REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2017
  • Qualität ist keine Formsache

Zu klein, zu groß, zu knollig, zu krumm – aber vor allem: biologisch angebaut, lecker und beliebt. Mit eigenwillig aussehendem Obst und Gemüse, den Bio-Helden von Naturgut, beweist PENNY, dass Qualität, Frische und Geschmack nichts mit optischer Makellosigkeit zu tun haben.

Gut geformt und praktisch gerade sollte sie sein, die perfekte Gurke der Handelsklasse Extra. So gibt es die Norm FFV-15 der Vereinten Nationen vor. Zwar ist diese Norm freiwillig, aber im Handel sind strenge Anforderungen an Form und Beschaffenheit nach wie vor die Regel. Doch nicht alle Gurken sind makellos und perfekt gewachsen, stattdessen lieber von Natur aus stärker gekrümmt als die vorgeschriebenen 10 Millimeter auf 10 Zentimeter Länge. Normalerweise gelangt solch widerspenstiges Gemüse nicht in den Handel.

Dass es auch anders geht, beweist PENNY mit den Naturgut Bio-Helden. Seit 2016 gibt es eine deutlich höhere Vielfalt in den Gemüse- und Obstregalen, denn die Feldfrüchte mit den kleinen Macken sehen einfach nur ein bisschen anders aus. Sie stehen ihren wohlgewachsenen Geschwistern in Sachen Bio-Qualität, Haltbarkeit und Geschmack aber in nichts nach. Die Bio-Helden sind dabei ein normaler Bestandteil des Sortiments. So kommt es jetzt häufiger vor, dass neben vielen gerade gewachsenen Gurken ein eigenwillig aussehendes Exemplar liegt. Damit ist PENNY der erste Lebensmittelhändler in Deutschland, der dauerhaft natürlich gewachsenes Obst und Gemüse im Sortiment hat.

Die Kunden haben die neue Vielfalt übrigens schnell zu schätzen gelernt. Mit „Find ich eine gute Sache!“ oder „Ich finde die Form nicht wichtig, solange das Produkt frisch ist“ kommentierten Nutzer die Einführung auf Facebook. „Ich finde die Aktion sehr gut, bin gespannt, ob es auch gekauft wird“, schrieb ein anderer. Dass Skepsis unangebracht ist, bewiesen die PENNY-Kunden in den folgenden Monaten. Besonders beliebt sind Karotten, gefolgt von Tomaten, Kartoffeln, Gurken und Zitronen.

Und das Gute: Der ökologische Landbau wird gestärkt. Denn mit den Naturgut Bio-Helden unterstützt PENNY Erzeuger bei der Vermarktung ihrer Ernte. Bio-Landwirte können nun einen größeren Anteil ihrer aufwendig erzeugten Lebensmittel an den Discounter veräußern und sind damit wirtschaftlich sicherer aufgestellt.

„Über PENNY werden wir jährlich bis zu 20 Prozent mehr Äpfel vermarkten können. Im Jahr 2017 konnte das Konzept der Naturgut Bio-Helden seine volle Wirkung entfalten. Durch Frost während der Blütezeit war der Anteil an Obst mit optischen Mängeln in diesem Jahr deutlich höher als in den vorherigen Jahren. Trotzdem konnten wir einen Großteil der Bio-Äpfel über PENNY vermarkten – dies wäre ohne die Naturgut Bio-Helden nicht möglich gewesen.“


Stephan Jehle,
Obst von der Bodensee-Vertriebsgesellschaft

Freiheiten für Öko-Landwirte

Gerade im ökologischen Landbau kann der Verzicht auf chemisch-synthetischen Pflanzenschutz und leicht lösliche Düngemittel zu Schalenfehlern oder kleineren Früchten führen. Das beeinflusst weder Geschmack noch Haltbarkeit. Landwirten bleibt dann häufig keine andere Wahl, als die Feldfrüchte für einen geringeren Preis in die industrielle Weiterverarbeitung zu geben – etwa für die Produktion von Futtermitteln, die Erzeugung von Fruchtsäften oder die Energiegewinnung. „Im Bio-Zitrusanbau setzen wir auf einen vorbeugenden, natürlichen Pflanzenschutz, bei dem sich Nützlinge und Schädlinge im Gleichgewicht halten. Das bedeutet allerdings, dass durch Schädlinge verursachte Schalenfehler häufiger auftreten“, berichtet Ginés García Gómez, Präsident und Erzeuger von AL-ARBULI S.C.A., einer Partnerkooperative der Naturgut Bio-Helden. „Dank der Bio-Helden können wir etwa 15 Prozent mehr Zitrusfrüchte vermarkten, insbesondere Zitronen der Sommersorte Verna. Das hilft uns Bio-Bauern, ökonomisch rentabel arbeiten zu können, und bestärkt uns in der Umsetzung von Maßnahmen zur Förderung der Vielfalt in unseren Obstanlagen.“ 

„Wir sind mit der Entwicklung der Naturgut Bio-Helden sehr zufrieden. Ich finde es klasse, dass uns unsere Kunden so deutlich unterstützen. PENNY zeigt damit, dass wir nicht nur über die Nachhaltigkeit von Lebensmitteln sprechen, sondern tatsächlich aktiv werden. Meine Kollegen aus dem Einkauf sagen mir immer wieder, dass viele Erzeuger davon berichten, dass das Konzept der Bio-Helden auch dort gut ankommt. Wir sind also auf dem richtigen Weg, die Wertschätzung von und für Lebensmittel zu erhöhen.“


Stefan Magel,
COO PENNY

Sensibilisierung der Verbraucher

Die vielgestaltigen Feldfrüchte schaffen ein Bewusstsein dafür, dass Obst und Gemüse Naturprodukte sind, die unterschiedlich in Form und Farbe sein können. Denn Ökolandbau bedeutet, mit der Natur und nicht gegen sie zu arbeiten. Damit trägt die REWE Group zur Wertschätzung von Lebensmitteln und zu einem nachhaltigeren Konsum bei. Den Kunden wird durch das Konzept vermittelt, dass nicht immer alles perfekt aussehen muss. Wichtig dabei war übrigens auch eine gute Kommunikation. So informierte PENNY neben Medienvertretern und Bloggern auch die Kunden in den Filialen und zeigte von Anfang an: Qualität ist keine Formsache!

Jochen Baab, Bereichsvorstand Handel Deutschland und Patricia Brunn, Bereichsleiterin Ware Discount Obst, Gemüse & Blumen mit den Bio-Helden.

Naturgut Bio-Helden erfahren die gleiche Behandlung wie normales Bio-Obst und -Gemüse bei PENNY, sie werden nicht gesondert verpackt oder günstiger angeboten. Wie hoch der Anteil von Produkten mit Schönheitsfehlern ist, hängt von Saison und Witterung ab und ist nicht vorgeschrieben. Vielleicht ist also auch keine unförmige Kartoffel im Netz. Das Ziel von PENNY ist es, dass Kunden darauf gar nicht mehr achten.

Letztlich zählen jedoch einfach Frische und Geschmack. Und damit überzeugen die Bio-Helden ihre Stammkunden: „Klar, da muss man manchmal etwas mehr abschnippeln oder um die Ecke schälen. Aber da steckt einfach viel mehr Individualität und Liebe drin.“

Junior-Helden: Auf dem Weg zum Bio-Zertifikat

Seit April 2018 gibt es in den PENNY-Märkten die ersten Naturgut Junior-Helden. Dabei handelt es sich um Obst und Gemüse von Betrieben, die bereits nach Bio-Standards produzieren, aber noch nicht die bis zu dreijährige Umstellungsphase abgeschlossen haben. Denn erst wenn ein Landwirt bis zu drei Jahre nach den Bio-Standards gearbeitet hat, darf er sein Obst und Gemüse auch als Bio vermarkten.

Den angehenden Bio-Landwirten, die insbesondere während der Umstellung ihrer Produktion hohe Investitionen einbringen müssen, bietet PENNY damit die Möglichkeit, Obst und Gemüse frühzeitig als Junior-Helden zu vermarkten und ihre Kosten besser decken zu können. Zum Start der Junior-Helden bringt PENNY saisonbedingt Äpfel und Zitronen in die Märkte.

Ulrich Beckmann vom Altländer Obsthof hat sich entschieden, dem Naturgut Junior-Helden-Programm beizutreten, und erklärt den Hintergrund: „Bio-Anbau bedeutet teilweise Handarbeit. Auch im Hinblick auf Schädlinge haben wir wesentlich weniger Möglichkeiten. Da scheut so mancher vor seiner persönlichen Agrarwende zurück. Zumal, wenn er in der Umstellungsphase mehrere Jahre einhundert Prozent Bio produziert, die Ware aber nicht als Bio vermarkten darf. Da setzen die Junior-Helden an der richtigen Stelle an. Ein höherer Einkaufspreis hilft finanziell, zeigt aber auch die Wertschätzung für die Produkte.“

Ranking der beliebtesten Bio-Helden*

* Gemessen am Umsatz seit Einführung, Stand Februar 2018.

1.Platz: Karotte

Leichte Krümmung, Zwillingswachstum

2.Platz: Tomate

Kleiner vernarbter Riss, Größenunterschiede

3.Platz: Kartoffel

Unregelmäßige Form, manchmal kleiner, manchmal größer

4.Platz: Gurke

Fällt manchmal kleiner aus

5.Platz: Zitrone

Grünliche Farbe, Schale nicht ganz perfekt

Was PENNY außerdem noch gegen Lebensmittelverschwendung unternimmt

  1. Märkte werden bedarfsgerecht beliefert und die Mitarbeiter werden zum fachgerechten Umgang mit Lebensmitteln geschult, so fällt weniger Überschuss an. GRI-Bericht – Abfall
  2. Was nicht verkauft wird, wird zu großen Teilen an die Tafeln abgegeben. Partnerschaft mit den Tafeln
  3. Mit einer Aufklärungskampagne wurden Kunden zum Mindesthaltbarkeitsdatum informiert und die Broschüre „Spar doch grün“ gibt Tipps und Tricks zum cleveren Haushalten. GRI-Bericht – Nachhaltigen Konsum fördern

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