REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2019

Fokusrohstoffe – Non-Food

Insbesondere in den Lieferkettenstufen des Rohstoffanbaus und der Verarbeitung gibt es ökologische Herausforderungen sowie ein erhöhtes Risiko der Missachtung von Arbeits- und Sozialstandards. Sie stehen daher im Fokus der Aktivitäten der REWE Group. Im Rahmen ihrer produktbezogenen Risikoanalyse ermittelte das Handelsunternehmen folgende kritische Rohstoffe im Non-Food-Bereich: Baumwolle und Textilien sowie Natursteine.

Um Nachhaltigkeit als festen Bestandteil in die Unternehmensprozesse zu integrieren, hat die REWE Group eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie mit den vier zentralen Säulen Grüne Produkte, Energie, Klima und Umwelt, Mitarbeiter und Gesellschaftliches Engagement entwickelt. Im Jahr 2017 wurde die Strategie Grüne Produkte 2030 verabschiedet, um Nachhaltigkeit noch stärker in die Beschaffungsprozesse zu integrieren. Im Rahmen der Handlungsfelder Mensch, Tier und Umwelt entwickelt das Handels- und Touristikunternehmen wirksame Maßnahmen in der Säule Grüne Produkte, um ökologische und soziale Auswirkungen zu reduzieren. Innerhalb dieser Handlungsfelder spielen die Aktivitäten zu den Fokusrohstoffen Baumwolle und Textilien sowie Natursteine im Non-Food-Bereich eine besondere Rolle.

GRI FP1:

Anteil des Einkaufsvolumens, welches in Übereinstimmung mit den Leitlinien des Unternehmens beschafft wurde

Die REWE Group arbeitet kontinuierlich daran, ihre Lieferketten sozial und ökologisch verträglicher zu gestalten. Dabei setzt das Unternehmen auf international anerkannte Zertifizierungsstandards, arbeitet gemeinsam in Brancheninitiativen, setzt eigene Projekte auf und formuliert eigene Anforderungen im Rahmen seiner Leitlinien sowie im PRO PLANET-Prozess. Im Folgenden werden die Ansätze für einzelne Rohstoffe vorgestellt.

Baumwolle und Textilien

Baumwolle ist einer der wichtigsten Rohstoffe der Textilindustrie, die vornehmlich in Indien, China und den USA angebaut wird. Der konventionelle Baumwollanbau ist wasserintensiv und erfolgt unter hohem Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln. Um den Anteil der aus nachhaltigerer Baumwolle hergestellten textilen Produkte zu erhöhen, setzt die REWE Group in Deutschland auf Cotton made in Africa (CmiA), den Global Organic Textile Standard (GOTS) und auf Textilien aus recycelten Fasern. Seit dem Jahr 2019 unterstützt das Handelsunternehmen zusätzlich das neue deutsche Textilsiegel Grüner Knopf. Die REWE Group strebt an, den Anteil der Textilien aus nachhaltigerer Baumwolle bei REWE, PENNY und toom Baumarkt in Deutschland bis 2025 auf 100 Prozent zu erhöhen. Im Jahr 2019 betrug der Anteil 88 Prozent.

Anteil nachhaltigerer Textilien aus Baumwolle (REWE, PENNY und toom Baumarkt in Deutschland)

2017 2018 2019
Anteil CmiA- oder GOTS-zertifizierter Textilien 70 % 85 % 88 %

Die REWE Group unterstützt CmiA bereits seit 2008. Die Initiative der Aid by Trade Foundation setzt sich dafür ein, die Lebensbedingungen afrikanischer Kleinbauern durch Hilfe zur Selbsthilfe zu verbessern. In landwirtschaftlichen Schulungen werden den afrikanischen Kleinbauern effiziente Anbaumethoden vermittelt, die die Erträge und die Qualität der Baumwolle steigern und gleichzeitig ihre Gesundheit schonen und die Umwelt entlasten. Dank dieser Maßnahmen verbessert sich das Einkommen der Bauern und ihrer Familien. Darüber hinaus werden sie mit verschiedenen Kooperationsprojekten, zum Beispiel im Bereich Bildung und Frauenförderung, unterstützt. Um Frauen den Schritt in die wirtschaftliche und gesellschaftliche Unabhängigkeit zu ermöglichen, unterstützt die REWE Group bereits seit 2018 im Rahmen des CmiA Community Kooperationsprogramms Frauengruppen im ländlichen Sambia mit einkommensschaffenden Maßnahmen. So wurden der Aufbau eines Lebensmittelgeschäfts, einer Geflügelzucht sowie die Anschaffung einer Ölpresse gefördert. Von diesen Investitionen profitierten nicht nur etwa 400 Frauen und ihre Familienangehörigen, sondern ganze Dorfgemeinschaften. Außerdem engagiert sich die REWE Group als Berater im Beirat von CmiA.

Der Grüne Knopf

Um ihren Konsumenten beim Einkauf von nachhaltigeren Textilien Orientierung zu geben, unterstützt die REWE Group den Grünen Knopf. Das 2019 eingeführte staatliche Siegel für nachhaltige Textilien soll ökologische und soziale Standards in der textilen Lieferkette sicherstellen. Insgesamt 46 Sozial- und Umweltstandards stellen verbindliche Anforderungen an das Produkt und seinen Herstellungsprozess – von Abwassergrenzwerten bis zum Verbot von Zwangsarbeit. Direkt am Produkt angebracht, ist er beim Einkauf für den Kunden leicht zu finden. Aktuell werden die Baumwolltragetaschen von REWE und PENNY, das Mehrwegfrischenetz von PENNY sowie Bekleidungs- und Heimtextilien der REWE-Märkte mit dem Grünen Knopf ausgezeichnet.

Neben dem Fokus auf den Rohstoff Baumwolle engagiert sich die REWE Group durch vielseitige Maßnahmen für einen nachhaltigeren Textilsektor. Dazu zählen das Detox-Programm für die Verwendung unbedenklicher Chemikalien in der Textilproduktion und ihr Engagement im Bündnis für nachhaltige Textilien. Diese Multi-Stakeholder-Initiative setzt sich für soziale, ökologische und ökonomische Verbesserungen entlang der Textillieferkette ein. Mit dem Beitritt zum Bündnis hat sich die REWE Group verpflichtet, die ökologischen, sozialen und ökonomischen Bedingungen in internationalen textilen Lieferketten nachhaltig zu verbessern. Im Jahr 2019 hat sich die REWE Group in der Bündnisinitiative Chemikalien- und Umweltmanagement und der Arbeitsgruppe zu Beschwerdemechanismen engagiert.

Außerdem hat die REWE Group im Jahr 2013 das Abkommen „The Bangladesh Accord on Fire and Building Safety“ (Accord) für mehr Sicherheit in der Textilindustrie in Bangladesch unterzeichnet (für mehr Informationen siehe Abschnitt Soziale Aspekte in der Lieferkette). Im Dezember 2018 ist die REWE Group darüber hinaus dem internationalen Fur Free Retailer Program beigetreten. In den Eigenmarkensortimenten gilt das Verbot von Echtpelz bereits seit mehreren Jahren. In der Leitlinie für nachhaltigere Textilien beschreibt die REWE Group ihren Managementansatz und ihre Aktivitäten.

Holz und Papier

Die REWE Group setzt sich für den Schutz der Wälder und der dort lebenden Tier- und Pflanzenarten ein. Sie unterstützt daher eine umweltgerechte und sozialverträgliche Waldwirtschaft, indem sie Holz und Papier für ihre Produkte und Verpackungen zunehmend aus nachhaltig bewirtschafteten Quellen bezieht. Dabei setzt die REWE Group auf die Siegel des Forest Stewardship Council (FSC®) und des Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC™) sowie auf das Umweltzeichen Blauer Engel. Bereits eine Vielzahl von Produkten der REWE Group sind mit diesen Siegeln ausgezeichnet – die Hygienepapierprodukte bei REWE und PENNY tragen bereits zu 100 Prozent die Label von FSC®, PEFC™ oder des Blauen Engels. Darüber hinaus hat sich die REWE Group zum Ziel gesetzt, dass auch 100 Prozent der relevanten Schreibwaren bei REWE und PENNY bis Ende 2020 mit diesen drei Siegeln ausgezeichnet sind. Dieses Ziel wurde Ende 2019 vorzeitig erreicht.

toom Baumarkt bietet ein stetig wachsendes Sortiment an zertifizierten Artikeln aus zahlreichen Produktkategorien an und ist seit 2018 Mitglied bei FSC® und PEFC™. Damit unterstützt er die hohen Standards zu Transparenz und Kontrolle der Produktkette der beiden Systeme zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Zudem bieten die Vertriebslinien REWE, PENNY und toom Baumarkt in Deutschland seit Ende 2019 mit der Ausnahme eines Produkts ausschließlich FSC®- oder PEFC™-zertifizierte Holzkohle an. Darüber hinaus sollen Papierverpackungen bei REWE und PENNY bis Ende 2020 zu 100 Prozent zertifiziert sein.

Anteile nachhaltigerer Hygienepapierprodukte (REWE und PENNY Deutschland)

2017 2018 2019
Anteil FSC®-, PEFC™- oder Blauer Engel-zertifizierter Hygienepapierprodukte 100 % 100 % 100 %

Torffreie Erden

toom Baumarkt hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2025 keine torfhaltigen Erden mehr anzubieten. Dies betrifft Eigenmarken sowie Markenprodukte. Im Zuge der Umstellung wird der Torfanteil über das gesamte Sortiment kontinuierlich reduziert und durch nachwachsende Rohstoffe ersetzt. Darüber hinaus wird das Angebot an torffreien Erdenprodukten jedes Jahr erhöht. Im Jahr 2019 wurden insgesamt zehn torffreie Eigenmarkenprodukte angeboten: davon sieben toom Naturtalent Blumenerden und drei Produkte der toom Qualitätsmarke. Damit waren bis Ende 2019 mit Ausnahme von zwei Spezialerden alle Eigenmarken-Erden entweder torffrei oder torfreduziert. Seit 2020 enthalten auch die beiden Spezialerden torfreduzierte Erde. In einem nächsten Schritt werden sie sukzessive auf torffreie Erde umgestellt. Auch die Vertriebslinien REWE und PENNY haben ihr saisonales Erdensortiment um torffreie und torfreduzierte Alternativen ergänzt.

Natursteine

toom Baumarkt möchte sicherstellen, dass beim Abbau und bei der Produktion von Natursteinprodukten soziale Standards und Umweltvorgaben eingehalten werden. Dafür arbeitet toom seit einigen Jahren mit den unabhängigen Experten von XertifiX zusammen, um die Lieferkette von Natursteinen bis in den Steinbruch lückenlos zu verfolgen und die Einhaltung von sozialen wie ökologischen Kriterien unabhängig zu kontrollieren. Dieser Standard wurde im Jahr 2018 überarbeitet – an diesem Prozess wirkte toom Baumarkt als Vertreter des Handels aktiv mit. Der überarbeitete Standard wurde im September 2018 veröffentlicht und gilt bis 2023. Seit 2016 sind zertifizierte Natursteinprodukte in den toom Baumärkten erhältlich, die das XertifiX PLUS- sowie das PRO PLANET-Label tragen – ihr Anteil am Umsatz von Natursteinen beträgt 82 Prozent. Dieses Sortiment an zertifizierten Produkten wird kontinuierlich ausgebaut, so tragen zum Beispiel alle in den toom Baumärkten erhältlichen Natursteinprodukte für den Garten aus China das XertifiX PLUS-Label.

Nordmanntannen

80 Prozent der Samen aller Nordmanntannen stammen aus der wirtschaftlich schwach entwickelten Region Racha in Georgien. Gemeinsam mit der dänischen Stiftung Fair Trees setzt sich toom Baumarkt für faire Arbeitsbedingungen und mehr Sicherheit bei der Zapfenernte in Georgien ein. Konkret absolvieren die Zapfenpflücker vor jeder Erntesaison ein fünftägiges Klettertraining unter deutschen Standards. Außerdem erhalten sie ein professionelles Kletter-Equipment mit doppelter Sicherung. Darüber hinaus werden faire Löhne gezahlt und eine Unfallversicherung während der Erntesaison wird garantiert.

Seit 2018 hat toom Baumarkt sein Nordmanntannensortiment vollständig auf Fair Trees-Bäume umgestellt. Für jeden verkauften Baum wird ein Baum aus fairer Ernte nachgepflanzt. Zusätzlich zum Logo von Fair Trees tragen die Bäume das PRO PLANET-Label.

Mit jeder verkauften Tanne unterstützt toom Baumarkt die Stiftung Fair Trees dabei, zahlreiche soziale Projekte in der Ernteregion in Georgien umzusetzen. So wurde bereits eine Zahnarztpraxis eingerichtet, in der Kinder eine kostenfreie Behandlung erhalten. Darüber hinaus hat toom Baumarkt 2019 an drei Schulen Chemie- und Physikequipment gespendet und zahlreiche Schulungsmaßnahmen zum Katastrophenschutz und zur Ersten Hilfe an Schulen und Kindergärten in Kooperation mit dem Roten Kreuz Georgien durchgeführt. Außerdem wurden Stipendien an Schüler aus der Region vergeben.

Nachhaltigere Reisen: Futouris

Im Jahr 2015 ist die DER Touristik der Nachhaltigkeitsinitiative der deutschen Reisebranche Futouris beigetreten – mit dem Ziel, touristische Destinationen langfristig und durch Unterstützung von Projekten in den Bereichen Ökologie, Artenvielfalt und Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Kultur zu fördern. Im Branchenprojekt zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung in Hotels untersuchte die DER Touristik gemeinsam mit Futouris, der Organisation United Against Waste e.V. und anderen Mitgliedsunternehmen über ein Jahr lang ausgewählte Hotels in Griechenland, der Türkei und Italien, um praktische Maßnahmen gegen die Lebensmittelverschwendung zu entwickeln (für mehr Informationen zu diesem Projekt siehe Abschnitt Projekte und Förderungen). Das abgeschlossene Projekt Green Travel Transformation führte zu einer branchenweit anerkannten einheitlichen Kennzeichnung für nachhaltige Reiseangebote: Seit Winter 2019 werden nachhaltig zertifizierte Hotels mit einem grünen Blatt gekennzeichnet (für mehr Informationen zu diesem Projekt siehe Abschnitt Nachhaltigen Konsum fördern). Im Rahmen ihres Patenprojekts „Menschenrechtliche Sorgfalt beim Reiseveranstalter“ entwickelte die DER Touristik gemeinsam mit Futouris und Löning Human Rights & Responsible Business ein Destinationen-Risiko-Register sowie einen Leitfaden zur Analyse von menschenrechtlichen Auswirkungen der Geschäftstätigkeit in touristischen Großunternehmen. Die Ergebnisse des Projekts wurden der Branche 2019 zur Verfügung gestellt. Und im aktuellen Projekt „Plastic Free Balearics“ arbeiten die Mitgliedsunternehmen seit 2019 gemeinsam daran, die Menge der tourismusbezogenen Kunststoffabfälle auf den Balearen zu reduzieren.

Zur Sensibilisierung der Mitarbeiter führte die DER Touristik 2019 eine Schulung zum Thema Menschenrechte und Tourismus durch. Diese richtete sich unter anderem an die Produkt- und Destinationsverantwortlichen, die täglich mit den Zielgebieten und Leistungsträgern der DER Touristik Veranstalter in Kontakt stehen.

Weitere Themen aus diesem Bereich:

Produktbezogene Risikoanalysen

GRI 102-11

Regionalität

GRI 204-1

Fokusrohstoffe – Food

GRI FP1

Bio

GRI FP2

PRO PLANET

GRI FP2

Verpackungen

GRI 301

Biodiversität

GRI 304

Ökologische Aspekte
in der Lieferkette

GRI 308

Soziale Aspekte
in der Lieferkette

GRI 412, 414

Kundengesundheit und Produktsicherheit

GRI 416

Nachhaltigen Konsum fördern

GRI 417

Tierwohl

FP10

Kinder- und Zwangsarbeit

GRI 408, 409

Haltungsbedingungen

FP10

Ernährung

FP10

Existenzsichernde
Löhne und Einkommen

GRI 414

Wasser

GRI 303