REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2020

Produktbezogene Risikoanalysen

Die REWE Group ist bestrebt, ökologische und soziale Auswirkungen ihres Handelns, wo immer möglich, zu reduzieren. Um dies umsetzen zu können, führt die REWE Group auf verschiedenen Ebenen Analysen zur Bewertung von sozialen und ökologischen Risiken durch: auf der Ebene von Warengruppen oder Rohstoffen zur Formulierung von Strategien sowie auf der Ebene einzelner Produkte, Themen oder Länder, um die Maßnahmen zu konkretisieren. In diesem Rahmen prüft die REWE Group kontinuierlich ihre eigenen Leistungen und Fortschritte mit Blick auf die Minimierung von Risiken. Zielkonflikte reflektiert sie sowohl mit Expert:innen im eigenen Unternehmen als auch mit externen Anspruchsgruppen.

GRI 102-11: Vorsorgeansatz oder Vorsorgeprinzip

Analyse der sozialen und ökologischen Risiken in den Lieferketten

Die Risikoanalysen der REWE Group dienen dazu, die Auswirkungen der Geschäftstätigkeit auf Mensch, Tier und Umwelt zu ermitteln sowie zu bewerten. So soll identifiziert werden, welche wesentlichen negativen ökologischen und sozialen Auswirkungen die Eigenmarkenprodukte haben und an welchen Stellen diese auftreten. Die Analyse stellt damit die Basis für die strategische Ausrichtung im Bereich nachhaltigerer Sortimente dar und dient der Entscheidung, welche Maßnahmen mit welcher Priorität ergriffen werden – mit dem Ziel, ermittelte Risiken zu minimieren und Chancen zu nutzen. So wurden die Informationen zur Ausarbeitung der Strategie Grüne Produkte 2030 verwendet, in der Themen, Key Performance Indikatoren (KPIs), Ziele und Maßnahmen definiert sind.

Produktbezogene Risikoanalysen: Handel

Die REWE Group Deutschland hat für die Lieferketten der Eigenmarkenprodukte, die in Deutschland bei REWE und PENNY vertrieben werden, eine formalisierte Risikoanalyse für Food- und Non-Food-Produkte durchgeführt. Dafür wurde das Sortiment der Food- und Non-Food-Produkte in insgesamt 37 Warencluster aufgeteilt. Der Ansatz betrachtet damit das gesamte Sortiment.

Das Vorgehen gliedert sich in zwei Stränge: eine qualitative und eine quantitative Analyse. Im Rahmen der qualitativen Untersuchung wurden Studien und Reports ausgewertet und Interviews mit Einkäufer:innen und NGOs geführt, um wesentliche Nachhaltigkeitsthemen entlang der Wertschöpfungsketten zu ermitteln. Hierbei wurden neben den ökologischen Auswirkungen vor allem auch die Risiken im Bereich Arbeitsbedingungen und Menschenrechte identifiziert.

Der quantitativen Analyse auf Basis einer Input-Output-Analyse liegt ein volkswirtschaftliches Modell zugrunde. Hierzu wurden die ökologischen Auswirkungen in der Lieferkette wie beispielsweise Treibhausgasemissionen ermittelt und in monetäre Beträge umgerechnet. Die sozialen Auswirkungen wurden beurteilt, indem identifiziert wurde, wie viele Personen pro Warencluster in der gesamten Lieferkette tätig sind. Diese Daten wurden mit dem Einkaufsvolumen des Unternehmens sowie mit Informationen über Produktions- und Ursprungsländer verknüpft, um ökologische und soziale Risiken spezifisch monetär zu bewerten. So konnten für die einzelnen Warencluster die externen Kosten des eigenen Wirtschaftens quantifiziert werden. Auf diese Weise wurden die ökologischen und sozialen Hot Spots faktenbasiert in der gesamten Wertschöpfungskette identifiziert und besonders risikoreiche Warengruppen und Fokusrohstoffe ermittelt.

Mithilfe der Analyse konnte festgestellt werden, dass die Auswirkungen schwerpunktmäßig in den Lieferkettenstufen des Rohstoffanbaus und der Verarbeitung stattfinden. Sie stehen daher im Fokus der Aktivitäten der REWE Group.

Auswirkungen entlang der Wertschöpfungskette

Anbau/Zucht
Verarbeitung
Logistik
rewe
REWE Group
Konsument:innen
Entsorgung
Tierwohl & Tiergesundheit
Luftemissionen & Energie
Flächenverbrauch
Wasser
Menschenrechte & Arbeitsbedingungen
Transport
Transparenz
Ernährung & Gesundheit
Abfall (beinhaltet Food Waste und Verpackung)

Auswirkung

gering hoch

Darüber hinaus ergaben sich folgende kritische Rohstoffe aus der Analyse: Obst und Gemüse allgemein mit besonderem Fokus auf Bananen und Ananas, Fleisch und Milchprodukte einschließlich Futtermittel für Tiere, Kaffee, Kakao, Tee, Palmöl, Fisch, Orangensaft sowie Baumwolle, Textilien und Natursteine (für weitere Informationen siehe Abschnitte Fokusrohstoffe – Food bzw. Fokusrohstoffe – Non-Food).

Sogenannte Scorecards fassen die Ergebnisse der Analyse für jedes einzelne Warencluster zusammen und geben einen Überblick über die Sozial- und Umweltkosten der jeweiligen Produkte entlang der Wertschöpfungskette. Die Zuordnung in die fünf Stufen der Wertschöpfungskette ermöglicht dabei eine genauere Betrachtung der Schwerpunktthemen.

Beispiel: Auswirkungen bei Obst und Gemüse

Beim Warencluster „Obst und Gemüse“ wurden Luftemissionen und Energie, Biodiversität, Boden, Wasser, Arbeitsbedingungen und Menschenrechte als Schwerpunktthemen entlang der Lieferkette ermittelt. Neben diesen Themen aus den Wertschöpfungsstufen Rohstoffgewinnung und Verarbeitung wurden zudem Transparenz und Geschäftspraktiken, durch den Transport bedingte Umweltbelastung und CO2-Emissionen sowie Verpackung und Food Waste als Nachhaltigkeitsthemen identifiziert.

Scorecard Obst und Gemüse – Überblick ökologische und soziale Auswirkungen

Rohstoffgewinnung
Verarbeitung
Transport
Konsum
Verpackung / End of Life
Luftemissionen / Energie Menschenrechte & Arbeitsbedingungen Umweltbelastung Verpackung
Biodiversität Wasser CO2-Emissionen Foodwaste
Boden Transparenz & Geschäftspraktiken
Wasser
Arbeitsbedingungen, Menschenrechte

Ergebnisse im Warencluster „Obst und Gemüse“

Schwerpunktthemen
Luftemissionen & Energie
  • CO2-Emissionen durch den Einsatz von Düngemitteln sowie Energieverbrauch im Anbau
  • CO2-Emissionen durch Abholzung zur Gewinnung von Anbauflächen
  • Emissionen durch Transport
Biodiversität
  • Gefährdung der Biodiversität durch Pestizide, Chemikalieneinsatz etc.
  • Gefährdung der Biodiversität durch Abholzung zur Schaffung von Anbauflächen und einhergehende Bodenauslaugung, Bodenerosion
Boden
  • Auslaugen von Anbauböden
  • Bodenerosion
Wasser
  • Wasserverschmutzung durch Düngemittel
  • Frischwasser-Verschwendung beim Anbau als auch bei Produktion/Verarbeitung
Arbeitsbedingungen
  • Arbeitssicherheit (Umgang mit Chemikalien, Pestiziden, Schadstoffen etc.)
  • Entlohnung (z.B. von Feldarbeiter:innen, aber auch in der Weiterverarbeitung)
  • Limitierter Zugang von Kleinbäuer:innen zu Informationen, Technologie und Ressourcen
Menschenrechte
  • Risiko von Kinderarbeit und Zwangsarbeit

Die Scorecards zeigen die Schwerpunktthemen und deren Relevanz auf und stellen die einzelnen Befunde detailliert dar. Aus einem Abgleich der Ergebnisse mit den derzeitigen Nachhaltigkeitsaktivitäten der REWE Group Deutschland ergeben sich zudem notwendige und zu ergreifende Maßnahmen.

Um die Ergebnisse zu konkretisieren, führt die REWE Group ergänzende Untersuchungen hinsichtlich einzelner Warenbereiche, Fokusthemen oder vulnerabler Personengruppen durch. So wurde im Jahr 2019 eine Risikoanalyse im Bereich Zwangsarbeit (für mehr Informationen siehe Abschnitt Kinder- und Zwangsarbeit) und 2020 im Bereich Frauen (für mehr Informationen siehe Abschnitt Frauen in globalen Lieferketten) vorgenommen.

Für weitere Informationen siehe auch Abschnitt Risikomanagement.

Menschenrechtliche Risikoanalyse: DER Touristik Group

Um einen umfassenden Überblick über die menschenrechtlichen Risiken in ihrer Wertschöpfung und in den Zielgebieten zu erlangen, hat auch die DER Touristik Group eine menschenrechtliche Risikoanalyse durchgeführt. Dafür wurden zunächst tatsächliche und potenzielle Risiken der unternehmerischen Aktivitäten ermittelt und bewertet. Für diesen Zweck wurde 2018 ein Destinationen-Risikoregister erstellt, in dem alle im Portfolio der DER Touristik Deutschland befindlichen Reiseländer enthalten sind. Die Destinationen wurden hinsichtlich der Schwere menschenrechtlicher Verletzungen in einem Land (Beurteilung auf Basis internationaler Standards und Länderberichte) und der Bedeutung des menschenrechtlichen Risikofelds für die Tourismusbranche beurteilt.

Zu den relevanten Menschenrechtsrisiken im Tourismus gehören:

  • Kinderrechte
  • Arbeitnehmerrechte
  • Moderne Sklaverei
  • Gleichberechtigung
  • Zugang der lokalen Bevölkerung zu Land, Wasser und Nahrung
  • Rechtsstaatlichkeit mit dem Fokus persönliche Rechte
  • Lebensstandard
  • Korruption
  • Politische Teilhabe
  • Rechtsstaatlichkeit mit dem Fokus politische Rechte

Im nächsten Schritt hat die DER Touristik eine Analyse erstellt, um die identifizierten Länder und Menschenrechtsthemen zu priorisieren. Hierzu wurde die Schwere der Auswirkung der verschiedenen Menschenrechtsrisiken für ein Land in Bezug zu der möglichen Einflussnahme durch die DER Touristik gesetzt (bewertet nach Umsatz und den Geschäftsaktivitäten der DER Touristik im jeweiligen Land). Infolgedessen wurde die Verletzung von Arbeitnehmer- und von Kinderrechten als besonders wesentliches Risiko identifiziert. Risikoländer von hoher Bedeutung für die DER Touristik sind insbesondere Thailand, Südafrika und Ägypten.

Auf Basis der Analyse wurden anschließend Maßnahmen und Ziele abgeleitet, um die Risiken zu reduzieren. Die Risikoanalyse wird in regelmäßigen Abständen wiederholt. Die für 2020 geplante Risikoanalyse für die gesamte DER Touristik Group wurde aufgrund der Corona-Pandemie verschoben. Die DER Touristik plant die Fortführung der Maßnahmen, wenn die Einschränkungen durch die Pandemie dies wieder zulassen.

Social-Impact-Assessment in Thailand

Infolge der Risikoanalyse hat die DER Touristik 2019 im Rahmen eines Social-Impact-Assessments gemeinsam mit dem Round Table for Human Rights konkrete Herausforderungen in Thailand identifiziert. Dazu zählen Arbeitsbedingungen, die Einbindung der Menschen vor Ort in die Wertschöpfung des Tourismus, der Verlust von kultureller Identität, Frauenrechte und Kinderschutz. Ergänzend dazu wurden auch Umweltthemen ermittelt, die direkte Auswirkungen auf die lokalen Gemeinschaften haben – darunter Wassermangel und Abfall an Stränden und in den Meeren. Basierend auf diesen Erkenntnissen werden im nächsten Schritt Themen priorisiert und konkrete Maßnahmen zur Abhilfe entwickelt. Umfassende Herausforderungen wie moderne Sklaverei, sexuelle Ausbeutung und Landraub werden außerdem im Rahmen von Brancheninitiativen adressiert.

Weitere Themen aus diesem Bereich:

Regionalität

GRI 204-1

Fokusrohstoffe – Food

GRI FP1

Fokusrohstoffe – Non-Food

GRI FP1

Bio

GRI FP2

PRO PLANET

GRI FP2

Verpackungen

GRI 301

Wasser

GRI 303

Biodiversität

GRI 304

Klimaschutz in der Lieferkette

GRI 305

Ökologische Aspekte
in der Lieferkette

GRI 308

Soziale Aspekte
in der Lieferkette

GRI 412, 414

Frauen in der Lieferkette

GRI 414

Existenzsichernde
Löhne und Einkommen

GRI 414

Kundengesundheit und Produktsicherheit

GRI 416

Nachhaltigen Konsum fördern

GRI 417

Tierwohl

FP10

Kinder- und Zwangsarbeit

GRI 408, 409

Ernährung

FP10