REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2019

Tierwohl

Sowohl im Lebensmitteleinzelhandel als auch in der Touristik spielt die Haltung und Nutzung von Tieren eine bedeutende Rolle. Tierische Produkte wie Fleisch oder Eier sind ein fester Bestandteil heutiger Ernährungsgewohnheiten – die Nutztierhaltung ist damit ein wesentlicher Zweig der landwirtschaftlichen Produktion. Und auch in vielen Urlaubsdestinationen ist die Interaktion mit Tieren Teil des lokalen Unterhaltungsangebots. Oftmals leiden die Tiere jedoch unter schlechten Lebensbedingungen oder einem nicht artgerechten Umgang. Für die Touristen sind diese Auswirkungen nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Die aktuelle Diskussion in der Gesellschaft zum Thema Tierwohl zeigt, dass Verbrauchern und Urlaubern eine artgerechte Haltung der Tiere immer wichtiger wird – auch die Stakeholder der REWE Group bewerten das Thema als besonders relevant für das Unternehmen (für mehr Informationen siehe Abschnitt Wesentlichkeitsanalyse). Dazu zählt auch, die Tiere vor Missbrauch zu schützen und den natürlichen Lebensraum nicht zu beeinträchtigen.

Um Nachhaltigkeit als festen Bestandteil in die Unternehmensprozesse zu integrieren, hat die REWE Group eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie mit den vier zentralen Säulen Grüne Produkte, Energie, Klima und Umwelt, Mitarbeiter und Gesellschaftliches Engagement entwickelt. Im Jahr 2017 wurde die Strategie Grüne Produkte 2030 verabschiedet, um Nachhaltigkeit noch stärker in die Beschaffungsprozesse zu integrieren. Im Rahmen der Handlungsfelder Mensch, Tier und Umwelt entwickelt das Handels- und Touristikunternehmen wirksame Maßnahmen in der Säule Grüne Produkte, um ökologische und soziale Auswirkungen zu reduzieren. Das Ziel des Handlungsfelds Tier ist es, zusammen mit Geschäftspartnern und Lieferanten verbindliche Standards zu implementieren und den Dialog zwischen allen Partnern zu fördern, um den negativen Auswirkungen mit Blick auf das Tierwohl entgegenzuwirken.

GRI FP10: Physische Veränderung an Tieren

Managementansatz

In ihrer Leitlinie für Nachhaltiges Wirtschaften bekennt sich die REWE Group zur Einhaltung und Verbesserung von Tierschutzstandards sowie zum Ausbau des Tierschutzes in der Tierhaltung. Um dieser Verpflichtung nachzukommen, veröffentlichte die REWE Group 2019 die Leitlinie für Tierwohl. Sie löst das Leitbild Nutztierhaltung der Zukunft aus dem Jahr 2015 ab, dokumentiert die Haltung der REWE Group zum Thema Tierwohl und legt Ziele sowie Maßnahmen für einzelne Nutztierarten fest. Damit zeigt die Leitlinie die verschiedenen Anforderungen auf, die eine zukunftsfähige Landwirtschaft in Einklang bringen muss. Dazu zählen neben Tierwohl auch Umwelt- und Klimaschutz, Ressourceneffizienz, Lebensmittelsicherheit und Wirtschaftlichkeit. Sie ist ein verbindlicher Handlungsrahmen für Geschäftspartner und Stakeholder der REWE Group und definiert die Ansprüche des Unternehmens an eine nachhaltigere Erzeugung von Waren tierischen Ursprungs.

Die REWE Group orientiert sich am weit verbreiteten Konzept „Fünf Maßnahmen und Tierschutzziele“. Es wurde aus den „Fünf Freiheiten“ des britischen Farm Animal Welfare Council abgeleitet, entspricht dem heutigen Stand der Wissenschaft und sieht bei neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen Erweiterungen vor:

  1. Positive mentale Erlebnisse
  2. Gute Umgebungsbedingungen
  3. Gute Gesundheit
  4. Gute Ernährung
  5. Artgemäßes Verhalten

Um das Tierwohlengagement der gesamten REWE Group strukturiert mit Maßnahmen zu untermauern bzw. den negativen Auswirkungen auf die Tiere entgegenzuwirken, hat die REWE Group im Wesentlichen drei unterschiedliche Ansätze entwickelt, innerhalb derer Maßnahmen umgesetzt werden:

  1. Interne Zusammenarbeit: beispielsweise durch Schulung von Einkäufern
  2. Zusammenarbeit in der Lieferkette: beispielsweise durch Anforderungen an Lieferanten oder die Durchführung von Projekten
  3. Zusammenarbeit mit Stakeholdern: beispielsweise durch die Beteiligung und das Mitwirken an Brancheninitiativen

Die REWE Group in Österreich hat 2016 eine eigene Leitlinie Tierwohl veröffentlicht, die die wesentlichen Maßnahmen und Handlungsfelder für Österreich darstellt.

Um dem Anspruch nach tierfreundlichen Angeboten gerecht zu werden, verabschiedete auch die DER Touristik 2017 eine verbindliche Tierschutzrichtlinie. Diese wurde 2019 auf die gesamte DER Touristik Gruppe ausgeweitet. Zur Richtlinie zählen eine umfassende Gruppenstrategie und ein Aktionsplan mit verbindlichen Maßnahmen. Bis 2022 soll die Anpassung des gesamten Produktportfolios des Konzerns an etablierte Tierschutzstandards abgeschlossen sein. So verfolgt die DER Touristik das Ziel, Tiere vor Ausbeutung und Vernachlässigung zu schützen. Zusammen mit Experten und Branchenteilnehmern arbeitet die DER Touristik daran, Standards zum Schutz der Tiere im Tourismus zu verbessern, lokale Anbieter für das Thema zu sensibilisieren und sie dabei zu unterstützen, tierfreundlichere Einrichtungen zu gestalten. Der Fokus liegt auf Tierarten, die besonders durch touristische Aktivitäten betroffen sind. Um zu überprüfen, ob die Anforderungen eingehalten werden, werden ausgewählte Attraktionen nach bestimmten Kriterien, angelehnt an die Global Welfare Guidance for Animals in Tourism des britischen Reiseverbands ABTA, durch externe Audits überprüft. Beispielswiese wurden Elefantenreiten und Elefantenshows bereits komplett aus den Programmen der Veranstalter der DER Touristik genommen. Um die Anbieter bei der Verbesserung der Standards für Tiere zu unterstützen, werden auch die Mitarbeiter der DER Touristik, insbesondere die der weltweit tätigen Zielgebietsagenturen, hierzu geschult.

Projekte und Maßnahmen zur Verbesserung des Tierwohls

Bereits seit Jahren engagiert sich die REWE Group intensiv für mehr Tierwohl. Viele der vorhandenen Maßnahmen werden unter anderem in PRO PLANET-Projekten durchgeführt, in denen beispielsweise die Fütterung und Haltungsbedingungen von Hähnchen und Legehennen verbessert wurden. Weitere Schwerpunkte des Engagements liegen in der Produktion von Schweine-, Puten- und Kaninchenfleisch sowie Frischmilch. Wichtige Tierwohlaspekte betreffen schmerzhafte Eingriffe wie die Kastration von Ferkeln sowie das Töten von männlichen Küken. Die Maßnahmen und Ziele sind auf die jeweilige Tierart und die Bedingungen der Nutztierhaltung zugeschnitten, da so die unterschiedlichen Rahmenbedingungen der verschiedenen Wertschöpfungsketten berücksichtigt werden.

Konkrete Maßnahmen zum Tierwohl setzt die REWE Group im Rahmen von drei Ansätzen um:

1. Interne Zusammenarbeit
Ziel ist es, nachhaltige Beschaffung weiter in die Einkaufsprozesse der REWE Group zu integrieren, um Nachhaltigkeitsaspekte bei jeder Einkaufsentscheidung zu berücksichtigen. Dabei legt das Unternehmen durch strategische und organisatorische Projekte die Basis für konkrete Aktivitäten. Die REWE Group trägt beispielsweise durch die Bereitstellung von Risikoanalysen und Briefings, die Abstimmung von verbindlichen Zielen mit den Einkaufsbereichen sowie Schulungen zu Nachhaltigkeitsthemen zur internen Sensibilisierung bei. Interne Reportings ermöglichen eine kontinuierliche Weiterentwicklung innerhalb der einzelnen Nachhaltigkeitsthemen. Die externe Kommunikation schafft Transparenz gegenüber Stakeholdern.

2. Zusammenarbeit in der Lieferkette
Risiken, die mit Blick auf das Handlungsfeld Tier in der Lieferkette auftreten, geht die REWE Group gezielt durch ein systematisches Lieferkettenmanagement an, welches von enger Zusammenarbeit mit Lieferanten sowie dem Engagement auf Ebene der Produktionsstätten und der Rohstofferzeugung geprägt ist. In Deutschland sowie in allen anderen relevanten Ländern, die als Lieferländer für Rohstoffe tierischen Ursprungs infrage kommen, gibt es entsprechende ordnungspolitische Rahmenbedingungen für die Nutztierhaltung. Die REWE Group akzeptiert nur Partner in ihren Lieferketten, die die jeweils national gültigen gesetzlichen Anforderungen vollumfänglich erfüllen. Da diese Anforderungen aber häufig nicht weit genug greifen, engagiert sich die REWE Group zusätzlich mit zahlreichen Projekten, um die Haltungsbedingungen der Tiere zu verbessern. Um die Produkte entsprechend den Haltungsbedingungen zu kennzeichnen und auf diese Weise Transparenz zu schaffen, wurde 2019 die vierstufige, branchenweite Kennzeichnung der Haltungsbedingungen eingeführt. Diese kennzeichnet auf einen Blick, nach welchen Kriterien die Tiere der Eigenmarken-Frischfleischprodukte bei REWE und PENNY gehalten wurden. Für weitere Informationen und eine konkrete Beschreibung der einzelnen Projekte siehe auch Abschnitt Haltungsbedingungen.

Projekte und Maßnahmen zur Verbesserung der Haltungsbedingungen bei Schweinen:

  • Engagement gegen die unbetäubte Ferkelkastration
  • Regionale Programme für mehr Tierwohl, z. B. Strohhaltung

Projekte und Maßnahmen zur Verbesserung der Haltungs- und Lebensbedingungen bei Küken und Hennen:

  • Verhinderung des Kükentötens durch Aufzucht männlicher Legehennen-Küken („Spitz & Bube“, „HerzBube“)
  • Verhinderung des Kükentötens durch Geschlechtsbestimmung (SELEGGT)
  • Early Feeding: Verbesserung der Lebensbedingungen von frisch geschlüpften Küken
  • Verzicht auf Käfighaltung und Schnabelkürzen bei Legehennen

Projekte und Maßnahmen zur Verbesserung der Haltungsbedingungen bei Milchkühen:

  • Vermarktung von Weidemilch und -molkereiprodukten, wie zum Beispiel Weide-Käse mit den Labeln „PRO WEIDELAND“ und „Weidemelk“
  • Vermarktung von Milch und Molkereiprodukten mit dem Label „Für Mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbunds
  • Vermarktung von Allgäuer Hofmilch mit dem „Tierschutz-kontrolliert“-Gütesiegel von VIER PFOTEN

Projekte und Maßnahmen zur Verbesserung der Haltungsbedingungen bei Puten, Wachteln und Büffeln:

  • Einsatz einer eigens gezüchteten, robusten Bio-Putenrasse
  • Vermarktung von Wachteleiern aus der Haltungsform „free to fly“
  • Implementierung von Haltungsanforderungen für Büffel

Frischmilch- und Fleisch-/Wurstartikel mit dem Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbunds

Für mehr Tierschutz hat der Deutsche Tierschutzbund eine transparente und wissenschaftlich fundierte Kennzeichnung eingeführt. Mit dem zweistufigen Label werden Produkte tierischen Ursprungs gekennzeichnet, denen Tierschutzstandards zugrunde liegen. Unter der Eigenmarke REWE Beste Wahl bieten die REWE-Märkte seit September 2018 nahezu bundesweit Weide- und Frischmilch mit dem Tierschutzlabel an, PENNY hat die Milch mit dem Tierschutzlabel seit 2019 im Sortiment. Zudem führen seit Ende 2018 alle PENNY-Märkte Wurstprodukte vom Teutoburger Hofschwein und 768 PENNY-Märkte zusätzlich Fleischprodukte mit dem Tierschutzlabel „Für Mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbunds. Damit unterstützen REWE und PENNY eine Initiative für mehr Tierwohl im gesamten Handel und gestalten den nachhaltigeren Einkauf für den Verbraucher transparenter.

Engagement für elefantenfreundliche touristische Tiereinrichtungen

Seit 2017 führt die DER Touristik Tierschutzmaßnahmen mit dem Augenmerk auf Elefanten durch. Dafür wurden in einem ersten Schritt alle mit der Tierschutzrichtlinie nicht konformen Angebote aus dem Programm genommen und die Einhaltung von Tierschutzstandards mithilfe von externen Audits überprüft. In Zusammenarbeit mit der konzerneigenen Zielgebietsagentur Go Vacation Thailand werden Lösungen für Freizeitangebote mit Elefanten entwickelt. Heute wird mit wenigen lokalen Anbietern kooperiert, die im Jahr 2019 umfassend auditiert wurden. Durch die Auditierung wurden die Anbieter für das Thema Tierschutz weiter sensibilisiert. Außerdem wurden Möglichkeiten identifiziert, um die Tierschutzstandards weiter zu verbessern. Zudem engagiert sich die DER Touristik gemeinsam mit der Tierschutzorganisation „World Animal Protection“ und anderen Branchenteilnehmern in der Arbeitsgruppe „Coalition for Ethical Wildlife Tourism (CEWT)“. Ein erarbeitetes Geschäftsmodell dient dem Aufbau elefantenfreundlicher Einrichtungen. Ziel ist es, zwei Elefanteneinrichtungen nach etablierten Standards weiterzuentwickeln und Angebot und Nachfrage nach elefantenfreundlichen touristischen Tiereinrichtungen zu steigern. Anfang 2019 hat das erste umgebaute Camp eröffnet: Im Camp ChangChill in Thailand können Besucher die Elefanten von einer Plattform aus bei ihrem natürlichen Verhalten beobachten. Ein direkter Kontakt ist nicht erlaubt.

3. Zusammenarbeit mit Stakeholdern
Die Herausforderungen zur Bearbeitung von Nachhaltigkeitsrisiken in der Produktion der Eigenmarkenprodukte liegen oft in den globalen Handelsstrukturen und sind durch politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen beeinflusst. Ein wichtiger Ansatzpunkt zur Identifikation der relevanten Themen und zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie ist daher ein gutes Stakeholder-Management. Um die Tierwohlstandards sicherzustellen und weiterzuentwickeln, steht die REWE Group mit Lieferanten und der Wissenschaft im Austausch und arbeitet mit verschiedenen Nichtregierungsorganisationen zusammen. Dazu zählen unter anderem ProVieh, die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt und die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN.

Verbesserung branchenweiter Tierwohlstandards: Initiative Tierwohl

Als Gründungsmitglied der Initiative Tierwohl setzt sich die REWE Group für die Verbesserung branchenweiter Tierwohlstandards ein. Der Zusammenschluss aus Vertretern der Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und des Lebensmittelhandels verfolgt das Ziel einer tiergerechteren Fleischerzeugung. Die beteiligten Unternehmen des deutschen Lebensmitteleinzelhandels führen mit 6,25 Cent pro Kilogramm verkaufter Schweine- und Geflügelfleischware einen jährlichen Beitrag von rund 130 Millionen Euro an die Initiative Tierwohl ab. Das Geld wird für die Finanzierung von Tierwohlmaßnahmen zur Verfügung gestellt, die über gesetzliche Bestimmungen hinausgehen. Durch die Beteiligung von mehr als 6.660 Betrieben konnten die Haltungsbedingungen im Jahr 2019 für über 510 Millionen Schweine, Hähnchen und Puten verbessert werden. Jeder Betrieb in der Initiative Tierwohl wird jedes Jahr im Rahmen eines regulären Audits und durch ein unangekündigtes Audit kontrolliert. Betriebe, die gegen die Vorgaben verstoßen, werden konsequent sanktioniert. Im Jahr 2019 unterzeichnete die REWE Group die neuen Verträge zur weiteren Teilnahme an der Initiative Tierwohl bis Ende 2023. Damit verbunden sind höhere Tierwohlanforderungen bei der Haltung von Schweinen, beispielsweise hinsichtlich der kontinuierlichen Verfügbarkeit von Raufutter.

Weitere Themen aus diesem Bereich:

Produktbezogene Risikoanalysen

GRI 102-11

Regionalität

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Kundengesundheit und Produktsicherheit

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Nachhaltigen Konsum fördern

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Kinder- und Zwangsarbeit

GRI 408, 409

Haltungsbedingungen

FP10

Ernährung

FP10

Existenzsichernde
Löhne und Einkommen

GRI 414

Wasser

GRI 303