REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2018

Tierwohl

Sowohl im Lebensmitteleinzelhandel als auch in der Touristik spielt die Haltung und Nutzung von Tieren eine bedeutende Rolle. Tierische Produkte wie Fleisch oder Eier sind ein fester Bestandteil heutiger Ernährungsgewohnheiten – die Nutztierhaltung ist damit ein wesentlicher Zweig der landwirtschaftlichen Produktion. Auch in vielen Urlaubsdestinationen ist die Interaktion mit Tieren Teil des lokalen Unterhaltungsangebots. Oftmals leiden die Tiere jedoch unter schlechten Lebensbedingungen oder einem nicht artgerechten Umgang. Für die Touristen sind diese Auswirkungen nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Die aktuelle Diskussion in der Gesellschaft zum Thema Tierwohl zeigt, dass Verbrauchern und Urlaubern eine artgerechte Haltung der Tiere immer wichtiger wird – auch die Stakeholder der REWE Group bewerten das Thema als besonders relevant für das Unternehmen (für mehr Informationen siehe Abschnitt Wesentlichkeitsanalyse). Dazu zählt auch, die Tiere vor Missbrauch zu schützen und den natürlichen Lebensraum nicht zu beeinträchtigen.

Um Nachhaltigkeit als festen Bestandteil in die Unternehmensprozesse zu integrieren, hat die REWE Group eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie mit den vier zentralen Säulen Grüne Produkte, Energie, Klima und Umwelt, Mitarbeiter und Gesellschaftliches Engagement entwickelt. Im Jahr 2017 wurde die Strategie Grüne Produkte 2030 verabschiedet, um Nachhaltigkeit noch stärker in die Beschaffungsprozesse zu integrieren. Im Rahmen der Handlungsfelder Fairness, Tierwohl und Ressourcenschonung entwickelt das Handels- und Touristikunternehmen wirksame Maßnahmen in der Säule Grüne Produkte, um ökologische und soziale Auswirkungen zu reduzieren. Das Ziel des Handlungsfelds Tierwohl ist es, zusammen mit Geschäftspartnern und Lieferanten verbindliche Standards zu implementieren und den Dialog zwischen allen Partnern zu fördern, um den negativen Auswirkungen mit Blick auf das Tierwohl entgegenzuwirken.

GRI FP10: Physische Veränderung an Tieren

Managementansatz

In ihrer Leitlinie für Nachhaltiges Wirtschaften bekennt sich die REWE Group zur Einhaltung und Verbesserung von Tierschutzstandards sowie zum Ausbau des Tierschutzes in der Tierhaltung. Um dieser Verpflichtung nachzukommen, veröffentlichte die REWE Group 2015 mit dem Leitbild Nutztierhaltung der Zukunft ein Positionspapier, das die übergreifenden Ziele der REWE Group für eine nachhaltigere Haltung dokumentiert. Es zeigt die verschiedenen Anforderungen auf, die eine zukunftsfähige Landwirtschaft in Einklang bringen muss. Dazu zählen neben Tierwohl auch Umwelt- und Klimaschutz, Ressourceneffizienz, Lebensmittelsicherheit und Wirtschaftlichkeit. Außerdem formuliert die REWE Group mit dem Leitbild einen Wertekanon für ihr Tierwohlengagement. Dieser orientiert sich an den „Fünf Freiheiten“ einer verantwortungsvollen Nutztierhaltung, die durch das Farm Animal Welfare Council des britischen Landwirtschaftsministeriums definiert wurden:

  1. Freiheit von Hunger, Durst und Fehlernährung
  2. Freiheit von Unbehagen
  3. Freiheit von Angst, Stress und Leiden
  4. Freiheit von Schmerzen, Verletzungen und Krankheiten
  5. Freiheit zum Ausleben normaler Verhaltensweisen

Das Leitbild dient dazu, die bestehenden Projekte und Anforderungen weiterzuentwickeln. So ist geplant, Leitlinien für spezifische Haltungs- und Managementsysteme mit konkreten Vorgaben zu verabschieden.

Im Dezember 2016 hat die REWE International AG eine eigene Leitlinie Tierwohl veröffentlicht, die die wesentlichen Maßnahmen und Handlungsfelder für Österreich darstellt.

Um dem Anspruch nach tierfreundlichen Angeboten gerecht zu werden, verabschiedete auch die DER Touristik 2017 eine verbindliche Tierschutzrichtlinie. Als verantwortungsbewusster Reiseveranstalter, der sich zu nachhaltigem Handeln verpflichtet, legt die DER Touristik Wert auf Natur- und Tierschutz. Aus diesem Grund unterstützt das Unternehmen vor allem Reiseerlebnisse, bei denen die Beobachtung von Tieren in freier Wildbahn im Vordergrund steht. Die Tierschutzrichtlinie regelt den Umgang touristischer Produkte mit Tierinteraktionen und verfolgt das Ziel, sämtliche Angebote der DER Touristik, bei denen Tiere zur touristischen Unterhaltung eingesetzt werden, bis 2020 zu überprüfen und sukzessive anzupassen. Angebote, die nicht den Anforderungen der Richtlinie entsprechen, werden aus dem Programm genommen oder – wo möglich – durch tierfreundlichere Alternativen ersetzt. Konsequenterweise wurden Angebote wie Elefantenreiten und Elefantenshows, Delfinschwimmen, Spazierengehen und Selfies mit Wildkatzen und Bärenshows aus dem Verkauf der deutschen Veranstaltermarken genommen. Um die Einhaltung der festgelegten Tierschutzkriterien und anerkannten Standards sicherzustellen, werden Tiereinrichtungen im Rahmen unabhängiger Audits überprüft. Des Weiteren verpflichtet sich die DER Touristik, ihre Kunden über einen angemessenen Umgang mit Tieren und tierfreundliche touristische Angebote zu informieren.

Aufbauend auf der 2017 verabschiedeten Tierschutzrichtlinie und in Anerkennung ihrer Verantwortung wird die DER Touristik ihre Richtlinie 2019 auf die gesamte DER Touristik Gruppe ausweiten. Dazu zählen eine umfassende Gruppenstrategie und ein Aktionsplan mit verbindlichen Maßnahmen. Bis 2022 soll die Anpassung des gesamten Produktportfolios des Konzerns an etablierte Tierschutzstandards abgeschlossen sein. Neben Elefanten soll der Fokus in einem nächsten Schritt auf Einrichtungen und Angeboten mit Meeressäugern liegen.

Um das Tierwohlengagement der gesamten REWE Group strukturiert mit Maßnahmen zu untermauern bzw. den negativen Auswirkungen auf die Tiere entgegenzuwirken, hat die REWE Group im Wesentlichen drei unterschiedliche Ansätze entwickelt, innerhalb derer Maßnahmen umgesetzt werden:

  1. Internes Management: beispielsweise durch Schulung von Einkäufern
  2. Lieferkettenmanagement: beispielsweise durch Anforderungen an Lieferanten oder die Durchführung von Projekten
  3. Stakeholder-Management: beispielsweise durch die Beteiligung und das Mitwirken an Brancheninitiativen

Projekte und Maßnahmen zur Verbesserung des Tierwohls

Bereits seit Jahren engagiert sich die REWE Group intensiv für mehr Tierwohl. Viele der vorhandenen Maßnahmen werden unter anderem in PRO PLANET-Projekten durchgeführt, in denen beispielsweise die Fütterung und Haltungsbedingungen von Hähnchen und Legehennen verbessert wurden. Weitere Schwerpunkte des Engagements liegen in der Produktion von Schweine-, Puten- und Kaninchenfleisch sowie Frischmilch. Ein wichtiger Tierwohlaspekt betrifft schmerzhafte Eingriffe wie die Kastration von Ferkeln oder das Kürzen von Schnäbeln bei Legehennen, für deren Verzicht die REWE Group anspruchsvolle Ziele formuliert hat. Die Maßnahmen sind auf die jeweilige Tierart und die Bedingungen der Nutztierhaltung zugeschnitten, da so die unterschiedlichen Rahmenbedingungen der verschiedenen Wertschöpfungsketten berücksichtigt werden.

Konkrete Maßnahmen zum Tierwohl setzt die REWE Group im Rahmen von drei Ansätzen um:

1. Internes Management

Die REWE Group arbeitet daran, nachhaltige Beschaffung weiter in ihre Einkaufsprozesse zu integrieren, um Nachhaltigkeitsaspekte bei jeder Einkaufsentscheidung zu berücksichtigen. Regelmäßig werden Mitarbeiter der REWE Group zu relevanten Tierwohlthemen geschult, damit diese bei der Auswahl der Lieferanten sowie im Einkaufsprozess entsprechend Berücksichtigung finden.

2. Lieferkettenmanagement

In Deutschland sowie in allen anderen relevanten Ländern, die als Lieferländer für Rohstoffe tierischen Ursprungs infrage kommen, gibt es entsprechende ordnungspolitische Rahmenbedingungen für die Nutztierhaltung. Die REWE Group akzeptiert nur Partner in ihren Lieferketten, die die jeweils national gültigen gesetzlichen Anforderungen vollumfänglich erfüllen. Da diese Anforderungen aber häufig nicht weit genug greifen, engagiert sich die REWE Group zusätzlich mit zahlreichen Projekten, um die Haltungsbedingungen der Tiere zu verbessern. Um die Produkte entsprechend den Haltungsbedingungen zu kennzeichnen und auf diese Weise Transparenz zu schaffen, haben REWE und PENNY in Deutschland 2018 außerdem ein Vier-Stufen-Modell eingeführt. Dieses kennzeichnet auf einen Blick, nach welchen Kriterien die Tiere der Eigenmarken-Frischfleischprodukte bei REWE und PENNY gehalten wurden. Ab April 2019 wird diese Kennzeichnung durch ein einheitliches System zur Kennzeichnung der Haltungsformen abgelöst, das von allen in der Initiative Tierwohl (ITW) engagierten Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels umgesetzt wird. Für weitere Informationen und eine konkrete Beschreibung der einzelnen Projekte siehe auch Abschnitt Haltungsbedingungen.

Projekte und Maßnahmen zur Verbesserung der Haltungsbedingungen bei Schweinen:

  • Engagement gegen die unbetäubte Ferkelkastration
  • Projekte zum Verzicht auf das Kürzen des Ringelschwanzes bei Ferkeln

Projekte und Maßnahmen zur Verbesserung der Haltungsbedingungen bei Küken und Hennen:

  • Verhinderung des Kükentötens („Spitz & Bube“, „HerzBube“ sowie SELEGGT)
  • Early Feeding: Verbesserung der Lebensbedingungen von frisch geschlüpften Küken
  • Verzicht auf Käfighaltung und Schnabelkürzen bei Legehennen

Projekte und Maßnahmen zur Verbesserung der Haltungsbedingungen bei Kühen:

  • Vermarktung von Milch und Käse aus Weidehaltung – Milch mit dem Label „Für Mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbunds ausgezeichnet
  • Vermarktung von Allgäuer Hofmilch mit dem „Tierschutz-kontrolliert“-Gütesiegel von VIER PFOTEN

Projekte und Maßnahmen zur Verbesserung der Haltungsbedingungen bei Puten, Kaninchen und Büffeln:

  • Unterstützung bei der Zucht einer neuen Putenrasse
  • Umstellung von Käfig- auf Bodenhaltung für Mastkaninchen
  • Implementierung von Haltungsanforderungen für Büffel

Frischmilch- und Fleisch-/Wurstartikel mit dem Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbunds

Für mehr Tierschutz hat der Deutsche Tierschutzbund eine transparente und wissenschaftlich fundierte Kennzeichnung eingeführt. Mit dem zweistufigen Label werden Produkte tierischen Ursprungs gekennzeichnet, denen Tierschutzstandards zugrunde liegen. Unter der Eigenmarke REWE Beste Wahl bieten die REWE-Märkte seit September 2018 nahezu bundesweit Weide- und Frischmilch mit dem Tierschutzlabel an. Auch PENNY plant im Jahr 2019 die Einlistung der Milch mit dem Tierschutzlabel. Zudem führen seit Ende 2018 alle PENNY-Märkte Wurstprodukte vom Teutoburger Hofschwein und 550 PENNY-Märkte zusätzlich Fleischprodukte mit dem Tierschutzlabel „Für Mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbunds. Damit unterstützen REWE und PENNY eine Initiative für mehr Tierwohl im gesamten Handel und gestalten den nachhaltigeren Einkauf für den Verbraucher transparenter.

Engagement für elefantenfreundliche touristische Tiereinrichtungen

Im Jahr 2017 startete die DER Touristik ihre Tierschutzmaßnahmen mit dem Augenmerk auf Elefanten. In Zusammenarbeit mit der konzerneigenen Zielgebietsagentur Go Vacation Thailand wurde an Lösungen für Freizeitangebote mit Elefanten gearbeitet. In einem ersten Schritt überprüften die DER Touristik Anbieter die Einhaltung von Tierschutzstandards mithilfe von externen Audits. Aktivitäten wie Elefantenreiten oder Unterhaltungsshows wurden aus dem Programm genommen. Heute wird mit wenigen lokalen Anbietern kooperiert, um mit ihnen gemeinsam an besseren Standards zu arbeiten und sie weiter für das Thema zu sensibilisieren.

Zudem engagiert sich die DER Touristik gemeinsam mit der Tierschutzorganisation „World Animal Protection“ und anderen Branchenteilnehmern in der Arbeitsgruppe „Coalition for Ethical Wildlife Tourism (CEWT)“. Ein erarbeitetes Geschäftsmodell dient dem Aufbau elefantenfreundlicher Einrichtungen. Ziel ist, zwei Elefanteneinrichtungen nach etablierten Standards weiterzuentwickeln und Angebot und Nachfrage nach elefantenfreundlichen touristischen Tiereinrichtungen zu steigern. Anfang 2019 soll das erste umgebaute Camp eröffnen.

Die DER Touristik sensibilisiert und wirbt für „Chilis gegen Elefanten“

Im Rahmen des gemeinnützigen Vereins „DER Touristik Foundation e.V.“ fördert die DER Touristik das Projekt „Chilis gegen Elefanten“. Der „Wildtier-Mensch-Konflikt“ wird durch die steigende Bevölkerungszahl und die Migration der Bevölkerung an die Grenzen von Naturschutzgebieten zunehmend zum Problem. Häufig zerstören Elefanten Jahresernten ganzer Dörfer und werden deswegen nicht selten getötet. Mithilfe einer Sensibilisierungskampagne soll das Bewusstsein der Bevölkerung in Tansania hinsichtlich der Förderung des ökologischen Lebensraums und der Artenvielfalt gestärkt werden. Für den Konflikt mit Elefanten gibt es eine simple Lösung: Sie haben einen sehr stark ausgeprägten Geruchssinn und meiden Chilipflanzen. Durch eine Einzäunung der Agrarwirtschaftsflächen mit sogenannten Chili-Zäunen können rund 75 Prozent der ursprünglichen Schäden vermieden werden. Die einheimische Bevölkerung erhält Schulungen zum Anbau und Erhalt der Chili-Zäune. Das in Zusammenarbeit mit den Projektpartnern Upendo e.V. und PAMS Foundation durchgeführte Projekt kommt Tier und Mensch zugute und kann den Konflikt um den Lebensraum entschärfen.

3. Stakeholder-Management

Die Herausforderungen der Bearbeitung von Nachhaltigkeitsrisiken liegen oft in den globalen Handelsstrukturen und sind beeinflusst durch politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Deshalb ist die REWE Group bei der Umsetzung der Maßnahmen im Handlungsfeld Tierwohl in engem Austausch mit ihren relevanten Stakeholdern wie Lieferanten, der Wissenschaft und NGOs.

Verbesserung branchenweiter Tierwohlstandards: Initiative Tierwohl

Als Gründungsmitglied der Initiative Tierwohl setzt sich die REWE Group für die Verbesserung branchenweiter Tierwohlstandards ein. Der Zusammenschluss aus Vertretern der Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und des Lebensmittelhandels verfolgt das Ziel einer tiergerechteren Fleischerzeugung. Die beteiligten Unternehmen des deutschen Lebensmitteleinzelhandels führen mit 6,25 Cent pro Kilogramm verkaufter Schweine- und Geflügelfleischware einen jährlichen Beitrag von rund 130 Mio. Euro an die Initiative Tierwohl ab. Das Geld wird für die Finanzierung von Tierwohlmaßnahmen zur Verfügung gestellt, die über gesetzliche Bestimmungen hinausgehen. Durch die Beteiligung von mehr als 5.700 Betrieben konnten die Haltungsbedingungen im Jahr 2018 für über 447 Millionen Schweine, Hähnchen und Puten verbessert werden. Jeder Betrieb in der Initiative Tierwohl wird zwei Mal jährlich kontrolliert – einmal in einem regulären Audit und einmal in einem unangekündigten Audit. Bisher wurden knapp 20.000 Audits durchgeführt. Diese bestätigen, dass der überwiegende Teil der Landwirte die Maßnahmen korrekt umsetzt. Betriebe, die gegen die Vorgaben verstoßen, werden konsequent sanktioniert.

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