REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2017

Nachhaltigere Sortimente

GRI 204: BeschaffungManagementansatz

Der Ausbau nachhaltigerer Sortimente ist eines der strategischen Hauptziele der REWE Group. Das Unternehmen setzt sich daher dafür ein, die angebotenen Produkte und Dienstleistungen in sozialer und ökologischer Hinsicht zu verbessern und Wertschöpfungsketten insgesamt positiv zu beeinflussen. So trägt die REWE Group zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der natürlichen Lebensgrundlagen bei.

Um dieses Ziel zu erreichen, arbeitet die REWE Group eng mit ihren Lieferanten zusammen und entwickelt die ökologischen und sozialen Anforderungen für ihre Sortimente beständig weiter. Schritt für Schritt wird Nachhaltigkeit so neben Frische, Qualität und dem Preis ein zunehmend wichtiges Entscheidungskriterium im Einkaufsprozess. Dabei muss der Ausbau nachhaltigerer Sortimente im Einklang mit der Nachfrage der Kunden stehen. Den Schwerpunkt der Aktivitäten legt die REWE Group auf ihre Eigenmarken, wo sie einen besonders großen Hebel in der Produktgestaltung hat. Für die systematische Umsetzung ihrer Ziele hat die REWE Group in Deutschland eine strategische Vorgehensweise etabliert, die die unterschiedlichen Ansätze der Säule Grüne Produkte bündelt (siehe dazu den Managementansatz Grüne Produkte).

Im Folgenden werden die relevanten Ansätze zur Gestaltung nachhaltigerer Sortimente vorgestellt:

  • Der Ausbau von Bio- und Regionalsortimenten
  • Das PRO PLANET-Label für Eigenmarkenprodukte
  • Die Definition von Leitlinien und nachhaltigere Beschaffung von Rohstoffen
  • Die Stärkung von nachhaltigeren Markenartikeln
  • Das Engagement in Brancheninitiativen

Weitere Informationen zur Zusammenarbeit mit Lieferanten sind in den Aspekten

zu finden.

Bio und Regional

Die REWE Group arbeitet beständig an der Erweiterung ihrer Bio-Sortimente in den Vertriebslinien. Mit der im Jahr 2014 verabschiedeten Leitlinie für ökologischen Landbau hat die REWE Group für ihre Bio-Eigenmarken umfassende Anforderungen an Lieferanten und Betriebe formuliert, die in vielen Fällen über Bio-Standards, wie etwa das EU-Bio-Siegel, hinausgehen. So finden bereits bei mehr als 180 Bio-Produkten der Vertriebslinie REWE die deutlich strengeren Kriterien des ökologischen Anbauverbands Naturland Anwendung (2016: 150 Bio-Produkte mit Naturland-Kennzeichen).

Neben Bio-Produkten spielen die lokalen und regionalen Lieferanten bei der REWE Group eine wichtige Rolle. Sie stehen in den Augen der Konsumenten für Frische, kurze Transportwege, vertrauenswürdige Produktion sowie die Unterstützung der heimischen Wirtschaft. Die REWE Group hat ihre regionalen Sortimente in den letzten Jahren stark ausgebaut. Grundlagen dafür sind langfristige Beziehungen mit Lieferanten und Direktvermarktern in der Region bei der Vertriebslinie REWE sowie die transparente und aufmerksamkeitsstarke Kommunikation der besonderen Qualität dieser Produkte an die Konsumenten, beispielsweise über die Regionalmarke REWE Regional.

Daten zur Entwicklung der Regionalsortimente werden unter GRI 204-1 und zu Bio-Produkten unter GRI FP2 berichtet.

PRO PLANET

PRO PLANET steht für das Ziel der REWE Group, konventionelle Produkte im Massenmarkt nachhaltiger zu gestalten und nachhaltigeren Konsum in der Breite zu fördern. Als Teil der Gesamtstrategie für Grüne Produkte hat das Unternehmen den PRO PLANET-Prozess entwickelt: Mit dem PRO PLANET-Label gibt die REWE Group ihren Kunden ein verständliches und transparentes Navigationssystem für nachhaltigere Produkte an die Hand. Dabei setzt sie sich mit konkreten PRO PLANET-Projekten für mehr Nachhaltigkeit in Produktion und Verarbeitung ein.

Der PRO PLANET-Prozess ist grundsätzlich für alle Produkte der REWE Group anwendbar. Für den Baumarktbereich wurde dazu eigens ein angepasster Prozess entwickelt, um aufwendig gefertigten Produkten wie etwa LED-Lampen Rechnung zu tragen, die sich oft durch komplexe Wertschöpfungsketten auszeichnen. Alle Produkte, die im Baumarkt unter dem Dach des PRO PLANET-Labels angeboten werden, müssen diesen oder den ursprünglichen PRO PLANET-Prozess durchlaufen.

Am Anfang eines jeden PRO PLANET-Projekts steht die sorgfältige Analyse des gesamten Lebenszyklus der ausgewählten Produktgruppe durch unabhängige Fachleute. Mit dieser Hot Spot-Analyse werden nachteilige soziale oder ökologische Auswirkungen (Hot Spots) identifiziert. Für wesentliche Hot Spots werden dann produkt- oder rohstoffbezogene Maßnahmenvorschläge erarbeitet, die nach erfolgreicher Machbarkeitsabschätzung im Rahmen von PRO PLANET-Projekten umgesetzt werden. Alternativ kann ein vorhandenes Label herangezogen werden, wenn der Hot Spot dadurch reduziert oder aufgelöst werden kann. Das Produkt wird dann mit beiden Labels ausgezeichnet. So sind beispielsweise auf Eigenmarken-Schokolade neben PRO PLANET das UTZ- oder Fairtrade-Label für nachhaltigen Kakao zu sehen, die auf Ressourcenschonung und Sozialkriterien einzahlt. Wenn bestehende Standards die relevanten Hot Spots nicht auflösen, sind für eine PRO PLANET-Kennzeichnung zusätzliche Maßnahmen notwendig.

Der gesamte Prozess wird von einem unabhängigen Stakeholdergremium begleitet: Der PRO PLANET-Beirat wurde 2009 einberufen und besteht aus fünf NGO-Experten, die ihr Fachwissen einbringen und die Freigabe zur Verwendung des PRO PLANET-Labels erteilen. Seine Mitglieder tagen bis zu sechsmal jährlich für jeweils zwei Tage. Darüber hinaus bindet die REWE Group während des Vergabeprozesses externe Partner mit der jeweils projektspezifisch benötigten Expertise ein.

Mitglieder des PRO PLANET-Beirats im Berichtszeitraum waren:

  • Bernward Geier (COLABORA)
  • Georg Abel (Die VERBRAUCHER INITIATIVE e.V.)
  • Friedel Hütz-Adams (SÜDWIND e.V.)
  • Kristian Klöckner (NABU Bundesverband e.V.; hat im Jahr 2017 Dr. Eick von Ruschkowski, NABU Bundesverband e.V., abgelöst)
  • Barbara Studeny (Global 2000)

Das Label ist als Navigationssystem für nachhaltigere Produkte konzipiert und gibt den Kunden Aufschluss darüber, welcher Hot Spot beim jeweiligen Produkt verbessert wurde. Über eine Kennziffer können weitere Informationen auf der Website www.proplanet-label.com abgerufen werden. Hier wird näher beschrieben, welchen Mehrwert die einzelnen PRO PLANET-Produkte bieten und welche Hot Spots reduziert oder aufgelöst wurden. Das Label wird für drei Jahre vergeben, danach muss das Projekt mit den entsprechenden Maßnahmen eine Revision zur erneuten Labelvergabe durchlaufen.

Zu den etablierten Kennzeichnungen, die im Rahmen von PRO PLANET angewendet werden, gehören unter anderem folgende Siegel: ASC, Cotton made in Africa, der Blaue Engel, Fairtrade, FSC®, MSC, PEFC, Rainforest Alliance, UTZ Certified, GOTS, VLOG und XertifiX PLUS.

Daten zur Entwicklung der PRO PLANET-Produkte werden unter GRI FP2 berichtet.

Leitlinien der REWE Group

Ein wichtiges Instrument, um die Lieferketten von kritischen Rohstoffen nachhaltiger zu gestalten, sind die Leitlinien der REWE Group. In Leitlinien stellt die REWE Group Standards für den Bezug von Rohstoffen wie etwa Kakao, Palmöl oder Fisch auf und definiert einen Zeitplan, bis wann die Umstellung auf nachhaltigere Rohstoffe erfolgt sein muss. Folgende Leitlinien hat die REWE Group bis Ende 2017 verabschiedet:

  • Leitlinie für Produkte aus ökologischem Landbau: Definiert Standards für Bio-Eigenmarken, die in vielen Punkten über die Anforderungen des EU-Biosiegels hinausgehen (Download).
  • Leitlinie für Soja als Futtermittel: Formuliert als wesentliche Anforderung die Gentechnikfreiheit von importiertem Sojaschrot und die Prüfung von Substitutionsmöglichkeiten durch heimische Eiweißquellen (Download).
  • Leitlinie für Fische, Krebs- und Weichtiere: Definiert Standards für Wildfisch und Fische aus Aquakultur, darunter anspruchsvolle Transparenzkriterien (Download).
  • Leitlinie für Natursteinerzeugnisse: Definiert einen Umsetzungsrahmen für die Verbesserung von Sozial- und Umweltstandards in der Produktion von Natursteinen (Download).
  • Leitlinie für Palmöl- und Palmkernölerzeugnisse: Legt einen anspruchsvollen Umsetzungsfahrplan für die Umstellung auf nachhaltiges Palmöl fest und definiert Anforderungen, die über etablierte Standards hinausgehen (Download).
  • Leitlinie für Kakaoerzeugnisse: Definiert Anforderungen für die Beschaffung von Kakao und legt einen Zeitplan für die Umstellung auf zertifizierte Quellen fest (Download).
  • Leitbild Nutztierhaltung der Zukunft: Formuliert Grundwerte und Ziele für die Umsetzung einer artgerechten Tierhaltung (Download).

Daten zum Status und Zielerreichungsgrad der Leitlinien werden unter GRI FP1 berichtet.

Der Ausbau der Leitlinien wird auch in den folgenden Jahren fortgesetzt. Unter anderem wurde im ersten Halbjahr 2018 die Leitlinie für Textilien veröffentlicht, in der Anforderungen an Lieferanten in der Lieferkette in Bezug auf Fairness, Ressourcenschonung und Tierwohl definiert und Ziele für die Umsetzung festgelegt sind. Zudem arbeitet die REWE Group an der Erstellung einer Leitlinie Biodiversität.

Brancheninitiativen

Für viele Nachhaltigkeitsherausforderungen in global verzweigten Wertschöpfungsketten braucht es Ansätze, die ganze Sektoren langfristig verändern. Aus diesem Grund engagiert sich die REWE Group in Brancheninitiativen und stößt diese zum Teil selbst mit an. Ziel dieser Multistakeholderansätze ist es, möglichst viele Akteure entlang der Wertschöpfungsketten einzubinden und gemeinsam Ansätze für dauerhaft positive Entwicklungen entlang der gesamten Lieferkette zu finden.

Forum Nachhaltiges Palmöl

Die REWE Group ist Initiativpartner des Forums Nachhaltiges Palmöl (FONAP), das im Jahr 2013 ins Leben gerufen wurde. Das FONAP wurde mit dem Ziel gegründet, die Nachfrage nach zertifiziertem Palmöl zu stärken und so langfristige Veränderungen im Palmölsektor zu bewirken. Die Mitglieder des FONAP haben sich verpflichtet, ausschließlich nachhaltig zertifiziertes Palmöl, Palmkernöl sowie deren Derivate und Fraktionen in ihren Produkten zu verwenden. Mit Vereinsgründung im November 2015 ist die REWE Group im Vorstand des FONAP vertreten und engagiert sich aktiv in einer Arbeitsgruppe zur Kommunikation der Forumsarbeit sowie in einer Arbeitsgruppe zur Erarbeitung und Umsetzung eines Projekts in den Erzeugerländern. Dabei handelt es sich um ein Kooperationsprojekt zwischen dem FONAP und der malaysischen NGO WildAsia, das in 2018 umgesetzt wird und das Partner in den Erzeugerländern dabei unterstützt, die Zusatzkriterien des FONAP umzusetzen.

Forum Nachhaltiger Kakao

Als Gründungsmitglied der Multi-Stakeholder-Initiative Forum Nachhaltiger Kakao unterstützt die REWE Group zusammen mit anderen Unternehmen das Projekt PRO-PLANTEURS, ein gemeinsames über fünf Jahre angelegtes Kakao-Projekt in der Côte d’Ivoire. Ziel des Projekts ist es, 20.000 Kakao produzierende Bauern und deren Familien sowie ihre Produzentenorganisationen zu professionalisieren, um über Einkommenssteigerung und Ernährung die Lebenssituation der Familien zu verbessern. Bisher haben sich rund 12.410 Kakaobauern und ihre Familien am Projekt beteiligt. Das Projekt unterstützt insbesondere Frauen und junge Kakaobauern mit dem Ziel, den Kakaoanbau für diese wieder attraktiver zu machen. Zukünftig wird sich das Projekt verstärkt auf das Thema Coaching von Kooperativen und Bauern fokussieren, wobei die Themen Finanzierung und Gender im Mittelpunkt stehen. Insbesondere Frauen soll die Möglichkeit geboten werden, ihr Einkommen zu optimieren. Die Frauen werden zudem bei Themen wie Diversifizierung im Anbau, Produktion, Verarbeitung und Vermarktung unterstützt. Hierfür wurden ganz konkret 40 weibliche Mitglieder der Genossenschaft als Beraterinnen in den sogenannten Comités de Femmes ausgebildet. Als Ansprechpartnerinnen und mit einer Vorbildfunktion werden sie ihr neu erworbenes Wissen und ihre Fähigkeiten nun in ihre Kooperativen einbringen.

Textilbündnis

Im Juni 2015 ist die REWE Group dem Bündnis für nachhaltige Textilien beigetreten. Die Multi-Stakeholder-Initiative wurde im Oktober 2014 gegründet und setzt sich für soziale, ökologische und ökonomische Verbesserungen entlang der Textillieferkette ein. Dazu wurde ein Aktionsplan verabschiedet, der einen Prozess zur Umsetzung der Bündnisziele festlegt. Die REWE Group engagiert sich in der Arbeitsgruppe Chemikalien- und Umweltmanagement, einer von drei Facharbeitsgruppen. Als Mitglied des Bündnisses hat die REWE Group eine ambitionierte Roadmap für das Jahr 2017 entwickelt, die auf die Bündnisziele einzahlt. Das weitere Vorgehen sieht vor, dass alle Bündnismitglieder 2017 an der Umsetzung ihrer individuellen Ziele arbeiten und im Jahr 2018 Fortschrittsberichte veröffentlichen.

Futouris

Die DER Touristik ist 2015 Futouris beigetreten, der Nachhaltigkeitsinitiative der deutschen Reisebranche mit dem Ziel, touristische Destinationen langfristig und durch Unterstützung von Projekten in den Bereichen Ökologie, Artenvielfalt und Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Kultur zu fördern. Im Berichtszeitraum war die DER Touristik in drei Projekten der Initiative aktiv: Im Branchenprojekt zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung in Hotels wurden gemeinsam mit Futouris, der Organisation „United Against Waste e.V.“ und anderen Mitgliedsunternehmen über ein Jahr lang ausgewählte Hotels in Griechenland, der Türkei und Italien untersucht, um praktische Maßnahmen gegen die Lebensmittelverschwendung zu entwickeln. Das Projekt KAZA hat zum Ziel, einen Standard für nachhaltig bewirtschaftete Lodges in der afrikanischen KAZA-Region (Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area) zu schaffen. Mit dem Projekt Green Travel Transformation sollen nachhaltige Reiseangebote sichtbarer und einfacher buchbar werden (für mehr Informationen zu diesem Projekt siehe GRI 417: Marketing und Kennzeichnung).

Fruit Juice Platform

Seit Juni 2016 engagiert sich die REWE Group als Mitglied der europäischen Fruit Juice Platform für soziale und ökologische Verbesserungen in den Lieferketten der Fruchtsaftindustrie. Außerdem arbeitet die REWE Group aktiv in einer Arbeitsgruppe zu Orangensaft aus Brasilien mit und ist seit 2017 Mitglied im Steering Committee.

Die REWE Group ist außerdem in weiteren Initiativen und Kampagnen aktiv:

Markenartikel

Neben ihren Eigenmarken legt die REWE Group auch Wert auf nachhaltigere Markenartikel. Dies spiegelt sich auch in den jährlich stattfindenden Nachhaltigkeitswochen der REWE Group wider. Dabei werden in festgelegten Aktionszeiträumen neben den Mitmachaktionen zur Unterstützung der örtlichen Tafeln nachhaltigere Produkte verstärkt beworben. Außerdem wird eine Auswahl dieser nachhaltigeren Markenprodukte jährlich im Rahmen eines Online-Verbrauchervotings zur Wahl gestellt. Die REWE Group vergibt gemeinsam mit der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e. V. den „Deutschen Nachhaltigkeitspreis“ in der Kategorie „Deutschlands nachhaltigste Produkte“. Bei der Nominierung arbeitet die REWE Group mit dem Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production (CSCP) in Wuppertal zusammen. Das Institut wertet die eingereichten Produkte wissenschaftlich aus und prüft dabei die produkt- und unternehmensbezogenen Nachhaltigkeitsleistungen. Anschließend werden die Produkte von der Jury des Deutschen Nachhaltigkeitspreises bestätigt. Über die Gewinner stimmen die Verbraucher ab. Für mehr Informationen zu den Nachhaltigkeitswochen siehe auch den GRI 417: Marketing und Kennzeichnung.

Weitere Themen aus diesem Bereich:

GRI 102-11

Risiko­management

GRI 204-1

Regionalität

GRI 204-FP1

Rohstoffe

GRI 204-FP2

Bio und PRO PLANET

GRI 301

Materialien und Verpackungen

GRI 304

Biodiversität

GRI 308

Ökologische Standards in der Lieferkette

GRI 412, 414

Soziale Standards in der Lieferkette

GRI 416

Kundengesundheit und -sicherheit

GRI 417

Nachhaltigen Konsum fördern

FP10

Tierwohl