REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2015/2016

Soziale Standards in der Lieferkette

GRI 414: Soziale LieferantenbewertungGRI 412: Menschenrechts-AssessmentManagementansatz (GRI 103-1, 103-2, 103-3)

Die REWE Group bezieht eine Vielzahl von Produkten und Produktbestandteilen über Lieferketten, die sich über mehrere Länder erstrecken können. Das Ziel ist es, gemeinsam mit Geschäftspartnern und Lieferanten verbindliche Standards für die gemeinsame Lieferkette zu implementieren und die Arbeits- und Sozialstandards in der Produktion weiter zu verbessern.

Für alle Geschäftsbeziehungen greift die Leitlinie für Nachhaltiges Wirtschaften der REWE Group. Die Leitlinie orientiert sich an der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen, den Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und dem UN Global Compact. Sie umfasst unter anderem das Verbot von Zwangsarbeit und ausbeuterischer Kinderarbeit sowie den fairen Umgang mit Mitarbeitern. Im Falle vorsätzlicher grober Missachtung der in der Leitlinie beschriebenen Werte behält sich die REWE Group Sanktionen vor.

Im Jahr 2008 ist die REWE Group der Business Social Compliance Initiative (BSCI) beigetreten, einem Zusammenschluss von Unternehmen, deren Ziel es ist, die Arbeits- und Sozialstandards in Risikoländern zu verbessern. Um dieses Ziel zu erreichen, haben die BSCI-Mitglieder den BSCI-Verhaltenskodex entwickelt, der 2014 überarbeitet wurde. Zu den Anforderungen zählen unter anderem der Verzicht auf ausbeuterische Kinder- und Zwangsarbeit sowie das Recht auf Vereinigungsfreiheit und Kollektivverhandlungen.

Das Thema soziale Verantwortung (Social Compliance) wird von der Fachabteilung Nachhaltigkeit Ware in enger Zusammenarbeit mit den für Einkauf und Sortimentsgestaltung zuständigen Fachabteilungen umgesetzt. Im Social-Compliance-Prozess werden Maßnahmen auf Basis einer Analyse sozialer Risiken entwickelt und durch ein Monitoringsystem überwacht und evaluiert. Die Erkenntnisse fließen dann in die Weiterentwicklung der Social-Compliance-Aktivitäten ein. So werden kontinuierlich weitere Warengruppen und Stufen der Lieferkette einbezogen. 2016 hat die REWE Group dafür ihren Ansatz zur Erfassung von Risiken deutlich ausgeweitet und systematisiert (für weitere Informationen zur Risikoanalyse siehe den übergeordneten Managementansatz Grüne Produkte).

Im asiatischen Raum ist das Sourcing- und Beschaffungsbüro REWE Far East (RFE) für die Beschaffung von Food- und Non Food-Produkten zuständig und nimmt daher eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Lieferkette ein. Hierfür steht die Corporate Responsibility-Abteilung der RFE im direkten Kontakt zu den Lieferanten und betreut den Social Compliance-Prozess vor Ort.

Bei der Umsetzung von Verbesserungen spielen auch Selbstauskünfte der Lieferanten eine wichtige Rolle. Im Jahr 2016 wurde die Pilotphase eines Self-Assessment-Tools für Lieferanten (Food/Non-Food) abgeschlossen. Der von der REWE Group entwickelte Fragebogen wurde mit Eigenmarkenlieferanten in verschiedenen Warengruppen getestet und durch Audits validiert. Die Erkenntnisse fließen in die Weiterentwicklung des Lieferantenmanagements ein.

GRI 414-2: Signifikante aktuelle und potenzielle negative Auswirkungen auf die Gesellschaft in der Lieferkette sowie ergriffene Maßnahmen

Für soziale Auswirkungen innerhalb der Lieferkette hat die REWE Group im Wesentlichen drei unterschiedliche Ansätze entwickelt, innerhalb derer Maßnahmen umgesetzt werden:

1. Steigerung des Anteils von Produktionsstätten aus Risikoländern mit Sozial-audits

Die REWE Group beschafft Food- und Non-Food-Waren über die konzerneigene Handelsgesellschaft REWE Far East (RFE) oder über andere Importeure. Insbesondere Non-Food-Artikel, wie zum Beispiel Haushaltswaren und Textilien, bezieht die REWE Group zu einem Großteil aus asiatischen Ländern. Viele dieser Länder werden von der BSCI als Risikoländer bezüglich der Einhaltung von Arbeits- und Sozialstandards bewertet (die vollständige Liste der BSCI-Risikoländer kann hier heruntergeladen werden).

Lieferanten und Produktionsstätten in Risikoländern sind verpflichtet, ein gültiges Sozialaudit vorzuweisen. Anerkannte Sozialaudits sind unter anderem Audits nach dem Standard der BSCI oder dem SA8000-Standard sowie ab 2017 auch SMETA-Audits der Supplier Ethical Data Exchange. Textilproduktionsstätten in Bangladesch müssen darüber hinaus eine Überprüfung auf Gebäudesicherheit und Brandschutz im Rahmen des „Bangladesh Accord on Fire and Building Safety“ vornehmen. Um Arbeits- und Sozialstandards kontinuierlich zu verbessern, dokumentiert die REWE Group die Auditergebnisse, hält Verbesserungen nach und fordert die Produktionsstätten und Lieferanten dazu auf, an BSCI-Schulungen und -Trainings teilzunehmen.

In den Vorjahren lag der Schwerpunkt der Social-Compliance-Aktivitäten für die REWE Group bei den Non-Food-Lieferanten, da hier – etwa im Textilbereich – ein Großteil der Lieferanten aus BSCI-Risikoländern stammt. Bis zum Jahr 2015 konnte mit 99,4 Prozent des Umsatzes der REWE Far East (RFE) mit Non-Food-Lieferanten ein nahezu vollständiger Abdeckungsgrad sozial auditierter Produktionsstätten erreicht werden. Dabei haben rund 95 Prozent der Auditergebnisse die Stufe C oder besser im BSCI-Rating erreicht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Lieferanten und Produktionsstätten an der Verbesserung von Sozialstandards arbeiten und dass sich die Begleitung und Unterstützung durch die REWE Group und insbesondere die RFE-Mitarbeiter auszahlt.

Im Jahr 2016 wurde der Ansatz auch auf die Food-Lieferanten von Eigenmarken in Risikoländern ausgeweitet. Ziel ist, dass alle Produktionsstätten der Non-Food- und Food-Eigenmarken-Lieferanten in Risikoländern in den Social-Compliance-Prozess der REWE Group einbezogen sind. Die Kategorie Food umfasst alle Lebensmittel mit Ausnahme von sogenannten ultrafrischen Waren wie Obst, Gemüse, Fleisch und Wurst. Mit der Ausweitung auf Food-Lieferanten wurde die Datenerfassung für Anteile auditierter Produktionsstätten angepasst. Die Berechnung erfolgt nun auf Basis der Produktionsstätten anstatt des Umsatzanteils und erfasst neben den Lieferanten der REWE Far East auch alle anderen Importeure in Risikoländern. Die neuen Daten wurden erstmals für das Jahr 2016 erhoben. Der Umsatzanteil auditierter Produktionsstätten im Bereich Non-Food wurde entsprechend letztmalig für das Jahr 2015 erhoben.

2014 2015 2016
Non-Food (Eigenmarken): Umsatzanteil auditierter Produktionsstätten
Umsatzanteil von Waren aus sozial auditierten1 Produktionsstätten im Non-Food-Bereich in Risikoländern über die REWE Far East 89 % 99,4 % --
Food und Non-Food (Eigenmarken): Anteil auditierter Produktionsstätten
Anteil sozial auditierter1 Produktionsstätten im Food- und Non-Food-Bereich in Risikoländern -- -- 86 %

1 BSCI, SA8000, ICTI, SMETA (ab 2017)

2. Sozialstandards in den Lieferketten von Rohstoffen verbessern

Die REWE Group analysiert Risiken der Verletzung von Sozial- und Arbeitsstandards in den Lieferketten kritischer Rohstoffe. Werden soziale Risiken identifiziert, definiert die REWE Group Anforderungen, beispielsweise über ihre Leitlinien oder im Rahmen des PRO PLANET-Prozesses, und setzt sie durch Audits und Zertifizierungen, in Brancheninitiativen oder in Projekten vor Ort um. Beispiele für Risikorohstoffe sind Kakao, Palmöl, Bananen, Ananas, Haselnüsse und Baumwolle (für mehr Informationen siehe GRI 204: Beschaffung).

Von Lieferanten landwirtschaftlicher Primärprodukte im Obst- und Gemüse-Bereich verlangt die REWE Group seit 2013, dass sie sich im Rahmenvertrag zur Einhaltung der Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) im Rahmen der jeweils geltenden nationalen Gesetzgebung und zur Zahlung mindestens des geltenden gesetzlichen, tariflichen oder vertraglich vereinbarten Lohns verpflichten und dies belegen können. Die Lieferanten sind zudem in der Verantwortung, diese Anforderungen auch für ihre Zulieferer sicherzustellen. Alle Erzeuger von Obst- und Gemüse-Produkten müssen entsprechend die Einhaltung der oben benannten Anforderungen in Form von externen Audits (zum Beispiel GLOBALG.A.P Risk Assessment on Social Practice (GRASP), SA8000, Sustainable Agriculture Network (SAN), BSCI) belegen. Mit Stichprobenaudits wird die Einhaltung der Anforderungen überprüft.

Von PRO PLANET-Lieferanten für Obst, Gemüse und Eier verlangt die REWE International AG seit Juni 2010, dass die sozialen Aspekte der Betriebe auf GRASP-Grundlage bewertet werden. Alle Produzenten (außer Familienbetriebe) werden nach GRASP auditiert.

Im Berichtszeitraum hat die REWE Group unter anderem folgende Projekte zur Verbesserung von Sozialstandards in den Lieferketten von Rohstoffen durchgeführt:

Kakao
Als Gründungsmitglied der Multi-Stakeholder-Initiative Forum Nachhaltiger Kakao unterstützt die REWE Group zusammen mit anderen Unternehmen das Projekt PRO-PLANTEURS, ein gemeinsames, über fünf Jahre angelegtes Kakao-Projekt in der Côte d’Ivoire. Ziel des Projekts ist es, 20.000 Kakao produzierende Bauern und deren Familien sowie ihre Produzentenorganisationen zu professionalisieren, um über Einkommenssteigerung und Ernährung die Lebenssituation der Familien zu verbessern. Das Projekt unterstützt insbesondere auch Frauen und junge Kakaobauern mit dem Ziel, den Kakaoanbau für diese wieder attraktiver zu machen.

Haselnüsse
Die größten Mengen der weltweit konsumierten Haselnüsse stammen aus der türkischen Anbauregion am Schwarzen Meer. Für die Erntesaison reisen jährlich tausende Wanderarbeiter als Erntehelfer in die Region. Schlechte Bedingungen bei der Unterbringung der Wanderarbeiter und Kinderarbeit zählen häufig zur Normalität auf den Haselnussplantagen. Zusammen mit der humanitären Hilfsorganisation Support to Life (STL) arbeitet die REWE Group daran, die Situation der Wanderarbeiter insgesamt zu verbessern. Um dies zu erreichen, nutzt die REWE Group auch eine für die Haselnussproduktion entwickelte UTZ-Zertifizierung. Der Standard stellt Mindestanforderungen an Gesundheit und Sicherheit der Wanderarbeiter, an ihre Rechte, Lebensbedingungen und Unterkünfte und fordert Schulungsprogramme. Zudem verbietet er den Einsatz von Kindern als Arbeitskräften. Als Hauptpartner hat die REWE Group gemeinsam mit anderen Unternehmen an der Entwicklung des UTZ-Haselnussstandards maßgeblich mitgewirkt. Produkte mit diesem Standard erhalten auch das PRO PLANET-Label.

3. Weiterentwicklung von Sozial- und Arbeitsstandards

Die REWE Group arbeitet aktiv an der Weiterentwicklung von Sozial- und Arbeitsstandards. Dabei setzt das Unternehmen auf die intensive Zusammenarbeit mit Standardorganisationen. Beispiele im Berichtszeitraum sind die Entwicklung des UTZ-Standards für Haselnüsse, Rainforest Alliance Plus oder die Entwicklung des Fairtrade-Programms für den Bezug von Einzelrohstoffen. Darüber hinaus engagiert sich die REWE Group für die Aufnahme von Kriterien der International Labour Organization (ILO) in den Standard des Marine Stewardship Council (MSC).

GRI 412: Gesamtzahl der Schulungsstunden von Mitarbeitern zu Menschenrechtspolitik und -verfahren der Organisation im Zusammenhang mit Menschenrechtsaspekten, die für die Geschäftstätigkeit maßgeblich sind, sowie Prozentsatz der geschulten Mitarbeiter

Regelmäßig werden Mitarbeiter der REWE Group, die im Einkauf im Bereich Food, Near Food und Non-Food in Deutschland und der REWE Far East tätig sind, zu relevanten Arbeits- und Sozialstandardthemen geschult, sodass die definierten Sozialstandards wie beispielsweise die Einforderung von Sozialaudits in der Auswahl der Lieferanten sowie im Einkaufsprozess Berücksichtigung finden. Zuletzt wurde Ende 2016 wieder der Food- und Near-Food-Einkauf zu den Social-Compliance-Anforderungen der REWE Group geschult.

Weitere Themen aus diesem Bereich:

GRI 204

Nachhaltigere Sortimente

GRI 204-1

Regionalität

GRI 204-FP1

Rohstoffe

GRI 204-FP2

Bio und PRO PLANET

GRI 304

Biodiversität

GRI 308

Ökologische Standards in der Lieferkette

GRI 416

Kundengesundheit und -sicherheit

GRI 417

Nachhaltigen Konsum fördern

FP10

Tierwohl