REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2017

Ökologische
Standards in der Lieferkette

GRI 308: Ökologische LieferantenbewertungManagementansatz

Die REWE Group bezieht eine Vielzahl von Produkten und Produktbestandteilen aus dem In- und Ausland. Um die ökologischen Auswirkungen entlang der Lieferketten zu verbessern, achtet die REWE Group bei der Auswahl ihrer Lieferanten und Geschäftspartner auf die Einhaltung von Umweltstandards und arbeitet zusammen mit Lieferanten und Geschäftspartnern daran, Lieferketten transparenter zu machen und die Herstellung ökologisch verträglicher zu gestalten. Mit der Leitlinie für Nachhaltiges Wirtschaften hat die REWE Group die Grundsätze ihrer Geschäftsbeziehungen formuliert. Im Bereich Ökologie gehören dazu:

  • der schonende Umgang mit Ressourcen wie Boden, Luft, Wasser und natürlichen Rohstoffen,
  • Schutz und Erhalt von natürlichen Ökosystemen und der biologischen Vielfalt (Biodiversität) sowie
  • die Vermeidung und Reduktion von Umweltrisiken.

Diese Grundwerte gelten sowohl für die eigenen Geschäftsprozesse als auch für Geschäftspartner und Lieferanten der REWE Group. Im Falle vorsätzlicher grober Missachtung der in der Leitlinie für Nachhaltiges Wirtschaften beschriebenen Werte behält sich die REWE Group Sanktionen vor. Um die wesentlichen ökologischen Auswirkungen zu identifizieren und geeignete Maßnahmen zur Verbesserung in den zum Teil sehr komplexen und globalen Lieferketten ihrer Produkte umzusetzen, hat die REWE Group einen strategischen Prozess etabliert, der die unterschiedlichen Ansätze der Säule Grüne Produkte bündelt.

Die Aktivitäten zu ökologischen Standards in der Lieferkette fallen in die im Jahr 2017 neu entwickelte „Strategie Grüne Produkte 2030“ für REWE und PENNY Deutschland unter das Handlungsfeld Ressourcenschonung. Inhaltlich wird das Handlungsfeld mit Hilfe des übergeordneten Managementansatzes umgesetzt, welcher die Prinzipien und Instrumente zur Umsetzung der Maßnahmen definiert. (Managementansatz)

Zielsetzung im Handlungsfeld Ressourcenschonung ist der Schutz natürlicher Ressourcen und der Erhalt der Biodiversität entlang der Lieferketten. Hierzu wurden die Fokusthemen Kreislaufwirtschaft, Biodiversität und Wasser definiert, an denen gezielt gearbeitet wird.

Um die Fortschritte im Handlungsfeld Ressourcenschonung messbar zu machen, wurden folgende Key Performance Indikatoren für die Eigenmarken definiert (für weitere Informationen siehe den übergeordneten Managementansatz Grüne Produkte):

KPI 1: Bis Ende 2030 sind 100 Prozent der relevanten Food- und Non-Food-Produzenten in einem Umweltprogramm integriert

KPI 2: Bis Ende 2030 100 Prozent umweltfreundlichere Eigenmarkenverpackungen (siehe GRI 301: Materialien).

Maßnahmen zur Erreichung des KPI 1

Im Jahr 2016 hat die REWE Group ihren Ansatz zur Erfassung von Risiken deutlich ausgeweitet. Aus den Ergebnissen der Risikoanalyse wurden für das Handlungsfeld Ressourcenschonung Maßnahmen für verschiedene Warengruppen abgeleitet. Zudem wird künftig ein Umweltprogramm für Lieferanten implementiert. Das sogenannte Green Production Program basiert auf einem Prozess, der die Umwelteffekte in Produktionsstätten identifiziert, um diese dann zu verbessern. Hierzu findet im Jahr 2018 ein Pilot mit ausgewählten Lieferanten von Metall- und Plastikprodukten statt, da die Umweltauswirkungen in diesen Warengruppen vergleichsweise hoch sind. Nach Abschluss des Pilotprojekts sollen weitere Produktionsstätten in das Programm integriert werden. Neben dem Green Production Program, das u. a. auf Instrumenten der Business Environmental Performance Initiative (BEPI) von amfori fußt, bestehen für andere Warenbereiche bereits etablierte Programme wie beispielsweise das Detox-Programm.

Standards

Bei der Umsetzung von Verbesserungen setzt die REWE Group auf international anerkannte Standards wie beispielsweise das GOTS-Siegel für nachhaltige Textilien oder die FSC®- und PEFC™-Zertifizierung für nachhaltige Forstwirtschaft. Das Ziel, den Anteil der aus nachhaltigerer Baumwolle hergestellten textilen Eigenmarkenprodukte von 56 Prozent im Jahr 2015 auf 70 Prozent bis Ende 2017 auszubauen, hat die REWE Group erfolgreich erfüllt (siehe auch (Lieferkette Baumwolle). Die REWE Group strebt nun an, den Anteil der Textilien aus nachhaltigerer Baumwolle bei REWE, PENNY und toom Baumarkt in Deutschland bis 2025 auf 100 Prozent zu erhöhen. Dabei setzt das Unternehmen auf CmiA (Cotton made in Africa), GOTS und Textilien aus recycelten Fasern. Außerdem engagiert sich die REWE Group durch die aktive Mitarbeit bei Plattformen wie dem Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP) und dem Forum Nachhaltiger Kakao, um Standards weiterzuentwickeln und branchenweite Verbesserungen von ökologischen Bedingungen herbeizuführen (siehe dazu auch GRI 204: Beschaffung).

GRI 308-2: Negative Umweltauswirkungen in der Lieferkette und ergriffene Maßnahmen

Pestizideinsatz bei konventionellem Obst und Gemüse

Die REWE Group hat sich das Ziel gesetzt, die Pestizidbelastung bei konventionellem Obst und Gemüse zu reduzieren. Dazu arbeitet die REWE Group mit Erzeugern, NGOs und der Wissenschaft daran, Lösungen zu finden, die Umwelt und Gesundheit möglichst wenig belasten und dabei die Produktion und Ertragssicherheit für die Landwirte sicherstellen. Die REWE Group hat eine Negativliste definiert, die Wirkstoffe aufführt, die von den Erzeugern in der Produktion nicht eingesetzt werden dürfen. Diese Liste wurde 2016 deutlich erweitert. Um den Fortschritt der Maßnahmen zur Pestizidreduktion regelmäßig zu überprüfen, lässt die REWE Group seit 2009 einen jährlichen Bericht zur Pestizidbelastung durch die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 erstellen. In diesem Bericht werden auf Grundlage einer definierten Methode drei Belastungsindizes erstellt. Die Ergebnisse zeigen eine Reduktion der Indizes im Vergleich zum Basisjahr 2009.

Detox-Programm für sichere Textilien

Um die ökologischen Auswirkungen in der Lieferkette von Textilien zu verbessern, hat sich die REWE Group im Jahr 2014 der Detox-Kampagne von Greenpeace angeschlossen und ein entsprechendes Programm für Produkte mit der REWE Group als Inverkehrbringer in den Warengruppen Kleidung, Schuhe und Heimtextilien aufgesetzt. Das Ziel ist eine sichere Textilproduktion ohne gefährliche Chemikalien bis zum Jahr 2020. Dazu arbeitet die REWE Group gemeinsam mit ihren Lieferanten daran, gefährliche Chemikalien systematisch aus der Textilproduktion zu eliminieren.

Chemikalien kommen vor allem in den sogenannten Nassprozessen der Textilproduktion wie dem Färben, Bleichen oder Waschen zum Einsatz. Wenn bei diesen Arbeitsschritten gefährliche Substanzen verwendet werden, kann dies zu einer Gesundheitsgefährdung der Arbeiter in den Fabriken führen. Gelangen die Chemikalien über das Abwasser der Fabriken in die Umwelt, können Gewässer und andere Ökosysteme dadurch Schaden nehmen.

Zur Umsetzung des Detox-Programms wurde im Jahr 2014 eine Roadmap verabschiedet, die den Weg bis 2020 aufzeigt. Der aktuelle Status der Roadmap wird in jährlichen Fortschrittsberichten dokumentiert (die Fortschrittsberichte können hier heruntergeladen werden: Fortschrittsbericht 2015, Fortschrittsbericht 2016, Fortschrittsbericht 2017). Der Ansatz der REWE Group umfasst dabei folgende Elemente:

1. Chemikalienmanagement

Das Chemikalienmanagement umfasst die kontinuierliche Weiterentwicklung von Anforderungen an Lieferanten und Produkte. Dafür hat die REWE Group folgende Instrumente entwickelt:

  • Die Manufacturing Restricted Substances List (MRSL) definiert die von der REWE Group als gefährlich eingestuften Chemikalien, die in der Produktion nicht eingesetzt werden dürfen. Darin sind außerdem Grenzwerte und Testmethoden sowie Zeitpläne für die Eliminierung der Chemikalien festgelegt. Die MRSL wird jährlich aktualisiert. Im Jahr 2016 wurde außerdem die Methode der Aktualisierung überarbeitet. Im Rahmen eines neu eingeführten Screening-Prozesses konnten unter anderem 38 neue Substanzen als gefährlich identifiziert und in die MRSL aufgenommen werden. Die neue MRSL 3.0 ist im Dezember 2017 veröffentlicht worden (weitere Informationen zum Screening-Prozess können hier nachgelesen werden, die aktuelle MRSL kann hier heruntergeladen werden).
  • Die REWE Group hat insgesamt fünf Pilotprojekte durchgeführt, in denen Lieferanten und die Nassprozessfabriken bei der Eliminierung von ausgewählten Chemikalien begleitet wurden. Das fünfte Projekt befindet sich noch in der Umsetzung. Die Ergebnisse stehen als Fallstudien anderen Lieferanten zur Verfügung.
  • Am 31.12.2016 ist im Rahmen von Detox ein Verbot der gefährlichen Chemikaliengruppen Poly- und Perfluorierte Chemikalien (PFCs), Alkylphenolethoxylate (APEOs) und Alkylphenole (APs) in Kraft getreten. Informationen über diese Chemikalien werden den Lieferanten in Form von Chemical Factsheets zur Verfügung gestellt. Außerdem hat die REWE Group Schulungen zur Substitution dieser Chemikalien durchgeführt. Seit dem 31.12.2017 gelten Verbote für vier weitere Chemikaliengruppen (Chlorophenole, Flammschutzmittel, Kurzkettige Chlorparaffine und die Einzelsubstanz Chrom VI). Auch zu den neuen Chemikaliengruppen stehen nun Chemical Factsheets zur Verfügung.
  • Durch Abwassertests wird der Ist-Stand in den Nassprozessfabriken erhoben und überprüft, ob Substitutionen vorgenommen wurden. Um Verbesserungen herbeizuführen, unterstützt die REWE Group die Fabriken beim Aufbau eines systematischen Chemikalienmanagements.

2. Lieferantenmanagement

Eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg des Detox-Programms ist die Zusammenarbeit entlang der Lieferkette. Das gilt insbesondere, weil gefährliche Chemikalien in der Regel nicht von den direkten Geschäftspartnern der REWE Group, sondern von deren Vorlieferanten eingesetzt werden. Ziel des Lieferantenmanagements ist es daher, enge Beziehungen zu strategischen Lieferanten aufzubauen und sie als Partner für das Detox-Programm zu gewinnen. Ein wichtiges Ziel hat die REWE Group bereits erreicht: 100 Prozent der Lieferanten in der Lieferkette haben sich zu dem Detox-Programm verpflichtet. Die REWE Group hat folgende Maßnahmen umgesetzt:

  • Im ersten Schritt hat die REWE Group eine Broschüre mit den wichtigsten Informationen aufgelegt, die in vier Sprachen übersetzt wurde.
  • In den Jahren 2015 und 2016 hat die REWE Group mehrere Treffen, Veranstaltungen und Workshops durchgeführt, darunter ein Lieferantenevent in Bangkok im August 2015.
  • Die REWE Group hat ein Handbuch für Lieferanten entwickelt. Dieses Supplier-Toolkit enthält die wichtigsten Informationen für eine Umsetzung des Detox-Programms.
  • Für die Nassprozessfabriken wurde ein Capacity-Building-Programm aufgelegt, mit dem die Fabriken in die Lage versetzt werden sollen, ihr Chemikalienmanagement grundlegend gemäß den Detox-Anforderungen umzustellen. Dafür sollen in China und Bangladesch lokale Beratungsstrukturen aufgebaut werden, die Fabriken praxisnah unterstützen. Dazu werden Experten in Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen ausgebildet und ein maßgeschneidertes Trainingsprogramm erstellt. Im Rahmen der Pilotphase wurden im Jahr 2017 zwei Kick-off-Veranstaltungen mit Lieferanten und Produzenten in Shanghai und Dhaka durchgeführt und die lokalen Trainer in zwei fünftägigen Workshops geschult. In dem gesamten Trainingsprogramm werden insgesamt 110 Produzenten geschult und beraten. Dabei arbeitet die REWE Group mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Rahmen des develoPPP.de-Programms des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und dem Unternehmen Tchibo zusammen.
  • Für eine effektive Umsetzung des Detox-Programms baut die REWE Group gemeinsam mit ihren strategischen Lieferanten einen Pool an Nassprozessfabriken auf, mit denen sie intensiv daran arbeitet, die Detox-Ziele zu erreichen.
  • Die Detox-Anforderungen wurden als verbindliche Vorgaben in die Lieferantenverträge aufgenommen. Lieferanten müssen das Detox-Commitment unterzeichnen, in dem sie sich verpflichten, gefährliche Chemikalien zu eliminieren und die Nassproduktionsstätten in der Lieferkette offenzulegen, die ebenfalls die Detox-Verpflichtung eingehen müssen. Die erfolgreiche Substitution und die Einhaltung der festgelegten Grenzwerte in den Produktionsstätten muss der Lieferant durch gültige Wassertestberichte belegen, die darüber hinaus auf die öffentlich zugängliche IPE-Plattform hochgeladen werden müssen. Diese Nachweise muss der Lieferant erbringen, bevor der Auftrag verschifft werden darf. Bei Verstößen gegen diese Anforderungen wird ein Aktionsplan zur Behebung der Ursachen entwickelt.

3. Stakeholderengagement

Ein gemeinsames Vorgehen beim Thema sichere Textilproduktion ist angesichts komplexer Lieferketten und der Vielzahl eingesetzter Chemikalien unabdingbar. Die REWE Group nimmt auf verschiedenen Ebenen aktiv am Austausch mit Stakeholdern teil:

  • Im Kontakt mit anderen Einzelhändlern und Textilunternehmen tauscht die REWE Group Erfahrungen und Best Practices aus.
  • Die REWE Group steht außerdem im Dialog mit wissenschaftlichen Einrichtungen. Sie nahm beispielsweise an einem Kolloquium der Universität Stuttgart zum Thema „Chemikalienmanagement und Umweltschutz in der textilen Kette“ teil.
  • Durch die Mitarbeit in der Arbeitsgruppe und Bündnisinitiative Chemikalien- und Umweltmanagement des Bündnisses für Nachhaltige Textilien arbeitet die REWE Group an der Weiterentwicklung von Standards und deren Implementierung in der Lieferkette.
  • In Kooperationen mit Testinstituten wird geprüft, ob Grenzwerte für Chemikalien dem Stand der Technik entsprechen.
  • Die REWE Group wertet die Daten der Abwassertests kontinuierlich aus, um den Gesamtfortschritt bei der Substitution gefährlicher Chemikalien zu erfassen, und stellt diese Analysen öffentlich als Discharge-Data-Reports zur Verfügung. Zukünftig wird die REWE Group keine separaten Discharge-Data-Reports mehr veröffentlichen, da die Auswertung der Abwassertestergebnisse in den Detox-Fortschrittsbericht integriert wird (siehe oben).
  • Um Stakeholder transparent zu informieren, veröffentlicht die REWE Group jährlich einen Detox-Fortschrittsbericht und stellt Informationen auf der REWE Group-Website zur Verfügung (die Fortschrittsberichte können hier direkt heruntergeladen werden: Fortschrittsbericht 2015, Fortschrittsbericht 2016, Fortschrittsbericht 2017).

4. Closed Loop

Im Rahmen der Detox-Verpflichtung arbeitet die REWE Group an Maßnahmen zur Förderung von geschlossenen Materialkreisläufen im Textilbereich (Closed Loop). Folgende Schritte wurden in den vergangenen Jahren unternommen:

  • Durchführung einer wissenschaftlichen Studie zum Thema Closed Loop in Kooperation mit der Hongkong University of Science and Technology.
  • Einführung eines Rücknahmesystems für Textilien. Bis Ende 2017 wurden 334 Container zur Sammlung von Altkleidern an 276 Standorten aufgestellt.
  • Angebot von Produkten mit recycelten Fasern.
  • Kundenkommunikation zu den Themen Umweltfreundliches Waschen und Upcycling von Textilien.

Weitere Themen aus diesem Bereich:

GRI 102-11

Risiko­management

GRI 204

Nachhaltigere Sortimente

GRI 204-1

Regionalität

GRI 204-FP1

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GRI 204-FP2

Bio und PRO PLANET

GRI 301

Materialien und Verpackungen

GRI 304

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GRI 412, 414

Soziale Standards in der Lieferkette

GRI 416

Kundengesundheit und -sicherheit

GRI 417

Nachhaltigen Konsum fördern

FP10

Tierwohl