REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2020

Fokusrohstoffe – Food

Insbesondere in den Lieferkettenstufen des Rohstoffanbaus und der Verarbeitung gibt es ökologische Herausforderungen sowie ein erhöhtes Risiko der Missachtung von Arbeits- und Sozialstandards. Sie stehen daher im Fokus der Aktivitäten der REWE Group. Im Rahmen ihrer produktbezogenen Risikoanalyse ermittelte sie folgende kritische Rohstoffe im Food-Bereich: Obst und Gemüse allgemein mit besonderem Fokus auf Bananen und Ananas, Fleisch und Milchprodukte einschließlich der Futtermittel für die Tiere sowie Kaffee, Kakao, Orangensaft, Tee, Palmöl und Fisch.

Um Nachhaltigkeit als festen Bestandteil in die Unternehmensprozesse zu integrieren, hat die REWE Group eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie mit den vier zentralen Säulen Grüne Produkte, Energie, Klima und Umwelt, Mitarbeiter:innen und Gesellschaftliches Engagement entwickelt. Im Jahr 2017 wurde die Strategie Grüne Produkte 2030 verabschiedet, um Nachhaltigkeit noch stärker in die Beschaffungsprozesse zu integrieren. Im Rahmen der Handlungsfelder Mensch, Tier und Umwelt entwickelt das Handels- und Touristikunternehmen wirksame Maßnahmen in der Säule Grüne Produkte, um ökologische und soziale Auswirkungen zu reduzieren. Innerhalb dieser Handlungsfelder spielen die Aktivitäten zu den Fokusrohstoffen im Food-Bereich eine besondere Rolle.

GRI FP1:

Anteil des Einkaufsvolumens, welches in Übereinstimmung mit den Leitlinien des Unternehmens beschafft wurde

Die REWE Group arbeitet kontinuierlich daran, in ihren Lieferketten soziale und ökologische Faktoren sowie Aspekte des Tierwohls zu berücksichtigen. Dabei setzt die REWE Group auf international anerkannte Zertifizierungsstandards, arbeitet gemeinsam mit der Branche in Initiativen, setzt eigene Projekte auf und formuliert Anforderungen im Rahmen ihrer Leitlinien sowie im PRO PLANET-Prozess. Im Folgenden werden die Ansätze für einzelne Rohstoffe vorgestellt.

Obst und Gemüse

Von Lieferanten landwirtschaftlicher Primärprodukte im Obst- und Gemüsebereich verlangt die REWE Group seit 2013, dass sie sich im Rahmenvertrag zur Einhaltung der Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) im Rahmen der jeweils geltenden nationalen Gesetzgebung verpflichten. Dazu gehört auch die rechtmäßige Zahlung von mindestens dem geltenden gesetzlichen, tariflichen oder vertraglich vereinbarten Lohn. Beide Anforderungen sind verpflichtend und müssen von den Lieferanten belegt werden können. Die Lieferanten stehen zudem in der Verantwortung, diese Anforderungen auch für ihre Zulieferer sicherzustellen. Alle Erzeuger von Obst- und Gemüseprodukten müssen entsprechend die Einhaltung der oben benannten Anforderungen in Form von externen Audits (zum Beispiel GLOBALG.A.P. Risk Assessment on Social Practice (GRASP), SA8000, Rainforest Alliance oder amfori BSCI) belegen. Mit Stichprobenaudits wird die Einhaltung der Anforderungen überprüft.

Neben den sozialen Aspekten in der Obst- und Gemüseproduktion engagiert sich die REWE Group auch für die Minderung der ökologischen Auswirkungen. Dazu zählen die Förderung der Biodiversität durch spezifische Projekte, beispielsweise im Obst- und Gemüseanbau in Deutschland, Vorgaben zum Einsatz von Pestiziden und die Zusammenarbeit mit Standards wie Rainforest Alliance oder Fairtrade.

Bananen und Ananas: Projekte in Anbaugebieten und Produktionsanforderungen verbessern ökologische und soziale Bedingungen in Mittelamerika

Beim Anbau von Bananen und Ananas können negative ökologische und soziale Auswirkungen in den Produktionsländern auftreten. Dazu zählen schlechte Arbeitsbedingungen auf den Obstplantagen, ein hoher Pestizideinsatz oder die Schädigung von Ökosystemen.

Aus diesem Grund engagiert sich die REWE Group seit 2008 für eine Verbesserung der ökologischen und sozialen Bedingungen im Bananen- und Ananas-Anbau in Mittelamerika. Über den REWE Group-Mittelamerikafonds - in der Vergangenheit auch Bananenfonds genannt - wurde von 2013 bis 2020 ein Projektvolumen von über 4 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Der Fonds richtet sich an lokale Organisationen, die sich mit ihren Projektideen im Rahmen von Ausschreibungen für eine Förderung bewerben können. Er dient dazu, die Lebensbedingungen der Arbeiter:innen und ihrer Familien sowie die ökologische Situation auf Bananen- und Ananasplantagen zu verbessern. Gleichzeitig sollen lokale Organisationen und Gemeinden in der Planung und Umsetzung von Projekten gestärkt werden. Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ist für die Koordination der Projektanträge verantwortlich und kontrolliert auch die Umsetzung der Projekte vor Ort. Die Bewilligung der Fördergelder erfolgt durch einen Beirat aus Vertreter:innen der Lieferanten und der REWE Group.

Zudem setzt sich die REWE Group im Rahmen einer Arbeitsgruppe unter dem Dach der Initiative für nachhaltige Agrarlieferketten für existenzsichernde Löhne und Einkommen im Bananensektor ein. Mehr Informationen dazu finden Sie im Abschnitt Existenzsichernde Löhne und Einkommen.

Ergänzt wird das Engagement durch strenge Anforderungen an den Anbau. So müssen alle Erzeugerbetriebe für Bananen und Ananas, die in den Vertriebslinien der REWE Group in Deutschland angeboten werden, Bio-Standards erfüllen oder nach Rainforest Alliance zertifiziert sein. Zusätzlich tragen die Bananen und Ananas der Eigenmarke REWE Beste Wahl, die Ananas bei PENNY sowie die Chiquita-Bananen das PRO PLANET-Label der REWE Group. PENNY verkauft zudem Fairtrade-Bio-Bananen.

Mithilfe eines QR-Codes können die Kund:innen die Eigenmarken-Bananen von REWE und die Fairtrade-Biohelden-Bananen sowie die Ananas von PENNY bis zum Erzeugerbetrieb zurückverfolgen. Seit Januar 2020 ist diese Rückverfolgbarkeit auch für die REWE Beste Wahl Ananas möglich (für mehr Informationen siehe Abschnitt Nachhaltigen Konsum fördern).

Anteile der konventionellen Bananen und Ananas aus Rainforest Alliance-zertifiziertem Anbau (REWE und PENNY in Deutschland)

2018 2019 2020
Bananen 100 % 100 % 100 %
Ananas 100 % 100 % 100 %

Palmöl

Zunehmender Palmölanbau führt zu einem Verlust von Torf- und Regenwäldern. Dadurch wird der lokalen Bevölkerung häufig ihre Lebensgrundlage entzogen und Lebensräume für wertvolle Arten gehen verloren. Zudem werden durch die Rodung der Regenwälder große Mengen CO2 freigesetzt.

Vor diesem Hintergrund hat die REWE Group Anfang 2011 mit der Leitlinie für Palmöl- und Palmkernölerzeugnisse das Ziel formuliert, für ihre Eigenmarken ausschließlich Palmöl aus nachhaltigerer Produktion zu verwenden. Um dies zu gewährleisten, setzt das Unternehmen vornehmlich auf den Zertifizierungsstandard des Runden Tisches für nachhaltiges Palmöl (Roundtable on Sustainable Palm Oil, RSPO), bei dem sie seit 2011 Mitglied ist. Die REWE Group in Deutschland setzt bereits seit 2013 zu 100 Prozent zertifiziertes Palmöl ein. Die REWE Group in Österreich bezieht seit 2014 ausschließlich zertifiziertes Palmöl und verzichtet bei der Marke Ja! Natürlich seit 2018 gänzlich auf Palmöl.

Anteile der Eigenmarkenprodukte mit zertifizierten Palm(kern)ölerzeugnissen

2018 2019 2020
RSPO-zertifiziertes Palm(kern)öl in Eigenmarkenprodukten (REWE und PENNY Deutschland) 100 % 100 % 100 %
RSPO-zertifiziertes Palm(kern)öl in Eigenmarkenprodukten (Österreich) 100 % 100 % 100 %

Die Ziele der REWE Group-Leitlinie sind auch Teil einer Selbstverpflichtung, die die REWE Group als Mitglied des Forums Nachhaltiges Palmöl (FONAP) 2015 unterzeichnet hat. Die Mitglieder des FONAP haben sich verpflichtet, ausschließlich nachhaltig zertifiziertes Palmöl, Palmkernöl sowie deren Derivate und Fraktionen in ihren Produkten zu verwenden. Mit den ambitionierten Zielen der Selbstverpflichtung soll die Rückverfolgbarkeit des verwendeten Palmöls unter der Einhaltung definierter Zusatzkriterien langfristig sichergestellt werden. Dazu gehört auch, Palmöl über das anspruchsvolle Handelsmodell Segregation zu beziehen, bei dem RSPO-zertifizierte Ware entlang der gesamten Lieferkette durchgängig von nicht zertifizierter Ware getrennt wird. Unter der Berücksichtigung der individuellen Zielsetzung je Palm(kern)ölerzeugnis erzielte die REWE Group in Deutschland im Jahr 2020 mit allen Eigenmarkenprodukten einen Gesamterfüllungsgrad von 99 Prozent.

Die REWE Group in Deutschland arbeitet gemeinsam mit ihren Lieferanten daran, das letzte Prozent zur Vervollständigung der ambitionierten Ziele der Selbstverpflichtung zu erreichen. Die Anforderungen sind insbesondere für kleinere Lieferanten mit komplexen Lieferkettenstrukturen eine Herausforderung. Einzelne Lieferanten konnten zum Beispiel die Umstellung auf das Handelsmodell Segregation erst sukzessive umsetzen, da die Etablierung separater Warenströme sehr aufwendig ist. Dies gilt insbesondere, wenn ein Lieferant nur eine kleine Menge seiner Gesamtproduktion umstellt. Auch bei der REWE Group in Österreich ist jegliches in den Eigenmarkenprodukten verwendete Palmöl und Palmkernöl RSPO-zertifiziert und wird bis auf wenige Ausnahmen über das Handelsmodell Segregation eingekauft.

Transparenz in der Palmöl-Lieferkette stärken

Seit 2018 unterstützt die REWE Group ein Kooperationsprojekt zwischen dem FONAP und der malaysischen Nichtregierungsorganisation WildAsia. In der ersten Projektphase haben ausgewählte Kleinbäuer:innen in der Region Perak/Westmalaysia die Anwendbarkeit von FONAP-Zusatzkriterien getestet. Dazu zählte beispielsweise der Verzicht auf die Nutzung hochgefährlicher Pestizide oder die Umsetzung strenger Reduktionsziele für Treibhausgase. Auf diese Weise konnten sie ein besseres Verständnis für die Bedeutung von Biodiversität entwickeln und zeigen, dass eine organische Produktion ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln möglich ist – und sogar höhere Erträge bringen kann. Im Rahmen der zweiten Projektphase werden die Kleinbäuer:innen im Zeitraum von Ende 2019 bis März 2021 dabei unterstützt, ihre Ware nachzuverfolgen. Eine App zeichnet die Transaktionen von zertifizierten Kleinproduzenten und Palmölhändlern auf. Die Rückverfolgbarkeit von zertifiziertem Palmöl wird so lückenlos darstellbar. Auf diese Weise soll den Kleinbäuer:innen ein verbesserter Zugang zum Markt ermöglicht werden – denn Transparenz in der Lieferkette ist eine zunehmend wichtige Anforderung beim Verkauf des Rohstoffs.

Kakao

Ein Großteil der weltweiten Rohkakaoproduktion stammt aus Westafrika und findet in erster Linie in kleinbäuerlichen Familienbetrieben statt. Die Kakaobäuer:innen haben dort mit schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen zu kämpfen und leben mit ihren Familien oft unterhalb der Armutsgrenze. In der Folge fehlen notwendige Investitionsmittel und es herrschen häufig schlechte Arbeitsbedingungen vor. Dies führt bis hin zu ausbeuterischen Formen der Kinderarbeit (für mehr Informationen siehe Abschnitt Kinder- und Zwangsarbeit).

In der Leitlinie für Kakaoerzeugnisse hat die REWE Group das Ziel formuliert, bis Ende 2015 sämtliche Rohkakaomengen für ihre Eigenmarken aus nachhaltigeren Erzeugerstrukturen zu beziehen – sichergestellt durch die Verwendung der Standards Fairtrade, Fairtrade Sourcing Program, Rainforest Alliance / UTZ. Bis zum Ende des Berichtsjahres 2020 wurden für die Eigenmarken von REWE und PENNY 98 Prozent zertifizierter Rohkakao verwendet. Bei den fehlenden zwei Prozent handelt es sich größtenteils um Lieferanten, die Kleinstmengen von Kakao verarbeiten, da diese häufig Schwierigkeiten haben, zertifizierten Kakao zu beziehen. Damit konnte die REWE Group ihr ergänzendes Ziel, die Lücke zum 100-Prozent-Ziel bis Ende 2020 bei den REWE- und PENNY-Eigenmarken in Deutschland zu schließen, nicht erreichen. Die REWE Group arbeitet weiter daran, das Ziel zu erreichen. Bei der REWE Group in Österreich war 2020 die gesamte Rohkakaomenge für die Eigenmarken zertifiziert. Um im Kakaosektor dauerhaft zu einer Verbesserung der lokalen Lebensbedingungen beizutragen, hat sich die REWE Group im Jahr 2018 ein weiteres Ziel gesetzt: Bis Ende 2020 sollen 100 Prozent der Schokoladenartikel sowie Instantkakao, Nuss-Nougat-Brotaufstriche und Süßgebäck der Eigenmarken sowie alle Bio-Eigenmarken mit Kakaobestandteilen bei REWE und PENNY in Deutschland auf Fairtrade bzw. das Fairtrade-Kakaoprogramm umgestellt werden. Dieses Ziel konnte die REWE Group im Berichtsjahr erreichen.

Anteile des zertifizierten Kakaos in Eigenmarkenprodukten

2018 2019 2020
Zertifizierte Eigenmarkenprodukte in Deutschland, die Kakao beinhalten, nach Fairtrade, Fairtrade Sourcing Program, Rainforest Alliance / UTZ 99 % 99 % 98 %
Zertifizierte Eigenmarkenprodukte in Österreich, die Kakao beinhalten, nach Fairtrade, Fairtrade Sourcing Program, Rainforest Alliance / UTZ 80 % 100 % 100 %
Zertifizierte Eigenmarken-Schokoladenartikel sowie Instantkakao, Nuss-Nougat-Brotaufstriche und Süßgebäck sowie alle Bio-Eigenmarken mit Kakaobestandteilen bei REWE und PENNY in Deutschland nach Fairtrade oder Fairtrade Sourcing Program 65 % 100 %

In Kooperation mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und Fairtrade startete die REWE Group ein Projekt für existenzsichernde Einkommen im Kakaosektor: Die Fairtrade-Tafelschokoladen aus diesem Projekt werden bei REWE und PENNY ab Mitte 2021 verkauft. Die Kakaobohnen, aus denen diese Schokoladen hergestellt sind, lassen sich komplett physisch zurückverfolgen (für mehr Informationen siehe Abschnitt Existenzsichernde Löhne und Einkommen).

Bedingungen verbessern: Forum Nachhaltiger Kakao

Als Gründungsmitglied der Multi-Stakeholder-Initiative Forum Nachhaltiger Kakao unterstützt die REWE Group zusammen mit anderen Unternehmen das Projekt PRO-PLANTEURS. Das in Kooperation mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) durchgeführte Kakao-Projekt in der Côte d’Ivoire verfolgt das Ziel, kakaoproduzierende Familienbetriebe und ihre Kooperativen zu professionalisieren. Insbesondere Frauen sollen die Möglichkeit erhalten, ihr eigenes Einkommen zu optimieren und eine bessere Nahrungsgrundlage für ihre Familien zu schaffen. Auch soll der Kakaoanbau für junge Kakaobäuer:innen wieder attraktiver werden. Eine Einkommenssteigerung und ausgewogenere Ernährung zielen darauf ab, die Lebenssituation der Familien vor Ort zu verbessern. Nach erfolgreichem Abschluss der ersten Phase ist PRO-PLANTEURS 2020 in eine fünfjährige Folgephase übergegangen. Seit Projektbeginn 2015 konnte das Projekt die Lebensbedingungen von 30.000 Kakaobauernfamilien verbessern. So wurden beispielsweise 76 ländliche Beraterinnen ausgebildet, 16 Projekte mit 2.100 Frauen zu einkommenssteigernden Aktivitäten durchgeführt und 5.500 Kakaobäuer:innen erhielten Schulungen in guter landwirtschaftlicher Praxis.

Orangensaft

Der Orangenanbau und die Orangensaftproduktion stehen vor vielschichtigen sozialen und ökologischen Herausforderungen. Dazu zählen existenzielle Probleme für Kleinbäuer:innen, prekäre Arbeitsbedingungen, der unsachgemäße Umgang mit Pflanzenschutzmitteln und ein hoher Energieverbrauch. Die REWE Group setzt sich für eine nachhaltigere Orangensaftproduktion ein und verfolgt das Ziel, zu einer Verbesserung der sozialen, ökologischen und ökonomischen Bedingungen in der Orangensafterzeugung beizutragen. Dafür setzt das Unternehmen auf den Einkauf von nachhaltiger produzierten Orangensafterzeugnissen, auf Projekte im Ursprung und einen übergreifenden Branchendialog sowie auf Transparenz entlang der Lieferkette. Seit 2019 bieten sowohl die Eigenmarke REWE Beste Wahl (REWE) als auch Paradiso (PENNY) einen zu 100 Prozent Fairtrade-zertifizierten Orangensaft an, der bis zu den Produzenten-Organisationen rückverfolgbar ist. Mit diesem Orangensaft unterstützt die REWE Group ein Projekt in Brasilien, um die Arbeitsbedingungen vor Ort zu verbessern. Im Jahr 2019 hat die REWE Group eine Leitlinie für Orangensaft veröffentlicht. Darin ist das Ziel formuliert, 100 Prozent der REWE- und PENNY-Eigenmarken auf zertifizierten Orangensaft umzustellen. Dieses Ziel hat die REWE Group bereits Anfang 2020 erreicht und sämtliche gekühlte und ungekühlte Direkt- und Konzentratsäfte auf Fairtrade, Rainforest Alliance oder Bio umgestellt. Und auch die REWE Group in Österreich bietet seit 2020 zertifizierten Eigenmarken-Orangensaft an.

In Zukunft sollen Informationen über die Herkunft einzelner Orangensaftprodukte auch für Kund:innen sichtbar gemacht werden. Außerdem will die REWE Group in der Orangensaft-Lieferkette auf höhere Löhne und Einkommen hinwirken.

Seit 2016 engagiert sich die REWE Group darüber hinaus als Mitglied der europäischen Fruit Juice CSR Platform für soziale und ökologische Verbesserungen in den Lieferketten der Fruchtsaftindustrie. Die Plattform unterstützt die europäischen Fruchtsaftproduzenten dabei, Nachhaltigkeitsmaßnahmen in ihre Unternehmensstrategien zu integrieren und so einen langfristigen Beitrag entlang der globalen Wertschöpfungskette von Fruchtsäften für alle Stakeholder zu leisten. Außerdem arbeitet die REWE Group aktiv in einer Arbeitsgruppe zu Orangensaft aus Brasilien mit und ist seit 2017 Mitglied im Steering Committee.

Partnerschaftliches Engagement in der Fruchtsaftindustrie

Im Jahr 2020 hat die REWE Group gemeinsam mit anderen Unternehmen und Organisationen wie dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), der Christlichen Initiative Romero (CIR), TransFair e.V. und ver.di die Partnerschaft für Nachhaltigen Orangensaft (PANAO) gegründet. Als Mitglied der Partnerschaft verpflichtet sich die REWE Group dazu, soziale Gerechtigkeit und Arbeitsrechte sowie Umweltschutz in der Orangensaft-Lieferkette aktiv zu fördern. Langfristig soll so der Anteil an nachhaltig produziertem Orangensaft im deutschen und europäischen Markt erhöht werden. Die Arbeit der PANAO setzt auf den Dialog mit allen beteiligten Akteur:innen, entwickelt Konzepte für nachhaltige Beschaffungspraktiken und identifiziert Ansatzpunkte, um Arbeitnehmervertretungen zu stärken.

Kaffee

Der Anbau von Kaffee als weltweit gehandeltes Gut ist ein wichtiger Wirtschaftszweig in vielen Ländern Lateinamerikas, Asiens und Afrikas. Die Erträge der meist kleinbäuerlichen Betriebe sind jedoch oft zu niedrig, um den Kaffeebäuer:innen und ihren Familien ein ausreichendes Einkommen zu sichern. Hinzu kommen gesundheitliche und ökologische Risiken durch den unsachgemäßen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Um die Lage der Kaffeebäuer:innen zu verbessern, haben sich REWE und PENNY in Deutschland das Ziel gesetzt, ihre Eigenmarken bis Ende 2020 auf 100 Prozent nach Rainforest Alliance / UTZ, Bio oder Fairtrade zertifizierten Kaffee umzustellen. Das Ziel wurde bereits im Jahr 2019 erreicht.

Anteile des zertifizierten Eigenmarken-Kaffees

2018 2019 2020
Zertifizierte Kaffee-Eigenmarkenprodukte bei REWE und PENNY (Deutschland) nach Rainforest Alliance / UTZ, Bio oder Fairtrade 71 % 100 % 100 %

Mit seiner Kaffee-Eigenmarke trägt auch Lekkerland zu einem nachhaltigen Anbau bei: Die Kaffeebohnen der Coffee Bean Company sind Rainforest Alliance-zertifiziert und stehen so für eine umweltschonende Landnutzung und sozial verantwortungsvolles Wirtschaften.

Eine besondere Verbindung: Unterstützung der Kaffeebäuer:innen vor Ort

Seit 2009 verbindet die REWE Group eine besondere Partnerschaft mit den Menschen der Fairtrade-Kaffeekooperative Valle de Incahuasi in Peru, in der sie eine gesicherte Abnahme des Kaffees garantiert. Gemeinsam mit der Kooperative führt die REWE Group Maßnahmen und Projekte durch, um dem Klimawandel zu begegnen und das Einkommen der Bäuer:innen zu erhöhen. Die Kooperative produziert den REWE Feine Welt Kaffee, der Fairtrade- und Bio-zertifiziert ist. Die Pflanzen werden kontrolliert biologisch angebaut, wodurch das sensible Ökosystem weniger belastet wird. Nach der Ernte werden die Bohnen in der Kooperative verkostet und nach den entsprechenden Kontrollen mit Kleintransportern in die nächstgrößere Stadt Andahuaylas gebracht. Von dort werden sie weiter nach Lima transportiert, um schließlich im Ruhrgebiet geröstet zu werden. Aufgrund der Covid-19-Pandemie konnten im Berichtsjahr keine Schulungen durchgeführt werden. Stattdessen wurde ein Handbuch zur guten Agrarpraxis entwickelt und an die Kaffeebäuer:innen verteilt. Außerdem wurden Mittel zur Einrichtung von Biogemüsegärten bereitgestellt, um die Nahrungsmittelsicherheit vor Ort zu gewährleisten. Angesichts der anhaltenden Pandemie haben sich einige Maßnahmen verzögert – aus diesem Grund wurde die Projektlaufzeit bis März 2021 verlängert.

Tee

Der konventionelle Anbau der Teepflanzen erfolgt häufig in Monokulturen und unter einem hohen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Das gefährdet die Artenvielfalt und die Trinkwasserversorgung der Menschen in den Anbaugebieten. Die Arbeiter:innen vor Ort sind zudem mit Herausforderungen wie zu geringen Löhnen, unzureichendem Gesundheitsschutz und mangelnder Arbeitssicherheit konfrontiert. Vor diesem Hintergrund fördert die REWE Group eine nachhaltigere Landwirtschaft in der Teeproduktion und bezieht zertifizierte Ware, die vor allem das Siegel Rainforest Alliance, aber auch Fairtrade und das EU-Bio-Logo trägt.

Die REWE Group hat sich das Ziel gesetzt, dass alle Schwarz- und Grünteeartikel zu 100 Prozent zertifizierte Rohware enthalten sollen. Dieses Ziel konnte Ende 2018 erreicht werden. Darüber hinaus sollen alle Kräuter- und Früchteteeartikel (inkl. Rooibostee) bis Ende 2025 zertifiziert sein und mindestens 30 Prozent zertifizierte Rohware enthalten. Es wird angestrebt, den zertifizierten Rohwarenanteil je Artikel kontinuierlich zu erhöhen. Diese Ziele sowie Herausforderungen und Maßnahmen fasst die REWE Group in ihrer Leitlinie für Teeerzeugnisse zusammen.

Anteile zertifizierter Teeprodukte/Rohware bei REWE und PENNY

2018 2019 2020
Zertifizierte Schwarz- und Grünteeartikel bei REWE und PENNY in Deutschland nach Rainforest Alliance, Fairtrade oder Bio 100 % 100 % 100 %
Zertifizierte Kräuter- und Früchteteeartikel bei REWE und PENNY in Deutschland nach Rainforest Alliance, Fairtrade oder Bio 57 % 93 %

Fisch

Der steigende Bedarf an Fisch und Meeresfrüchten führt dazu, dass ein Großteil der weltweiten Fischbestände stark unter Druck steht und zum Teil bereits überfischt ist. Die REWE Group hat sich daher im Rahmen ihrer Leitlinie für Fisch und Meeresfrüchte dazu verpflichtet, in den Bereichen Tiefkühlung, Convenience, Frische und Konserve bis Ende 2020 100 Prozent zertifizierte Eigenmarkenartikel (MSC, GLOBALG.A.P., ASC, Bio-Zertifizierung) zu beziehen. Aufgrund der fehlenden Verfügbarkeit zertifizierter Ware konnte das Ziel bislang jedoch noch nicht erreicht werden. Künftig setzt die REWE Group auch bei Thunfisch ausschließlich auf zertifizierte Ware.

Anteile nachhaltigerer Eigenmarken-Fischprodukte der REWE Group in Deutschland

2018 2019 2020
Zertifizierte Eigenmarken-Fischprodukte in Deutschland nach MSC, GLOBALG.A.P., ASC oder Bio-Zertifizierung 701 %
Eigenmarken-Fischprodukte in Deutschland mit Zertifizierung nach MSC, GLOBALG.A.P., ASC oder Bio-Zertifizierung und Eigenmarken-Thunfisch von ausgewählten Lieferanten3 902 % 96 %
Anteil der Eigenmarken-Fischprodukte mit Tracking-Code 78 % 78 % 634 %

1 Im Gegensatz zu den Jahren 2018 und 2019 enthält diese Kennzahl nicht mehr den Eigenmarken-Thunfisch, der von ausgewählten Lieferanten, die Mitglied der International Sustainable Seafood Foundation (ISSF) sind, von einem Fangschiff, das im Proactive Vessel Register (PVR) eingetragen ist, oder aus einem Fishery Improvement Project (FIP) stammt.

2 Der Wert für 2018 beinhaltet keine Bio-zertifizierten Eigenmarken-Fischprodukte.

3 Der Thunfisch stammt, wenn nicht MSC-zertifiziert, von einem Lieferanten, der Mitglied der International Sustainable Seafood Foundation (ISSF) ist, von einem Fangschiff, das im Proactive Vessel Register (PVR) eingetragen ist, oder aus einem Fishery Improvement Project (FIP).

4 Der Rückgang resultiert aus einem Fehler, aufgrund dessen der Tracking-Code 2020 nicht auf allen dafür vorgesehenen Produkten abgebildet wurde.

Das Sortiment der REWE Group in Österreich umfasst bei Eigen- und Industriemarken rund 400 MSC-zertifizierte Fischprodukte.

Fleisch

Fleisch ist ein fester Bestandteil heutiger Ernährungsgewohnheiten. Damit stellt die Erzeugung tierischer Produkte einen wesentlichen Zweig der landwirtschaftlichen Produktion dar. Die REWE Group setzt sich für eine artgerechte Tierhaltung ein. Dafür arbeitet das Unternehmen zusammen mit Geschäftspartnern und Lieferanten an der Implementierung verbindlicher Standards und fördert den Dialog zwischen allen Partnern, um negativen Auswirkungen mit Blick auf das Tierwohl entgegenzuwirken. In seiner Leitlinie für Tierwohl schreibt das Unternehmen konkrete Maßnahmen und Ziele mit Blick auf einzelne Tierarten fest. Umfassende Einblicke zur strategischen Herangehensweise und den konkreten Zielen und Maßnahmen siehe auch Abschnitt Tierwohl.

Soja als Futtermittel

In der konventionellen Nutztierhaltung wird für eine ausreichende Eiweißversorgung der Tiere in vielen Fällen auf aus Übersee importierten Sojaschrot zurückgegriffen, der häufig von gentechnisch veränderten Sorten stammt. Die REWE Group hat deswegen in ihrer Leitlinie für Soja als Futtermittel unter anderem die Gentechnikfreiheit von Soja als Anforderung für die Erzeuger von Eigenmarkenprodukten festgelegt. Die Umsetzung dieser Anforderung erfolgt individuell für jede Nutztierspezies. Für den Nachweis der gentechnikfreien Fütterung setzt die REWE Group in Deutschland unter anderem auf das Siegel des Verbands für Lebensmittel ohne Gentechnik e.V. (VLOG). Ebenso werden bei Bio-Produkten tierischen Ursprungs keine durch Gentechnik veränderten Futtermittel eingesetzt. Wie bereits im Vorjahr erhielten das gesamte frische Geflügelfleisch, Frischei-Sortiment sowie die Frisch- und H-Milch der REWE Group in Deutschland im Jahr 2020 das VLOG-Siegel. Schon heute gibt es bei der Vertriebslinie REWE insgesamt sechs regionale und nationale Schweine- und Rindfleischprogramme, die eine gentechnikfreie Fütterung garantieren. Zudem ist eine Fütterung mit Futtermitteln ohne Gentechnik bei allen Fleischartikeln der Haltungsformstufen 3 und 4 sichergestellt. Bei der REWE Group in Österreich stammt das gesamte Frischei- und Frischmilchsortiment aus gentechnikfreier Fütterung.

Anteile der Produkte mit Siegel des Verbands für Lebensmittel ohne Gentechnik e.V. (VLOG)

2018 2019 2020
Frischmilch und H-Milch 100 % 100 % 100 %
Frischei-Sortiment 100 % 100 % 100 %
Frisches Geflügelfleisch 100 % 100 % 100 %

Da der flächenintensive Soja-Anbau insbesondere in Südamerika drastische Folgen für die Umwelt hat, analysiert die REWE Group kontinuierlich alle Lieferketten mit hohem Soja-Einsatz mit Blick auf die ökologische Bilanz. Um das zielgerichtet anzugehen, beabsichtigt die Unternehmensgruppe, ihre Lieferketten unter anderem im Bereich Soja-Futtermittel bis Ende 2025 entwaldungsfrei zu gestalten. Durch den Einsatz von nachhaltigerem Soja als Futtermittel konnten REWE und PENNY in Deutschland ihr gesamtes Eigenmarkensortiment für Frischeier, Trinkmilch und frisches Geflügelfleisch bereits seit Ende 2019 zertifiziert entwaldungsfrei gestalten. Dieses Engagement soll auf frisches Schweine- und Rindfleisch ausgeweitet werden und mit 100 Prozent entwaldungsfreien Soja-Futtermitteln bis Ende 2021 zu einer entwaldungsfreien Lieferkette beitragen. Dafür arbeitet das Handelsunternehmen mit Zertifizierungsorganisationen zusammen und setzt konkrete Projekte in den Ursprungsländern um. Als Gründungsmitglied des Vereins Donau Soja konnte die REWE Group seit 2015 in Kooperation mit über 200 Landwirt:innen den Anbau von zertifiziert entwaldungsfreiem Soja in der Zupanja-Region in Kroatien fördern.

Für weitere Informationen zum Engagement der REWE Group in Organisationen und Initiativen siehe Abschnitt Initiativen und Mitgliedschaften.

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