REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2019

Biodiversität

Als Handels- und Touristikunternehmen hat die Geschäftstätigkeit der REWE Group vielfältige Auswirkungen auf die biologische Vielfalt. Neben direkten Auswirkungen, beispielsweise an den Standorten des Unternehmens oder beim Transport von Waren, sind vor allem auch die vor- und nachgelagerten Stufen der Wertschöpfungskette von Bedeutung. Auswirkungen entstehen hier durch die nicht nachhaltige Nutzung von natürlichen Ökosystemen – etwa bei der Gewinnung von Rohstoffen, in der Warenproduktion oder bei touristischen Angeboten.

Um Nachhaltigkeit als festen Bestandteil in die Unternehmensprozesse zu integrieren, hat die REWE Group eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie mit den vier zentralen Säulen Grüne Produkte, Energie, Klima und Umwelt, Mitarbeiter und Gesellschaftliches Engagement entwickelt. Im Jahr 2017 wurde die Strategie Grüne Produkte 2030 verabschiedet, um Nachhaltigkeit noch stärker in die Beschaffungsprozesse zu integrieren. Im Rahmen der Handlungsfelder Mensch, Tier und Umwelt entwickelt das Handels- und Touristikunternehmen wirksame Maßnahmen in der Säule Grüne Produkte, um ökologische und soziale Auswirkungen zu reduzieren. Innerhalb des Handlungsfelds Umwelt wurde Biodiversität als eines der Fokusthemen definiert. Das Handelsunternehmen verfolgt das Ziel, die natürlichen Ressourcen zu erhalten und die Biodiversität entlang der Lieferketten zu schützen und zu fördern.

GRI 304: Biodiversität

Managementansatz

In der Leitlinie für Nachhaltiges Wirtschaften bekennt sich die REWE Group zum Erhalt und Schutz natürlicher Ökosysteme und befürwortet die Ziele des UN-Übereinkommens zum Schutz der biologischen Vielfalt (Convention on Biological Diversity). Außerdem hat sich die REWE Group im Rahmen der Initiative Biodiversity in Good Company dazu verpflichtet, den Schutz und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt in das betriebliche Nachhaltigkeitsmanagement zu integrieren.

Bei der Gestaltung nachhaltigerer Sortimente ist der Erhalt der biologischen Vielfalt ein wichtiges Kriterium. Biodiversitätskriterien können über Standardsysteme wie Bio, Fairtrade, Forest Stewardship Council (FSC®), UTZ, Rainforest Alliance und Marine Stewardship Council (MSC) berücksichtigt werden. Sie finden außerdem Anwendung innerhalb der Leitlinien, die von der REWE Group für Rohstoffe wie Palmöl, Fisch oder Kakao formuliert wurden. Auch bei produktbezogenen Analysen im Rahmen des Vergabeprozesses der PRO PLANET-Labels werden Auswirkungen auf die biologische Vielfalt untersucht. So können negative Auswirkungen auf die Biodiversität identifiziert und Maßnahmen zum Erhalt und zur Förderung ergriffen werden (mehr hierzu siehe Abschnitt PRO PLANET).

Um das Thema Biodiversität voranzubringen, setzt die REWE Group auf Kooperationen. Das Unternehmen fördert gemeinsam mit seinen strategischen Partnern NABU, der Bodensee-Stiftung, verschiedenen Kulturlandschaftsstiftungen und den Landwirten vor Ort Projekte, die die biologische Vielfalt in der landwirtschaftlichen Nutzung fördern.

Die REWE Group hat sich mit Blick auf die Förderung der Biodiversität das Ziel gesetzt, alle relevanten, regionalen Freilandobst- und -gemüseprodukte bis 2025 auf einen biodiversitätsfördernden Anbau umzustellen.

GRI 304-2:

Projekte zum Schutz vor erheblichen Auswirkungen von Aktivitäten, Produkten und Dienstleistungen auf die Biodiversität

Die größten Einflussmöglichkeiten der REWE Group auf die Sicherung der biologischen Vielfalt liegen im Bereich der Eigenmarkenproduktion. Die folgenden Projekte zeigen die Schwerpunkte des Engagements im Berichtszeitraum. Fortschritte und Wirkungen werden auf Projektbasis evaluiert und im Rahmen der vorgestellten Projekte berichtet.

Naturschutz und Landwirtschaft: Hand in Hand für mehr Biodiversität

Ziel des PRO PLANET-Projekts ist es, durch eine gute Zusammenarbeit von Landwirten und Naturschützern die biologische Vielfalt auf konventionellen Obst- und Gemüsebetrieben zu erhöhen. Dabei sind neben den vielen teilnehmenden Landwirten insbesondere die Bodensee-Stiftung, der NABU sowie verschiedene Kulturlandschaftsstiftungen wichtige Partner der REWE Group. Beim Projektstart im Jahr 2010 lag der Fokus zunächst auf Apfel- und Birnenplantagen. Seit 2016 wurde das Projekt nach erfolgreichen Pilotierungen auf verschiedene Obst- und Gemüsekulturen ausgeweitet. Nach Brokkoli, Chinakohl, Eisbergsalat, Romanasalat und Möhren sowie Kartoffeln sind inzwischen auch Zwiebeln, Kirschen und Zwetschgen integraler Bestandteil des Engagements. Die Zahl der teilnehmenden Obst- und Gemüsebetriebe ist mittlerweile auf über 450 gewachsen (Stand Ende 2019). Alle Produkte aus diesen Projekten erhalten das PRO PLANET-Label mit dem Zusatz „Für mehr Artenvielfalt“.

Das Projekt wurde 2019 mit dem European Bee Award ausgezeichnet und war im selben Jahr eines der UN-Dekade-Projekte für Biologische Vielfalt. 2016 erhielt es bereits den Deutschen CSR-Preis.

Die positiven Auswirkungen des Projekts sind vielfältig: Seit 2010 wurden in ganz Deutschland 14.300 (2018: 10.130) Büsche, Bäume und Sträucher gepflanzt. Rund 612 Hektar (2018: 437 Hektar) Blühstreifen wurden angelegt und aufgewertet, darüber hinaus wurden verschiedene Formen von Strukturanreicherungen wie Trockensteinmauern oder Kleingewässer errichtet. Außerdem wurden seit 2010 rund 10.130 (2018: 8.525) Nistkästen und Nisthilfen für Vögel und Fledermäuse sowie 4.722 Insektennisthilfen (2018: 2.970) aufgestellt. Durch regelmäßige Monitorings prüft die REWE Group den Erfolg der umgesetzten Maßnahmen. Die Ergebnisse des im Jahr 2017 in der Bodenseeregion durchgeführten Wildbienen-Monitorings zeigen im Vergleich zu 2010 einen deutlichen Zuwachs um etwa 100 Prozent von 56 auf 117 verschiedene Wildbienenarten, darunter auch 25 (2010: 5) bedrohte Arten. Im Berichtsjahr wurde darüber hinaus ein Wildbienen-Monitoring im südlichen Rheinland durchgeführt. Demnach kamen auf idealen Blühflächen, die eine hohe Blütendichte und eine ungestörte Lage aufweisen, mehr Wildbienen-Individuen vor als auf Flächen ohne Maßnahmen. Nistmöglichkeiten im Boden hatten einen positiven Effekt auf die Anzahl der Arten. Die REWE Group verfolgt das Ziel, ihr Monitoring zur Erfolgskontrolle weiter auszubauen. So wird das nächste Wildbienen-Monitoring voraussichtlich 2021 stattfinden.

Projekte in Bananen- und Ananas-Anbaugebieten verbessern ökologische und soziale Bedingungen in Mittelamerika

Seit 2008 engagiert sich die REWE Group für eine Verbesserung der ökologischen und sozialen Bedingungen im Bananen- und Ananas-Anbau in Mittelamerika. Über den REWE Group-Mittelamerikafonds – in der Vergangenheit auch Bananenfonds genannt – wurde von 2013 bis 2019 ein Projektvolumen von über 4 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Der Fonds richtet sich an lokale Organisationen, die sich mit ihren Projektideen im Rahmen von Ausschreibungen für eine Förderung bewerben können. Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ist für die Koordination der Projektanträge verantwortlich und kontrolliert auch die Umsetzung der Projekte vor Ort. Die Bewilligung der Fördergelder erfolgt durch einen Beirat aus Vertretern der Lieferanten und der REWE Group.

Ergänzt werden die Maßnahmen durch strenge Anforderungen an die Produktion. So müssen alle Erzeugerbetriebe für Bananen und Ananas, die in den Vertriebslinien der REWE Group in Deutschland angeboten werden, nach Rainforest Alliance oder Bio zertifiziert sein, um soziale Standards zu gewährleisten und negative Umwelteinflüsse auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Die Bananen und Ananas der Eigenmarke REWE Beste Wahl, die Ananas bei PENNY sowie die Chiquita-Bananen tragen zusätzlich das PRO PLANET-Label der REWE Group und erfüllen damit weitere Nachhaltigkeitskriterien, die über die Basisanforderung der Rainforest Alliance hinausgehen.

Um die Transparenz in den Lieferketten zu erhöhen, hat die REWE Group bei Bananen und Ananas der REWE- und PENNY-Eigenmarken einen QR-Code eingeführt, mit dem die Kunden die Produkte bis zum Erzeugerbetrieb rückverfolgen können (für mehr Informationen siehe Abschnitt Fokusrohstoffe – Food).

Insektenschutzfonds mit dem NABU zur Förderung von Biodiversität in der Landwirtschaft

Diverse aktuelle Forschungsstudien kommen zu dem Ergebnis, dass die Masse der Fluginsekten in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen hat. Deswegen hat REWE die Gründung eines Insektenschutzfonds seines langjährigen strategischen Partners NABU in den Jahren 2018 und 2019 zum Start mit einer Summe von insgesamt über 300.000 Euro unterstützt. Mit dem Betrag wurde die bundesweite Umsetzung von umfassenden Maßnahmen zum Schutz von Insekten ermöglicht und somit ein Beitrag gegen den Insektenrückgang geleistet.
Mithilfe des Insektenschutzfonds werden Flächen angekauft, um sie langfristig als artenreichen Lebensraum für Insekten zu entwickeln und zu sichern. Insgesamt wurden 2019 164.800 Quadratmeter Fläche erworben. So wurden zum Beispiel 25.000 Quadratmeter konventionell bewirtschaftete Ackerflächen gekauft und die Bewirtschaftung eingestellt, damit Entwicklungsmaßnahmen für die Insektenvielfalt umgesetzt werden konnten. Des Weiteren wurden verschiedene Maßnahmen zum Monitoring von Insekten umgesetzt, Blühflächen angelegt oder Landbesitzer und Verpächter in Sachen Insektenförderung beraten.

Heimische Artenvielfalt mit dem Naturschutzprogramm „Blühendes Österreich“ fördern

Im Projekt „Blühendes Österreich“ engagiert sich die REWE Group in Österreich seit 2014 gemeinsam mit der Naturschutzorganisation BirdLife Österreich für gefährdete ökologische Lebensräume. Die Initiative finanziert den Erhalt und die Pflege bedrohter Naturflächen und extensiver landwirtschaftlicher Flächen sowie Projekte für Natur- und Nachhaltigkeitsbildung und fördert so die heimische Artenvielfalt.
Im Jahr 2015 hat die REWE Group in Österreich die Initiative in eine gemeinnützige Privatstiftung überführt. Als unabhängige Organisation mit eigenen Mitarbeitern und klar geregelter Finanzierung steht die Stiftung für langfristiges Engagement und Glaubwürdigkeit. Die Finanzierung der Stiftung und der Projektaktivitäten wurde an bestimmte Produkte gekoppelt. Für jedes verkaufte Produkt der Eigenmarken „Da komm ich her“ (erhältlich bei BILLA, MERKUR, ADEG und AGM), „immer grün“ (MERKUR), bi good (BIPA) und „Ich bin Österreich“ (PENNY) fließt ein Cent in die Stiftung. Die Kunden der Handelsfirmen werden damit aktiv in die Unterstützung der Projekte integriert. Zudem wird eine bewusste Kaufentscheidung angeregt. Das Stiftungsbudget beträgt etwa eine Million Euro.
Im Jahr 2017 wurde die Naturschutzstrategie 2018–2022 der Stiftung mit dem Titel „Nachhaltigkeit verankern, Österreichs Vielfalt leben“ fertiggestellt. Ziel ist es, bis 2022 insgesamt 1.000 Hektar an bedrohten ökologischen Flächen zu schützen. 2019 nahmen 134 Betriebe an dem Programm FLORA (Förderung von LandwirtInnen und Organisationen zur Rettung unserer Artenvielfalt) teil. Dadurch können 624 Hektar ökologisch wertvolle Fläche mit einer Prämiensumme von 292.000 Euro erhalten werden.

REWE, PENNY und toom Baumarkt stellen auf torffreie Erden um

Für den Abbau von Torf wurden und werden jahrtausendealte Moore trockengelegt. Dadurch verlieren Tiere und Pflanzen ihren Lebensraum und im Moor gespeicherter Kohlenstoff wird als klimaschädliches CO2 freigesetzt. Deshalb hat sich toom Baumarkt 2016 als erste Baumarktkette in Deutschland dazu entschieden, das gesamte Erdensortiment sowohl der Eigenmarken als auch der Markenprodukte bis spätestens 2025 auf torffreie Alternativen umzustellen. 2019 wurde das Eigenmarkensortiment torffreier Erden auf insgesamt zehn Produkte erweitert, davon sieben Naturtalent by toom® Blumenerden und drei Produkte der toom Qualitätsmarke. Die Naturtalent by toom® Blumenerden sind mit dem PRO PLANET-Label ausgezeichnet und mit dem Bio-Grünstempel® zertifiziert. Neben der Ausweitung torffreier Produkte wird auch der Anteil von Torfersatzstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen über alle Erden hinweg sukzessive gesteigert. Mit dieser Umstellung leistet toom Baumarkt einen Beitrag gegen den Klimawandel und für die biologische Artenvielfalt. Auch die Vertriebslinien REWE und PENNY haben ihr saisonales Erdensortiment um torffreie und torfreduzierte Alternativen ergänzt.

Systematische Reduktion von Pestiziden und der Verzicht auf Glyphosat bei toom Baumarkt

Glyphosat, das weltweit am meisten eingesetzte Pestizid in der Landwirtschaft, steht immer wieder in der Kritik. Unter anderem stellte eine viel beachtete Bewertung der Internationalen Behörde für die Krebsforschung (IARC) im Jahr 2015 fest, dass Glyphosat wahrscheinlich krebserregend sei. Darüber hinaus bestehen bei nicht ordnungsgemäßer Nutzung Gefahren für die Umwelt, insbesondere für Gewässer und deren Organismen. Wegen dieses Risikos für Mensch und Umwelt verzichtet toom Baumarkt seit 2015 als erster Baumarkt Deutschlands auf den Verkauf von glyphosathaltigen Produkten.

Darüber hinaus wurde auch der Verkauf von besonders bienengefährlichen Pestiziden sowie deren Einsatz in der Produktion des Pflanzensortiments von toom Baumarkt eingeschränkt. Um aktiv zum Bienen- und Umweltschutz beizutragen, hat toom Baumarkt die Vorgaben für seine Zierpflanzenlieferanten verschärft und bietet seit 2017 als erster Baumarkt Deutschlands nur noch Zierpflanzen an, die ohne die von Greenpeace als besonders bienengefährlich eingestuften Pestizide produziert wurden. Und auch im Bereich der chemischen Pflanzenschutzmittel verzichtet toom seit 2015 komplett auf Produkte, die laut einer Greenpeace-Studie besonders bienengefährliche Wirkstoffe enthalten.

Neben dem Schutz von Insekten durch die Auslistung bestimmter Wirkstoffe und Pestizide baut toom Baumarkt das Angebot an bienenfreundlichen Pflanzen seit 2016 kontinuierlich aus. Unter dem Claim „Bienenfreunde“ wurden im Jahr 2019 über 400 Pflanzenartikel angeboten, die Insekten besonders viel Nektar und Pollen bieten.

Eine Negativliste zum Pestizideinsatz bei konventionellem Obst und Gemüse
Die REWE Group hat sich das Ziel gesetzt, die Pestizidbelastung bei konventionellem Obst und Gemüse zu reduzieren. Dazu arbeitet sie mit Erzeugern, NGOs und der Wissenschaft an Lösungen, um die Umwelt und Gesundheit möglichst wenig zu belasten und dabei die Produktion und Ertragssicherheit für die Landwirte sicherzustellen. So hat die REWE Group eine Negativliste definiert, die Wirkstoffe aufführt, die von den Erzeugern in der Produktion nicht eingesetzt werden dürfen. Für mehr Informationen zum Pestizideinsatz bei konventionellem Obst und Gemüse siehe Abschnitt Ökologische Aspekte in der Lieferkette.

Weitere Themen aus diesem Bereich:

Produktbezogene Risikoanalysen

GRI 102-11

Regionalität

GRI 204-1

Fokusrohstoffe – Food

GRI FP1

Fokusrohstoffe – Non-Food

GRI FP1

Bio

GRI FP2

PRO PLANET

GRI FP2

Verpackungen

GRI 301

Ökologische Aspekte
in der Lieferkette

GRI 308

Soziale Aspekte
in der Lieferkette

GRI 412, 414

Kundengesundheit und Produktsicherheit

GRI 416

Nachhaltigen Konsum fördern

GRI 417

Tierwohl

FP10

Kinder- und Zwangsarbeit

GRI 408, 409

Haltungsbedingungen

FP10

Ernährung

FP10

Existenzsichernde
Löhne und Einkommen

GRI 414

Wasser

GRI 303