REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2019

Soziale Aspekte in der Lieferkette

Die REWE Group bezieht eine Vielzahl von Produkten und Produktbestandteilen über Lieferketten, die sich über mehrere Länder erstrecken können. Insbesondere in den Lieferkettenstufen des Rohstoffanbaus und der Verarbeitung liegt ein erhöhtes Risiko der Missachtung von Arbeits- und Sozialstandards. Sie stehen daher im Fokus der Aktivitäten der REWE Group.

Um Nachhaltigkeit als festen Bestandteil in die Unternehmensprozesse zu integrieren, hat die REWE Group eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie mit den vier zentralen Säulen Grüne Produkte, Energie, Klima und Umwelt, Mitarbeiter und Gesellschaftliches Engagement entwickelt. Im Jahr 2017 wurde die Strategie Grüne Produkte 2030 verabschiedet, um Nachhaltigkeit noch stärker in die Beschaffungsprozesse zu integrieren. Im Rahmen der Handlungsfelder Mensch, Tier und Umwelt entwickelt das Handels- und Touristikunternehmen wirksame Maßnahmen in der Säule Grüne Produkte, um ökologische und soziale Auswirkungen zu reduzieren. Die Aktivitäten zu sozialen Aspekten und Fairness in der Lieferkette beziehen sich auf das Handlungsfeld Mensch. Dazu zählen die Achtung und Stärkung von Menschenrechten und die Verbesserung von Arbeitsbedingungen sowie die Förderung eines fairen Handels. Ziel ist es, zusammen mit Geschäftspartnern und Lieferanten verbindliche Standards für die gemeinsamen Lieferketten zu implementieren und den Dialog zwischen allen Partnern zu fördern – um Menschenrechte zu stärken und die Arbeits- und Sozialstandards weiter zu verbessern.

GRI 414: Soziale Bewertung der Lieferanten
GRI 412: Prüfung auf Einhaltung der Menschenrechte

Managementansatz

Für alle Geschäftsbeziehungen greift die Leitlinie für Nachhaltiges Wirtschaften der REWE Group. Die Leitlinie orientiert sich an der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen, den Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und dem UN Global Compact. Sie umfasst unter anderem das Verbot von Zwangsarbeit und ausbeuterischer Kinderarbeit sowie den fairen Umgang mit Mitarbeitern. Im Falle vorsätzlicher grober Missachtung der in der Leitlinie beschriebenen Werte behält sich die REWE Group Sanktionen vor.

In ihrer Grundsatzerklärung Menschenrechte verpflichtet sich die REWE Group dazu, die Menschenrechte zu stärken und Menschenrechtsverletzungen vorzubeugen. Dieses Bekenntnis gilt sowohl für die eigenen Geschäftstätigkeiten als auch für die globalen Liefer- und Wertschöpfungsketten. Aufgrund der Besonderheiten in der Tourismusbranche hat die DER Touristik Group im Jahr 2019 eine eigene, ergänzende Grundsatzerklärung zur Achtung der Menschenrechte verabschiedet und einen Supplier-Code of Conduct implementiert. Unternehmensrichtlinien und -prozesse werden im Hinblick auf die menschenrechtliche Sorgfaltspflicht angepasst und die formulierten Maßnahmen sukzessive umgesetzt.

Den Kern des Aufbaus fairerer Lieferketten bei der REWE Group bildet ein vierstufiger Prozess. Dieser dient dazu, potenziell nachteilige Auswirkungen des unternehmerischen Handelns auf die Menschenrechte systematisch zu ermitteln, zu minimieren und zu verhindern:

Schritt 1: Mit ausführlichen Risiko- und Hot-Spot-Analysen werden Auswirkungen identifiziert. Seit dem Jahr 2016 hat die REWE Group ihren Ansatz zur Erfassung von Risiken deutlich ausgeweitet und systematisiert. Für weitere Informationen siehe Abschnitt Produktbezogene Risikoanalysen.

Schritt 2: Aus den im ersten Schritt gewonnenen Erkenntnissen leiten sich Fokusrohstoffe und Schwerpunktthemen ab. Es haben sich zwei Schwerpunktthemen herauskristallisiert, die sich durch eine Vielzahl der Fokusrohstoffe und Länder ziehen. Diese sind Kinder- und Zwangsarbeit sowie Existenzsichernde Löhne und Einkommen.

Schritt 3: Die Fokusrohstoffe und Schwerpunktthemen werden mit entsprechenden Maßnahmen bearbeitet, um negativen Effekten entgegenzuwirken. Diese Maßnahmen werden durch einen Managementansatz auf drei verschiedenen Ebenen umgesetzt:

  1. Interne Zusammenarbeit: beispielsweise durch Schulung von Einkäufern
  2. Zusammenarbeit in der Lieferkette: beispielsweise durch Anforderungen an Lieferanten oder den Einkauf zertifizierter Rohstoffe
  3. Zusammenarbeit mit Stakeholdern: beispielsweise durch die Weiterentwicklung von Standardorganisationen

Je nachdem, welche Risiken ermittelt werden, werden unterschiedliche Maßnahmen definiert, beispielsweise eine Einforderung von Standards und Zertifizierungen, die Zusammenarbeit mit Standardorganisationen, der Beitritt zu Brancheninitiativen sowie Projekte mit Lieferanten und Erzeugern vor Ort.

Schritt 4: Die durchgeführten Aktivitäten werden überwacht und evaluiert. Die Erkenntnisse aus dem Monitoring fließen in die Weiterentwicklung der Maßnahmen ein.

Um die Fortschritte im Handlungsfeld Mensch messbar zu machen, wurden folgende Ziele und Key Performance Indikatoren für die Eigenmarken definiert (für weitere Informationen siehe den übergeordneten Managementansatz Grüne Produkte):

KPI Ziel Status
Anteil der strategisch relevanten Produktionsstätten, die in ein Trainingsprogramm (Capacity Building) integriert sind1 100 % bis Ende 2030 ↗︎
Einführung eines Beschwerdemechanismussystems in relevanten Lieferketten Ende 2025 ↗︎
↗︎On Track Ziel erreichtZiel nicht erreicht
1 Genaue Angaben zum aktuellen Status werden durch die Einführung einer systemseitigen Erfassung voraussichtlich ab 2020 möglich sein.

Durch die REWE Group-Einkaufsgesellschaften vor Ort können Anforderungen und Problemstellungen direkt mit den Lieferanten bzw. Produktionsstätten besprochen und Maßnahmen implementiert werden. So ist im asiatischen Raum das Sourcing- und Beschaffungsbüro REWE Far East (RFE) für einen Teil der Beschaffung von Food- und Non-Food-Produkten zuständig und nimmt eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Lieferkette ein. Hierfür steht die Corporate-Responsibility-Abteilung der RFE im direkten Kontakt zu den Lieferanten und betreut den Social-Compliance-Prozess vor Ort.

Die Komplexität der Wertschöpfungskette mit einer Vielzahl von Reiseländern und Dienstleistern stellt auch die Reisebranche vor große Herausforderungen. So hat die DER Touristik Group im Rahmen ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht im Jahr 2018 eine Risikoanalyse durchgeführt, um tatsächliche sowie potenzielle negative Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit auf die Menschenrechte zu ermitteln (für weitere Informationen siehe Abschnitt Produktbezogene Risikoanalysen). Den Menschenrechts-Due-Diligence-Prozess sieht die DER Touristik dabei als fortlaufende Aufgabe.

Mit den Anforderungen des Nationalen Aktionsplans für Wirtschaft und Menschenrechte (NAP) beschäftigt sich die REWE Group bereits seit Erscheinen intensiv und hat in diesem Zusammenhang eine Strategie zur Weiterentwicklung und Umsetzung von Beschwerdemechanismen in ihren Lieferketten entwickelt.

Die REWE Group legt ihren Fokus bei der Förderung von Beschwerdemechanismen auf die Bereiche der Produktion ihrer Fokusrohstoffe und auf die Verarbeitung in Risikoländern. Die REWE Group setzt hier bereits entsprechende Maßnahmen um: So werden interne Beschwerdemechanismen in der Lieferkette durch die Einforderung von entsprechenden Audits überprüft. Darüber hinaus nehmen strategische Produktionsstätten an einem intensiven Trainingsprogramm teil. Wenn bei den Vorgesprächen mit den Produktionsstätten festgestellt wird, dass funktionierende Beschwerdemechanismen fehlen, werden in den Trainings entsprechende Inhalte vermittelt. Auch die Entwicklung von Back-up-Beschwerdemechanismen in der Lieferkette ist für die REWE Group ein wichtiger Aspekt. Diese kommen zum Einsatz, wenn lokale Mechanismen nicht funktionieren oder nicht vorhanden sind. So bringt sich die REWE Group in die Projektgruppe von amfori zur Entwicklung eines Beschwerdemechanismus in der Lieferkette ein.

Zum Umgang mit eingegangenen Beschwerden zu Menschenrechtsverletzungen in der Lieferkette hat die REWE Group einen internen Prozess definiert. Mit diesem festgelegten Verfahren sorgt das Handelsunternehmen nach dem Eingang einer Beschwerde dafür, dass Hinweisen auf Missstände konsequent nachgegangen wird und Abhilfemaßnahmen umgesetzt werden.

Umgang mit Beschwerden

1. Erhalt und Prüfung der Beschwerde
Nach dem Erhalt der Beschwerde wird diese dokumentiert und auf Zulässigkeit geprüft und relevante Ansprechpartner innerhalb der REWE Group werden informiert.

2. Untersuchung der Situation und Identifikation möglicher Maßnahmen
Anschließend wird die Beschwerde untersucht – beispielsweise durch Gespräche mit Lieferanten, Brancheninitiativen oder NGOs, durch Vor-Ort-Besuche oder in Form von Interviews mit den Betroffenen. Auf Basis der Ergebnisse werden anschließend wirksame Maßnahmen identifiziert.

3. Umsetzung und Kontrolle der Maßnahmen zur Abhilfe
Der betroffene Lieferant oder die Produktionsstätte muss die definierten Maßnahmen, zum Beispiel die Abstellung des kritisierten Verhaltens, Präventionsmaßnahmen durch Trainings oder die Wiedergutmachung der Betroffenen, umsetzen. Die REWE Group kontrolliert die Implementierung der Maßnahmen konsequent – werden sie nicht umgesetzt, so kann letztendlich auch ein Ausschluss des Lieferanten von künftigen Aufträgen erfolgen.

4. Abschluss der Beschwerde und Auswertung
Wurden Gegenmaßnahmen erfolgreich implementiert, so wird die Beschwerde abgeschlossen.

Leitlinie definiert Handlungsrahmen

In ihrer 2019 veröffentlichten Leitlinie für Fairness bekennt sich die REWE Group dazu, innerhalb der Lieferketten aller Eigenmarkenprodukte von REWE, PENNY und toom Baumarkt Menschenrechte zu stärken, Arbeitsbedingungen zu verbessern sowie einen fairen Handel zu fördern. Die Leitlinie definiert einen verbindlichen Handlungsrahmen für die Geschäftsbeziehungen mit Vertragspartnern und gibt Anforderungen sowie Ziele vor. Auf Basis aktueller Entwicklungen wird sie regelmäßig aktualisiert. Darüber hinaus hat die REWE Group eine Leitlinie zur Prävention von Kinderarbeit sowie eine Leitlinie für Existenzsichernde Löhne und Einkommen verfasst, um Anforderungen und Maßnahmen der Schwerpunktthemen zu konkretisieren (für mehr Informationen siehe Abschnitt Kinder- und Zwangsarbeit und Existenzsichernde Löhne und Einkommen

GRI 414-2:

Negative soziale Auswirkungen in der Lieferkette und ergriffene Maßnahmen

Konkrete Maßnahmen zur Reduktion negativer sozialer Auswirkungen setzt die REWE Group im Rahmen der folgenden drei Ansätze um:

1. Interne Zusammenarbeit

Die REWE Group arbeitet daran, nachhaltige Beschaffung weiter in ihre Einkaufsprozesse zu integrieren, um Nachhaltigkeitsaspekte bei jeder Einkaufsentscheidung zu berücksichtigen. Durch die Bereitstellung von Risikoanalysen und Briefings, die Abstimmung von verbindlichen Zielen mit den Einkaufsbereichen sowie Schulungen zu Nachhaltigkeitsthemen trägt die REWE Group zu einer internen Sensibilisierung bei.

Regelmäßig werden Mitarbeiter der REWE Group zu relevanten Arbeits- und Sozialstandardthemen geschult, sodass die definierten Standards – wie beispielsweise die Einforderung von Sozialaudits – in der Auswahl der Lieferanten sowie im Einkaufsprozess Berücksichtigung finden. Interne Reportings ermöglichen eine kontinuierliche Weiterentwicklung innerhalb des Handlungsfelds Mensch. Die externe Kommunikation schafft Transparenz gegenüber Stakeholdern.

2. Zusammenarbeit in der Lieferkette

Die Nachhaltigkeitsrisiken, die mit Blick auf das Handlungsfeld Mensch in der Lieferkette auftreten, geht die REWE Group gezielt durch ein systematisches Lieferkettenmanagement an, welches von einer engen Zusammenarbeit mit Lieferanten sowie dem Engagement auf Ebene der Produktionsstätten und der Rohstofferzeugung geprägt ist. Durch das Lieferkettenmanagement erhöht die REWE Group zunächst, wo noch nicht vorhanden, die Transparenz entlang der Lieferkette für die Eigenmarkenprodukte. So können Risiken identifiziert und daraufhin besser vermieden bzw. direkt adressiert werden. Darüber hinaus wird die Integration von Nachhaltigkeit als Teil der Lieferantenbewertung gefördert.

Im Lieferkettenmanagement folgt die REWE Group im Handlungsfeld Mensch einem dreistufigen Ansatz, der die Formulierung von Anforderungen, die Kontrolle und die Entwicklung der Lieferanten und Lieferketten umfasst:

Alle Geschäftspartner in den Eigenmarkenlieferketten der REWE Group sind verpflichtet, die Produktionsstätten zu benennen, in denen Produkte für die REWE Group hergestellt werden. Durch eine Sensibilisierung und die Verpflichtungen der Vertragspartner werden konkrete Regeln geschaffen, um Nachhaltigkeit in der gesamten Lieferkette umzusetzen. Die Anforderungen werden von der Nachhaltigkeitsabteilung der REWE Group im Einkaufsprozess überprüft.partner werden konkrete Regeln geschaffen, um Nachhaltigkeit in der gesamten Lieferkette umzusetzen. Die Anforderungen werden von der Nachhaltigkeitsabteilung der REWE Group im Einkaufsprozess überprüft.

Die Geschäftspartner der REWE Group sind verpflichtet, Mindestanforderungen wie international und national geltende Gesetze sowie die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zu befolgen. Damit geht die Verpflichtung einher, insbesondere folgende Prinzipien einzuhalten:

  • Jegliche Formen von Diskriminierung sind untersagt. Geschäftspartner verpflichten sich, Personen nicht aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Herkunft oder aus anderen Gründen auszugrenzen oder zu bevorzugen.
  • Alle Unternehmen der Lieferkette müssen ihren Beschäftigten mindestens die national geltenden Mindestlöhne regelmäßig (mindestens monatlich) auszahlen.
  • Geschäftspartner müssen sicherstellen, dass die Arbeitszeiten den national geltenden gesetzlichen bzw. branchenüblichen Arbeitszeiten entsprechen.
  • Die Geschäftspartner halten Arbeitsschutzvorschriften nach nationalem Recht und internationalen Standards ein.
  • Alle Geschäftspartner ermöglichen den Arbeitnehmern, ihr Recht auf Vereinigungsfreiheit und Kollektivvereinbarungen auszuüben.
  • Die Geschäftspartner tragen dafür Sorge, in ihren Betrieben keine Kinder zu beschäftigen.
  • Die Geschäftspartner müssen einen fairen und respektvollen Umgang mit den Beschäftigten gewährleisten.
  • Jegliche Formen von Zwangs- bzw. Pflichtarbeit oder Menschenhandel sind durch die Geschäftspartner auszuschließen.

Auf Lieferantenveranstaltungen und in individuellen Gesprächen mit Lieferanten sensibilisiert die REWE Group immer wieder für die Themen Menschenrechte und Arbeitsbedingungen. Im September 2018 veranstaltete der Konzern ein Treffen mit rund 200 Lieferanten in Shanghai: Auf dem Supplier Summit wurden unter dem Motto „Gemeinsam in eine nachhaltige Zukunft“ diverse Workshops zu verschiedenen Nachhaltigkeitsaspekten durchgeführt.

Rohstoffe im Fokus

Auf Basis der produktbezogenen Risikoanalysen wurden folgende kritische Rohstoffe im Zusammenhang mit dem Handlungsfeld Mensch definiert: Kaffee, Kakao, Tee, Palmöl, Orangensaft, Fisch, Obst und Gemüse allgemein mit besonderem Fokus auf Bananen und Ananas sowie Baumwolle, Textilien und Natursteine.

  • Baumwolle und Textil
  • Fisch
  • Kaffee
  • Kakao
  • Orangen­saft
  • Palmöl
  • Tee
  • Obst und Gemüse
  • Bananen
  • Ananas
  • Naturstein

Für einige Fokusrohstoffe hat die REWE Group Leitlinien mit detaillierten Anforderungen und Zielen definiert. Für weitere Informationen siehe Abschnitte Fokusrohstoffe – Food und Fokusrohstoffe – Non-Food.

Verarbeitung in Risikoländern: das Social-Improvement-Programm

Alle Produktionsstätten der ersten Lieferkettenstufe aus definierten Risikoländern werden in das Social-Improvement-Programm der REWE Group integriert, das dem dreistufigen Ansatz Anforderungen, Kontrolle und Entwicklung folgt. Bei den Risikoländern orientiert sich die REWE Group an der Bewertung von amfori. Diese beruht auf den Governance-Indikatoren der Weltbank sowie weiteren Indizes und wird jährlich aktualisiert.

Sofern noch kein Sozialaudit vorhanden ist, werden neue Lieferanten und Produktionsstätten im Rahmen eines Onboardings (1) über die Anforderungen der REWE Group informiert und bei der Vorbereitung des ersten Audits unterstützt. Im zweiten Schritt werden alle Produktionsstätten in Risikoländern verpflichtet, Audits (2) anerkannter Zertifizierungen oder Überprüfungssysteme vorzuweisen. Diese Audits werden – sowohl angekündigt als auch unangekündigt – von unabhängigen Dritten durchgeführt. Anerkannte Sozialaudits sind unter anderem Audits nach dem Standard der amfori BSCI oder dem SA8000-Standard sowie SMETA-Audits der Supplier Ethical Data Exchange. Textilproduktionsstätten in Bangladesch müssen darüber hinaus eine Überprüfung auf Gebäudesicherheit und Brandschutz im Rahmen des „Bangladesh Accord on Fire and Building Safety“ vornehmen.

Um Arbeits- und Sozialstandards kontinuierlich zu verbessern, dokumentiert die REWE Group die Auditergebnisse. Falls die Vorgaben nicht eingehalten werden, werden gemeinsam mit den Lieferanten Verbesserungsmaßnahmen (Remediation (3)) definiert und die Produktionsstätten dazu aufgefordert, an amfori BSCI-Schulungen und -Trainings (4) teilzunehmen. Wenn Produktionsstätten nicht bereit sind, Verbesserungen zu erwirken, behält sich die REWE Group in letzter Konsequenz das Recht vor, die Geschäftsbeziehung zu beenden.

  2017 2018 2019 ✓
Anteil der Produktionsstätten in den Stufen des Social-Improvement-Programms1      
Stufe Onboarding 3 % 1 % 0 %
Stufe Audit 97 % 99 % 100 %
Anteil der Produktionsstätten gemäß ihren Auditergebnissen
SA8000 3 % 3 % 4 %
Naturland 0 % 0 %
amfori BSCI A 5 % 3 % 5 %
amfori BSCI B 6 % 5 % 8 %
amfori BSCI C 68 % 71 % 67 %
amfori BSCI D 5 % 6 % 2 %
amfori BSCI E 0 % 0 % 0 %
SMETA 2 % 4 % 6 %
Abgelaufenes Audit 8 % 6 % 8 %

1 Angabe in gerundeten Werten. Die Berechnung erfolgte auf Basis der Anzahl der Produktionsstätten und erfasst alle Produktionsstätten der REWE Group für Food- und Non-Food-Produkte der ersten Lieferkettenstufe in Risikoländern.

Die Risikoanalysen, Fabrikbesuche und die Arbeit mit den Stakeholdern zeigen, dass es an vielen Stellen der Lieferkette immer noch an Wissen und Managementerfahrungen fehlt, Prozesse und Richtlinien zur Sicherstellung guter Arbeitsbedingungen und Menschenrechte umzusetzen. So werden zwar die Anforderungen aus den Sozialstandards umgesetzt, seitens des Managements der Fabriken mangelt es jedoch teilweise an Verständnis für den hinter den Anforderungen liegenden Sinn und Zweck. Es fehlt zudem an Wissen und Erfahrung, selbst Lösungen für Probleme zu entwickeln. Auch das Bewusstsein für die positiven Auswirkungen, die die Einführung und Umsetzung von sozialen Managementsystemen auf ein Unternehmen haben kann, ist teilweise nicht vorhanden.

Aus diesem Grund hat die REWE Group für ihre strategisch wichtigen und relevanten Produktionsstätten ein Trainingsprogramm aufgesetzt. Es soll ihnen helfen, die Bedeutung der Einhaltung der REWE Group-Standards für nachhaltige Geschäftspraktiken zu verstehen und Systeme und Arbeitsweisen zu etablieren, um nachhaltiges Wirtschaften zu stärken. Konkret erhalten die Produktionsstätten eine Unterstützung, um die sozialen Arbeitsbedingungen in ihren Fabriken zu messen und zu verbessern. Zudem sollen sie ihre Eigenverantwortung so weit steigern, dass sie eigene Programme zur Einhaltung sozialer Standards durchführen können. Dafür werden Manager strategischer Produktionsstätten in einem 18-monatigen modularen Trainingsprogramm in den Punkten Gesundheit und Sicherheit, Beschwerdemechanismen, Löhne und Arbeitszeit sowie ethische Personalbeschaffung geschult. Wo es sinnvoll ist, umfasst das Programm Gruppentrainings, in denen gemeinsame Herausforderungen verschiedener Produktionsstätten adressiert werden. Um Fortschritte zu dokumentieren, werden Kennzahlen definiert und fortlaufend gemessen. Der Auftakt des Programms fand im Dezember 2018 mit einer ersten Analyse in zehn chinesischen Betrieben, zwei Betrieben in Thailand und einem Betrieb in Vietnam statt. Im Fokus standen individuelle Gespräche mit den wichtigsten Anspruchsgruppen der Fabrik. Bei insgesamt 50 Besuchen der Produktionsstätten ließen sich im Berichtsjahr potenzielle Gesundheits- und Sicherheitsrisiken bewerten und das Management im Alltag beobachten. Nach Abschluss der Analyse starteten 2019 ein Webinar zur Datenerfassung, Schulungen zur Ursachenanalyse auf Werksebene sowie die Entwicklung individueller Verbesserungspläne für jede Produktionsstätte basierend auf den Ergebnissen des Ausgangsbesuchs.

Im Rahmen des „Bangladesh Accord on Fire and Building Safety“ setzt die REWE Group bei ausgewählten Produktionsstätten technische Berater ein, die Lieferanten bei der Implementierung von Verbesserungen unterstützen. So konnte für die im Rahmen der Accord-Inspektionen 2019 identifizierten Mängel wieder eine überdurchschnittliche Fortschrittsrate erreicht werden. Die aktiven Fabriken der REWE Group für Textilien in Bangladesch haben Ende 2019 97 Prozent aller Befunde aus den Inspektionen behoben. 2019 wurde eine Institution namens Remediation Sustainability Council (RSC) gegründet, die künftig die Aufgaben des Abkommens übernehmen soll. Dieser Rat arbeitet mit der Regierung von Bangladesch zusammen, um die bereits erzielten Erfolge hinsichtlich der Arbeitssicherheit in Bangladesch weiterzuführen. Die REWE Group unterstützt die Übergabe an den RSC, damit die bisherigen Bemühungen reibungslos fortgesetzt werden. Bis Mai 2020 soll die Übergabe an den RSC abgeschlossen sein.

3. Zusammenarbeit mit Stakeholdern

Die Herausforderungen der Bearbeitung von Nachhaltigkeitsrisiken in der Herstellung der Eigenmarkenprodukte liegen oft in den globalen Handelsstrukturen und sind beeinflusst durch politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Ein wichtiger Ansatzpunkt zur Identifikation der relevanten Themen und zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie ist daher eine gute Zusammenarbeit mit Stakeholdern. Dazu steht die REWE Group mit Stakeholdern in kontinuierlichem Austausch und lädt regelmäßig zu Dialogveranstaltungen ein. Zudem engagiert sich die REWE Group in den folgenden nationalen und internationalen Initiativen, die sich mit den Themen Menschenrechte und Arbeitsbedingungen im jeweiligen Kontext befassen:

  • Mitglied bei amfori BSCI: Damit verpflichtet sich das Unternehmen selbst sowie alle Lieferanten und Produzenten, den Verhaltenskodex von amfori BSCI einzuhalten. Die REWE Group ist aktiv in Arbeitsgruppen vertreten, um die Weiterentwicklung mitzugestalten.
  • Mitglied beim Bangladesh Accord on Fire and Building Safety: Ziel des Accord ist die Erhöhung der Sicherheit in der Textilbranche durch unabhängige Inspektoren, die bei Fabrikbesuchen die Gebäudesicherheit, den Brandschutz und die elektrische Sicherheit prüfen.
  • Mitglied beim Bündnis für nachhaltige Textilien: Das Bündnis ist eine Partnerschaft unterschiedlicher Stakeholder, um Verbesserungen entlang der globalen Wertschöpfungskette in der Textilindustrie durchzusetzen. Die REWE Group engagiert sich in Bezug auf soziale Themen in der Arbeitsgruppe zu Beschwerdemechanismen und hat für 2019 erneut eine Roadmap entwickelt, die auf die Bündnisziele einzahlt. Im Rahmen des Reportings des Textilbündnisses wird die REWE Group über Fortschritte im Jahr 2019 berichten.
  • Mitglied beim Center for Child Rights and Corporate Social Responsibility: CCR CSR unterstützt Unternehmen bei der Umsetzung von Kinderrechts-Policies.
  • Mitglied in der Competitive Cashew Initiative: Die Competitive Cashew Initiative (ComCashew) verfolgt das Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit der Cashew-Wertschöpfungskette in ausgewählten afrikanischen Ländern zu erhöhen.
  • Mitglied beim Consumer Goods Forum: Die Organisation soll Einzelhändlern und Konsumgüterherstellern dabei helfen, zusammen mit anderen wichtigen Interessengruppen daran zu arbeiten, das Vertrauen der Verbraucher zu sichern und positive Veränderungen unter dem Motto „Better Lives through Better Business“ voranzutreiben.
  • Beiratsmitglied bei Cotton made in Africa: Diese Initiative wurde mit dem Ziel ins Leben gerufen, die Lebensbedingungen der Menschen in den afrikanischen Baumwollanbaugebieten zu verbessern.
  • Mitglied bei der Fruit Juice CSR Platform: Die Plattform treibt soziale und ökologische Verbesserungen in den Lieferketten der Fruchtsaftindustrie voran. Sie wurde ins Leben gerufen, um die europäischen Fruchtsaftproduzenten dabei zu unterstützen, CSR-Maßnahmen in ihre Unternehmensstrategien zu integrieren und so einen langfristigen nachhaltigen Beitrag entlang der globalen Wertschöpfungskette von Fruchtsäften für alle Stakeholder zu erreichen.
  • Gründungsmitglied beim Forum Nachhaltiger Kakao (GISCO): Die Multi-Stakeholder-Initiative engagiert sich für die Verbesserung der Lebensumstände von Kakaobauern, den Schutz natürlicher Ressourcen und der Biodiversität sowie für den Anbau und die Vermarktung nachhaltigen Kakaos.
  • Gründungsmitglied beim Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP): Ziel der Multi-Stakeholder-Initiative ist es, den Anteil nachhaltig erzeugten Palmöls signifikant zu erhöhen und gleichzeitig existierende Zertifizierungen und Standards zu verbessern. Die REWE Group war bis Oktober 2019 im Vorstand des FONAP vertreten.
  • Mitglied im Technical Committee von Global G.A.P. GRASP: GRASP ist ein Modul zur sozialen Risikobewertung von Betrieben, die nach dem Global G.A.P.-Standard zertifiziert sind. Die zentrale Aufgabe des Technical Committee ist die Beratung des Lenkungsausschusses hinsichtlich strategischer und technischer Weiterentwicklungen.
  • Beteiligung an der Living Wage Advocacy Initiative (LIWIN): Die Initiative verfolgt in den Bananen produzierenden Ländern Ecuador und Ghana das Ziel, einen nationalen Konsens über Richtwerte für existenzsichernde Löhne zu ermöglichen.
  • Mitglied im Rainforest Alliance Standards Committee: Rainforest Alliance ist ein Nachhaltigkeitsstandard für die Produktion von Agrarrohstoffen und -produkten. Das Standards Committee entscheidet auf Grundlage der öffentlichen Standardkonsultationen über die inhaltliche Weiterentwicklung.
  • Mitglied beim World Banana Forum: Das Forum bringt unterschiedliche Stakeholder der weltweiten Bananenlieferkette zusammen, um einen nachhaltigen Anbau, die Einhaltung von Menschenrechten und die Verbesserung von Arbeitsbedingungen zu erreichen.

GRI 412-2:

Schulungen für Angestellte zu Menschenrechtspolitik und ‑verfahren

Siehe Interne Zusammenarbeit.

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