REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2017

Grüne Produkte

Nachhaltigkeitssäule Grüne Produkte

Die Idee der Nachhaltigkeit ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Das spiegelt sich im Ernährungs- und Konsumverhalten wider genauso wie in der Wahl von touristischen Angeboten. Aktuelle Befragungen zeigen, dass etwa zwei Drittel der Bevölkerung zumindest gelegentlich Bio-Produkte kaufen (Quelle: BMEL: Ökobarometer 2017; Umweltbundesamt: Umweltbewusstsein in Deutschland 2016), während über ein Drittel der deutschen Bevölkerung nachhaltiger verreisen möchte (Quelle: BMUB: Reiseanalyse 2014). Immer mehr Menschen interessieren sich für die sozialen und ökologischen Auswirkungen ihres Handelns. Es ist ihnen wichtig, dass Produkte und Dienstleistungen unter guten Arbeitsbedingungen hergestellt und die natürlichen Lebensgrundlagen nicht geschädigt werden. Dabei gilt nach wie vor: Nachhaltigkeit ist nie das einzige Entscheidungskriterium, ebenso wichtig sind Qualität und der Preis. Gleichzeitig verbinden Konsumenten unterschiedliche Facetten mit dem Begriff Nachhaltigkeit. Für die einen geht es um den Schutz von Natur und Umwelt, während andere eher auf die sozialen Bedingungen oder Tierschutz Wert legen.

Die REWE Group will diesen Bedürfnissen Rechnung tragen und zugleich immer mehr Menschen für nachhaltigere Produkte und Dienstleistungen begeistern. Nachhaltigkeit begreift die REWE Group dabei als einen Teil der Geschäftsstrategie, der zum wirtschaftlichen Erfolg beiträgt und einen wichtigen Wachstumstreiber darstellt. Um sich für die Zukunft optimal aufzustellen und Nachhaltigkeit als festen Bestandteil in die Beschaffungsprozesse zu integrieren, wurde im Jahr 2017 die „Strategie Grüne Produkte 2030“ entwickelt, die ab 2018 für den Lebensmitteleinzelhandel Deutschland gilt. Der strategische Ansatz orientiert sich an den Kernelementen der OECD-Richtlinien für verantwortungsvolle landwirtschaftliche Lieferketten.

Strategischer Ansatz

Als international führendes Handels- und Touristikunternehmen weiß die REWE Group um ihre besondere Rolle als Mittler zwischen Herstellern, Dienstleistern und den Konsumenten. Die Herstellung der REWE Group Eigenmarkenprodukte hat Auswirkungen auf Mensch (sozial) sowie Tier und Natur (ökologisch). Die Kunden der REWE Group setzen voraus und sollen darauf vertrauen können, dass sich die REWE Group als Handelsunternehmen der Verantwortung in den Lieferketten ihrer Eigenmarken bewusst ist und sich den Auswirkungen annimmt. Mit der neu entwickelten Strategie Grüne Produkte 2030 möchte die REWE Group diese Erwartungen erfüllen und die Auswirkungen identifizieren, bewerten und effektive Gegenmaßnahmen ergreifen. Die Strategie bettet sich in die übergreifende Nachhaltigkeitsstrategie der REWE Group ein und fasst die strategische Ausrichtung und die operative Umsetzung von Nachhaltigkeit in der Säule Grüne Produkte zusammen. Die Mission der Nachhaltigkeitssäule Grüne Produkte „Wir handeln verantwortungsbewusst für Mensch, Tier und Natur“ bildet das „Dach“ der Strategie, an dem konkrete Maßnahmen ausgerichtet werden. Im ersten Schritt gilt die Strategie für die Vertriebslinien REWE und PENNY in Deutschland. Die Strategien der übrigen Vertriebslinien werden sukzessive mit der Strategie Grüne Produkte 2030 abgeglichen.

Die Strategie wird durch einen umfangreichen Managementansatz umgesetzt, welcher die Prinzipien und Instrumente zur Umsetzung der Maßnahmen definiert. Alle Ebenen des Managementansatzes orientieren sich inhaltlich an den drei definierten Handlungsfeldern:

Diese inhaltlichen Themen werden auf drei Ebenen bearbeitet, die den Managementansatz bilden:

  • Internes Management: Ziel ist es, nachhaltige Beschaffung weiter in die Einkaufsprozesse der REWE Group zu integrieren, sodass Nachhaltigkeitsaspekte bei jeder Einkaufsentscheidung berücksichtigt werden. Dabei legt das Unternehmen durch strategische und organisatorische Projekte die Basis für konkrete Aktivitäten. Die REWE Group trägt beispielsweise durch die Bereitstellung von Risikoanalysen und Briefings, die Integration von Nachhaltigkeitskriterien in die Zielvereinbarungen für Einkäufer sowie Schulungen zu Nachhaltigkeitsthemen zur internen Sensibilisierung bei. Interne Reportings ermöglichen eine kontinuierliche Weiterentwicklung innerhalb der einzelnen Nachhaltigkeitsthemen. Die externe Kommunikation schafft Transparenz gegenüber Stakeholdern.
  • Lieferkettenmanagement: Risiken in der Lieferkette werden den Handlungsfeldern Ressourcenschonung, Fairness und Tierwohl zugeordnet. Die Nachhaltigkeitsrisiken, die bezüglich dieser Handlungsfelder in der Lieferkette auftreten, geht die REWE Group gezielt durch systematisches Lieferkettenmanagement an, welches von enger Zusammenarbeit mit Lieferanten und dem Engagement auf Ebene der Produktionsstätten und der Rohstofferzeugung geprägt ist. Durch das Lieferkettenmanagement erhöht die REWE Group zunächst, wo noch nicht vorhanden, die Transparenz entlang der Lieferkette für die Eigenmarkenprodukte. So können Risiken identifiziert und dann besser vermieden bzw. direkt adressiert werden. Darüber hinaus wird die Integration von Nachhaltigkeit als Teil der Lieferantenbewertung gefördert und durch Sensibilisierung und Verpflichtungen der Vertragspartner werden konkrete Regeln geschaffen, um Nachhaltigkeit über die gesamte Lieferkette umzusetzen. Audits und Standards sollen Nachhaltigkeit in der Breite verbessern und individuelle Maßnahmen und Nachhaltigkeitsprojekte zur Lieferantenentwicklung zielen darauf ab, Auswirkungen entlang der Lieferkette gezielt zu reduzieren.
  • Stakeholder Management: Die Herausforderungen zur Bearbeitung von Nachhaltigkeitsrisiken in der Produktion der Eigenmarkenprodukte liegen oft in den globalen Handelsstrukturen und sind beeinflusst durch politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Ein wichtiger Ansatzpunkt zur Identifikation der relevanten Themen und zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie ist daher ein gutes Stakeholder Management. Dazu arbeitet das Unternehmen eng mit Stakeholdern zusammen, etwa über den PRO PLANET-Beirat oder im Rahmen von Dialogforen. Wichtige Elemente sind dabei die Teilnahme an externen Veranstaltungen, Multistakeholderforen, Brancheninitiativen, Partnerschaften, das Engagement für die Weiterentwicklung von Nachhaltigkeitsstandards sowie die Verfolgung von relevanten Entwicklungen auf politischer und regulativer Ebene.

Die Säule Grüne Produkte für den Lebensmitteleinzelhandel Deutschland steht seit 2016 unter der Leitung von Jan-Peer Brenneke (Geschäftsführung Eigenmarken Einkauf & Entwicklung national / international). Für die Umsetzung der Maßnahmen und die Erreichung der in der Strategie Grüne Produkte 2030 gesetzten Ziele ist der Bereich Nachhaltigkeit Ware gemeinsam mit dem Einkauf und dem Category Management verantwortlich.

Handlungsfelder

Grundlage der Strategieentwicklung war eine umfassende Analyse der Nachhaltigkeitsrisiken und Auswirkungen der REWE Group in den Lieferketten der Eigenmarkenprodukte. Weitere wichtige Bausteine der Strategieentwicklung waren die Befragung von Stakeholdern und Kunden sowie politische und wissenschaftliche Analysen und Zielsetzungen (z. B. der Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen). Mit Hilfe dieser Chancen- und Risikoanalyse wurden zunächst Umwelt- und Sozial- sowie Unternehmensdaten ausgewertet, um die sozialen und ökologischen Auswirkungen der Produkte zu bewerten und zu identifizieren, wo die größten Nachhaltigkeitsauswirkungen liegen. Darauf aufbauend konnten die externen Auswirkungen und Effekte auf Mensch und Natur, die im Zusammenhang mit den Eigenmarkenprodukten entstehen, in monetären Werten quantifiziert dargestellt werden. Die Analyse hat u. a. aufgezeigt, dass insbesondere die Rohstoffgewinnung und Verarbeitung der Produkte hohe Relevanz mit Blick auf Nachhaltigkeitskriterien haben. Die gesamtheitliche Betrachtung der Lieferkette ist daher ein wichtiges Element der Nachhaltigkeitsstrategie, die zunehmend integraler Bestandteil der Einkaufsprozesse wird und einen engen Austausch mit direkten und indirekten Lieferanten erfordert. Aus der Analyse haben sich 25 Aspekte ergeben, die die REWE Group für die Operationalisierung der Strategie in die Handlungsfelder „Fairness“, „Ressourcenschonung“ und „Tierwohl“ zusammengefasst hat. Innerhalb dieser drei Bereiche wurden wiederum folgende Fokusthemen abgeleitet und mit konkreten Maßnahmen hinterlegt:

  • Fairness: existenzsicherndes Einkommen sowie Zwangs- und Kinderarbeit
  • Ressourcenschonung: Kreislaufwirtschaft, Wasser sowie Biodiversität
  • Tierwohl: Haltungsbedingungen, Eingriffe am Tier sowie Zucht und Rasse

Innerhalb des fest definierten Strategie- und Budgetprozesses werden die identifizierten Aspekte und Fokusthemen je Handlungsfeld für jeden Warenbereich gemeinsam mit dem Einkauf und dem Category Management priorisiert und mit konkreten Maßnahmen hinterlegt. Hierbei werden auch klare Ziele und Verantwortlichkeiten abgestimmt.

Durch den jährlichen Strategie- und Budgetprozess ist ein regelmäßiger Review der erarbeiteten Strategie und Maßnahmen fest verankert. So stellt die REWE Group sicher, dass aktuelle Themen, die sich aus sich ändernden Rahmenbedingungen ergeben, aufgegriffen werden.

Ein weiteres Themenfeld im Bereich Grüne Produkte ist das Thema Ernährung. Die REWE Group setzt sich für eine vielfältige und gesunde Ernährung ein. Neben dem Engagement zur Aufklärung zu gesunder Ernährung und Bewegung wird das Thema auch bei der Sortimentsgestaltung adressiert. So werden ab 2018 die ersten rund 100 zuckerreduzierten Pilotprodukte bei REWE im Eigenmarkensortiment erhältlich sein. Bis 2020 will REWE überall, wo möglich, den Zuckeranteil reduzieren. Dabei werden keine alternativen Süßungsmittel als Ersatz genutzt. Der Zuckergehalt der Produkte wird Schritt für Schritt reduziert, damit sich die Kunden langsam an den neuen Geschmack gewöhnen.

  • Ernährung: Vielfältige und gesunde Ernährung

Key Performance Indikatoren (KPIs)

Für die zwei Handlungsfelder „Fairness“ und „Ressourcenschonung“ wurden im Rahmen der Strategieentwicklung neue KPIs für die Eigenmarken definiert und verabschiedet. Der Status der KPIs wird im nächsten Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht.

Handlungsfeld Fairness

Ziel: Stärkung von Menschenrechten und Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Lieferketten

KPI 1: Bis Ende 2030 sind 100 Prozent aller relevanten strategischen Produktionsstätten in Trainingsprogrammen (Capacity-Building) integriert

KPI 2: Bis Ende 2025 Einführung eines Beschwerdemechanismus-Systems in relevanten Lieferketten

Handlungsfeld Ressourcenschonung

Ziel: Schutz natürlicher Ressourcen und die Erhaltung von Biodiversität entlang der Lieferketten

KPI 1: Bis Ende 2030 sind 100 Prozent der relevanten Food- und Non-Food-Produzenten in einem Umweltprogramm integriert

KPI 2: Bis Ende 2030 100 Prozent umweltfreundlichere Eigenmarkenverpackungen

Sustainable Development Goals

Bei ihren Aktivitäten hat die Säule Grüne Produkte auch die globalen Ziele einer nachhaltigen Entwicklung im Blick. Dazu hat die REWE Group im Berichtszeitraum ihre Nachhaltigkeitsstrategie mit den Sustainable Development Goals (SDGs) abgeglichen und die für sie relevanten SDGs identifiziert und priorisiert (siehe Kapitel Strategie). Drei der höchstbewerteten SDGs fallen in den Verantwortungsbereich der Säule Grüne Produkte: SDG 12: Verantwortungsvoller Konsum, SDG 15: Leben an Land, SDG 14: Leben unter dem Wasser. Die SDGs waren zudem ein wichtiger Baustein bei der Entwicklung der Strategie Grüne Produkte 2030 (siehe Strategischer Ansatz).

Weitere Themen aus diesem Bereich:

GRI 102-11

Risiko­management

GRI 204

Nachhaltigere Sortimente

GRI 204-1

Regionalität

GRI 204-FP1

Rohstoffe

GRI 204-FP2

Bio und PRO PLANET

GRI 301

Materialien und Verpackungen

GRI 304

Biodiversität

GRI 308

Ökologische Standards in der Lieferkette

GRI 412, 414

Soziale Standards in der Lieferkette

GRI 416

Kundengesundheit und -sicherheit

GRI 417

Nachhaltigen Konsum fördern

FP10

Tierwohl