REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2017
  • Gemeinsam Teller füllen

In Deutschland gibt es Lebensmittel im Überfluss – dennoch herrscht bei einigen Menschen Mangel. Wenn das Geld knapp wird, sparen viele bei der täglichen Ernährung. Die Tafeln schaffen einen Ausgleich, indem sie bundesweit Menschen, die bedürftig sind, kostenlos oder gegen Zahlung eines kleinen Obulus Lebensmittel zur Verfügung stellen. Die REWE Group unterstützt die Arbeit der Tafeln bereits seit 1996 durch regelmäßige Lebensmittelabgaben aus den Märkten und Lägern.

Schon seit 25 Jahren wenden sich viele Menschen in Deutschland hilfesuchend an die Tafeln. Bereits heute unterstützen die ehrenamtlichen Helfer rund 1,5 Millionen Bedürftige mit Lebensmitteln. Der enorme Zulauf stellt die Tafeln vor große Herausforderungen. Tonnen von Lebensmitteln müssen dort zur Verfügung stehen, wo die Hilfe benötigt wird.

Wer gilt eigentlich als bedürftig?

Bedürftig sind für die Tafeln alle Menschen, die nur über wenig Geld im Monat verfügen können. Das kann etwa an einer niedrigen Rente oder an Arbeitslosengeld, Sozialhilfe oder Grundsicherung liegen. Damit die Hilfe da ankommt, wo sie benötigt wird, lassen sich die Tafeln die Bedürftigkeit ihrer Kunden durch offizielle Dokumente nachweisen. Grundsätzlich gilt jedoch: Die Tafeln helfen allen Menschen, die der Hilfe bedürfen.

Dringend benötigte Lebensmittel

REWE unterstützt die Tafeln seit über 20 Jahren dabei (PENNY seit 2007), Bedürftigen Lebensmittel zur Verfügung zu stellen. Die Märkte stellen jeden Tag kostenlos Lebensmittel zur Verfügung, die nicht mehr verkauft, aber dennoch bedenkenlos verzehrt werden können. Das sind beispielsweise Produkte, bei denen das Mindesthaltbarkeitsdatum bald abläuft, oder auch Obst und Gemüse mit kleinen Schönheitsfehlern. Seit 2009 können auch Kunden helfen und im Rahmen der jährlichen Aktion „Gemeinsam Teller füllen!“ die Tafeln mit dem Kauf einer sogenannten Tafeltüte unterstützen. Dabei werden Lebensmittel zur Verfügung gestellt, die aufgrund ihrer langen Haltbarkeit eher selten gespendet werden, wie zum Beispiel Nudeln, Reis, Schokolade, Marmelade oder Suppen.

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Tafeltüten im Wert von 2,43 Millionen Euro spendeten Kunden und die REWE gemeinsam 2017 an die Tafeln.

„Wir freuen uns, dass die Spendenbereitschaft für die Tafeln so hoch ist. Gemeinsam konnten wir das Ergebnis aus dem vergangenen Jahr um mehr als 70.000 Spendentüten übertreffen. Das zeigt uns, dass unsere Kunden sich eng mit ihren Kommunen und Mitmenschen verbunden fühlen und Nächstenliebe und Solidarität mit jedem Jahr wachsen.“


Peter Maly,
Geschäftsführer der REWE Markt GmbH
Im Interview berichtet Jochen Brühl, Dachverbandes Tafel Deutschland e.V., über Herausforderungen und Hintergründe der täglichen Versorgung Bedürftiger mit Lebensmitteln.

Die Tafeln und die REWE Group arbeiten seit 1996 zusammen. Damals gab es 70 Tafeln, heute sind es über 930. Was hat sich in der Zeit an der Arbeit und an den Aufgaben der Tafeln verändert?

Die Tafeln haben sich in den letzten 20 Jahren sehr weiterentwickelt. Mittlerweile retten die Tafel-Aktiven in Deutschland jährlich über 200.000 Tonnen Lebensmittel und verteilen diese regelmäßig an circa 1,5 Millionen Menschen. Daneben unterstützen die Tafeln auch auf individueller Ebene durch Projekte wie Kinderkochen oder Mittagstische. Über die Jahre sind die Tafeln somit zu Orten der Begegnung geworden und bieten über die Lebensmittelausgabe hinaus vermehrt einen Treffpunkt und eine Anlaufstelle.

Was waren für Sie die wichtigsten Meilensteine in der Zusammenarbeit mit der REWE Group? Was zeichnet die Partnerschaft besonders aus?

Der wichtigste und für viele sichtbarste Teil unserer Zusammenarbeit ist die jährliche Aktion „Gemeinsam Teller füllen“, die wir seit 2009 zusammen mit REWE und nahkauf durchführen. Damit haben wir in Bayern angefangen, mittlerweile läuft sie erfolgreich in ganz Deutschland.

Außerdem unterstützen die REWE Group, REWE und PENNY als Hauptsponsoren regelmäßig unser Bundestafeltreffen, bei dem Vertreter der über 930 Tafeln zur Mitgliederversammlung zusammenkommen.

Dass nach dem scheidenden Vorstandsvorsitzenden Alain Caparros nun auch sein Nachfolger Lionel Souque Mitglied im Kuratorium des Dachverbandes ist, zeigt wie partnerschaftlich der gemeinsame Austausch ist.

Bei der letzten Tafel-Aktion, in deren Rahmen Kunden bei REWE Lebensmittel mit hoher Haltbarkeit als Spende kaufen konnten, kamen rund 480.000 Lebensmitteltüten zusammen. Ist das eine logistische Herausforderung für die Ehrenamtler? Wie lange dauert es, bis diese Tüten verteilt sind?

Bei den Tafeln engagieren sich rund 60.000 Menschen, um Lebensmittel zu retten und Bedürftigen zu helfen. Die Aktion „Gemeinsam Teller füllen!“ ist eine wichtige zusätzliche Spende und funktioniert sehr gut. Die Vorbereitung und Abstimmung läuft über den Dachverband. Die gespendeten Tüten werden dann bei den Märkten vor Ort von den lokalen Tafeln abgeholt und verteilt. Diese Verteilung geht meist recht schnell, bedeutet aber natürlich Zeitaufwand für die Tafel-Ehrenamtlichen neben der täglichen Tafel-Arbeit – den diese gerne leisten.

Warum ist es wichtig, die Kunden durch solche Aktionen einzubeziehen?

Mit dieser Aktion schaffen wir Aufmerksamkeit für wichtige Themen wie Armut und Lebensmittelverschwendung.

Außerdem ist diese Art der Spende ein konkretes und leicht umsetzbares Angebot für die REWE-Kunden, die Welt direkt vor Ort ein kleines bisschen besser zu machen.

Welche Rolle kann eine Ehrenamtsorganisation wie die Tafeln bzw. ein Handelsunternehmen wie die REWE Group bei der Unterstützung von Bedürftigen spielen – und wo sind andere Akteure gefragt?

Die Tafeln können lediglich Armut lindern und die Bedürftigen unterstützen. Jeder Beitrag, der uns bei der Bewältigung dieser Aufgabe hilft, ist wertvoll und wichtig. Das Engagement von langjährigen, den Tafeln verbundenen Partnern hat für uns einen sehr großen Stellenwert. Denn Tafeln können nur weitergeben, was sie zuvor gespendet bekommen haben.

Wenn es dagegen darum geht, die Probleme, die zur Armut führen, substanziell anzupacken, dann ist die Politik gefragt. Die Angebote der Tafeln sind eine freiwillige, zusätzliche Leistung, die Verantwortung für die Daseinsvorsorge liegt ganz klar beim Staat.

In die Zukunft gedacht: Wo liegen für die Tafeln die größten Herausforderungen in den nächsten fünf Jahren?

Unter dem Motto „Auch in Zukunft: Lebensmittel retten. Menschen helfen.“ schauen wir auch im Jahr des 25-jährigen Jubiläums der Tafeln nach vorne: Bei den Tafel-Aktiven sehen wir einen Generationenwechsel bevorstehen. Das bedeutet einerseits, dass wir neue Ehrenamtliche für uns begeistern müssen, und genauso, dass wichtige Positionen in neue, verantwortungsbewusste Hände übergeben werden. Zudem müssen wir uns auf neue Themen einstellen wie z. B. die Digitalisierung, deren Auswirkungen auf den Lebensmittelhandel und die damit veränderten Anforderungen an die Logistik der Tafeln. Und natürlich werden wir uns als eine der größten deutschen Ehrenatmsorganisationen und als größter Lebensmittelretter dafür einsetzen, dass endlich wirkungsvolle Maßnhamen zur Armutslinderung und gegen Lebensmittelverschwendung von der Politik auf den Weg gebracht werden.

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