REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2015/2016

Biodiversität

GRI 304: BiodiversitätManagementansatz (GRI 103-1, 103-2, 103-3)

Als Handels- und Touristikunternehmen hat die Geschäftstätigkeit der REWE Group vielfältige Auswirkungen auf die biologische Vielfalt. Neben direkten Auswirkungen beispielsweise an den Standorten des Unternehmens oder beim Transport von Waren sind vor allem auch die vor- und nachgelagerten Stufen der Wertschöpfungskette von Bedeutung. Auswirkungen entstehen hier durch die nicht nachhaltige Nutzung von natürlichen Ökosystemen etwa bei der Gewinnung von Rohstoffen, in der Warenproduktion oder bei touristischen Angeboten.

In der Leitlinie für Nachhaltiges Wirtschaften bekennt sich die REWE Group daher zum Erhalt und Schutz natürlicher Ökosysteme und befürwortet die Ziele des UN-Übereinkommens zum Schutz der biologischen Vielfalt (Convention on Biological Diversity). Außerdem hat sich die REWE Group im Rahmen der Initiative Biodiversity in Good Company dazu verpflichtet, den Schutz und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt in das betriebliche Nachhaltigkeitsmanagement zu integrieren. Für die Etablierung eines ganzheitlichen Biodiversitätsmanagements im gesamten Unternehmen wurde im Berichtszeitraum eine Biodiversitätsleitlinie erarbeitet.

Bei der Gestaltung nachhaltigerer Sortimente ist der Erhalt der biologischen Vielfalt ein wichtiges Kriterium. Das gilt vor allem für die Eigenmarken, denn hier hat die REWE Group den größten Hebel für Verbesserungen. Biodiversitätskriterien können über Standardsysteme wie Bio, Forest Stewardship Council (FSC), UTZ, Rainforest Alliance und Marine Stewardship Council (MSC) berücksichtigt werden. Sie finden außerdem Anwendung innerhalb der Leitlinien, die von der REWE Group für Rohstoffe wie Palmöl, Fisch oder Kakao formuliert wurden. Auch bei produktbezogenen Hot Spot-Analysen im Rahmen des PRO PLANET-Ansatzes werden Auswirkungen auf die biologische Vielfalt untersucht. So können negative Auswirkungen identifiziert und Maßnahmen zur Reduktion oder Behebung ergriffen werden (für eine ausführliche Beschreibung dieser Instrumente siehe auch GRI 204: Beschaffung).

Um gemeinsam mit Partnern das Thema Biodiversität voranzubringen, setzt die REWE Group auf Kooperationen. Beispielsweise setzt das Unternehmen gemeinsam mit seinem strategischen Partner NABU Projekte um, die die biologische Vielfalt in der landwirtschaftlichen Nutzung fördern. Teil der Zusammenarbeit ist beispielsweise das PRO PLANET-Apfelprojekt mit dem Ziel, die biologische Vielfalt auf Apfelplantagen zu erhöhen.

GRI 304-2: Erhebliche Auswirkungen von Geschäftstätigkeiten, Produkten und Dienstleistungen auf Biodiversität in Schutzgebieten und Gebieten mit hohen Biodiversitätswert außerhalb von Schutzgebieten.

Die größten Einflussmöglichkeiten der REWE Group auf die Sicherung der biologischen Vielfalt liegen im Bereich der Eigenmarkenproduktion. Die folgenden Projekte zeigen die Schwerpunkte des Engagements im Berichtszeitraum. Fortschritte und Wirkungen werden auf Projektbasis evaluiert und im Rahmen der vorgestellten Projekte berichtet.

PRO PLANET-Apfelprojekt

Ziel dieses Projekts ist es, gemeinsam mit dem NABU durch eine gute Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Naturschutz die biologische Vielfalt auf Apfelplantagen zu erhöhen. Seit Projektstart ist die Zahl der teilnehmenden Apfel-Erzeuger auf weit über 250 gewachsen. Das Projekt läuft seit mehreren Jahren erfolgreich und wurde 2016 mit dem „Deutschen CSR-Preis“ in der Kategorie „Vorbildliche Kooperation eines Unternehmens mit NGOs/NPOs“ ausgezeichnet.

Die positiven Auswirkungen des Projekts sind vielfältig: Im Jahr 2016 wurden 475 (2015: 1.831) Bäume und Sträucher gepflanzt und 268 (2015: 179) alte Obstbäume konnten erhalten werden. Fast 30 Hektar (2015: 25 Hektar) Blühstreifen und verschiedenste Formen von Strukturanreicherungen wie Trockensteinmauern oder Kleingewässer wurden errichtet. Die Ergebnisse des im Jahr 2013 durchgeführten Wildbienen-Monitorings zeigen im Vergleich zu 2010 einen deutlichen Zuwachs um rund 50 Prozent von 56 auf 84 verschiedene Wildbienenarten, darunter auch acht (2010: 5) bedrohte Arten. Die zahlreichen Nisthilfen und Artenschutzmaßnahmen für Vögel, Fledermäuse und Insekten zeigen positive Wirkung, so wurde 2016 eine Rekordzahl von 16 Turmfalken-Brutpaaren im südlichen Rheinland gezählt.

Im Jahr 2015 wurde ein Monitoring der Maßnahmen von der Universität Bonn durchgeführt. Dabei wurden diese nach ihrer Eignung zur Förderung der Biodiversität über ein Punktesystem bewertet. Auf Basis der Bewertung wurden 2016 Pilotprojekte im Gemüse- und Kartoffelanbau geplant und durchgeführt. Ziel ist es, weitere Kulturen in Biodiversitätsprojekte einzubeziehen. Für das Jahr 2017 ist die Ausweitung dieses Projekts geplant.

Projekte in Bananen-Anbaugebieten

Seit 2008 engagiert sich die REWE Group für eine Verbesserung der ökologischen und sozialen Rahmenbedingungen im Bananenanbau in Zentralamerika. Gemeinsam mit dem Bananenproduzenten Chiquita und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) hat die REWE Group von 2009 bis 2013 das Tropenprojekt in Bananen-Anbaugebieten in Panama durchgeführt. Neben Naturschutzmaßnahmen war die Einbindung der lokalen Bevölkerung ein zentraler Bestandteil des Projekts. Durch Umweltbildung und die Verbesserung der wirtschaftlichen Perspektiven wurden die Menschen vor Ort in die Lage versetzt, die wertvollen Ökosysteme schonender zu nutzen und die Artenvielfalt langfristig zu erhalten. Insgesamt betrug das Projektvolumen 1,2 Millionen Euro.

Aufgrund der positiven Erfahrungen aus dem Projekt wurde das Tropenprojekt auf weitere Bananen-Anbaugebiete – unter anderem in Costa Rica – ausgeweitet. Dafür wurde über den REWE Group-Mittelamerikafonds – auch Bananenfonds genannt – von 2013 bis 2016 ein Projektvolumen von mehr als einer Million Euro zur Verfügung gestellt. Der Fonds richtet sich an lokale Organisationen, die sich mit ihren Projektideen im Rahmen von Ausschreibungen für eine Förderung bewerben können. Die GIZ ist für die Koordination der Projektanträge verantwortlich und kontrolliert auch die Umsetzung der Projekte vor Ort. Die Bewilligung der Fördergelder erfolgt durch einen Beirat aus Vertretern von Chiquita, Dole, Fyffes, Caritas und der REWE Group.

Ergänzt werden die Maßnahmen durch strenge Anforderungen an die Produktion. So müssen alle Erzeugerbetriebe für Bananen, die in den Vertriebslinien der REWE Group in Deutschland vertrieben werden, nach Rainforest Alliance oder Bio zertifiziert sein, um soziale Standards zu gewährleisten und negative Einflüsse auf die Umwelt auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Die Bananen der Eigenmarke „REWE Beste Wahl“ tragen zusätzlich das PRO PLANET-Label der REWE Group und erfüllen damit weitere Nachhaltigkeitskriterien, die über die Anforderung von Rainforest Alliance hinausgehen.

Naturschutzprogramm „Blühendes Österreich“

Im Projekt „Blühendes Österreich“ engagiert sich die REWE International AG seit 2014 gemeinsam mit der Naturschutzorganisation BirdLife Österreich für gefährdete ökologische Lebensräume. Die Initiative finanziert den Erhalt und die Pflege bedrohter Naturflächen und extensiver landwirtschaftlicher Flächen sowie Projekte für Natur- und Nachhaltigkeitsbildung und fördert so die heimische Artenvielfalt. Ziel ist es, bis 2020 insgesamt 1.000 Hektar an bedrohten ökologischen Flächen zu schützen. Im Jahr 2016 wurden 325 Hektar Land erhalten und rund 150.000 Euro Prämien an die teilnehmenden 113 Betriebe ausgezahlt.

Im Jahr 2015 hat die REWE International AG die Initiative in eine gemeinnützige Privatstiftung überführt. Als unabhängige Organisation mit eigenen Mitarbeitern und klar geregelter Finanzierung steht die Stiftung für langfristiges Engagement und Glaubwürdigkeit gegenüber den Kunden. Die Finanzierung der Stiftung und der Projektaktivitäten wurde an bestimmte Produkte gekoppelt. Für jedes verkaufte Produkt der Eigenmarken „Da komm ich her“ (erhältlich bei BILLA, MERKUR, ADEG und AGM), „immer grün“ (MERKUR), bigood (BIPA) und „Ich bin Österreich“ (PENNY) fließt ein Cent in die Stiftung. Die Kundinnen und Kunden der Handelsfirmen werden damit aktiv in die Unterstützung der Projekte integriert. Zudem wird eine bewusste Kaufentscheidung angeregt. Das Stiftungsbudget beträgt damit etwa eine Million Euro. Gegenwärtig evaluiert und bewertet die Stiftung Blühendes Österreich die Aktivitäten aus dem Zeitraum von 2014 bis 2016 gemeinsam mit BirdLife Österreich. Die Ergebnisse fließen in die Strategieplanung für 2017–2021 ein. Im Juni 2017 soll der Prozess abgeschlossen sein.

Torffreie Erden

Für den Abbau von Torf wurden und werden jahrtausendealte Moore trockengelegt. Dadurch verlieren Tiere und Pflanzen ihren Lebensraum und im Moor gespeicherter Kohlenstoff wird als klimaschädliches CO2 freigesetzt. Deshalb hat sich toom Baumarkt 2016 als erste Baumarktkette in Deutschland dazu entschieden, das gesamte Erdensortiment sowohl der Eigenmarken als auch der Markenprodukte bis spätestens 2025 auf torffreie Alternativen umzustellen. Bereits im Frühjahr 2016 wurde das Eigenmarken-Sortiment torffreier Erden auf insgesamt fünf Produkte erweitert. Die torffreie Erde ist mit dem PRO PLANET-Label und mit dem Bio-Grünstempel® zertifiziert. Neben der Ausweitung torffreier Produkte wird der Anteil von Torfersatzstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen über alle Erden hinweg sukzessive gesteigert. Mit dieser Umstellung leistet toom Baumarkt einen Beitrag gegen den Klimawandel und für die biologische Artenvielfalt. Auch die Vertriebslinien REWE und PENNY haben ihr saisonales Erden-Sortiment um torffreie und torfreduzierte Alternativen ergänzt.

Glyphosat

Glyphosat, das weltweit am meisten eingesetzte Pestizid in der Landwirtschaft, steht immer wieder in der Kritik. Unter anderem stellte eine viel beachtete Bewertung der Internationalen Behörde für die Krebsforschung (IARC) im Jahr 2015 fest, dass Glyphosat wahrscheinlich krebserregend sei. Darüber hinaus bestehen bei nicht ordnungsgemäßer Nutzung Gefahren für die Umwelt, insbesondere für Gewässer und deren Organismen.

Wegen dieses Risikos für Mensch und Umwelt hat sich toom Baumarkt 2015 als erster Baumarkt Deutschlands, trotz eines jährlichen Umsatzes von 2,1 Millionen Euro (2014) mit diesen Pestiziden, dafür entschieden, auf den Verkauf von glyphosathaltigen Produkten zu verzichten. Bereits Ende 2013 hatte toom Baumarkt rund 60 Prozent der glyphosathaltigen Produkte aus dem Verkauf genommen.

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