REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2017
  • Pionierarbeit im Stall

Im Rahmen verschiedener Projekte engagieren sich REWE und PENNY für eine bessere Haltung von Legehennen und die Aufzucht der männlichen Küken. Damit setzt die REWE Group Maßstäbe für die gesamte Branche.

Wir essen sie in unterschiedlichen Varianten, als klassisches Frühstücksei, Spiegelei, Omelett oder auch in selbst gebackener Schokoladentorte. Die Rede ist von frischen Eiern. Jährlich verzehrt jeder Deutsche im Durchschnitt etwa 230 Eier – frische und natürlich auch als Zutat in fertigen Nahrungsmitteln wie Nudeln, Kuchen oder vielen anderen Produkten.

Doch wo kommen die frischen Eier her? Und wie werden sie produziert? Glücklicherweise sind seit 2010 konventionelle Legebatterien, wo Tausende Hühner in großen Hallen in Drahtkäfigen zusammengepfercht wurden, in Deutschland verboten. Seither erfolgt die Haltung der Legehennen in Kleingruppen-, Boden- oder Freilandhaltung sowie in ökologischer Erzeugung. Denn Hühner brauchen Platz. Sie möchten picken, scharren, gurren, gackern, flattern und so ihre angeborenen Verhaltensweisen ausleben. Eine Haltung nach den Bedürfnissen der Tiere eben – und diese fängt bereits bei der Aufzucht als Küken an. Noch werden in Deutschland pro Jahr rund 45 Millionen männliche Küken unmittelbar nach der Geburt getötet, weil sie keine Eier legen und nur wenig Fleisch ansetzen. Auch die Legehennen in konventioneller Boden- und Freilandhaltung haben oft einiges zu erdulden. So war es lange gängig, den Hühnern in den ersten Lebenstagen die Schnäbel zu kürzen, um ein gegenseitiges Verletzen zu verhindern.

Ein Pilotprojekt macht den Anfang

Zufrieden scharrende Hühner, eine Aufzucht von männlichen und weiblichen Küken und gentechnikfreies Futter: Bereits seit Jahren arbeitet die REWE Group an der Verbesserung der Geflügelhaltung und bringt diese mithilfe von Pilotprojekten in die Praxis – Pionierarbeit, die oft einen langen Atem erfordert. So wird bei der REWE Group bereits seit 2013 komplett auf gentechnisch verändertes Soja als Geflügelfutter verzichtet. Ein weiteres wichtiges Projekt startete im September 2014, in einem PRO PLANET-Pilotstall in Niedersachsen (mehr zum Thema PRO PLANET im GRI-Bericht). Damals wollte die REWE Group umsetzen, was absolut unüblich bei konventionell gehaltenen Legehennen war: eine Haltung ohne gekürzte Schnäbel. Denn das Kürzen ist ein schmerzhafter Eingriff, um zu verhindern, dass sich die Hennen gegenseitig verletzen oder gar töten. Bleiben die Schnäbel intakt, müssen stattdessen die Haltungsbedingungen, das Futter und das Management geändert werden. Wie genau die Bedingungen im Hühnerstall angepasst werden müssen, das sollte in dem wissenschaftlich durch die Hochschule Osnabrück begleiteten PRO PLANET-Projekt ausprobiert werden. Dazu wurden auf einem niedersächsischen Hühnerhof 46.000 Legehennen mit intaktem Schnabel eingestallt. Die ersten Eier wurden bereits zwei Monate später in einem regionalen Testlauf vermarktet. Auch alle anderen PRO PLANET-Eierlieferanten mussten nach Vorgabe der REWE Group mindestens eine Herde mit Tieren halten, deren Schnäbel nicht gekappt werden. So kamen viele Erfahrungen zusammen, die zeigten: Hühnerhaltung mit spitzem Schnabel ist möglich – wenn konsequent bedarfsorientiert gehalten wird.

Mit „Spitz & Bube“ gegen das Kükentöten

Für die REWE Group war es damit Zeit für den nächsten Schritt. Nicht nur das Schnäbelkürzen sollte aufhören, auch das Töten der männlichen Küken. Zu dieser Zeit stieß auch Jennifer Lichter zur REWE Group. Ihre erste Aufgabe: Futtermittel auf Gentechnikfreiheit zu prüfen. Als nach ein paar Monaten dann das Angebot kam, bei der REWE Group ihre Masterarbeit zum Verzicht auf das Kükentöten zu schreiben, zögerte sie zunächst: „Eine wissenschaftliche Arbeit über das Töten von Küken – willst Du das?“ Ihre Zweifel verflogen schnell, denn im Grunde ging es um das Lebenlassen. Ein zusätzlicher Ansporn war, dass sie ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Praxis erproben konnte – in dem Pilotprojekt „Spitz & Bube“ Freilandhaltung. Wie der Name andeutet, werden die Schnäbel der Hühner nicht gekürzt (Spitz). Die Tiere wachsen in Freilandhaltung auf, bekommen Beschäftigungsmaterial wie Strohballen oder Picksteine und gentechnikfreies Futter. Zudem werden die männlichen Küken (Bube) bis zur Schlachtreife aufgezogen – erstmals in der konventionellen Eierproduktion (wie die REWE Group das Wohl der frisch geschlüpften Küken verbessert, erfahren Sie hier im Magazin).

„Ich wünsche mir persönlich, dass der Kunde wahrnimmt, was wir tun, und dass es sich für die Landwirte lohnt, in mehr Tierwohl zu investieren.“


Jennifer Lichter,
Funktionsbereichsleitung Nachhaltigkeit Ware Food REWE Group

Pilotprojekt setzt neue Maßstäbe beim Tierwohl

Im April 2016 startete REWE mit der Exklusivmarke „Spitz & Bube“ Freilandhaltung in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. PENNY zog nach und brachte im Februar 2017 die ersten Frischeier der Marke HERZBUBE in die Märkte. Danach ging es sehr schnell bei der REWE Group: Bereits seit August 2017 werden die „Spitz & Bube“ Freilandeier national in allen REWE-Märkten vertrieben und stark von Eierliebhabern nachgefragt.
Der Erfolg gibt uns recht: Als konsequenten Schritt weitet die REWE Group das Tierwohlprojekt „Spitz & Bube“ auf weitere Haltungsformen aus – nämlich auf Bodenhaltung und Bio. So erhalten die Legehennen in Boden- und Biohaltung Beschäftigungsmaterial und auch die männlichen Küken werden bis zur Schlachtreife aufgezogen. Bereits im Herbst 2017 startete REWE mit „Spitz & Bube“ in Bio-Qualität in rund 200 Märkten in Bayern. Etwas später folgten in Thüringen und Sachsen die ersten Bodenhaltungseier.
Aus einem regionalen Pilotprojekt mit nicht mehr als 20.000 Legehennen ist nunmehr eine nationale Entwicklung geworden – eine Erfolgsgeschichte für mehr Tierwohl. Damit ist REWE in der Größenordnung der Umsetzung erneut Vorreiter im Lebensmitteleinzelhandel und setzt weitreichende Standards in der Legehennenhaltung. So zahlt sich Pionierarbeit aus.

Die Rasse macht’s: ruhigeres Gemüt und für die Mast geeignet

Für „Spitz & Bube“ und „HERZBUBE“ kommen unterschiedliche Hühnerrassen zum Einsatz. Bevorzugt werden Rassen, die sich einerseits durch ein ruhigeres Wesen auszeichnen. So geraten die Hühner nicht so schnell in Stress und attackieren dadurch viel seltener ihre Mitbewohnerinnen. Andererseits liegt bei den männlichen Tieren das Augenmerk auf der Mast. Dies stellt eine Herausforderung dar, denn im Gegensatz zu einem klassischen Masthähnchen setzen die Tiere aus der Legehennen-Genetik viel weniger Fleisch an. Die männlichen Tiere werden daher doppelt so lange aufgezogen wie ein konventionelles Masthähnchen. Abhängig von der Haltungsform – ob Bio-, Freiland- oder Bodenhaltung – werden unterschiedliche Rassen gewählt. Beispielsweise bei „Spitz & Bube“ Freilandhaltung Hühner der Rasse „Sandy“.

„Nach dem großen Erfolg unserer Spitz &Bube Freilandeier bei REWE und unserer HERZBUBE Freilandeier bei PENNY haben wir das Konzept bei REWE auf Bodenhaltung und Bio übertragen. Es ist wirtschaftlich möglich, die Haltung von Legehennen zu verbessern und die männlichen Küken bis zur Schlachtreife aufzuziehen. Damit ist die REWE Group in der Größenordnung der Umsetzung erneut Vorreiter im Lebensmitteleinzelhandel und setzt weitreichende Standards in der Legehennenhaltung.“


Dirk Heim,
Bereichsleiter Nachhaltigkeit Ware REWE Group

Die Kunden entscheiden mit

Schmerzhaft gekürzte Schnäbel bei Legehennen, Töten der männlichen Küken – wer weiß das schon beim Eierkaufen? Vielen Verbrauchern sind die Methoden in der Geflügelhaltung nicht bewusst. Dennoch herrscht Einigkeit, dass sich die Deutschen verbesserte Bedingungen bei der lebensmittelbedingten Tierhaltung wünschen und dafür auch mehr Geld ausgeben würden.

90%

Knapp 90 Prozent der Deutschen wünschen sich eine bessere Tierhaltung. 88 Prozent würden mehr Geld für Lebensmittel ausgeben, wenn diese aus Haltungen mit höheren Tierwohlstandards stammen (BMEL 2017).

Deshalb hat die REWE Group die Einführung der Exklusivmarken „Spitz & Bube“ und HERZBUBE mit viel Kommunikation begleitet. Aufsteller, Flyer und Deckenhänger sorgten für Aufmerksamkeit bei den Kunden. Zudem sind die wichtigsten Mehrwerte der Eier direkt auf der Verpackung nachzulesen. Es lässt sich sagen: „Spitz & Bube“ und HERZBUBE wurden gut angenommen, trotz des etwas höheren Preises. Es scheint, die Frühstückseier, Omeletts, Spiegeleier oder die Torte am Sonntag schmecken gleich noch einmal so gut.

Was REWE und PENNY außerdem für das Tierwohl tun:

Artgerechtere Haltung

Bei Eigenmarken, für deren Herstellung Schweinefleisch verwendet wird: Verzicht auf unbetäubte Ferkelkastration

Verbesserung der Aufzucht von Schweinen ohne Kürzen des Ringelschwanzes: stressfreie Haltung und damit Reduzierung von Schwanzbeißen

Umstellung des gesamten frischen Hähnchenfleich-Sortiments auf PRO PLANET: mehr Platz für die Tiere, Beschäftigungsmaterial

Auch bei verarbeiteten Produkten: Verarbeitung ausschließlich von Schaleneiern aus Boden- und Freilandhaltung, Verzicht auf Käfighaltungseier

Zertifizierte Weidemilch: von Kühen, die an mehr als 120 Tagen im Jahr für mindestens sechs Stunden täglich auf der Weide grasen

Gemeinsam mit dem Land NRW Erklärung zum Verzicht auf das Kürzen des Schnabels bei Puten

Mehr Informationen zu Tierwohl im GRI-Bericht.

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