REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2017
  • Damit es wieder summt und brummt

Der Rückgang der Tier-, Insekten- und Pflanzenwelt ist dramatisch – und eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Die REWE Group trägt mit der Bodensee-Stiftung und dem Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) dazu bei, die natürliche Vielfalt auf den Apfelplantagen zu schützen und sie nachhaltig zu fördern.

Unsere Natur und ihre Artenvielfalt sind einmalig. Die biologische Vielfalt zu erhalten ist von besonderer Bedeutung – und für uns Menschen die Grundlage zum Überleben. Jedoch ist der Rückgang der Artenvielfalt eins der größten Umweltprobleme unserer heutigen Zeit: 26 Prozent der einheimischen Farn- und Blütenpflanzen und 36 Prozent der in Deutschland lebenden Tierarten sind bedroht.

Das Artensterben und der Verlust von Lebensräumen weltweit sind ein höchst drängendes Problem, dem sich alle Beteiligten entlang der Lieferkette annehmen müssen.“


Patrick Trötschler,
stellvertretender Geschäftsführer der Bodensee-Stiftung

Die biologische Vielfalt fördern und Nachhaltigkeit in den Markt bringen – das ist das Ziel des PRO PLANET-Apfelprojekts. „Die Idee entstand im Jahr 2009. Eines Tages bekam ich einen Anruf von der ‚Obst vom Bodensee Vertriebsgesellschaft‘. Sie wollten mit uns auf Initiative der REWE Group gemeinsam etwas für die Biodiversität vor Ort tun“, erzählt Patrick Trötschler. Der stellvertretende Geschäftsführer der Bodensee-Stiftung ist verantwortlich für die landwirtschaftlichen Projekte der Naturschutzorganisation und betreut das Apfelprojekt in der Bodensee-Region.

Patrick Trötschler von der Bodensee-Stiftung betreut das Apfelprojekt in der Region.

Bei einem ersten Treffen zwischen der REWE Group, den Obstbauern und der Bodensee-Stiftung erörterten die Projektteilnehmer gemeinsam, wo man ansetzen kann – um die biologische Vielfalt nachhaltig zu steigern. „Wir hatten sofort die Idee, die Wildbienen in den Fokus zu nehmen. Viele Arten sind gefährdet – und die Obstbauern sind auf die Bestäuber angewiesen.“ In einem nächsten Schritt entwickelten Trötschler und seine neuen Projektpartner einen Plan, wie den Wildbienen auf den Apfelplantagen konkret geholfen werden kann. „Schritt für Schritt haben wir die ersten Maßnahmen 2010 in zehn Pilotbetrieben umgesetzt. In 2011 hatten wir bereits 75 teilnehmende Betriebe und ab 2012 schon über 120.“

Das Ziel des Projekts: die Biodiversität auf den Apfelplantagen erhöhen.

Hilfe für die Wildbienen

„Seit nunmehr acht Jahren fördern wir mit dem Projekt die Wildbienen auf den Apfelplantagen in unserer Region“, so Trötschler. Über 550 verschiedene Wildbienen-Arten sind bei uns in Deutschland beheimatet. Davon gilt mittlerweile jedoch über die Hälfte als mindestens gefährdet. Viele Arten sind bereits ausgestorben. Hauptgründe sind das zunehmend fehlende Nahrungsangebot und ein Rückgang der Lebensräume – dazu haben wir Menschen durch den Eingriff in die Natur erheblich beigetragen. Jedoch haben die Insekten eine bedeutende Funktion: Als fleißige Bestäuber sorgen sie dafür, dass Obst und Gemüse überhaupt wachsen kann.

Die Wildbienen sind bedeutende Bestäuber und haben damit einen wichtigen Nutzen für die Landwirtschaft und unsere Naturlandschaft.


Patrick Trötschler,
stellvertretender Geschäftsführer der Bodensee-Stiftung

Dabei brauchen Wildbienen zum Leben lediglich geeignete Nistmöglichkeiten und ein ausreichendes Angebot an Blütenpflanzen mit Pollen und Nektar. Viele Plantagen sind heute jedoch so angelegt, dass Blumen und Blütenpflanzen keinen Lebensraum mehr finden – und Bienen nach der Apfelblüte im Frühjahr kaum noch Nahrung. Diese sollen durch das Projekt wieder geschaffen werden: „Durch unsere Arbeit und die Kooperation mit den Obstbauern in der Region verbessern wir das Nahrungsangebot für die Wildbienen und schaffen wieder vermehrt Lebensräume“, erzählt Trötschler. „Vom Aufstellen von Nisthilfen bis zum Anlegen von Blühflächen und blühenden Hecken – der Maßnahmenkatalog ist lang.“ Gemeinsam mit den Obstbauberatern der Erzeugerorganisationen steht der Agraringenieur den Obstbauern bei der Umsetzung jederzeit mit Rat und Tat zur Seite.

Gemeinsame Pionierleistung

Für Trötschler hat das Projekt das Eis gebrochen: Mit der Unterstützung der REWE Group habe das gemeinsame Ziel die Landwirtschaft und den Naturschutz näher zusammengebracht. „Es war wichtig, sich kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen. Das hat Zeit gebraucht. Letztlich haben wir viel voneinander gelernt und sind stolz auf unsere gemeinsame Leistung.“ Das über Jahre aufgebaute Vertrauen ist die Grundlage für den dauerhaften und nachhaltigen Erfolg des Apfelprojekts.

Trendwende gegen das Insektensterben

In regelmäßigen Abständen erhebt die Bodensee-Stiftung den Erfolg des Projekts. „Wir haben eine klare Trendwende geschaffen. Mit unseren Maßnahmen am Bodensee haben wir dazu beigetragen, dass sich die Wildbienenpopulation deutlich verbessert hat“, berichtet Trötschler stolz. Im Jahr 2017 konnten insgesamt 117 Wildbienen-Arten in den Anbauflächen der Bodensee-Region ermittelt werden. Darunter befinden sich 25 Arten, die landesweit als bedroht bzw. nicht ungefährdet eingestuft sind – wie die Bärtige Sandbiene oder die Rötliche Kegelbiene.

Blühflächen bieten Bienen ein vielfältiges Nahrungsangebot.

Bei der Besiedlung der Wildbienen-Nisthilfen kam es innerhalb der letzten vier Jahre sogar im Durchschnitt zu einer Verdopplung der Artenzahlen. Dies werten die Projektpartner als Beleg dafür, dass die Maßnahmen mit zunehmender Dauer noch stärker positiv wirken.

Im Vergleich zu 2010 wurde ein deutlicher Zuwachs von etwa 100 Prozent von
56 auf 117

bei verschiedenen Wildbienenarten festgestellt, darunter auch 25 (2010:5) bedrohte Arten.

„Das ist nicht zuletzt das Resultat unseres Projekts. Das tolle Engagement der über 120 Obstbauern in der Bodensee-Region, die seit Jahren mit dabei sind, hat sich ausgezahlt.“ Trötschler ist mehr als zufrieden mit der Entwicklung und freut sich darauf, die Arbeit mit den Landwirten auch in den nächsten Jahren fortzuführen.

Die aufgestellten Nisthilfen bieten den Tieren einen sicheren Unterschlupf.

Diese Erfolgsgeschichte zeigt: Auch in intensiv genutzten Agrarlandschaften kann man gemeinsam einen spürbaren Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten. Deshalb wurde das Projekt inzwischen mit Unterstützung der REWE Group und des NABU auf ganz Deutschland ausgeweitet: Bundesweit sind über 250 Betriebe in 13 Anbaugebieten daran beteiligt, die biologische Vielfalt im Rahmen des PRO PLANET-Apfelprojekts zu stärken. Und es geht noch weiter: „Im Apfelprojekt haben wir eine Kooperation auf Augenhöhe zwischen Handel, Landwirtschaft und Naturschutz unter Beweis gestellt. Wir nutzen die gewonnenen Erkenntnisse, um auch für andere Kulturen und Anbauregionen Mehrwerte in den Ökosystemen zu schaffen. Nach zwei Jahren Pilotphase ist der Rollout nun geschafft und wir blicken den kommenden Ergebnissen sehr positiv entgegen“, so Dr. Florian Schäfer von der REWE Group. Die ersten Kartoffel- und Gemüse-Produkte mit dem PRO PLANET-Label finden Kunden zum Beginn der deutschen Erntesaison ab Mai 2018 in den Regalen der national rund 5.500 REWE- und PENNY-Märkte. Das Sortiment mit dem PRO PLANET-Label „Artenvielfalt schützend“ wird kontinuierlich ausgebaut.

Bundesweit engagieren sich über
250 Landwirte in
13 Anbaugebieten

für den Schutz der Artenvielfalt im Apfelanbau.

Die REWE Group kennzeichnet das Naturschutz-Engagement der Obstbauern mit dem Nachhaltigkeitslabel PRO PLANET und macht es so auch für die Kunden sichtbar. „Unsere Projekte zeigen, dass der Dialog und die praktische Zusammenarbeit zwischen Naturschützern und Landwirten einen wertvollen Mehrwert für die Natur, die Anbauregion und alle Beteiligten liefern“, so Dr. Florian Schäfer.

Die Zusammenarbeit zwischen der REWE Group und dem NABU

Drei Fragen an:


Leif Miller,
Bundesgeschäftsführer des NABU

  1. Was sind die Schwerpunkte in der Kooperation mit der REWE Group im vergangenen Jahr 2017 und im laufenden Jahr 2018?
  2. 2017 stand im Zeichen der Verpackungsreduktion: Nachdem bereits im Juni 2016 REWE die Plastiktüte aus dem Markt verbannte, zog im Februar 2017 PENNY nach. Außerdem initiierten REWE und PENNY verschiedene Maßnahmen zur Verpackungsvermeidung, wie das Natural Branding bei Avocados, Süßkartoffeln und Wassermelonen sowie das Angebot von Mehrwegbeuteln als Alternative zu den handelsüblichen Knotenbeuteln für Obst und Gemüse.

    Im Kooperationsjahr 2018 steht ganz klar der Schutz der Insekten im Fokus der Zusammenarbeit zwischen NABU und REWE. Neben dem seit 2009 laufenden PRO PLANET-Apfelprojekt hat REWE bereits 2017 den nachhaltigeren Anbau auf den Gemüsebereich ausgeweitet.

  3. Welches Potenzial sehen Sie im geplanten Insektenschutzfonds?
  4. Mit der Gründung des NABU-Insektenschutzfonds wird das Fundament gelegt, um bundesweit umfassende Maßnahmen zur Förderung von Insekten umzusetzen. Als exklusives Gründungsmitglied stiftet REWE zum Start 300.000 Euro, so dass durch Flächenkäufe und artenfreundliche Umgestaltung neue Lebensräume für Insekten geschaffen werden.

    Dafür werden noch in diesem Jahr rund 65.000 Quadratmeter Ackerflächen und Wiesen durch die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe gekauft und dauerhaft gesichert. Zusätzlich sollen auf 160.000 Quadratmetern artenreiche Blühflächen auf Ackerrandstreifen, bunt blühende Wiesen und Weiden und nicht genutzte Feldrainen gepflanzt werden und die Anlage von Hecken im Sommer 2018 vorbereitet und ab Herbst 2018 umgesetzt werden.

  5. Welche Bedeutung hat das PRO PLANET-Apfelprojekt für die biologische Vielfalt?
  6. Das Projekt ist ein tolles Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen Produzenten, Naturschützern und REWE und PENNY als Händler. Durch das Projekt werden an vielen hundert Standorten Lebensräume für eine Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten geschaffen.

    Das aktuelle Wildbienen-Monitoring vom Bodensee belegt eindrucksvoll, dass die gemeinsamen Anstrengungen der vergangenen zehn Jahre Früchte tragen. Hierbei konnte im Vergleich zu 2010 ein deutlicher Zuwachs von etwa 100 Prozent von 56 auf 117 verschiedene Wildbienenarten festgestellt werden, darunter auch 25 (2010: 5) bedrohte Arten.

PRO PLANET

Mit dem PRO PLANET-Label bietet die REWE Group ihren Kunden eine verlässliche Orientierungshilfe für einen umwelt- und sozialverträglicheren Einkauf. Es wird von unabhängigen Experten vergeben und kennzeichnet Produkte, die eine besondere Nachhaltigkeitsleistung auszeichnet. Dabei werden nicht nur Umweltaspekte berücksichtigt, sondern genauso auch das Wohlbefinden der Menschen.

Pestizide reduzieren

Die REWE Group steht grundsätzlich für die Reduktion des Einsatzes von Pestiziden bzw. den vollständigen Ausstieg, wo dies möglich ist. Um dies zu gewährleisten, setzen wir uns für die Entwicklung und Umstellung auf langfristig wirksame Alternativen für Umwelt und Gesundheit ein. Wir sprechen uns strikt gegen den Einsatz von Glyphosat in der Vorerntebehandlung sowie in der privaten Anwendung aus. Bereits seit 2015 bieten wir in unseren toom Baumärkten kein Glyphosat mehr zum Verkauf an. Darüber hinaus hat toom Baumarkt die Vorgaben für seine Zierpflanzenlieferanten verschärft und bietet seit 2017 als erster Baumarkt Deutschlands nur noch Zierpflanzen an, die ohne die als besonders bienengefährlich eingestuften Pestizide (z.B. Neonicotinoide*) hergestellt wurden.
* Darunter fallen Clothianidin, Thiamethoxam, Imidacloprid, Chlorpyrifos, Fipronil, Deltamethrin und Cypermethrin

Auch über das Apfelprojekt hinaus setzt sich die REWE Group mit vielfältigen Maßnahmen für den Erhalt der biologischen Vielfalt ein:

Moore: Wertvolle Ökosysteme

Moore sind essentiell für den Klimaschutz. Sie speichern mehr Kohlenstoff als jedes andere Ökosystem der Welt. Damit können sie dem Treibhauseffekt entgegenwirken. Jedoch werden diese oftmals Jahrtausende alten Moore für den Abbau von Torf trockengelegt, um ihn zum Beispiel für Blumenerde einzusetzen. Die Folge: Der gespeicherte Kohlenstoff wird als klimaschädliches CO2 freigesetzt. Kraniche, Bekassinen und andere seltene Tiere und Pflanzen verlieren ihren Lebensraum.

Die REWE Group setzt auf einen nachhaltigeren Umgang mit der Natur, um Moorlandschaften zu schützen. Als erste Baumarktkette in Deutschland hat sich toom Baumarkt bereits 2016 dazu entschieden, das gesamte Erdensortiment sowohl der Eigenmarken als auch der Markenprodukte bis spätestens 2025 auf torffreie Alternativen umzustellen. Auch die Vertriebslinien REWE und PENNY haben ihr Erden-Sortiment um torffreie und torfreduzierte Alternativen ergänzt. Für den Erhalt der Artenvielfalt und den Schutz unseres Klimas.

Bananenanbau nachhaltig gestalten

Bananen sind das zweitbeliebteste Obst der Deutschen – sie dürfen in keinem Supermarkt fehlen. Der Großteil der in Deutschland verkauften Bananen stammt aus Mittel- und Südamerika. In diesen Anbaugebieten sind die Sozial- und Umweltstandards oft gering. Die Rodung von Waldgebieten für den Bananenanbau und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zerstören Lebensräume und führen zu einer geringeren Artenvielfalt.

Die REWE Group setzt sich seit 2007 für eine Verbesserung der Lebens-, Arbeits- und Umweltbedingungen in Panama und Costa Rica ein – seit 2013 sogar mit einem eigens eingerichteten „Bananenfonds“. Ausgewählte Projekte mit direktem Bezug zum Bananenanbau und den Arbeitern können durch diese finanzielle Unterstützung realisiert werden. Dabei geht es vor allem um Erziehung und Jugendarbeit, medizinische Versorgung, Trinkwasserversorgung, Infrastruktur und Artenvielfalt. So konnten seit 2007 bereits über 20 soziale und ökologische Projekte mit über 2,8 Millionen Euro in Costa Rica und Panama erfolgreich umgesetzt werden.

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