REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2019

Existenzsichernde Löhne und Einkommen

Die REWE Group bezieht eine Vielzahl von Produkten und Produktbestandteilen über Lieferketten, die sich über mehrere Länder erstrecken können. Insbesondere in den Lieferkettenstufen des Rohstoffanbaus und der Verarbeitung liegt ein erhöhtes Risiko der Missachtung von Arbeits- und Sozialstandards wie dem Erhalt von existenzsichernden Löhnen und Einkommen. Sie stehen daher im Fokus der Aktivitäten der REWE Group.

Um Nachhaltigkeit als festen Bestandteil in die Unternehmensprozesse zu integrieren, hat die REWE Group eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie mit den vier zentralen Säulen Grüne Produkte, Energie, Klima und Umwelt, Mitarbeiter und Gesellschaftliches Engagement entwickelt. Im Jahr 2017 wurde die Strategie Grüne Produkte 2030 verabschiedet, um Nachhaltigkeit noch stärker in die Beschaffungsprozesse zu integrieren. Im Rahmen der Handlungsfelder Mensch, Tier und Umwelt entwickelt das Handels- und Touristikunternehmen wirksame Maßnahmen in der Säule Grüne Produkte, um ökologische und soziale Auswirkungen zu reduzieren. Die Aktivitäten zu existenzsichernden Löhnen und Einkommen beziehen sich auf das Handlungsfeld Mensch. Ziel der Bemühungen um die Verwirklichung von existenzsichernden Löhnen und Einkommen ist es, zu einer Verbesserung der Lohn- und Einkommenssituation in den Lieferländern beizutragen.

Ein existenzsichernder Lohn sollte dafür ausreichen, einem Arbeiter und seiner Familie einen menschenwürdigen Lebensstandard zu ermöglichen – dazu zählen Ernährung, Wasser, Wohnen, Ausbildung/Schule, Gesundheitsvorsorge, Transport, Kleidung sowie andere essenzielle Bedürfnisse inklusive einer Reserve für unerwartete Ereignisse. In vielen Ländern liegen die gesetzlichen Mindestlöhne weit unter dem Existenzminimum. Da viele Selbstständige wie Kleinbauern keinen Lohn erhalten, sondern ihr Einkommen durch den Verkauf ihrer Güter oder Dienstleistungen erzielen, wurde zusätzlich der Begriff des existenzsichernden Einkommens eingeführt. Die Definition gilt hier übertragen auf das Nettojahreseinkommen.

GRI 414

Managementansatz

Die REWE Group setzt sich dafür ein, dass die Herstellung der Produkte in ihren Sortimenten unter Achtung der Menschenrechte erfolgt. So sind alle Geschäftspartner der REWE Group vertraglich dazu verpflichtet, Mindestanforderungen wie international und national geltende Gesetze sowie die Kernarbeitsnormen der ILO einzuhalten und sich zur Leitlinie für Nachhaltiges Wirtschaften zu bekennen. Sie umfasst unter anderem Vorgaben zur Vergütung sowie den fairen Umgang mit Mitarbeitern. So wird beispielsweise die regelmäßige (mindestens monatliche) Bezahlung der national geltenden Mindestlöhne durch alle Unternehmen in der Lieferkette gefordert. Im Falle vorsätzlicher grober Missachtung der in der Leitlinie beschriebenen Werte behält sich die REWE Group Sanktionen vor. Die REWE Group legt darüber hinaus ihre Verantwortung zur Stärkung der Menschenrechte und Vorbeugung von Menschenrechtsverletzungen in ihrer Grundsatzerklärung Menschenrechte fest.

In der Anfang 2019 veröffentlichten Leitlinie für Fairness bekennt sich die REWE Group dazu, innerhalb der Lieferketten aller Eigenmarkenprodukte von REWE, PENNY und toom Baumarkt Menschenrechte zu stärken und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Existenzsichernde Löhne und Einkommen sind neben Kinder- und Zwangsarbeit ein Schwerpunktthema im Handlungsfeld Mensch. In ihrer Leitlinie für existenzsichernde Löhne und Einkommen sensibilisiert die REWE Group für die Bedeutung von existenzsichernden Löhnen und Einkommen in den Lieferländern und zeigt konkrete Maßnahmen und Ziele auf. Die Leitlinie definiert einen verbindlichen Handlungsrahmen für die REWE Group und die Geschäftsbeziehungen mit Vertragspartnern.

Die REWE Group hat sich das Ziel gesetzt, die Realisierung von existenzsichernden Einkommen und Löhnen in ihren globalen Lieferketten langfristig in ihre Nachhaltigkeitsstrategie einzubetten.

Um sich für existenzsichernde Löhne und Einkommen entlang der gesamten Lieferkette einzusetzen, folgt die REWE Group dem übergeordneten Managementansatz für verantwortungsvolle Lieferketten (siehe dazu Abschnitt Soziale Aspekte in der Lieferkette).

Trainings und Schulungsprogramme

Trainings unterstützen Lieferanten und Produzenten bei der Umsetzung der Anforderungen der REWE Group und bei der weiteren kontinuierlichen Verbesserung. In verschiedenen Projekten arbeitet die REWE Group direkt mit Rohstoffproduzenten an den Herausforderungen. In Kooperation mit Fairtrade und vier Fairtrade-Kleinbauernorganisationen in Brasilien engagiert sich die REWE Group mit Schulungsprogrammen für die Verbesserung der Einkommen und bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen von kleinbäuerlichen Orangenproduzenten. Im Sinne des Prinzips „Hilfe zur Selbsthilfe“ lernen Orangenbauern, effizienter, sozialer und ökologischer zu wirtschaften.

Zusammenarbeit mit Stakeholdern

Die REWE Group steht mit einer großen Anzahl von Stakeholdern in kontinuierlichem Austausch und engagiert sich in verschiedenen nationalen und internationalen Initiativen, Allianzen und Foren. So ist die REWE Group unter anderem Mitglied der Competitive Cashew Initiative, die das Ziel verfolgt, die Wettbewerbsfähigkeit der Cashew-Wertschöpfungskette in ausgewählten afrikanischen Ländern zu erhöhen. Außerdem beteiligt sich die REWE Group an der Living Wage Advocacy Initiative (LIWIN). Die REWE Group will den Dialog mit anderen Unternehmen, Stakeholdern und Standardorganisationen führen, um sich für existenzsichernde Löhne und Einkommen einzusetzen.

Mit anderen deutschen Händlern, dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ist die REWE Group Teil der „Arbeitsgruppe des deutschen Einzelhandels zu existenzsichernden Einkommen und Löhnen“. Die Aktivitäten der Arbeitsgruppe richten sich in einem ersten Schritt an globale landwirtschaftliche Lieferketten für die Eigenmarkenprodukte der Mitglieder. Gemeinsam wurde bereits eine freiwillige Selbstverpflichtung zu diesem Thema erarbeitet. Mit der Unterzeichnung hat sich die REWE Group dazu verpflichtet, sich aktiv an der Entwicklung und Umsetzung verantwortungsvoller Geschäftspraktiken in Koordination und Zusammenarbeit mit allen relevanten Akteuren in ihren globalen Lieferketten zu beteiligen.

Darüber hinaus finanziert die REWE Group mit der Fruit Juice CSR Platform unter anderem die Erstellung einer Benchmark-Analyse zu existenzsichernden Löhnen im Orangenanbau in Brasilien. Als Mitglied dieser europäischen Initiative engagiert sich die REWE Group seit Juni 2016 für soziale und ökologische Verbesserungen in den Lieferketten der Fruchtsaftindustrie.

Pilotprojekte

Durch Pilotprojekte in Fokuslieferketten möchte die REWE Group zur Umsetzung von Maßnahmen beitragen und die daraus resultierenden Erfolge bewerten. Das Handelsunternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, im Rahmen von Pilotprojekten bis 2025 Ansätze zur Sicherstellung von existenzsichernden Löhnen und Einkommen zu testen und, falls erfolgreich, zu skalieren. Erste Pilotprojekte werden bereits umgesetzt:

Existenzsichernde Löhne für Bananenarbeiter sichern

Die REWE Group engagiert sich derzeit innerhalb verschiedener Initiativen für existenzsichernde Löhne im Anbau von Bananen. Ziel ist es, den Arbeitern der Bananenplantagen bessere Löhne und soziale Bedingungen zu sichern. Ein Projekt wird unter anderem gemeinsam mit dem World Banana Forum durchgeführt, das der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen angeschlossen ist. Des Weiteren ist die REWE Group aktives Mitglied in der Arbeitsgruppe für faire Löhne der Initiative für Nachhaltige Agrarlieferketten und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit – auch hier ist der Anbau von Bananen ein wichtiges Thema. Dabei werden verschiedene Optionen und Handlungsalternativen in den verschiedenen Ursprungsländern der Bananen analysiert und auch an konkreten Beispielen und Pilotprojekten gearbeitet. Die enge Zusammenarbeit mit den Farmen und Standardorganisationen ermöglicht die Entwicklung einer maßgeschneiderten Strategie für die Wertschöpfungskette der Bananen.

Zusätzlicher monetärer Aufschlag für existenzsichernde Einkommen bei Kakaobauern

In Kooperation mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie der Organisation Fairtrade startet die REWE Group als einer der ersten Lebensmittelhändler in Deutschland ein Projekt für existenzsichernde Einkommen im Kakaosektor: Die Kakaobauern erhalten neben den jeweiligen Fairtrade-Prämien und -Mindestpreisen einen zusätzlichen monetären Aufschlag, der sich nach dem Fairtrade-Referenzpreis für existenzsichernde Einkommen richtet und dazu beiträgt, ein existenzsicherndes Einkommen zu erzielen.

Weitere Themen aus diesem Bereich:

Produktbezogene Risikoanalysen

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