REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2019

Produktbezogene Risikoanalysen

Die REWE Group ist bestrebt, ökologische und soziale Auswirkungen ihres Handelns, wo immer möglich, zu reduzieren. Um dies umsetzen zu können, führt die REWE Group auf verschiedenen Ebenen Analysen zur Bewertung von sozialen und ökologischen Risiken durch: auf der Ebene von Warengruppen oder Rohstoffen zur Formulierung von Strategien sowie auf der Ebene einzelner Produkte, Themen oder Länder, um die Maßnahmen zu konkretisieren. In diesem Rahmen prüft die REWE Group kontinuierlich ihre eigenen Leistungen und Fortschritte mit Blick auf die Minimierung von Risiken. Zielkonflikte reflektiert sie sowohl mit Experten im eigenen Unternehmen als auch mit externen Anspruchsgruppen.

GRI 102-11: Vorsorgeansatz oder Vorsorgeprinzip

Analyse der sozialen und ökologischen Risiken in den Lieferketten

Die Risikoanalysen der REWE Group dienen dazu, die Auswirkungen der Geschäftstätigkeit auf Mensch, Tier und Umwelt zu ermitteln sowie zu bewerten. In den Jahren 2016 und 2017 wurde dieser Ansatz deutlich ausgeweitet, um einen umfassenden Überblick entlang der Wertschöpfungsketten zu erlangen. So soll identifiziert werden, welche wesentlichen negativen ökologischen und sozialen Auswirkungen die Eigenmarkenprodukte haben und an welchen Stellen diese auftreten. Die Analyse stellt damit die Basis für die strategische Ausrichtung im Bereich nachhaltigerer Sortimente dar und dient der Entscheidung, welche Maßnahmen mit welcher Priorität ergriffen werden – mit dem Ziel, ermittelte Risiken zu minimieren und Chancen zu nutzen. So wurden die Informationen zur Ausarbeitung der Strategie Grüne Produkte 2030 verwendet, in der Themen, Key Performance Indikatoren (KPIs), Ziele und Maßnahmen definiert sind.

Produktbezogene Risikoanalysen: Handel

Dazu hat die REWE Group Deutschland für die Lieferketten der Eigenmarkenprodukte, die in Deutschland bei REWE und PENNY vertrieben werden, eine formalisierte Risikoanalyse für Food- und Non-Food-Produkte durchgeführt. Dafür wurde das Sortiment der Food- und Non-Food-Produkte in insgesamt 37 Warencluster aufgeteilt. Der Ansatz betrachtet damit das gesamte Sortiment.

Das Vorgehen gliedert sich in zwei Stränge: eine qualitative und eine quantitative Analyse. Im Rahmen der qualitativen Untersuchung wurden Studien und Reports ausgewertet und Interviews mit Einkäufern und NGOs geführt, um wesentliche Nachhaltigkeitsthemen entlang der Wertschöpfungsketten zu ermitteln. Hierbei wurden neben den ökologischen Auswirkungen vor allem auch die Risiken im Bereich Arbeitsbedingungen und Menschenrechte identifiziert.

Der quantitativen Analyse auf Basis einer Input-Output-Analyse liegt ein volkswirtschaftliches Modell zugrunde. Hierzu wurden die ökologischen Auswirkungen in der Lieferkette wie beispielsweise Treibhausgasemissionen ermittelt und in monetäre Beträge umgerechnet. Die sozialen Auswirkungen wurden beurteilt, indem identifiziert wurde, wie viele Personen pro Warencluster in der gesamten Lieferkette tätig sind. Diese Daten wurden mit dem Einkaufsvolumen des Unternehmens sowie mit Informationen über Produktions- und Ursprungsländer verknüpft, um ökologische und soziale Risiken spezifisch monetär zu bewerten. So konnten für die einzelnen Warencluster die externen Kosten des eigenen Wirtschaftens quantifiziert werden. Auf diese Weise wurden die ökologischen und sozialen Hot Spots faktenbasiert in der gesamten Wertschöpfungskette identifiziert und besonders risikoreiche Warengruppen und Fokusrohstoffe ermittelt.

Mithilfe der Analyse konnte festgestellt werden, dass die Auswirkungen schwerpunktmäßig in den Lieferkettenstufen des Rohstoffanbaus und der Verarbeitung stattfinden. Sie stehen daher im Fokus der Aktivitäten der REWE Group.

Auswirkungen entlang der Wertschöpfungskette

Anbau/Zucht
Verarbeitung
Logistik
rewe
REWE Group
Konsument
Entsorgung
Tierwohl & Tiergesundheit
Luftemissionen & Energie
Flächenverbrauch
Wasser
Menschenrechte & Arbeitsbedingungen
Transport
Transparenz
Ernährung & Gesundheit
Abfall (beinhaltet Food Waste und Verpackung)

Auswirkung

gering hoch

Darüber hinaus ergaben sich folgende kritische Rohstoffe aus der Analyse: Obst und Gemüse allgemein mit besonderem Fokus auf Bananen und Ananas, Fleisch und Milchprodukte inklusive Futtermitteln für Tiere, Kaffee, Kakao, Tee, Palmöl, Fisch, Orangensaft sowie Baumwolle, Textilien und Natursteine (für weitere Informationen siehe Abschnitt Fokusrohstoffe – Food bzw. Fokusrohstoffe – Non-Food).

Sogenannte Scorecards fassen die Ergebnisse der Analyse für jedes einzelne Warencluster zusammen und geben einen Überblick über die Sozial- und Umweltkosten der jeweiligen Produkte entlang der Wertschöpfungskette. Die Zuordnung in die fünf Stufen der Wertschöpfungskette ermöglicht dabei eine genauere Betrachtung der Schwerpunktthemen.

Beispiel: Auswirkungen bei Obst und Gemüse

Beim Warencluster „Obst und Gemüse“ wurden Luftemissionen und Energie, Biodiversität, Boden, Wasser, Arbeitsbedingungen und Menschenrechte als Schwerpunktthemen entlang der Lieferkette ermittelt. Neben diesen Themen aus den Wertschöpfungsstufen Rohstoffgewinnung und Verarbeitung wurden zudem Transparenz und Geschäftspraktiken, durch den Transport bedingte Umweltbelastung und CO2-Emissionen sowie Verpackung und Food Waste als Nachhaltigkeitsthemen identifiziert.

Scorecard Obst und Gemüse – Überblick ökologische und soziale Auswirkungen

Rohstoffgewinnung
Verarbeitung
Transport
Konsum
Verpackung / End of Life
Luftemissionen / Energie Menschenrechte & Arbeitsbedingungen Umweltbelastung Verpackung
Biodiversität Wasser CO2-Emissionen Foodwaste
Boden Transparenz & Geschäftspraktiken
Wasser
Arbeitsbedingungen, Menschenrechte

Ergebnisse im Warencluster „Obst und Gemüse“

Schwerpunktthemen
Luftemissionen & Energie
  • CO2-Emissionen durch den Einsatz von Düngemitteln sowie Energieverbrauch im Anbau
  • CO2-Emissionen durch Abholzung zur Gewinnung von Anbauflächen
  •  Emissionen durch Transport
Biodiversität
  • Gefährdung der Biodiversität durch Pestizide, Chemikalieneinsatz etc.
  • Gefährdung der Biodiversität durch Abholzung zur Schaffung von Anbauflächen und einhergehende Bodenauslaugung, Bodenerosion
Boden
  • Auslaugen von Anbauböden
  • Bodenerosion
Wasser
  • Wasserverschmutzung durch Düngemittel
  • Frischwasser-Verschwendung beim Anbau als auch bei Produktion/Verarbeitung
Arbeitsbedingungen
  • Arbeitssicherheit (Umgang mit Chemikalien, Pestiziden, Schadstoffen etc.)
  • Entlohnung (z.B. von Feldarbeitern, aber auch in der Weiterverarbeitung)
  • Limitierter Zugang von Kleinbauern zu Informationen, Technologie und Ressourcen
Menschenrechte
  • Risiko von Kinderarbeit und Zwangsarbeit

Die Scorecards zeigen die Schwerpunktthemen und deren Relevanz auf und stellen die einzelnen Befunde detailliert dar. Aus einem Abgleich der Ergebnisse mit den derzeitigen Nachhaltigkeitsaktivitäten der REWE Group Deutschland ergeben sich zudem notwendige und zu ergreifende Maßnahmen.

Für weitere Informationen siehe auch Abschnitt Risikomanagement.

Menschenrechtliche Risikoanalyse: DER Touristik Group

Um einen umfassenden Überblick über die menschenrechtlichen Risiken in ihrer Wertschöpfung und in den Zielgebieten zu erlangen, hat auch die DER Touristik Group eine menschenrechtliche Risikoanalyse durchgeführt. Dafür wurden zunächst tatsächliche und potenzielle Risiken der unternehmerischen Aktivitäten ermittelt und bewertet. Für diesen Zweck wurde 2018 ein Destinationen-Risikoregister erstellt, in dem alle im Portfolio der DER Touristik Deutschland befindlichen Reiseländer enthalten sind. Die Destinationen wurden hinsichtlich der Schwere menschenrechtlicher Verletzungen in einem Land (Beurteilung auf Basis internationaler Standards und Länderberichte) und der Bedeutung des menschenrechtlichen Risikofelds für die Tourismusbranche beurteilt.

Zu den relevanten Menschenrechtsrisiken im Tourismus gehören:

  • Kinderrechte
  • Arbeitnehmerrechte
  • Moderne Sklaverei
  • Gleichberechtigung
  • Zugang der lokalen Bevölkerung zu Land, Wasser und Nahrung
  • Rechtsstaatlichkeit mit dem Fokus persönliche Rechte
  • Lebensstandard
  • Korruption
  • Politische Teilhabe
  • Rechtsstaatlichkeit mit dem Fokus politische Rechte

Im nächsten Schritt hat die DER Touristik eine Analyse erstellt, um die identifizierten Länder und Menschenrechtsthemen zu priorisieren. Hierzu wurde die Schwere der Auswirkung der verschieden Menschenrechtsrisiken für ein Land in Bezug zu der möglichen Einflussnahme durch die DER Touristik gesetzt (bewertet nach Umsatz und den Geschäftsaktivitäten der DER Touristik im jeweiligen Land). Infolgedessen wurde die Verletzung von Arbeitnehmer- und von Kinderrechten als besonders wesentliches Risiko identifiziert. Risikoländer von hoher Bedeutung für die DER Touristik sind insbesondere Thailand, Südafrika und Ägypten.

Auf Basis der Analyse wurden anschließend Maßnahmen und Ziele abgeleitet, um die Risiken zu reduzieren. Die Risikoanalyse wird in regelmäßigen Abständen wiederholt. Die nächste Risikoanalyse ist für 2020 geplant, diesmal für die gesamte DER Touristik Group. Zudem werden menschenrechtliche Risiken und Chancen kontinuierlich analysiert. Dafür werden externe Experten, NGOs sowie weitere Stakeholder wie Leistungsträger, betroffene Personengruppen und Mitarbeiter mit einbezogen.

Social-Impact-Assessment in Thailand

Infolge der Risikoanalyse hat die DER Touristik 2019 gemeinsam mit dem Round Table for Human Rights ein Social-Impact-Assessment in Thailand durchgeführt. Da Thailand im Rahmen der Risikoanalyse als wichtigste Destination in Asien identifiziert wurde, kann die DER Touristik hier eine große Wirkung erzielen. So wurden mit über 50 Stakeholdern in vier Städten Thailands Interviews und Workshops durchgeführt. Ziel war es, die Auswirkungen der sozialen Einflüsse des Tourismus – positiv wie negativ – auf die Lebensumstände der Menschen vor Ort zu untersuchen. Auf Basis dieser Analyse konnten unter anderem folgende Herausforderungen identifiziert werden: Arbeitsbedingungen (z. B. Arbeitszeit, Entlohnung, Ausbeutung von Wanderarbeitern), die Einbindung der Menschen vor Ort in die Wertschöpfung des Tourismus, der Verlust von kultureller Identität, Frauenrechte und Kinderschutz. Ergänzend dazu wurden auch Umweltthemen ermittelt, die direkte Auswirkungen auf die lokalen Gemeinschaften haben – darunter Wassermangel und Abfall an Stränden und in den Meeren. Basierend auf diesen Erkenntnissen sollen im nächsten Schritt 2020 Themen priorisiert und konkrete Maßnahmen zur Abhilfe entwickelt werden. Umfassende Herausforderungen wie moderne Sklaverei, sexuelle Ausbeutung und Landraub werden außerdem im Rahmen von Brancheninitiativen adressiert.

Weitere Themen aus diesem Bereich:

Regionalität

GRI 204-1

Fokusrohstoffe – Food

GRI FP1

Fokusrohstoffe – Non-Food

GRI FP1

Bio

GRI FP2

PRO PLANET

GRI FP2

Verpackungen

GRI 301

Biodiversität

GRI 304

Ökologische Aspekte
in der Lieferkette

GRI 308

Soziale Aspekte
in der Lieferkette

GRI 412, 414

Kundengesundheit und Produktsicherheit

GRI 416

Nachhaltigen Konsum fördern

GRI 417

Tierwohl

FP10

Kinder- und Zwangsarbeit

GRI 408, 409

Haltungsbedingungen

FP10

Ernährung

FP10

Existenzsichernde
Löhne und Einkommen

GRI 414

Wasser

GRI 303