und Papierartikel mit einem Holz- und Papieranteil von mindestens 95 Prozent durch die Standards Blauer Engel, FSC Recycled, PEFC Recycled, FSC 100%, PEFC™ oder FSC Mix zertifiziert sind. Im Bereich Near-Food konnte das Ziel erreicht werden. Die Hygienepapierprodukte bei REWE und PENNY tragen zu 100 Prozent die Label von FSC®, PEFC™ oder des Blauen Engels.

Auch toom Baumarkt bietet ein stetig wachsendes Sortiment an zertifizierten Artikeln aus zahlreichen Produktkategorien an und ist seit 2018 Mitglied bei FSC® und PEFC™. Damit unterstützt er die hohen Standards zu Transparenz und Kontrolle der Produktkette der beiden Systeme zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Zudem bieten die Vertriebslinien REWE, PENNY und toom Baumarkt in Deutschland seit Ende 2019 mit der Ausnahme eines Produkts ausschließlich FSC®- oder PEFC™-zertifizierte Holzkohle an.

Torffreie Erden

toom Baumarkt hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2025 keine torfhaltigen Erden mehr anzubieten. Dies betrifft Eigenmarken sowie Markenprodukte. Im Zuge der Umstellung wird der Torfanteil über das gesamte Sortiment kontinuierlich reduziert und durch nachwachsende Rohstoffe ersetzt. Darüber hinaus wird das Angebot an torffreien Erdenprodukten jedes Jahr erhöht. Im Jahr 2020 wurden insgesamt zehn torffreie Eigenmarkenprodukte angeboten: davon sieben toom Naturtalent Blumenerden und drei Produkte der toom Qualitätsmarke. Damit waren bis Ende 2019 mit Ausnahme von zwei Spezialerden alle Eigenmarken-Erden entweder torffrei oder torfreduziert. Seit 2020 enthalten auch die beiden Spezialerden torfreduzierte Erde. In einem nächsten Schritt werden sie sukzessive auf torffreie Erde umgestellt. Auch die Vertriebslinien REWE und PENNY haben ihr saisonales Erdensortiment um torffreie und torfreduzierte Alternativen ergänzt.

Natursteine

toom Baumarkt möchte sicherstellen, dass beim Abbau und bei der Produktion von Natursteinprodukten soziale Standards und Umweltvorgaben eingehalten werden. Dafür arbeitet toom seit einigen Jahren mit den unabhängigen Expert:innen von XertifiX zusammen, um die Lieferkette von Natursteinen bis in den Steinbruch lückenlos zu verfolgen und die Einhaltung von sozialen wie ökologischen Kriterien unabhängig zu kontrollieren. An der Überarbeitung dieses Standards, der bis 2023 gilt, wirkte toom Baumarkt als Vertreter des Handels aktiv mit. Seit 2016 sind zertifizierte Natursteinprodukte in den toom Baumärkten erhältlich, die das XertifiX PLUS- sowie das PRO PLANET-Label tragen – ihr Anteil am Umsatz von Natursteinen beträgt 82 Prozent. Dieses Sortiment an zertifizierten Produkten wird kontinuierlich ausgebaut, so tragen zum Beispiel alle in den toom Baumärkten erhältlichen Natursteinprodukte für den Garten aus China das XertifiX PLUS-Label.

Nordmanntannen

80 Prozent der Samen aller Nordmanntannen stammen aus der wirtschaftlich schwach entwickelten Region Racha in Georgien. Gemeinsam mit der dänischen Stiftung Fair Trees setzt sich toom Baumarkt für faire Arbeitsbedingungen und mehr Sicherheit bei der Zapfenernte in Georgien ein. Konkret absolvieren die Zapfenpflücker:innen vor jeder Erntesaison ein fünftägiges Klettertraining unter deutschen Standards. Außerdem erhalten sie ein professionelles Kletter-Equipment mit doppelter Sicherung. Darüber hinaus werden faire Löhne gezahlt und eine Unfallversicherung während der Erntesaison wird garantiert.

Seit 2018 hat toom Baumarkt sein Nordmanntannensortiment vollständig auf Fair Trees-Bäume umgestellt. Für jeden verkauften Baum wird ein Baum aus fairer Ernte nachgepflanzt. Zusätzlich zum Logo von Fair Trees tragen die Bäume das PRO PLANET-Label.

Mit jeder verkauften Tanne unterstützt toom Baumarkt die Stiftung Fair Trees dabei, zahlreiche soziale Projekte in der Ernteregion in Georgien umzusetzen. 2020 wurden auf diese Weise beispielsweise ein Fußballverein für Mädchen gegründet, Stipendien an Schüler:innen aus der Region vergeben oder Nahrungs- und Hygienepakete als Corona-Soforthilfen an 60 Familien verteilt.

Nachhaltigere Reisen: Futouris

Im Jahr 2015 ist die DER Touristik der Nachhaltigkeitsinitiative der deutschen Reisebranche Futouris beigetreten – mit dem Ziel, touristische Destinationen langfristig und durch Unterstützung von Projekten in den Bereichen Ökologie, Artenvielfalt und Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Kultur zu fördern. In diesem Rahmen wurde etwa ein Projekt zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung in Hotels durchgeführt und ein Leitfaden zur Analyse von menschenrechtlichen Auswirkungen der Geschäftstätigkeit in touristischen Großunternehmen erstellt. Das abgeschlossene Projekt Green Travel Transformation führte zu einer branchenweit anerkannten einheitlichen Kennzeichnung für nachhaltige Reiseangebote: Seit Winter 2019 werden nachhaltig zertifizierte Hotels mit einem grünen Blatt gekennzeichnet. Außerdem hat die DER Touristik im Jahr 2021 ihren ersten Katalog in Magazinform veröffentlicht, den „Magalog“. Er beinhaltet Hotels mit Nachhaltigkeitszertifizierung in Europa und Nordafrika (für mehr Informationen zu den beiden Projekten siehe Abschnitt Nachhaltigen Konsum fördern). Außerdem arbeiten die Mitgliedsunternehmen gemeinsam daran, die Menge der tourismusbezogenen Kunststoffabfälle auf den Balearen zu reduzieren. Dieses Projekt mit dem Namen „Plastic Free Balearics“ pausiert derzeit aufgrund der Corona-Pandemie.

Zur Sensibilisierung der Mitarbeiter:innen führt die DER Touristik regelmäßig Schulungen zum Thema Menschenrechte und Tourismus durch.

Weitere Themen aus diesem Bereich:

Produktbezogene Risikoanalysen

GRI 102-11

Regionalität

GRI 204-1

Fokusrohstoffe – Food

GRI FP1

Bio

GRI FP2

PRO PLANET

GRI FP2

Verpackungen

GRI 301

Wasser

GRI 303

Biodiversität

GRI 304

Klimaschutz in der Lieferkette

GRI 305

Ökologische Aspekte
in der Lieferkette

GRI 308

Soziale Aspekte
in der Lieferkette

GRI 412, 414

Frauen in der Lieferkette

GRI 414

Existenzsichernde
Löhne und Einkommen

GRI 414

Kundengesundheit und Produktsicherheit

GRI 416

Nachhaltigen Konsum fördern

GRI 417

Tierwohl

FP10

Kinder- und Zwangsarbeit

GRI 408, 409

Ernährung

FP10