REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2017

Soziale Standards in der Lieferkette

GRI 414: Soziale LieferantenbewertungGRI 412: Prüfung auf Einhaltung der MenschenrechteManagementansatz

Die REWE Group bezieht eine Vielzahl von Produkten und Produktbestandteilen über Lieferketten, die sich über mehrere Länder erstrecken können. Das Ziel ist es, zusammen mit Geschäftspartnern und Lieferanten verbindliche Standards für die gemeinsamen Lieferketten zu implementieren sowie den Dialog zwischen allen Partnern zu fördern um Menschenrechte zu stärken und die Arbeits- und Sozialstandards in der Produktion weiter zu verbessern. Die Wertschöpfungsstufen des Rohstoffanbaus und der Verarbeitung stehen dabei besonders im Fokus.

Für alle Geschäftsbeziehungen greift die Leitlinie für Nachhaltiges Wirtschaften der REWE Group. Die Leitlinie orientiert sich an der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen, den Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und dem UN Global Compact. Sie umfasst unter anderem das Verbot von Zwangsarbeit und ausbeuterischer Kinderarbeit sowie den fairen Umgang mit Mitarbeitern. Im Falle vorsätzlicher grober Missachtung der in der Leitlinie beschriebenen Werte behält sich die REWE Group Sanktionen vor.

In der von PENNY und REWE Deutschland im Jahr 2017 entwickelten „Strategie Grüne Produkte 2030“ ist das Thema Soziale Standards in der Lieferkette unter dem Handlungsfeld „Fairness“ verankert. Fokusthemen des Handlungsfeldes sind „Existenzsichernde Einkommen“ sowie „Eliminierung von Zwangs- und Kinderarbeit“. Die enge Zusammenarbeit mit Lieferanten, auch auf Ebene der Produktionsstätten, erhöht die Transparenz sowie die Vermeidung von Risiken entlang der Lieferketten. Zudem unterstützt die individuelle Lieferantenentwicklung eine kontinuierliche Verbesserung in den Produktionsstätten mit dem Ziel, Menschenrechte zu stärken und Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Um die Fortschritte im Handlungsfeld Fairness messbar zu machen, wurden folgende Key Performance Indikatoren für die Eigenmarken definiert (für weitere Informationen siehe den übergeordneten Managementansatz Grüne Produkte):

KPI 1: Bis Ende 2030 100 Prozent aller relevanten strategischen Produktionsstätten in Trainingsprogrammen (Capacity-Building) integriert

KPI 2: Bis Ende 2025 Einführung eines Beschwerdemechanismus-Systems in relevanten Lieferketten

Im Rahmen des Prozesses zur Einhaltung der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht werden Maßnahmen auf Basis einer Analyse sozialer Risiken entwickelt und durch ein Monitoringsystem überwacht und evaluiert. So hat die REWE Group ihren Ansatz zur Erfassung von Risiken 2016 deutlich ausgeweitet und systematisiert (für weitere Informationen zur Risikoanalyse siehe Link). Die Erkenntnisse der Analyse fließen in die Weiterentwicklung der Maßnahmen zur Stärkung der Menschenrechte und Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Lieferketten ein. Je nachdem, welche Risiken ermittelt werden, können Maßnahmen unterschiedlich definiert sein, z. B. eine Einforderung von Standards und Zertifizierungen, die Zusammenarbeit mit Standardorganisationen, der Beitritt zu Brancheninitiativen sowie Projekte mit Lieferanten und Erzeugern vor Ort.

Mit den Anforderungen des Nationalen Aktionsplans für Wirtschaft und Menschenrechte beschäftigt sich die REWE Group bereits seit Erscheinen intensiv und hat in diesem Zusammenhang auch eine Strategie zur Weiterentwicklung und Umsetzung von Beschwerdemechanismen in ihren Lieferketten entwickelt.

Durch die REWE Group Einkaufsgesellschaften vor Ort können Anforderungen und Problemstellungen direkt mit den Lieferanten bzw. Produktionsstätten besprochen und Maßnahmen implementiert werden. So ist im asiatischen Raum das Sourcing- und Beschaffungsbüro REWE Far East (RFE) für einen Teil der Beschaffung von Food- und Non Food-Produkten zuständig und nimmt eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Lieferkette ein. Hierfür steht die Corporate Responsibility-Abteilung der RFE im direkten Kontakt zu den Lieferanten und betreut den Social Compliance-Prozess vor Ort.

GRI 414-2: Negative soziale Auswirkungen in der Lieferkette und ergriffene Maßnahmen

Um negativen sozialen Auswirkungen innerhalb der Lieferkette entgegenzuwirken hat die REWE Group im Wesentlichen drei unterschiedliche Ansätze entwickelt, innerhalb derer Maßnahmen umgesetzt werden:

1. Internes Management: Sensibilisierung, Aufklärung und Reporting

Regelmäßig werden Mitarbeiter der REWE Group zu relevanten Arbeits- und Sozialstandardthemen geschult, damit beispielsweise Sozialaudits bei der Auswahl der Lieferanten sowie im Einkaufsprozess entsprechend Berücksichtigung finden. Insbesondere die Einkäufer nehmen regelmäßig an weiteren Veranstaltungen zu diesem Themenkomplex teil, wie beispielsweise den jährlich stattfindenden Bereichsworkshops, in denen über die Themen Menschenrechte sowie Arbeits- und Sozialstandards und den aktuellen Stand des Social-Improvement-Programms informiert wird.

2. Lieferkettenmanagement: Lieferantenbewertung, Sensibilisierung und Verpflichtung, Audits und Standards, Maßnahmen zur Lieferantenentwicklung

Auf Lieferantenveranstaltungen und in individuellen Gesprächen mit Lieferanten sensibilisiert die REWE Group immer wieder für die Themen Menschenrechte und Arbeitsbedingungen.

Außerdem sind die Anforderungen zu den Themen sowohl in den Verträgen mit den Lieferanten als auch in der Leitlinie für Nachhaltiges Wirtschaften integriert, sodass die Einhaltung mit jeder Ausschreibung bzw. jedem Vertrag durch die Lieferanten bestätigt wird. Für Fokusrohstoffe, wie bspw. Kakao oder Palmöl, hat die REWE Group Leitlinien mit detaillierten Anforderungen und Zielen definiert (siehe hier).

Social-Improvement-Programm: Von Audits zur Weiterentwicklung

Die REWE Group hat ihre Aktivitäten der Lieferantenentwicklung im Sozialbereich 2017 konzeptionell neu strukturiert und ein Social-Improvement-Programm aufgesetzt. Dieses beinhaltet die Stufen: 1) Onboarding 2) Auditierung/Zertifizierung 3) Remediation/Verbesserungen und 4) Trainings.

Das Social-Improvement-Programm gilt für alle Produktionsstätten der ersten Lieferkettenstufe in den nach den amfori BSCI definierten Risikoländern.

Neue Lieferanten bzw. Produktionsstätten werden im Rahmen des Onboardings über die Anforderungen der REWE Group informiert und, falls noch kein Sozialaudit vorhanden ist, bei der Vorbereitung des ersten Audits von Experten vor Ort unterstützt. Im zweiten Schritt sind alle Lieferanten und Produktionsstätten in Risikoländern verpflichtet, ein gültiges Sozialaudit vorzuweisen. Anerkannte Sozialaudits sind unter anderem Audits nach dem Standard der amfori BSCI oder dem SA8000-Standard sowie seit 2017 auch SMETA-Audits der Supplier Ethical Data Exchange. Textilproduktionsstätten in Bangladesch müssen darüber hinaus eine Überprüfung auf Gebäudesicherheit und Brandschutz im Rahmen des „Bangladesh Accord on Fire and Building Safety“ vornehmen.

  20171
Anteil der Produktionsstätten in den Stufen des Social-Improvement- Programms  
Stufe Onboarding 2,96 %
Stufe Audit 97,04 %
Auditergebnisse
SA 8000 3,26 %
amfori BSCI A 5,03 %
amfori BSCI B 5,53 %
amfori BSCI C 68,11 %
amfori BSCI D 4,74 %
amfori BSCI E 0,10 %
SMETA 1,78 %
Invalid SMETA 0,30 %
Kein Audit / abgelaufenes Audit 8,19 %

1 Die Berechnung erfolgte auf Basis der Anzahl der Produktionsstätten und erfasst alle Produktionsstätten der REWE Group für Food- und Non-Food-Produkte der ersten Lieferkettenstufe in Risikoländern.

Durch die Einforderung von Audits konnten bereits erste Verbesserungen bei Menschenrechtsthemen und Arbeitsbedingungen beobachtet werden. Besuche vor Ort bei Produktionsstätten zeigen jedoch auch, dass zwar Auditanforderungen umgesetzt werden, jedoch Sinn und Zweck vieler Anforderungen nicht immer verstanden und daher Probleme nicht selbstständig erkannt und behoben werden. Aus diesem Grund hat die REWE Group das Thema Lieferantenentwicklung im Rahmen der Strategie Grüne Produkte 2030 noch stärker in den Fokus gerückt, um damit gezielt Verbesserungen in den Produktionsstätten voranzutreiben.

Im Jahr 2017 wurde verstärkt an der konzeptionellen Weiterentwicklung von Trainingsprogrammen gearbeitet und unter anderem analysiert, wo Verbesserungsbedarf bei Produktionsstätten besteht. Auf Basis dieser Analyse fordert die REWE Group ihre Lieferanten und Produktionsstätten auf, an amfori BSCI Trainings teilzunehmen, und hat zudem ein eigenes Trainingsprogramm für strategische Produktionsstätten entwickelt.

Im Rahmen des „Bangladesh Accord on Fire and Building Safety“ setzt die REWE Group bei ausgewählten Produktionsstätten technische Berater ein, die Lieferanten bei der Implementierung von Verbesserungen unterstützen. So konnte für die im Rahmen der Accord-Inspektionen 2017 identifizierten Mängel eine überdurchschnittliche Fortschrittsrate erreicht werden. Die aktiven Fabriken der REWE Group für Textilien in Bangladesch haben 94 Prozent aller Befunde aus den Inspektionen behoben. Auch zukünftig möchte die REWE Group die Sicherheit in den Produktionsstätten weiter vorantreiben und hat daher ein Folgeabkommen des Bangladesh Accord on Fire and Building Safety unterzeichnet.

Verbesserung der Sozialstandards in den Lieferketten der Fokusrohstoffe: Von Zertifizierungen zu Projekten

Von Lieferanten landwirtschaftlicher Primärprodukte im Obst- und Gemüse-Bereich verlangt die REWE Group seit 2013, dass sie sich im Rahmenvertrag zur Einhaltung der Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) im Rahmen der jeweils geltenden nationalen Gesetzgebung und zur Zahlung mindestens des geltenden gesetzlichen, tariflichen oder vertraglich vereinbarten Lohns verpflichten und dies belegen können. Die Lieferanten sind zudem in der Verantwortung, diese Anforderungen auch für ihre Zulieferer sicherzustellen. Alle Erzeuger von Obst- und Gemüse-Produkten müssen entsprechend die Einhaltung der oben benannten Anforderungen in Form von externen Audits (zum Beispiel GLOBALG.A.P. Risk Assessment on Social Practice (GRASP), SA8000, Sustainable Agriculture Network (SAN), amfori BSCI) belegen. Mit Stichprobenaudits wird die Einhaltung der Anforderungen überprüft.

Im Berichtszeitraum hat die REWE Group unter anderem folgende Projekte zur Verbesserung von Sozialstandards in den Lieferketten von Rohstoffen durchgeführt:

Kakao
Als Gründungsmitglied der Multi-Stakeholder-Initiative Forum Nachhaltiger Kakao unterstützt die REWE Group zusammen mit anderen Unternehmen das Projekt PRO-PLANTEURS, ein gemeinsames, über fünf Jahre (2015 bis 2020) angelegtes Kakao-Projekt in der Côte d’Ivoire. Ziel des Projekts ist es, 20.000 Kakao produzierende Bauern und deren Familien sowie ihre Produzentenorganisationen zu professionalisieren, um über Einkommenssteigerung und Ernährung die Lebenssituation der Familien zu verbessern. Bisher haben sich rund 12.410 Kakaobauern und ihre Familien am Projekt beteiligt. Das Projekt unterstützt insbesondere auch Frauen und junge Kakaobauern mit dem Ziel, den Kakaoanbau für diese wieder attraktiver zu machen. Zukünftig wird sich das Projekt verstärkt auf das Thema Coaching von Kooperativen und Bauern fokussieren, wobei die Themen Finanzierung und Gendergerechtigkeit im Fokus stehen. Insbesondere Frauen soll die Möglichkeit geboten werden, ihr Einkommen zu optimieren. Sie werden zudem bei Themen wie Diversifizierung im Anbau, Produktion, Verarbeitung und Vermarktung unterstützt. Hierfür wurden ganz konkret 40 weibliche Mitglieder der Kakao-Genossenschaft als Beraterinnen geschult, um gemeinsam mit den Feldarbeitern das Trainingsprogramm umzusetzen.

CmiA Baumwolle
Die REWE Group unterstützt Cotton made in Africa (CmiA), eine Initiative der Aid by Trade Foundation, bereits seit 2008. Die Initiative setzt sich dafür ein, durch Hilfe zur Selbsthilfe die Lebensbedingungen afrikanischer Kleinbauern zu verbessern. In landwirtschaftlichen Schulungen werden den afrikanischen Kleinbauern effiziente Anbaumethoden vermittelt, die die Erträge und die Qualität der Baumwolle steigern und gleichzeitig ihre Gesundheit schonen und die Umwelt entlasten. Dank dieser Maßnahmen verbessert sich das Einkommen der Bauern und ihrer Familien. Darüber hinaus werden sie mit verschiedenen Kooperationsprojekten, zum Beispiel im Bereich Bildung und Frauenförderung, unterstützt. In Deutschland streben REWE, PENNY und toom Baumarkt an, den Anteil von Textilien aus nachhaltigerer Baumwolle (wie CmiA und GOTS, recycelte Fasern) bis 2025 auf 100 Prozent zu steigern. Außerdem engagiert sich die REWE Group als Berater im Beirat von Cotton made in Africa.

3. Stakeholder Management: Brancheninitiativen und Partnerschaften, Weiterentwicklung von Nachhaltigkeitsstandards, Engagement auf politischer und regulativer Ebene

Um Rahmenbedingungen zu verbessern, bündelt die REWE Group in Brancheninitiativen und Partnerschaften ihre Kräfte mit anderen Unternehmen sowie weiteren Stakeholdern und erhöht damit ihren Einfluss. Zudem beteiligt sich die REWE Group aktiv an der Weiterentwicklung dieser Partnerschaften und vertritt dort ihre Interessen.

Im Jahr 2008 ist die REWE Group der amfori Business Social Compliance Initiative (amfori BSCI) beigetreten, einem Zusammenschluss von Unternehmen, deren Ziel es ist, die Arbeits- und Sozialstandards in Risikoländern zu verbessern. Um dieses Ziel zu erreichen, haben die amfori BSCI-Mitglieder den amfori BSCI-Verhaltenskodex entwickelt, der 2014 überarbeitet wurde. Zu den Anforderungen zählen unter anderem der Verzicht auf ausbeuterische Kinder- und Zwangsarbeit sowie das Recht auf Vereinigungsfreiheit und Kollektivverhandlungen.

Die REWE Group war 2017 in zwei Arbeitsgruppen der amfori BSCI vertreten und ist dem GRASP Technical Committee beigetreten. Des Weiteren ist die REWE Group in folgenden Initiativen aktiv, die sich ebenfalls mit den Themen Menschenrechte und Arbeitsbedingungen im jeweiligen Kontext befassen:

  • Gründungsmitglied beim Forum Nachhaltiges Palmöl, im Vorstand vertreten
  • Gründungsmitglied beim Forum Nachhaltiger Kakao
  • Mitglied bei der CSR FruitJuice Plattform
  • Mitglied beim World Banana Forum
  • Mitglied beim Bangladesh Accord on Fire and Building Safety
  • Mitglied beim Bündnis für nachhaltige Textilien
  • Mitglied im Board bei Cotton Made in Africa

Die REWE Group engagiert sich außerdem dafür, dass der Marine Stewardship Council (MSC) und der Global Organic Textile Standard (GOTS) Sozialstandards berücksichtigen, bspw. diejenigen der International Labour Organization (ILO). Dies ist aktuell nicht der Fall.

GRI 412-2: Schulungen für Angestellte zu Menschenrechtspolitik und -verfahren

Siehe GRI 414-2: Internes Management: Sensibilisierung, Aufklärung und Reporting.

Weitere Themen aus diesem Bereich:

GRI 102-11

Risiko­management

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