REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2018

Kinder- und Zwangsarbeit

Die REWE Group bezieht eine Vielzahl von Produkten und Produktbestandteilen über Lieferketten, die sich über mehrere Länder erstrecken können. Dabei spielt das Risiko der Kinder- und Zwangsarbeit eine bedeutende Rolle.

Um Nachhaltigkeit als festen Bestandteil in die Unternehmensprozesse zu integrieren, hat die REWE Group eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie mit den vier zentralen Säulen Grüne Produkte, Energie, Klima und Umwelt, Mitarbeiter und Gesellschaftliches Engagement entwickelt. Im Jahr 2017 wurde die Strategie Grüne Produkte 2030 verabschiedet, um Nachhaltigkeit noch stärker in die Beschaffungsprozesse zu integrieren. Im Rahmen der Handlungsfelder Mensch, Tier und Umwelt entwickelt das Handels- und Touristikunternehmen wirksame Maßnahmen in der Säule Grüne Produkte, um ökologische und soziale Auswirkungen zu reduzieren. Innerhalb des Handlungsfelds Mensch wurde das Fokusthema Kinder- und Zwangsarbeit identifiziert. Die REWE Group verfolgt das Ziel, Kinder- und Zwangsarbeit systematisch zu bekämpfen.

Als ausbeuterische Kinderarbeit gilt, wenn Kinder unter 13 Jahren mehr als einige Stunden pro Woche leichte Arbeit verrichten oder Kinder unter 15 Jahren eine gefährliche oder belastende Arbeit verrichten. In vielen Risikoländern wird das Verbot von ausbeuterischer Kinderarbeit nicht ausreichend umgesetzt und verfolgt.

Zwangsarbeit äußert sich häufig durch eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit, das Einbehalten des Lohns und der Personalpapiere sowie die Verschuldung gegenüber dem Arbeitgeber oder einer Arbeitsvermittlung. Da häufig legal oder illegal eingewanderte Migranten oder Leiharbeiter betroffen sind, wird Zwangsarbeit oft nicht angezeigt und ist schwer zu kontrollieren.

GRI 408: Kinderarbeit;

GRI 409: Zwangs- oder Pflichtarbeit

Managementansatz

Für alle Geschäftsbeziehungen greift die Leitlinie für Nachhaltiges Wirtschaften der REWE Group. Die Leitlinie orientiert sich an der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen, den Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und dem UN Global Compact. Darin ist das Verbot von Zwangsarbeit festgeschrieben: Niemand darf gegen seinen Willen beschäftigt oder unter Anordnung irgendeiner Strafe zur Arbeit gezwungen werden. Auch die Vermeidung ausbeuterischer Kinderarbeit ist hier verankert. Dabei hält sich die REWE Group an die von der ILO gesetzten Standards zur Kinderarbeit und an die jeweils gültigen nationalen Gesetze. Im Falle vorsätzlicher grober Missachtung der in der Leitlinie beschriebenen Werte behält sich die REWE Group Sanktionen vor.

Im Rahmen der Mitgliedschaft bei amfori BSCI verpflichtet die REWE Group sich selbst sowie alle Lieferanten und Produzenten, den Verhaltenskodex von amfori BSCI einzuhalten und sich zu den Prinzipien zu bekennen. Dazu zählt unter anderem der Verzicht auf ausbeuterische Kinder- und Zwangsarbeit. Gemeinsam mit ihren Lieferanten arbeitet die REWE Group daran, Arbeits- und Sozialstandards kontinuierlich zu verbessern.

In der Anfang 2019 veröffentlichten Leitlinie für Fairness bekennt sich die REWE Group dazu, innerhalb der Lieferketten aller Eigenmarkenprodukte von REWE, PENNY und toom Baumarkt Menschenrechte zu stärken und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Im Fokus stehen die Themen Kinder- und Zwangsarbeit sowie existenzsichernde Einkommen. Darüber hinaus hat der Konzern verschiedene Leitlinien für Fokusrohstoffe veröffentlicht. Diese beschreiben spezifische Herausforderungen und daraus abgeleitete Anforderungen an Lieferanten der REWE Group auch mit Blick auf die Themen Zwangs- und Kinderarbeit.

Durch Standards Kinder- und Zwangsarbeit bei der Rohstoffgewinnung vermeiden
Um die Kinder- und Zwangsarbeit auf der Stufe des Rohstoffanbaus zu bekämpfen und sozial verträgliche Arbeitsbedingungen sicherzustellen, setzt die REWE Group auf international anerkannte Zertifizierungsstandards. Die wichtigsten Organisationen sind Fairtrade, Rainforest Alliance, UTZ, Cotton made in Africa und Naturland. Sie gewährleisten höhere Standards im Rohstoffanbau sowie eine transparentere Lieferkette. Kinder- und Zwangsarbeit sind im Rahmen dieser Standards verboten. Mit Blick auf den Rohstoff Palmöl ist außerdem der Standard des Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) zentral – dieser soll sicherstellen, dass auf den Plantagen keine Kinderarbeit stattfindet.

Kinderarbeit im Kakaosektor bekämpfen

Aufgrund der strukturellen Armut und des Mangels an Schulen ist Kinderarbeit im Kakaoanbau weit verbreitet. Um Kosten so niedrig wie möglich zu halten, helfen insbesondere in familienbasierten Kleinbetrieben Kinder während der Erntezeit oft mit. Die REWE Group setzt sich dafür ein, dass kakaohaltige Erzeugnisse in ihren Sortimenten unter Achtung der Menschenrechte und Einhaltung von anerkannten Sozial- und Arbeitsstandards hergestellt werden. Dafür setzt das Handelsunternehmen auf entsprechende Zertifizierungen wie Fairtrade, Rainforest Alliance/UTZ oder Naturland. Für weitere Informationen siehe auch Leitlinie für Kakaoerzeugnisse.

Maßnahmen zur Verhinderung von Zwangsarbeit im Fischereisektor

Ein Großteil der traditionellen Fischerei sowie der Arbeit in Aquakulturbetrieben findet in Asien und Afrika statt. Häufig entsprechen die Arbeitsbedingungen in diesen Ländern nicht den international anerkannten Standards – es liegt insbesondere ein erhöhtes Risiko für Zwangsarbeit vor. Das Ziel der REWE Group ist es, die Wahrung der Menschenrechte und die Einhaltung fundamentaler Sozial- und Arbeitsschutzstandards im Fischereisektor sicherzustellen. Die Einhaltung der Grundprinzipien zum Verzicht auf Kinder- und vor allem Zwangsarbeit ist in der Zusammenarbeit mit Lieferanten von Fisch und Meeresfrüchten besonders relevant. Durch den Bezug von zertifizierter Ware werden in der Aquakulturlieferkette im Rahmen der Audits auch die Farmen auf die Einhaltung der Grundprinzipien überprüft. Da es für Fangschiffe noch keine etablierte Zertifizierung für Arbeits- und Menschenrechte gibt, setzt sich die REWE Group dafür ein, dass soziale Prinzipien in die Standards für Wildfisch aufgenommen und durch Zertifizierungen sichergestellt werden. Für weitere Informationen siehe Leitlinie für Fische, Krebs- und Weichtiere.

Mehr Informationen zum Umgang mit Kinder- und Zwangsarbeit auf der Stufe des Rohstoffabbaus siehe Abschnitte Fokusrohstoffe – Food bzw. Fokusrohstoffe – Non-Food.

Mit Sozialaudits das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit in der Verarbeitung und Produktion kontrollieren
Um die Einhaltung des Verbots von Kinder- und Zwangsarbeit in der Verarbeitung und Produktion zu prüfen, werden regelmäßig Sozialaudits – überwiegend nach dem Standard der amfori BSCI – durchgeführt. Im Rahmen der Audits werden alle Produktionsstätten der ersten Lieferkettenstufe aus definierten Risikoländern kontrolliert. Sie finden sowohl angekündigt als auch unangekündigt statt. Im Anschluss erhält das jeweilige Unternehmen eine Bewertung auf Grundlage der Audit-Ergebnisse. Im Fall von offenkundiger Kinder- oder Zwangsarbeit erhält das auditierte Unternehmen keine Gesamtbewertung, sondern den Null-Toleranz-Status. Bei einem solchen Sachverhalt greift der Null-Toleranz-Mechanismus von amfori BSCI: Der Auditor löst eine Warnmeldung aus, stellt das Audit ein und sammelt Beweise, um den Verstoß zu belegen. Anschließend wird der Verstoß innerhalb von 24 Stunden nach seiner Feststellung an das amfori BSCI-Sekretariat gemeldet. Binnen 48 Stunden nach Erhebung des Vorwurfs prüft die Auditierungsabteilung den Sachverhalt, die Beweise sowie die Ausbildung und Kompetenzen des Auditors. Binnen 72 Stunden nach der Feststellung bilden alle betroffenen amfori BSCI-Teilnehmer eine Ad-hoc-Abhilfegruppe, um das weitere Vorgehen zu definieren und Maßnahmen einzuleiten, deren Umsetzung überprüft wird.

Kooperation mit Kinderrechtsorganisation

Fälle von Kinder- und Zwangsarbeit werden bei der REWE Group nicht toleriert und gründlich aufgearbeitet. Um in Fällen von Kinderarbeit schnell reagieren zu können, kooperiert die REWE Group seit 2018 mit der Kinderrechtsorganisation Center for Child Rights and Corporate Social Responsibility (CCR CSR). Die Organisation berät Unternehmen bei der Implementierung von Strategien und Programmen zur Sicherstellung von Kinderrechten in Lieferketten. Durch die Kooperation kann die REWE Group von der Expertise und dem Netzwerk der Organisation profitieren, sich im Rahmen der Arbeitsgruppe mit relevanten Stakeholdern austauschen und die entwickelten Tools nutzen. Außerdem kann die REWE Group als Mitgliedsunternehmen den Rapid Response Service von CCR CSR nutzen: In einem Fall von historischer Kinderarbeit, der innerhalb des Berichtszeitraums aufgedeckt wurde, wurde CCR CSR beauftragt, die Situation vor Ort zu analysieren und mit der betroffenen Jugendlichen, einer Bezugsperson, Auditoren und Vertretern der Produktionsstätte zu sprechen. Auf dieser Basis wurden geeignete Abhilfe- und Präventionsmaßnahmen entwickelt, deren Umsetzung kontinuierlich nachverfolgt wird.

Die REWE Group hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2025 ein Beschwerdemechanismus-System für relevante Lieferketten zu etablieren

Mit einem Beschwerdemechanismus-System will die REWE Group sicherstellen, dass Missstände in den Lieferketten angezeigt werden können. Dies betrifft auch die Meldung von Fällen von Kinder- und Zwangsarbeit. Schon jetzt überprüft die REWE Group, ob Produktionsstätten ihren Beschäftigten eine Beschwerdemöglichkeit bieten. Außerdem können die Beschwerdemechanismen von Standardorganisationen (bei Rohstoffen) und der Beschwerdemechanismus von amfori (für die Verarbeitung und Produktion) bei Fällen von Kinder- oder Zwangsarbeit genutzt werden. Abhilfe erfolgt im Rahmen des Null-Toleranz-Mechanismus von amfori BSCI.

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