REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2020

Logistik und Mobilität

Durch den Transport von Waren fallen Kraftstoffverbräuche an – ob durch die Beförderung der Waren von der Produktion in die Lager, vom Lager zum Markt oder bei Online-Bestellungen durch die Lieferung zu Kund:innen. Diese Verbräuche schlagen sich im Energieverbrauch sowie in der Freisetzung von Emissionen nieder. Die REWE Group ist aus diesem Grund bestrebt, die Kraftstoffverbräuche zu reduzieren – und zwar dort, wo sie selbst einen großen Einfluss hat. Darüber hinaus setzt sich das Unternehmen dafür ein, die Mobilität seiner Mitarbeiter:innen möglichst emissionsfrei zu gestalten.

Um Nachhaltigkeit als festen Bestandteil in die Unternehmensprozesse zu integrieren, hat die REWE Group eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie mit den vier zentralen Säulen Grüne Produkte, Energie, Klima und Umwelt, Mitarbeiter:innen und Gesellschaftliches Engagement entwickelt. Im Rahmen der Säule Energie, Klima und Umwelt wurden drei Handlungsfelder definiert: Energieeffizienz, Klimarelevante Emissionen und Ressourcenschonung. Die Maßnahmen im Bereich Logistik und Mobilität sind den Handlungsfeldern Energieeffizienz und Klimarelevante Emissionen zuzuordnen.

Im Jahr 2019 hat das Thema der Luftschadstoffe für die Logistik der REWE Group in Deutschland aufgrund der verhängten Dieseleinfahrverbote für einige innerstädtische Bereiche nochmals an Bedeutung gewonnen. Unter Berücksichtigung der für die einzelne Stadt bzw. Kommune geltenden Einfahrbeschränkung wurde die Belieferung der betroffenen Märkte bzw. Filialen durch entsprechende Eingriffe in die Tourendisposition und dabei insbesondere durch die Auswahl des jeweils geeigneten Fahrzeugtyps sichergestellt.

Maßnahmen im Bereich Logistik und Warentransport

Die REWE Group-Logistik sorgt vorrangig dafür, dass die Märkte stets bedarfsgerecht beliefert werden. Ein komplexes Transport- und Lagersystem gewährleistet die Verfügbarkeit, Qualität und Frische der Produkte. Gleichzeitig hat die REWE Group das Ziel, die Kraftstoffverbräuche und die durch die Logistik verursachten Treibhausgasemissionen so gering wie möglich zu halten. Um dies zu erreichen, setzt die REWE Group an folgenden Hebeln an: die strategische Verringerung der Entfernung zwischen Lager- und Marktstandorten, eine hohe Auslastung der Fahrzeuge und die Reduzierung der Emissionen pro Kilometer durch differenzierte Logistikkonzepte sowie der Einsatz effizienter Fahrzeugtechnik und angepasstes Fahrverhalten.

Die Kraftstoffverbräuche für Lkw und Pkw sind von 1.219 GWh im Jahr 2019 auf 1.324 GWh im Berichtsjahr gestiegen. Dies ist im Wesentlichen auf die Aufnahme von Lekkerland in den Konsolidierungskreis zurückzuführen.

Kraftstoffverbrauch der REWE Group (in GWh)

Einheit 2018 2019 2020 ✓
Kraftstoffe (Lkw/Pkw) GWh 1.132 1.219 1.324
Anteil des Kraftstoffverbrauchs (Lkw/Pkw) am Energieverbrauch der REWE Group Prozent 16,1% 17,4% 19,3%

Geltungsbereich: REWE Group inklusive der Kaufleute. Im Berichtsjahr wurde Lekkerland in den Geltungsbereich integriert. Nicht berücksichtigt wurden Einheiten, die aus der REWE Group ausgeschieden sind, und es fand eine rückwirkende Anpassung der Daten statt.

Die transportbedingten Emissionen haben an den gesamten Treibhausgasemissionen der REWE Group in Deutschland einen Anteil von rund 16 Prozent und in Österreich einen Anteil von etwa 18 Prozent. Für die gesamte REWE Group beträgt der Anteil der durch die Logistik verursachten Treibhausgasemissionen im Berichtsjahr 2020 rund 16 Prozent. Die absoluten Steigerungen in den Jahren 2019 und 2020 sind auf die Integration von Lekkerland in den Konsolidierungskreis zurückzuführen. Zudem ist die prozentuale Steigerung auch auf die Verringerung des Gesamtenergieverbrauchs der REWE Group zurückzuführen (für weitere Informationen siehe Abschnitt Energie).

Treibhausgasemissionen1 der Logistik (inkl. externer Speditionslogistik)

Einheit 2018 2019 2020
Absolute Treibhausgasemissionen der Logistik t CO2-Äquivalente 251.866 281.128 285.304
Anteil der Logistik an den gesamten Treibhausgasemissionen der REWE Group Prozent 12,1 % 14,4 % 16,2 %

Geltungsbereich: Unternehmen der REWE Group in Deutschland und Österreich inklusive der Kaufleute. Im Berichtsjahr 2020 wurde Lekkerland in den Geltungsbereich integriert und die Daten für 2019 rückwirkend angepasst. Nicht berücksichtigt wurden Einheiten, die im Berichtszeitraum bezogen auf den Geltungsbereich aus der REWE Group ausgeschieden sind.

1 Die Berechnung der Emissionsintensität umfasst direkte, indirekte energiebezogene und weitere indirekte Emissionen (Scope 1, 2 und 3). Für weitere Informationen siehe auch Klimaschutz auf Unternehmensebene.

Lagernetzstruktur

Die REWE Group hat ihr Lagernetz auch im Jahr 2020 weiter optimiert. Hierzu zählen insbesondere die Inbetriebnahme des neuen PENNY-Lagerstandorts in Kronau, der Umbau des Lagerstandorts in Lahr und seine Übergabe von PENNY an REWE sowie der Umbau des PENNY-Lagerstandorts Wiesloch. Durch die beständige Weiterentwicklung des Logistiknetzwerks der REWE Group sinkt die durchschnittliche Tourlänge kontinuierlich: Im Berichtsjahr betrug sie in Deutschland 2,5 Kilometer weniger als 2019.
Neben den Verbesserungen im Lagernetz werden auch Prognoseverfahren und Tourenplanungen ständig optimiert. So lag die Fahrzeugauslastung der gesamten Lkw-Flotte 2020 ebenso wie im Vorjahr bei über 90 Prozent der im Einsatz befindlichen Fahrzeugkapazität. Die Auslastung der Lkw, die von den Kopflägern zu den Regionalstandorten fahren, lag im Berichtsjahr sogar bei 96 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr ist das eine Verbesserung um zwei Prozentpunkte.

Neue Rollcontainer: mehr Effizienz bei der Warenauslieferung

Mit der Einführung des neuen Rollcontainers im Vollsortiment im Jahr 2020 entwickelte die REWE Group das primäre Transporthilfsmittel für den Warentransport in die Märkte weiter, um den gestiegenen Anforderungen Rechnung zu tragen. Durch die um 15 Prozent höheren Seitengitter im Vergleich zum Vorgänger wird die Auslastung der Rollcontainer und damit auch der Lkw deutlich erhöht. Neben dieser Effizienzsteigerung wurde bei der Entwicklung das Augenmerk auf eine einfache Handhabung für die Mitarbeiter:innen gelegt. So ist der neue Rollcontainer vielseitig einsetzbar und lässt sich schnell zerlegen, um ihn platzsparend zwischenzulagern und an die Lagerstandorte zurückzuführen. Auch PENNY trieb die Weiterentwicklung der Rollcontainer im Berichtsjahr voran, indem auf den bestehenden Bodenplatten höhere Seitengitter angebaut wurden. So konnte die Auslastung deutlich gesteigert werden: 2020 mussten im Ergebnis rund neun Millionen Transportkilometer weniger zurückgelegt werden als 2019. Auf diese Weise wurden bereits rund drei Millionen Liter Kraftstoff eingespart.

Fahrzeugtechnik und alternative Antriebe

Um die Emissionen des Fuhrparks weiter zu senken, erneuert die REWE Group ihre Fahrzeugflotte kontinuierlich. Dafür erhöhte das Unternehmen die Investitionen in den Lkw-Fuhrpark 2020 nochmals. Ältere Fahrzeuge mit geringeren Emissionsklassen konnten in verstärktem Maße durch neue Euro-6-Fahrzeuge ersetzt werden. Der Anteil an Fahrzeugen gemäß der Euro-6-Emissionsnorm betrug Ende des Jahres 2020 68 Prozent für Deutschland und 78 Prozent in Österreich (bezogen auf die Gesamtanzahl der eigenen Lkw). Außerdem sank der Durchschnittskraftstoffverbrauch auf 100 Kilometer in Deutschland um 3,4 Prozent.

Auch die Erprobung alternativer Antriebstechnologien auf Einsatzfähigkeit, Praktikabilität und Wirtschaftlichkeit ist innerhalb der REWE Group-Logistik eine wesentliche Säule der Nachhaltigkeitsanstrengungen. In der REWE-Region Mitte sind erdgasbetriebene Lkw ein fester Bestandteil der Fuhrparkflotte. Die Anzahl dieser mit CNG (Compressed Natural Gas, komprimiertes Erdgas) betriebenen Lkw wurde 2020 auf elf erhöht, für 2021 ist die Anschaffung weiterer CNG-Fahrzeuge geplant. Ergänzend dazu sind im nationalen Fernverkehr zwischen den Lägern und den Regionallägern sieben mit Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas, LNG) betriebene Fahrzeuge im Einsatz. Auch die REWE International AG arbeitet mit alternativen Antriebsmöglichkeiten: So waren Ende 2020 in Österreich drei Diesel-Hybrid-Lkw und sieben erdgasbetriebene Lkw im Einsatz. Seit September 2018 beliefert zudem ein vollelektrisch betriebener Lkw die Handelsfirmen im Stadtgebiet Wien.

Allerdings ist das Angebot entsprechender Fahrzeuge, insbesondere im Bereich der 40-Tonner, auf dem Markt weiterhin kaum oder gar nicht verfügbar. Selbst für einzelne Testfahrzeuge ist die Verfügbarkeit von Fahrzeugen und der entsprechenden Tank- und Ladeinfrastruktur noch stark begrenzt.

Die REWE International AG engagiert sich seit vielen Jahren für das Council Nachhaltige Logistik (CNL). Im Rahmen dieser Partnerschaft wurde der E-Lkw entwickelt und in Betrieb genommen. Darüber hinaus beteiligt sich die REWE International AG am Projekt MEGAWATT-LOGISTICS der Universität für Bodenkultur Wien. Ziel ist es, Lösungen für die Herausforderungen bei der Umstellung auf elektrische Lkw zu erarbeiten.

Belieferung der Kund:innen

Für eine effiziente Belieferung ihrer Kund:innen im Rahmen des REWE Lieferservice erarbeitet die REWE Group neue Konzepte, um die innerstädtischen Herausforderungen – zunehmendes Verkehrsaufkommen und dadurch bedingte Staus oder Fahrverbote – zu bewältigen. Ein Ansatz stellt die Belieferung mit Fahrrädern und Lastenanhängern dar. Gemeinsam mit dem Start-up NÜWIEL aus Hamburg hat die REWE Group für diesen Zweck einen Lastenfahrradanhänger entwickelt. Der Anhänger verfügt über einen eigenen Motor und ist damit unabhängig von der Art des Fahrrads. Auf diese Weise können inzwischen Kund:innen über zwei Fahrrad-Hubs in Köln, einen Hub in Hamburg sowie direkt über das zentrale Food Fulfillment Center (FFC) in Berlin per Lastenrad von rund 60 Fahrer:innen beliefert werden.

Ein weiteres Konzept für den Lieferservice der REWE Group stellen Elektrotransporter der Firma StreetScooter dar. Ein erstes Pilotprojekt wurde bereits erfolgreich durchgeführt – jedoch ist derzeit kein Fahrgestell mit ausreichendem Ladevolumen verfügbar.

Abbiegeassistenten für mehr Sicherheit im Straßenverkehr

Im Rahmen der Sicherheitspartnerschaft mit dem Bundesverkehrsministerium stattet die REWE Group seit 2018 alle Neubeschaffungen von Fahrzeugen im Eigenfuhrpark von REWE und PENNY in Deutschland mit einem Abbiegeassistenten aus. Außerdem werden alle neueren Euro-6-Bestandsfahrzeuge entsprechend nachgerüstet. Bis Ende 2020 wurden insgesamt mehr als 400 Lkw mit entsprechenden Assistenzsystemen nachgerüstet oder als Neufahrzeuge mit dieser Ausstattung in die Flotte aufgenommen. Damit war Ende des Berichtsjahres über die Hälfte der eigenen Fuhrparkflotte in Deutschland nachgerüstet. Bis Ende 2021 beabsichtigt die REWE Group, dass 85 Prozent der Flotte mit einem Abbiegeassistenten ausgestattet sind.
Mit dieser Selbstverpflichtung setzt die REWE Group ein klares Zeichen für mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Der Abbiegeassistent erkennt Verkehrsteilnehmer:innen im direkten Umfeld des Fahrzeugs und macht die Fahrer:innen auf akustische oder optische Weise darauf aufmerksam. So können Fußgänger:innen, Radfahrer:innen und alle übrigen Verkehrsteilnehmer:innen vor den oftmals tödlichen Abbiegeunfällen geschützt werden.

Aufgrund des Geschäftsmodells transportiert die REWE Group-Logistik im wesentlichen Lebensmittel. Damit birgt das Transportgut im Falle eines Transportunfalls eine geringe Gefahr der Freisetzung von Chemikalien oder anderen gefährlichen Stoffen. Sollte es zu Transportunfällen der Logistik kommen, werden diese in den Logistikstandorten erfasst und nachgehalten. Um schwere Unfälle möglichst zu vermeiden, durchlaufen alle Fahrer:innen regelmäßige Fahrsicherheitstrainings.

Mobilität von Mitarbeiter:innen und Kund:innen

Auch beim Arbeitsweg der Mitarbeiter:innen wird Energie verbraucht und Emissionen fallen an. Die REWE Group arbeitet daran, auch diese Wege emissionsfreier zu gestalten.

So bietet die REWE Group Mitarbeiter:innen insbesondere in Ballungsräumen ein günstiges Jobticket zur Nutzung des ÖPNV an. Anspruchsberechtigte Beschäftigte der REWE Group haben die Möglichkeit, ihre Mobilitätsbudgets individuell zu nutzen – beispielsweise können sie ein kleineres Automodell wählen und den eingesparten Betrag für ein Höherversorgungsmodell für die Rente nutzen. Nutzer:innen von Elektrofahrzeugen erhalten zusätzlich zu ihrem Mobilitätsbudget einen monatlichen Bonus von 100 bis 150 Euro. Bei Hybridfahrzeugen beträgt der monatliche Zuschuss 50 Euro. An ihren Standorten in Köln verfügt die REWE Group außerdem bereits über 34 Ladepunkte, an denen die Mitarbeiter:innen Strom für ihre Fahrzeuge beziehen können.

Um die Mobilität mit dem Fahrrad zu fördern, können alle Mitarbeiter:innen der REWE Group in Deutschland seit 2016 ein Dienstfahrrad im Rahmen eines Entgeltumwandlungsmodells erwerben, das für den Weg zur Arbeit ebenso wie in der Freizeit genutzt werden kann. Seitdem haben die Mitarbeiter:innen über 6.200 Fahrräder erworben.

Elektromobilität vorantreiben durch die Bereitstellung von Stromtankstellen

Die REWE Group leistet einen Beitrag zum Ausbau der Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität und stattet die Parkplätze neuer Märkte, die nach dem Green Building-Konzept errichtet wurden, mit einer Stromtankstelle aus. Ende 2020 befanden sich an 130 Märkten in Deutschland und an 55 Märkten in Österreich sowie 83 in den CEE-Staaten Ladestationen. Die REWE Group ist ständig auf der Suche nach Partnern, deren Geschäftsmodell unmittelbar von der Elektromobilität betroffen ist – also Automobilhersteller, Energieversorger und Provider, die einen Beitrag zu einem funktionierenden und flächendeckenden Ladeinfrastrukturnetz leisten können. Hierbei ist die REWE Group sowohl mit regionalen Anbieter:innen als auch mit nationalen Anbieter:innen im Austausch.

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RG 1