REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2017
  • Mit Innovationen für mehr Tierwohl

Die REWE Group setzt sich verstärkt für bessere Lebensbedingungen von Mast- und Legehennenküken ein. Innovative Entwicklungen helfen dabei, das Tierwohl zu erhöhen und eine nachhaltigere Eier- und Fleischproduktion zu gewährleisten.

Tierische Produkte wie Fleisch oder Eier sind selbstverständlicher Bestandteil unserer täglichen Ernährung. Bei der Nutztierhaltung sind Tierwohl und Nachhaltigkeit für die REWE Group ein Herzensthema. Schon seit Jahren engagiert sich das Unternehmen für mehr Tiergesundheit und Tierschutz. Besonders wichtig ist dabei die Investition in innovative Entwicklungen.

Unter anderem in der Geflügelwirtschaft ist die Situation zum Teil bedenklich – die hohe tägliche Nachfrage nach Eiern und Geflügelfleisch erfordert eine enorme Anzahl an Küken und stellt somit hohe Anforderungen an die Brütereien. Bei der Zucht von Nutzgeflügel unterscheidet man zwischen zwei grundlegenden Arten: Mastrassen werden für die Fleischproduktion gezüchtet, denn sie setzen innerhalb von kurzer Zeit viel Fleisch an. Hier werden sowohl die Männchen als auch die Weibchen gemästet. Legerassen dagegen werden für die Eierproduktion eingesetzt, da sie bis zu 300 Eier pro Jahr legen können. REWE setzt sich dafür ein, die Bedingungen in den Brütereien beider Zuchtrichtungen zu verbessern.

Ein vitaler Start ins Leben

Die REWE Group bemüht sich für bessere Schlupfbedingungen von Mastküken. In traditionellen Brutschränken befinden sich im Normalfall mehrere tausend Eier. Jedoch bekommen die Tiere erst Zugang zu Futter, Wasser oder Licht, wenn alle Küken geschlüpft und im Mastbetrieb angekommen sind – dies kann bis zu 72 Stunden dauern. Früh geschlüpfte Küken verlieren in dieser Zeit stark an Körpergewicht und sind großem Stress ausgesetzt. Mit „Early Feeding“ nimmt sich REWE als erster Lebensmittelhändler in Deutschland dieses Problems an: Das in den Niederlanden entwickelte HatchCare-Verfahren sorgt dafür, dass die Tiere unmittelbar nach dem Schlüpfen mit den Grundbedürfnissen des Lebens versorgt werden. Sobald ein Küken geschlüpft ist, rutscht es zu den anderen Tieren in einen gesonderten Korb im Brutschrank. Dort kann es sich frei bewegen und bereits Wasser und Nahrung zu sich nehmen. Zusätzlich sind die Brutschränke beleuchtet und bieten dadurch Schlupfbedingungen mit mehr Tierwohl. Des Weiteren werden die Küken in den Körben zum Mastbetrieb transportiert und müssen nicht umgesetzt werden. So entfällt ein weiterer Stressfaktor für die Tiere.

Seit dem Frühjahr 2017 schlüpfen in den Brütereien die ersten Küken mit dem neuen Verfahren – mit einem positiven Ergebnis: Da die Tiere direkt nach dem Schlüpfen mit ausreichend Wasser und Futter versorgt werden, sind sie deutlich stärker und vitaler. Die bessere Robustheit der Early-Feeding-Küken führt auch zu einem gleichmäßigeren Start ins Leben und trägt dazu bei, dass der Gesundheitsstatus verbessert wird und somit auch der Medikamenteneinsatz herabgesetzt werden kann. „Eine Haltung nach den Bedürfnissen der Tiere fängt bereits im Brutschrank an. Wir freuen uns, dass wir für die Lieferkette der REWE Group-Eigenmarken-Hähnchen das in Deutschland bisher noch wenig genutzte Early-Feeding-Verfahren implementieren können. Damit erreichen wir signifikante Verbesserungen für Tierwohl und Tiergesundheit“, erklärt Dr. Ludger Breloh, REWE Group-Bereichsleiter Strategie & Innovation im Agrarsektor. Künftig erwartet die REWE Group, dass ihre Lieferanten dieses Verfahren Schritt für Schritt in ihrer Lieferkette einsetzen. So sollen immer mehr Küken aus Early-Feeding-Brütereien bezogen werden. Ein bedeutender Schritt hin zu einer Geflügelproduktion mit einem gesteigerten Tierwohl und einer verbesserten Tiergesundheit.

Brutschrank / HatchCare

Ausweg aus dem Kükentöten

Auch bei der Zucht von Legehennen für die Eierproduktion engagiert sich die REWE Group. Denn jedes Jahr werden in Deutschland rund 45 Millionen männliche Küken noch an ihrem ersten Lebenstag getötet. Der Grund: Sie legen weder Eier, noch sind sie zur Mast geeignet, da sie langsamer und ineffizienter wachsen sowie weniger Brustfleisch ansetzen als Hähnchen der Mastrassen. REWE hat den Anspruch, diesem Verfahren Grenzen aufzuzeigen und mithilfe einer neuen Technik Alternativen zu entwickeln.

45 Mil­li­o­nen

Pro Jahr werden allein in Deutschland rund 45 Millionen männliche Küken getötet.

Die Idee: Das Geschlecht des Kükens soll bereits im Brutei ermittelt werden. Bei der sogenannten endokrinologischen Untersuchung wird dem Brutei mittels einer feinen Nadel Flüssigkeit entnommen – anhand derer man das Geschlecht des künftigen Kükens bestimmen kann. Um die Grundlagenforschung der Universität Leipzig im nächsten Schritt in eine praxistaugliche Lösung weiterzuentwickeln, hat die REWE Group gemeinsam mit einem holländischen Technologie-Unternehmen das Joint Venture „SELEGGT“ gegründet.

Die SELEGGT GmbH arbeitet nun daran, das Verfahren für den Alltag fit zu machen. Denn alleine in Deutschland müssten jedes Jahr rund 100 Millionen Eier mittels einer Geschlechtsbestimmung im Brutei analysiert und sortiert werden, um sektorweit und in Gänze das Kükentöten zu eliminieren.

Sollte sich das SELEGGT-Verfahren bewähren, so steht diese Technologie zukünftig der gesamten Branche zur Verfügung, denn wir möchten dem Kükentöten innerhalb des gesamten Sektors ein Ende setzen.


Dr. Ludger Breloh
REWE Group-Bereichsleiter und Geschäftsführer von SELEGGT

So können die männlichen Bruteier in Zukunft aussortiert werden, weit bevor sie schlüpfen. Infolgedessen schlüpfen nach 21 Bruttagen dann nur noch weibliche Küken in den Bruteiern. Und die aussortierten männlichen sowie die unbefruchteten Bruteier können dann zu einem hochwertigen Futtermittel verarbeitet werden.

Mithilfe des SELEGGT-Verfahrens kann das Geschlecht noch im Brutei bestimmt werden.

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