REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2020

Green Building

Die REWE Group betreibt in ganz Deutschland und Österreich Märkte. Beim Betrieb der Märkte werden jeden Tag Energie und weitere Ressourcen eingesetzt. Diesen Verbrauch systematisch zu reduzieren und die Gebäude nachhaltiger zu gestalten, ist für das Unternehmen ein besonderes Anliegen.

Um Nachhaltigkeit als festen Bestandteil in die Unternehmensprozesse zu integrieren, hat die REWE Group eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie mit den vier zentralen Säulen Grüne Produkte, Energie, Klima und Umwelt, Mitarbeiter:innen und Gesellschaftliches Engagement entwickelt. Im Rahmen der Säule Energie, Klima und Umwelt wurden darüber hinaus drei Handlungsfelder definiert: Energieeffizienz, Klimarelevante Emissionen und Ressourcenschonung. Die Aktivitäten mit Blick auf Green Buildings sind den Handlungsfeldern Energieeffizienz und Ressourcenschonung zuzuordnen. Die REWE Group verfolgt das Ziel, den Energie- und Ressourcenverbrauch der Märkte durch das Green Building-Konzept zu reduzieren.

RG1: Green Building

Managementansatz

„Nachhaltigere Produkte gehören in nachhaltigere Märkte.“ Mit dieser Überzeugung begann die REWE Group im Jahr 2008 mit der Entwicklung einer neuen Supermarktgeneration, die Nachhaltigkeit für Kund:innen wie für Mitarbeiter:innen erlebbar macht und einen messbaren Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leistet. Das Green Building-Konzept der REWE Group kombiniert moderne Architektur mit energieeffizienten Technologien und dem Einsatz regenerativer Energien. So konnte der Primärenergiebedarf gegenüber vergleichbaren konventionellen Märkten um bis zu 40 Prozent reduziert werden. Mit der erfolgreichen Umsetzung des Green Building-Konzepts demonstriert die REWE Group, dass Bau und Betrieb von nachhaltigeren Handelsimmobilien ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll sind. Da die REWE Group ihre Märkte häufig als Mietobjekte betreibt, müssen meist Investor:innen und Vermieter:innen für das nachhaltigere Baukonzept gewonnen werden. Hierbei überzeugen insbesondere Kriterien wie Werthaltigkeit, die Flexibilität bei der Nutzung sowie die wirtschaftlichen Erstellungskosten dieses mittlerweile erprobten Baukonzepts. Ein Beleg für die positive Resonanz bei den Kund:innen sind die überdurchschnittliche Kundenfrequenz und die damit verbundenen gestiegenen Umsätze.

Green Building der nächsten Generation

Im Mai 2021 eröffnete in Wiesbaden der erste REWE-Pilotmarkt mit einem neuen Green Building-Konzept. Der Pilotmarkt ist keine Weiterentwicklung der bisherigen Green Buildings, sondern wurde bewusst von Anfang an neu entwickelt.

Das Gebäude zeichnet eine Vielzahl an Besonderheiten aus. So entsteht auf dem Dach des Marktes ein „Urban Farming“-Bereich: Die Kombination aus Basilikum- und Fischzucht lebt von einem geschlossenen Kreislauf. Die Ausscheidungen der Fische düngen die Pflanzen, versorgt werden sie außerdem mit Regenwasser. So kann der Ressourcenverbrauch reduziert und eine gesunde Aufzucht von Pflanzen und Fischen sichergestellt werden. Die Produktion beliefert einen Großteil der Märkte in der Region mit Basilikum und frischem Fisch.
Mit Blick auf die Verwendung nachhaltiger Materialien ist die Dach- und Stützenkonstruktion in Holzstapelbauweise ein wichtiger Baustein. Das Holz ist vollständig sichtbar belassen und nicht chemisch behandelt. Verbaut wurde europäisches Nadelholz aus zertifizierter Forstwirtschaft und für die bewitterten Außenstützen zertifiziertes Lärchenholz. Die Holzstapelkonstruktion ist als Tragwerk neuartig und die gewölbeartige Struktur gibt dem Verkaufsraum eine besondere Einkaufsatmosphäre. Eine weitere Besonderheit der Holzstapelkonstruktion ist, dass diese in der künftigen Konzeptumsetzung durch Modularisierung der einzelnen Elemente deutlich schneller und einfacher als herkömmliche Konstruktionen gebaut wird. Zudem wird durch dieses Konzept mehr Holz im Baukörper verwendet und somit auch mehr CO2 dauerhaft gespeichert.

Die gläsernen Front- und Rückfassaden des Marktes gewährleisten optimale Ein- und Ausblicke für Kund:innen, Mitarbeiter:innen und das Umfeld. Zudem sorgen sie für eine hervorragende Nutzung des Tageslichts, welches zusätzlich über ein großes Atrium in den Verkaufsraum eingebracht wird.
Im Außenbereich reduziert ein innovatives Parkplatzlayout die versiegelte Fläche, ohne dass Stellplätze eingebüßt werden. So ist Platz für gut 1.000 m² Pflanzfläche, die naturnah und insektenfreundlich mit Wiese, Stauden sowie zahlreichen Bäumen begrünt wird. Für ein ganzheitliches Konzept wird der Markt einen Fokus auf regionale und frische Produkte legen.
Für den Pilotmarkt Wiesbaden-Erbenheim strebt die REWE Group das Platin-Zertifikat der DGNB an. Außerdem wird er Vorlage sein für die künftige Musterbaubeschreibung und ein neues Mehrfachzertifikat der DGNB. So soll es künftig unterschiedliche Ableitungen geben – von freistehenden Märkten bis zu suburbanen und urbanen Standorten. Das neue Konzept soll bei Neubauten das bisherige Green Building-Konzept sukzessive ablösen.

Elemente des Green Building-Konzepts
Im Einzelnen enthält das Konzept folgende Elemente, die je nach Rahmenbedingungen an den Standorten umgesetzt werden:

  1. Tageslichtarchitektur: Ein Fensterlichtband an bis zu vier Gebäudeseiten sowie zusätzliche Dachlichtkuppeln ermöglichen die Nutzung von natürlichem Licht, welches durch ein energieeffizientes LED-Beleuchtungskonzept ergänzt wird. Der natürliche Lichteinfall trägt auch maßgeblich zu einer höheren Aufenthaltsqualität für Kund:innen und Mitarbeiter:innen bei.
  2. Ökologische Baustoffe: Die charakteristische Trägerkonstruktion eines Green Buildings besteht aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz, ebenso wie die Hauptfassade und in vielen Fällen die Dachschale. Auch bei den weiteren Materialien wird auf umweltverträgliche und recycelbare Baustoffe geachtet.
  3. Regenerative Energien: Die Green Building-Märkte werden wie alle anderen Märkte, Läger und Reisebüros der REWE Group mit zu 100 Prozent zertifiziertem Grünstrom versorgt. Wo sinnvoll, werden zusätzlich Photovoltaikanlagen installiert.
  4. Wärmeversorgung: Bei der Wärmeversorgung wird durch den Einsatz von Wärmepumpen und die Abwärmenutzung aus den Kälteanlagen auf fossile Energieträger verzichtet.
  5. Regenwassernutzung: Für die Fußbodenreinigung, WC-Spülung und Außenbewässerung wird nach Möglichkeit Regenwasser in Auffangbehältern gesammelt.
  6. Kältetechnik und Kühlmöbel: Für Normal- und Tiefkühlverbundanlagen kommt das natürliche Kältemittel CO2 und für steckerfertige Pluskühltruhen das natürliche Kältemittel Propen zum Einsatz. Pufferspeicher werden zur Wärmerückgewinnung eingesetzt, verglaste Wandkühlregale für Fleisch- und Molkereiprodukte lassen weniger Kälte entweichen. Die Energieeffizienz der Kühlmöbel wird außerdem durch integrierte LED-Beleuchtung, Energiesparventilatoren und den Verzicht auf Scheibenheizung bei Tiefkühlmöbeln erhöht.
  7. Soziokulturelle Faktoren: Green Building-Märkte sind weitgehend barrierefrei und mit Behindertentoiletten und Wickelplatz ausgestattet. Zudem werden Faktoren wie der visuelle Komfort, die Raumluft oder eingangsnahe Fahrradstellplätze beachtet.

Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen

Im Jahr 2013 hat die REWE Group beschlossen, künftig grundsätzlich alle Neubauprojekte und alle neuen Mietverträge in Deutschland nach dem Green Building-Konzept umzusetzen, sofern die Rahmenbedingungen dies zulassen. Die Vertriebslinien REWE, PENNY und toom Baumarkt verfügen über eine Mehrfachzertifizierung in der Stufe „Gold“* durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB e.V.). Neubauten werden also nach dem Green Building-Konzept bzw. den Kriterien für nachhaltiges Bauen der DGNB umgesetzt. Durch die Aufnahme der DGNB-Kriterien in die Baubeschreibungen der Vertriebslinien gelten diese Anforderungen explizit auch für die Mietobjekte der REWE Group. Ende 2020 belief sich die Gesamtzahl der nach den Green Building-Kriterien fertiggestellten Gebäude auf 275 und zudem befinden sich noch 115 Green Buildings in der Bau- oder Planungsphase.

Das Gütesiegel der DGNB bewertet verschiedene Qualitäten eines Gebäudes. Dazu gehören neben ökologischen Aspekten auch der Ablauf des Bauprozesses und soziokulturelle Faktoren des Wohlbefindens, wie beispielsweise der visuelle Komfort, die Raumluft, Fahrradstellplätze oder Kundentoiletten. Die Mehrfachzertifizierung der Baubeschreibung erleichtert den Zertifizierungsablauf erheblich, da das Gesamtkonzept bereits einer eingehenden Prüfung unterzogen wurde. Dies ist für die schnelle und kosteneffiziente Umsetzung von Green Building-Märkten eine wichtige Voraussetzung.

* Entspricht der aktuellen Klassifizierung nach der Novellierung der Kriterien durch die DGNB im Jahr 2015.

RG1-1:

Anzahl der Märkte, die den Anforderungen der DGNB e.V. (Green Building) entsprechen.

Fertiggestellte Märkte nach Anforderung der DGNB e.V. (Green Building), Status Ende des jeweiligen Berichtsjahres

2018 2019 2020
REWE 144 179 209
PENNY 25 39 51
toom Baumarkt 13 13 14
Lager 1 1 1
Summe 183 232 275

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