REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2018

Biodiversität

Als Handels- und Touristikunternehmen hat die Geschäftstätigkeit der REWE Group vielfältige Auswirkungen auf die biologische Vielfalt. Neben direkten Auswirkungen beispielsweise an den Standorten des Unternehmens oder beim Transport von Waren sind vor allem auch die vor- und nachgelagerten Stufen der Wertschöpfungskette von Bedeutung. Auswirkungen entstehen hier durch die nicht nachhaltige Nutzung von natürlichen Ökosystemen etwa bei der Gewinnung von Rohstoffen, in der Warenproduktion oder bei touristischen Angeboten.

Um Nachhaltigkeit als festen Bestandteil in die Unternehmensprozesse zu integrieren, hat die REWE Group eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie mit den vier zentralen Säulen Grüne Produkte, Energie, Klima und Umwelt, Mitarbeiter und Gesellschaftliches Engagement entwickelt. Im Jahr 2017 wurde die Strategie Grüne Produkte 2030 verabschiedet, um Nachhaltigkeit noch stärker in die Beschaffungsprozesse zu integrieren. Im Rahmen der Handlungsfelder Fairness, Tierwohl und Ressourcenschonung entwickelt das Handels- und Touristikunternehmen wirksame Maßnahmen in der Säule Grüne Produkte, um ökologische und soziale Auswirkungen zu reduzieren. Innerhalb des Handlungsfelds Ressourcenschonung wurde Biodiversität als eines der Fokusthemen definiert. Das Handelsunternehmen verfolgt das Ziel, die natürlichen Ressourcen zu erhalten und die Biodiversität entlang der Lieferketten zu schützen und zu fördern.

GRI 304: Biodiversität

Managementansatz

In der Leitlinie für Nachhaltiges Wirtschaften bekennt sich die REWE Group zum Erhalt und Schutz natürlicher Ökosysteme und befürwortet die Ziele des UN-Übereinkommens zum Schutz der biologischen Vielfalt (Convention on Biological Diversity). Außerdem hat sich die REWE Group im Rahmen der Initiative Biodiversity in Good Company dazu verpflichtet, den Schutz und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt in das betriebliche Nachhaltigkeitsmanagement zu integrieren.

Bei der Gestaltung nachhaltigerer Sortimente ist der Erhalt der biologischen Vielfalt ein wichtiges Kriterium. Biodiversitätskriterien können über Standardsysteme wie Bio, Fairtrade, Forest Stewardship Council (FSC®), UTZ, Rainforest Alliance und Marine Stewardship Council (MSC) berücksichtigt werden. Sie finden außerdem Anwendung innerhalb der Leitlinien, die von der REWE Group für Rohstoffe wie Palmöl, Fisch oder Kakao formuliert wurden. Auch bei produktbezogenen Hot-Spot-Analysen im Rahmen des PRO PLANET-Ansatzes werden Auswirkungen auf die biologische Vielfalt untersucht. So können negative Auswirkungen auf die Biodiversität identifiziert und Maßnahmen zum Erhalt und zur Förderung ergriffen werden (mehr hierzu siehe Abschnitt PRO PLANET).

Um gemeinsam mit Partnern das Thema Biodiversität voranzubringen, setzt die REWE Group auf Kooperationen. Das Unternehmen fördert gemeinsam mit seinem strategischen Partnern NABU, der Bodensee-Stiftung und verschiedenen Kulturlandschaftsstiftungen Projekte, die die biologische Vielfalt in der landwirtschaftlichen Nutzung adressieren.

Die REWE Group hat sich mit Blick auf die Förderung der Biodiversität das Ziel gesetzt, alle regionalen Freilandobst- und -gemüseprodukte bis 2025 auf einen biodiversitätsfördernden Anbau umzustellen.

GRI 304-2:

Projekte zum Schutz vor erheblichen Auswirkungen von Aktivitäten, Produkten und Dienstleistungen auf die Biodiversität

Die größten Einflussmöglichkeiten der REWE Group auf die Sicherung der biologischen Vielfalt liegen im Bereich der Eigenmarkenproduktion. Die folgenden Projekte zeigen die Schwerpunkte des Engagements im Berichtszeitraum. Fortschritte und Wirkungen werden auf Projektbasis evaluiert und im Rahmen der vorgestellten Projekte berichtet.

Naturschutz und Landwirtschaft: Hand in Hand mit dem PRO PLANET-Apfelprojekt

Ziel dieses Projekts ist es, gemeinsam mit der Bodensee-Stiftung, dem NABU sowie die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft durch eine gute Zusammenarbeit von Landwirten und Naturschützern die biologische Vielfalt auf konventionellen Apfelplantagen zu erhöhen. Seit dem Projektstart im Jahr 2010 ist die Zahl der teilnehmenden Apfelerzeuger auf über 300 gewachsen. Das Projekt läuft seit mehreren Jahren erfolgreich und wurde 2018 als UN-Dekade-Projekt für Biologische Vielfalt ausgezeichnet. 2016 ist es außerdem mit dem Deutschen CSR-Preis prämiert worden.

Die positiven Auswirkungen des Projekts sind vielfältig: Seit 2010 wurden in ganz Deutschland 10.130 (2018: 4.570) Büsche, Bäume und Sträucher gepflanzt. Rund 440 Hektar (2018: 140 Hektar) Blühstreifen und verschiedene Formen von Strukturanreicherungen wie Trockensteinmauern oder Kleingewässer wurden errichtet. Die Ergebnisse des im Jahr 2017 durchgeführten Wildbienen-Monitorings zeigen im Vergleich zu 2010 einen deutlichen Zuwachs um etwa 100 Prozent von 56 auf 117 verschiedene Wildbienenarten, darunter auch 25 (2010: 5) bedrohte Arten. Außerdem wurden seit 2010 rund 8.525 (2018: 1.885) Nistkästen und Nisthilfen für Vögel, Fledermäuse und Insekten aufgestellt. Die zahlreichen Nistkästen und Nisthilfen sowie Artenschutzmaßnahmen führen zur erwünschten Wirkung: Im Jahr 2018 wurden 82 Jungfalken bei 22 Brutpaaren im südlichen Rheinland gezählt.

Im Jahr 2015 wurde ein Monitoring der Maßnahmen von der Universität Bonn durchgeführt. Dabei wurden diese nach ihrer Eignung zur Förderung der Biodiversität über ein Punktesystem bewertet. Auf Basis der Bewertung der Maßnahmen des Apfelprojekts wurden 2016 und 2017 Pilotprojekte im Gemüse- und Kartoffelanbau geplant und durchgeführt. Ziel ist es, weitere Kulturen in Biodiversitätsprojekte einzubeziehen. Im Jahr 2018 fand ein Rollout der Projekte bei den Kulturen Brokkoli, Chinakohl, Eisbergsalat, Romanasalat und Möhren sowie Kartoffeln statt. Die Produkte aus diesen Projekten erhalten seither das PRO PLANET-Label. Speziell für Kartoffeln beraten verschiedene Kulturlandschaftsstiftungen im Auftrag der REWE Group Kartoffelerzeuger zu biodiversitätsfördernden Maßnahmen auf ihren Betriebsflächen.

Projekte in Bananen-Anbaugebieten verbessern ökologische und soziale Bedingungen in Mittelamerika

Seit 2008 engagiert sich die REWE Group für eine Verbesserung der ökologischen und sozialen Bedingungen im Bananenanbau in Mittelamerika. Gemeinsam mit dem Bananenproduzenten Chiquita und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) hat die REWE Group von 2009 bis 2013 das Tropenprojekt in Bananen-Anbaugebieten in Panama durchgeführt. Neben Naturschutzmaßnahmen war die Einbindung der lokalen Bevölkerung ein zentraler Bestandteil des Projekts.

Durch Umweltbildung und die Verbesserung der wirtschaftlichen Perspektiven wurden die Menschen vor Ort in die Lage versetzt, die wertvollen Ökosysteme schonender zu nutzen und die Artenvielfalt langfristig zu erhalten.
Aufgrund der positiven Erfahrungen wurde das Tropenprojekt auf weitere Bananen-Anbaugebiete – unter anderem in Costa Rica – ausgeweitet. Dafür wurde über den REWE Group-Mittelamerikafonds – auch Bananenfonds genannt – von 2013 bis 2018 ein Projektvolumen von über 3,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Der Fonds richtet sich an lokale Organisationen, die sich mit ihren Projektideen im Rahmen von Ausschreibungen für eine Förderung bewerben können. Die GIZ ist für die Koordination der Projektanträge verantwortlich und kontrolliert auch die Umsetzung der Projekte vor Ort. Die Bewilligung der Fördergelder erfolgt durch einen Beirat aus Vertretern von Chiquita, Dole, Fyffes, Greenyard, Caritas und der REWE Group.

Ergänzt werden die Maßnahmen durch strenge Anforderungen an die Produktion. So müssen alle Erzeugerbetriebe für Bananen, die in den Vertriebslinien der REWE Group in Deutschland vertrieben werden, nach Rainforest Alliance oder Bio zertifiziert sein, um soziale Standards zu gewährleisten und negative Einflüsse auf die Umwelt auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Die Bananen der Eigenmarke REWE Beste Wahl tragen zusätzlich das PRO PLANET-Label der REWE Group und erfüllen damit weitere Nachhaltigkeitskriterien, die über die Basisanforderung der Rainforest Alliance hinausgehen.

Um die Transparenz in den Lieferketten zu erhöhen, führt die REWE Group bei den Bananen der REWE-Eigenmarken einen QR-Code ein, mit dem die Kunden die Bananen bis zum Erzeugerbetrieb rückverfolgen können.

Insektenschutzfonds mit dem NABU zur Förderung von Biodiversität in der Landwirtschaft

Einfältige Strukturen und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in Agrarlandschaften tragen dazu bei, dass die Masse der Fluginsekten in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen hat. Deswegen hat REWE Mitte 2018 die Gründung eines Insektenschutzfonds seines langjährigen strategischen Partners NABU mit einer Summe von 300.000 Euro zum Start unterstützt. Mit dem Betrag wird über einen Zeitraum von zwölf Monaten die bundesweite Umsetzung von umfassenden Maßnahmen zum Schutz von Insekten ermöglicht und somit ein Beitrag gegen den dramatischen Insektenrückgang geleistet.
Mithilfe des Insektenschutzfonds werden Flächen erworben, um sie langfristig als artenreichen Lebensraum für Insekten zu entwickeln und zu sichern. Insgesamt wurden 2018 166.134 Quadratmeter Fläche erworben. So wurden zum Beispiel 76.084 Quadratmeter konventionell bewirtschaftete Ackerflächen erworben und die Bewirtschaftung eingestellt, damit Entwicklungsmaßnahmen für die Insektenvielfalt umgesetzt werden konnten. Des Weiteren wurden Waldflächen, Gewässer und Offenland erworben und unter Schutz gestellt.

Heimische Artenvielfalt mit dem Naturschutzprogramm „Blühendes Österreich“ fördern

Im Projekt „Blühendes Österreich“ engagiert sich die REWE International AG seit 2014 gemeinsam mit der Naturschutzorganisation BirdLife Österreich für gefährdete ökologische Lebensräume. Die Initiative finanziert den Erhalt und die Pflege bedrohter Naturflächen und extensiver landwirtschaftlicher Flächen sowie Projekte für Natur- und Nachhaltigkeitsbildung und fördert so die heimische Artenvielfalt.

Im Jahr 2015 hat die REWE International AG die Initiative in eine gemeinnützige Privatstiftung überführt. Als unabhängige Organisation mit eigenen Mitarbeitern und klar geregelter Finanzierung steht die Stiftung für langfristiges Engagement und Glaubwürdigkeit gegenüber den Kunden. Die Finanzierung der Stiftung und der Projektaktivitäten wurde an bestimmte Produkte gekoppelt. Für jedes verkaufte Produkt der Eigenmarken „Da komm ich her“ (erhältlich bei BILLA, MERKUR, ADEG und AGM), „immer grün“ (MERKUR), bi good (BIPA) und „Ich bin Österreich“ (PENNY) fließt ein Cent in die Stiftung. Die Kunden der Handelsfirmen werden damit aktiv in die Unterstützung der Projekte integriert. Zudem wird eine bewusste Kaufentscheidung angeregt. Das Stiftungsbudget beträgt etwa eine Million Euro.
Im Jahr 2017 wurde die Naturschutzstrategie 2018–2022 der Stiftung mit dem Titel „Nachhaltigkeit verankern, Österreichs Vielfalt leben“ fertiggestellt. Ziel ist es, bis 2022 insgesamt 1.000 Hektar an bedrohten ökologischen Flächen zu schützen. An dem Programm FLORA (Förderung von LandwirtInnen und Organisationen zur Rettung unserer Artenvielfalt) nahmen 2018 über 130 Betriebe teil. Dadurch konnten 570 Hektar ökologisch wertvolle Fläche erhalten werden.

REWE, PENNY und toom Baumarkt fokussieren torffreie Erden

Für den Abbau von Torf wurden und werden jahrtausendealte Moore trockengelegt. Dadurch verlieren Tiere und Pflanzen ihren Lebensraum und im Moor gespeicherter Kohlenstoff wird als klimaschädliches CO2 freigesetzt. Deshalb hat sich toom Baumarkt 2016 als erste Baumarktkette in Deutschland dazu entschieden, das gesamte Erdensortiment sowohl der Eigenmarken als auch der Markenprodukte bis spätestens 2025 auf torffreie Alternativen umzustellen. 2018 wurde das Eigenmarkensortiment torffreier Erden auf insgesamt acht Produkte erweitert. Die torffreie Erde ist mit dem PRO PLANET-Label und mit dem Bio-Grünstempel® zertifiziert. Neben der Ausweitung torffreier Produkte wird der Anteil von Torfersatzstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen über alle Erden hinweg sukzessive gesteigert. Mit dieser Umstellung leistet toom Baumarkt einen Beitrag gegen den Klimawandel und für die biologische Artenvielfalt. Auch die Vertriebslinien REWE und PENNY haben ihr saisonales Erdensortiment um torffreie und torfreduzierte Alternativen ergänzt.

Systematische Reduktion von Pestiziden und der Verzicht auf Glyphosat bei toom Baumarkt

Glyphosat, das weltweit am meisten eingesetzte Pestizid in der Landwirtschaft, steht immer wieder in der Kritik. Unter anderem stellte eine viel beachtete Bewertung der Internationalen Behörde für die Krebsforschung (IARC) im Jahr 2015 fest, dass Glyphosat wahrscheinlich krebserregend sei. Darüber hinaus bestehen bei nicht ordnungsgemäßer Nutzung Gefahren für die Umwelt, insbesondere für Gewässer und deren Organismen.
Wegen dieses Risikos für Mensch und Umwelt hat sich toom Baumarkt, trotz eines jährlichen Umsatzes von 2,1 Millionen Euro (2014) mit diesen Pestiziden, im Jahr 2015 als erster Baumarkt Deutschlands dafür entschieden, auf den Verkauf von glyphosathaltigen Produkten zu verzichten.

Darüber hinaus wurde auch der Verkauf von besonders bienengefährlichen Pestiziden sowie deren Einsatz in der Produktion des Pflanzensortiments von toom Baumarkt eingeschränkt. Um aktiv zum Bienen- und Umweltschutz beizutragen, hat toom Baumarkt die Vorgaben für seine Zierpflanzenlieferanten verschärft und bietet seit 2017 als erster Baumarkt Deutschlands nur noch Zierpflanzen an, die ohne die von Greenpeace als besonders bienengefährlich eingestuften Pestizide produziert wurden. Dies spiegelt sich auch im Bereich der chemischen Pflanzenschutzmittel wider. Hier verzichtet toom seit 2015 komplett auf die Produkte, die laut einer Greenpeace-Studie die besonders bienengefährlichen Wirkstoffe enthalten.

Neben dem Schutz von Insekten durch die Auslistung bestimmter Wirkstoffe und Pestizide baut toom Baumarkt das Angebot an bienenfreundlichen Pflanzen seit 2016 kontinuierlich aus. Unter dem Claim „Bienenfreunde“ wurden im Jahr 2018 knapp 200 Pflanzenartikel angeboten, die Insekten besonders viel Nektar und Pollen bieten.

Eine Negativliste zum Pestizideinsatz bei konventionellem Obst und Gemüse
Für Informationen zum Pestizideinsatz bei konventionellem Obst und Gemüse siehe Abschnitt Ökologische Aspekte in der Lieferkette.

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