REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2018

Fokusrohstoffe – Non-Food

Insbesondere in den Lieferkettenstufen des Rohstoffanbaus und der Verarbeitung gibt es ökologische Herausforderungen sowie ein erhöhtes Risiko der Missachtung von Arbeits- und Sozialstandards. Sie stehen daher im Fokus der Aktivitäten der REWE Group. Im Rahmen ihrer produktbezogenen Risikoanalyse ermittelte die REWE Group folgende kritische Rohstoffe im Non-Food-Bereich: Baumwolle und Textilien sowie Natursteine.

Um Nachhaltigkeit als festen Bestandteil in die Unternehmensprozesse zu integrieren, hat die REWE Group eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie mit den vier zentralen Säulen Grüne Produkte, Energie, Klima und Umwelt, Mitarbeiter und Gesellschaftliches Engagement entwickelt. Im Jahr 2017 wurde die Strategie Grüne Produkte 2030 verabschiedet, um Nachhaltigkeit noch stärker in die Beschaffungsprozesse zu integrieren. Im Rahmen der Handlungsfelder Fairness, Tierwohl und Ressourcenschonung entwickelt das Handels- und Touristikunternehmen wirksame Maßnahmen in der Säule Grüne Produkte, um ökologische und soziale Auswirkungen zu reduzieren. Innerhalb dieser Handlungsfelder spielen die Aktivitäten zu den Fokusrohstoffen Baumwolle und Textilien sowie Natursteine im Non-Food-Bereich eine besondere Rolle.

GRI FP1:

Anteil des Einkaufsvolumens, welches in Übereinstimmung mit den Leitlinien des Unternehmens beschafft wurde

Die REWE Group arbeitet kontinuierlich daran, ihre Lieferketten sozial und ökologisch verträglicher zu gestalten. Dabei setzt das Unternehmen auf international anerkannte Zertifizierungsstandards, arbeitet gemeinsam in Brancheninitiativen, setzt eigene Projekte auf und formuliert eigene Anforderungen im Rahmen ihrer Leitlinien sowie im PRO PLANET-Prozess. Im Folgenden werden die Ansätze für einzelne Rohstoffe vorgestellt.

Baumwolle und Textilien

Baumwolle ist einer der wichtigsten Rohstoffe der Textilindustrie, die vornehmlich in Indien, China und den USA angebaut wird. Der konventionelle Baumwollanbau ist wasserintensiv und erfolgt unter hohem Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln. Um den Anteil der aus nachhaltigerer Baumwolle hergestellten textilen Produkte zu erhöhen, setzt die REWE Group in Deutschland auf Cotton made in Africa (CmiA), den Global Organic Textile Standard (GOTS) und zusätzlich auf Textilien aus recycelten Fasern. Die REWE Group strebt an, den Anteil der Textilien aus nachhaltigerer Baumwolle bei REWE, PENNY und toom Baumarkt in Deutschland bis 2025 auf 100 Prozent zu erhöhen. Im Jahr 2018 betrug der Anteil 85 Prozent.

Anteil nachhaltigerer Textilien aus Baumwolle (REWE, PENNY und toom Baumarkt in Deutschland)

2017 2018
Anteil CmiA- oder GOTS-zertifizierter Textilien 70 % 85 %

CmiA-Baumwolle

Die REWE Group unterstützt Cotton made in Africa (CmiA), eine Initiative der Aid by Trade Foundation, bereits seit 2008. Die Initiative setzt sich dafür ein, durch Hilfe zur Selbsthilfe die Lebensbedingungen afrikanischer Kleinbauern zu verbessern. In landwirtschaftlichen Schulungen werden den afrikanischen Kleinbauern effiziente Anbaumethoden vermittelt, die die Erträge und die Qualität der Baumwolle steigern und gleichzeitig ihre Gesundheit schonen und die Umwelt entlasten. Dank dieser Maßnahmen verbessert sich das Einkommen der Bauern und ihrer Familien. Darüber hinaus werden sie mit verschiedenen Kooperationsprojekten, zum Beispiel im Bereich Bildung und Frauenförderung, unterstützt. Um Frauen den Schritt in die wirtschaftliche und gesellschaftliche Unabhängigkeit zu ermöglichen, unterstützt die REWE Group bereits seit 2018 im Rahmen des Cotton made in Africa Community- Kooperationsprogramms Frauengruppen im ländlichen Sambia mit einkommensschaffenden Maßnahmen. So werden der Aufbau eines Lebensmittelgeschäfts, einer Geflügelzucht sowie die Anschaffung einer Ölpresse gefördert. Von diesen Investitionen profitieren nicht nur etwa 400 Frauen und ihre Familienangehörigen, sondern ganze Dorfgemeinschaften. Die Umsetzung der ersten Projekte läuft bis Mitte 2019. Außerdem engagiert sich die REWE Group als Berater im Beirat von CmiA.

Neben dem Fokus auf den Rohstoff Baumwolle engagiert sich die REWE Group durch vielseitige Maßnahmen für einen nachhaltigeren Textilsektor. Dazu zählen das Detox-Programm für die Verwendung unbedenklicher Chemikalien in der Textilproduktion und ihr Engagement im Bündnis für nachhaltige Textilien. Diese Multi-Stakeholder-Initiative setzt sich für soziale, ökologische und ökonomische Verbesserungen entlang der Textillieferkette ein. Mit dem Beitritt zum Bündnis hat sich die REWE Group verpflichtet, die ökologischen, sozialen und ökonomischen Bedingungen in internationalen textilen Lieferketten nachhaltig zu verbessern. Im Jahr 2018 hat sich die REWE Group in der Bündnisinitiative Chemikalien- und Umweltmanagement, der Expertengruppe Existenzsichernde Löhne und der Arbeitsgruppe zu Beschwerdemechanismen engagiert.

Außerdem hat die REWE Group im Jahr 2013 das Abkommen „The Bangladesh Accord on Fire and Building Safety“ (Accord) für mehr Sicherheit in der Textilindustrie in Bangladesch unterzeichnet.

Im Dezember 2018 ist die REWE Group darüber hinaus dem internationalen Fur Free Retailer Program beigetreten. In den Eigenmarkensortimenten gilt das Verbot von Echtpelz bereits seit mehreren Jahren. In der Leitlinie für nachhaltigere Textilien beschreibt die REWE Group ihren Managementansatz und ihre Aktivitäten.

Holz und Papier

Die REWE Group setzt sich für den Schutz der Wälder und der dort lebenden Tier- und Pflanzenarten ein. Sie unterstützt daher eine umweltgerechte und sozialverträgliche Waldwirtschaft, indem sie Holz und Papier für ihre Produkte und Verpackungen zunehmend aus nachhaltig bewirtschafteten Quellen bezieht. Dabei setzt die REWE Group auf die Siegel des Forest Stewardship Council (FSC®) und des Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC™) sowie auf das Umweltzeichen Blauer Engel. Bereits eine Vielzahl von Produkten der REWE Group sind mit diesen Siegeln ausgezeichnet – die Hygienepapierprodukte bei REWE und PENNY tragen bereits zu 100 Prozent die Label von FSC®, PEFC™ oder des Blauen Engels.

toom Baumarkt bietet ein stetig wachsendes Sortiment an zertifizierten Artikeln aus zahlreichen Produktkategorien an und ist seit 2018 Mitglied bei FSC® und PEFC™. Damit unterstützt toom Baumarkt die hohen Standards zu Transparenz und Kontrolle der Produktkette der beiden Systeme zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung.
Zudem stellen die Vertriebslinien REWE, PENNY und toom Baumarkt in Deutschland ihr gesamtes Holzkohle-Sortiment auf FSC®- oder PEFC™-zertifizierte Produkte um. Bis Ende 2019 möchte die REWE Group ausschließlich zertifizierte Holzkohle in ihren Märkten anbieten. Restbestände werden bereits seit 2018 sukzessive abverkauft.
Für Verpackungen soll bei REWE und PENNY in Deutschland bis Ende 2020 ausschließlich recyceltes oder zertifiziertes Papier verwendet werden.

Anteile nachhaltigerer Hygienepapierprodukte (REWE und PENNY Deutschland)

2016 2017 2018
Anteil FSC®-, PEFC™- oder Blauer Engel-zertifizierter Hygienepapierprodukte 100 % 100 % 100 %

Torffreie Erden

toom Baumarkt hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2025 keine torfhaltigen Erden mehr anzubieten. Dies betrifft Eigenmarken sowie Markenprodukte. Im Zuge der Umstellung wird der Torfanteil über das gesamte Sortiment kontinuierlich reduziert und durch nachwachsende Rohstoffe ersetzt. Darüber hinaus wird das Angebot an torffreien Erdenprodukten jedes Jahr erhöht. Im Jahr 2018 wurden insgesamt sieben torffreie Eigenmarkenprodukte angeboten: davon fünf toom Naturtalent Blumenerden und zwei Produkte der toom Qualitätsmarke. Auch die Vertriebslinien REWE und PENNY haben ihr saisonales Erdensortiment um torffreie und torfreduzierte Alternativen ergänzt.

Natursteine

toom Baumarkt möchte sicherstellen, dass beim Abbau und der Produktion von Natursteinprodukten soziale Standards und Umweltvorgaben eingehalten werden. Dafür arbeitet toom seit einigen Jahren mit den unabhängigen Experten von XertifiX zusammen, um die Lieferkette von Natursteinen bis in den Steinbruch lückenlos zu verfolgen und die Einhaltung von sozialen wie ökologischen Kriterien unabhängig zu kontrollieren. Dieser Standard wurde im Jahr 2018 überarbeitet – an diesem Prozess wirkte toom Baumarkt als Vertreter des Handels aktiv mit. Der überarbeitete Standard wurde im September 2018 veröffentlicht und gilt bis 2023. Seit 2016 sind die ersten zertifizierten Natursteinprodukte in den toom Baumärkten erhältlich, die das XertifiX PLUS- sowie das PRO PLANET-Label tragen. Dieses Sortiment an zertifizierten Produkten wird kontinuierlich ausgebaut, so tragen zum Beispiel alle in den toom Baumärkten erhältlichen Natursteinprodukte für den Garten aus China und Indien das XertifiX PLUS-Label.

Nordmanntannen

80 Prozent der Samen aller Nordmanntannen stammen aus der wirtschaftlich schwach entwickelten Region Racha in Georgien. Gemeinsam mit der dänischen Stiftung Fair Trees setzt sich toom Baumarkt für faire Arbeitsbedingungen und mehr Sicherheit bei der Zapfenernte in Georgien ein. Konkret absolvieren die Zapfenpflücker vor jeder Erntesaison ein fünftägiges Klettertraining unter deutschen Standards. Außerdem erhalten sie ein professionelles Kletter-Equipment mit doppelter Sicherung. Darüber hinaus werden faire Löhne gezahlt und eine Unfallversicherung während der Erntesaison wird garantiert.

Mit jeder verkauften Tanne unterstützt toom Baumarkt die Stiftung Fair Trees dabei, zahlreiche soziale Projekte in der Ernteregion in Georgien umzusetzen. So wurde bereits eine Zahnarztpraxis eingerichtet, in der Kinder eine kostenfreie Behandlung erhalten. Außerdem wurden Stipendien an Schüler aus der Region vergeben. Seit 2018 hat toom Baumarkt sein Nordmanntannensortiment vollständig auf Fair Trees-Bäume umgestellt. Für jeden verkauften Baum wird ein Baum aus fairer Ernte nachgepflanzt. Zusätzlich zum Logo von Fair Trees tragen die Bäume das PRO PLANET-Label mit dem Zusatz: „Soziale Bedingungen verbessert“.

Nachhaltigere Reisen: Futouris

Im Jahr 2015 ist die DER Touristik der Nachhaltigkeitsinitiative der deutschen Reisebranche Futouris beigetreten – mit dem Ziel, touristische Destinationen langfristig und durch Unterstützung von Projekten in den Bereichen Ökologie, Artenvielfalt und Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Kultur zu fördern. Im Berichtszeitraum war die DER Touristik im Rahmen der Initiative in vier Projekten aktiv: Im Branchenprojekt zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung in Hotels wurden gemeinsam mit Futouris, der Organisation „United Against Waste e.V.“ und anderen Mitgliedsunternehmen über ein Jahr lang ausgewählte Hotels in Griechenland, der Türkei und Italien untersucht, um praktische Maßnahmen gegen die Lebensmittelverschwendung zu entwickeln. Das Projekt KAZA hat sich zum Ziel gesetzt, einen Standard für nachhaltig bewirtschaftete Lodges in der afrikanischen KAZA-Region (Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area) zu schaffen. Und mit der Green Travel Transformation sollen nachhaltige Reiseangebote sichtbarer und einfacher buchbar werden (für mehr Informationen zu diesem Projekt siehe Abschnitt Nachhaltigen Konsum fördern). Im Rahmen ihres Patenprojekts „Menschenrechtliche Sorgfalt beim Reiseveranstalter“ entwickelte die DER Touristik in den Jahren 2017 und 2018 außerdem gemeinsam mit Futouris und Löning Human Rights & Responsible Business ein Destinationen-Risiko-Register sowie einen Leitfaden zur Analyse von menschenrechtlichen Auswirkungen der Geschäftstätigkeit in touristischen Großunternehmen. Die Ergebnisse des Projekts werden der Branche zur Verfügung gestellt.

Weitere Themen aus diesem Bereich:

Produktbezogene Risikoanalysen

GRI 102-11

Regionalität

GRI 204-1

Fokusrohstoffe – Food

GRI FP1

Bio

GRI FP2

PRO PLANET

GRI FP2

Verpackungen

GRI 301

Biodiversität

GRI 304

Ökologische Aspekte
in der Lieferkette

GRI 308

Soziale Aspekte
in der Lieferkette

GRI 412, 414

Kundengesundheit und Produktsicherheit

GRI 416

Nachhaltigen Konsum fördern

GRI 417

Tierwohl

FP10

Kinder- und Zwangsarbeit

GRI 408, 409

Haltungsbedingungen

FP10

Ernährung

FP10