REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2017
  • 18.000 km
    volle Transparenz

Woher kommt die Baumwolltragetasche, bevor sie in einem REWE- oder PENNY-Markt erhältlich ist? Wo wurde die Baumwolle gepflückt? Welcher Betrieb hat die Garne und welcher den Stoff hergestellt? Und wo wurde die Tragetasche genäht? Alle Verarbeitungsschritte innerhalb der textilen Lieferkette kann die REWE Group nun lückenlos nachverfolgen – und zeigt damit: Nur wer die einzelnen Stationen „dahinter“ kennt, kann die Produktionsbedingungen dauerhaft sozial und ökologisch verträglicher verankern.

Bevor mit den REWE- und PENNY-Baumwolltaschen die Einkäufe praktisch nach Hause getragen werden können, ist es ein weiter Weg: Insgesamt legt die Tasche rund 18.000 Kilometer zurück und durchläuft etwa zehn Arbeitsstufen, bis sie – angefangen vom Anbau der Baumwolle und der Verarbeitung in Indien über den Seetransport nach Deutschland – in einen der REWE- oder PENNY-Märkte ausgeliefert wird und hier auf ihren Einsatz wartet.

Doch was macht die Tragetasche so besonders? Zum einen der Rohstoff: Baumwolle ist eine Naturfaser mit vielen positiven Eigenschaften. Sie ist weich, strapazierfähig und waschbar. Zum anderen sind die Tragetaschen nach den Kriterien des internationalen Global Organic Textile Standard (GOTS) gefertigt und tragen das  PRO PLANET -Label. Sie sind also sozial und ökologisch verträglicher hergestellt – und das vom Anbau bis zur letzten Naht. Als Voraussetzung dafür hat die REWE Group alle Wertschöpfungsstufen offengelegt und kann so die Lieferkette komplett nachverfolgen. „Wir sind überzeugt, dass Transparenz unumgänglich ist, wenn wir nachhaltiger handeln wollen“, erklärt Torsten Stau, der Geschäftsleiter Ware Non Food REWE Group Buying.

„Transparenz herzustellen ist nicht einfach. Gemeinsam mit unseren Lieferanten haben wir es geschafft.“


Torsten Stau,
Geschäftsleiter Ware Non Food REWE Group Buying

Der Weg des weißen Goldes

„Transparenz herzustellen ist nicht einfach“, sagt Torsten Stau. „Gemeinsam mit unseren Lieferanten haben wir es geschafft und können jetzt jeden einzelnen Schritt bis zum Baumwollanbau nachverfolgen.“ Der Weg der Baumwolle, des sogenannten weißen Goldes, beginnt in den ländlichen Regionen Westindiens, teilweise auch Zentral- oder Südindiens.

Hier werden die Plantagen kontrolliert biologisch bewirtschaftet und die reifen Baumwollbüschel per Hand gepflückt. Bevor diese weiterverarbeitet werden können, müssen innerhalb der Entkörnung zunächst Verunreinigungen und Samen herausgetrennt werden. Die so gewonnene Rohbaumwolle wird für den Transport zu den Spinnereien zu großen Ballen zusammengepresst.

In nordindischen Betrieben erfolgt dann die Vorbereitung der Rohware, während die weitere Verarbeitung bis hin zur Verpackung bei verschiedenen zertifizierten Betrieben im südindischen Tamil Nadu stattfindet. So werden in der Spinnerei die großen Faserballen gekämmt, zu kleinen Bäuschen zerpflückt und mit Spinnmaschinen zu Garnen versponnen. Anschließend werden in der Weberei die Garne mithilfe von vollautomatischen Webstühlen zu scheinbar endlos langen Stoffbahnen verwebt. Nach dem Weben setzt die Veredelung ein, um brillante Farben, Pflegeleichtigkeit und eine höhere Stabilität der Naturfaser zu erreichen.

Zuletzt werden die Stoffe konfektioniert, also zu Tragetaschen genäht, und schließlich für den Transport verpackt. Bis zur Fertigstellung haben die Tragetaschen acht Verarbeitungsstufen und vielzählige Arbeitsschritte durchlaufen und rund 5.000 Kilometer zurückgelegt. Weitere gut 13.000 Kilometer reisen die fertigen Baumwolltragetaschen per Seefracht von Tuticorin oder Nava Sheva nach Hamburg, von wo aus sie über das REWE Group-Zentrallager in Dietzenbach in die REWE- und PENNY-Märkte in Deutschland ausgeliefert werden.

Transparenz in der Lieferkette

„Transparenz über die Lieferkette ist notwendig, um sicherzustellen, dass weder Arbeiter noch Umwelt durch die Produktion geschädigt werden“, sagt Torsten Stau, Geschäftsleiter Ware Non Food REWE Group Buying, der für den gesamten Einkauf aller Non-Food-Produkte verantwortlich ist. „Deswegen fragen wir schon seit mehreren Jahren unsere Lieferanten, wo unsere Produkte hergestellt werden, und überprüfen mithilfe von Audits die Arbeitsbedingungen in den Betrieben oder bieten Trainings an, um Verbesserungen herbeizuführen.“ Um die Bedingungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter und für die Umwelt zu verbessern, arbeitet die REWE Group zudem eng mit Lieferanten und Nichtregierungsorganisationen zusammen.

Doch wie gelingt eine lückenlose Transparenz innerhalb einer sehr komplexen Lieferkette – insbesondere bei Textilien, die innerhalb ihrer Verarbeitungsstufen nicht nur in verschiedenen Ländern, sondern teilweise auf verschiedenen Kontinenten hergestellt werden? „Häufig kennen die Lieferanten nur ihre direkten Geschäftspartner“, erklärt Torsten Stau. „Um komplette Transparenz zu haben, musste jeder Lieferant in Kontakt mit seinen Zulieferern treten und unsere Vorgaben weitergeben.“ Bei der Baumwolltragetasche dauerte der Prozess mehrere Monate. Unterstützung kam direkt von den Lieferanten selbst, die die Bedeutung verstanden und die Offenlegung der Lieferkette mitgetragen haben.

„Wir möchten eine umweltschonende Tragetasche anbieten. Deswegen haben wir uns für GOTS-zertifizierte Lieferanten entschieden.“


Torsten Stau,
Geschäftsleiter Ware Non Food REWE Group Buying

Die REWE- und PENNY-Baumwolltragetaschen sind nach den strengen Kriterien des GOTS-Standards hergestellt und tragen das PRO PLANET-Label. Der Global Organic Textile Standard ist als weltweiter Standard für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern anerkannt. Auf hohem Niveau definiert er umwelttechnische Anforderungen entlang der gesamten textilen Produktionskette und gleichzeitig einzuhaltende Sozialkriterien. Die Qualitätssicherung erfolgt durch eine unabhängige Zertifizierung der gesamten Lieferkette. „Letztlich hat der Verbraucher bei seiner Kaufentscheidung durch das GOTS-Label am Produkt die Sicherheit, dass es bei allen Verarbeitungsschritten vom Feld bis zum Handel nach den ökologischen und sozialen GOTS-Kriterien hergestellt wurde“, sagt Lina Pfeifer, Repräsentantin des Global Organic Textile Standard für den deutschsprachigen Raum. Für alle PRO PLANET-Baumwolltaschen mit dem GOTS-Label gilt: Grundsätzlich stammen 100 Prozent der Fasern aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft. Beim Anbau der Biobaumwolle für die Baumwolltragetasche werden weder Pestizide noch chemischer Dünger eingesetzt. Auch auf Gentechnik wird verzichtet. Im gesamten Produktionsprozess ist der Einsatz bedenklicher Substanzen verboten. Die Fasern werden nicht mit Chlor, sondern ausschließlich mit umweltfreundlichem Sauerstoff gebleicht. Bei der Färbung und Veredelung wird beispielsweise auf giftige Schwermetalle und Formaldehyd verzichtet und auch für den Aufdruck dürfen nur umweltverträgliche Farbstoffe eingesetzt werden. Darüber hinaus müssen die Hersteller der Baumwolltragetasche ihren Arbeitern ein gesundes Arbeitsumfeld bieten und faire Löhne zahlen.

„Letztlich hat der Endverbraucher bei seiner Kaufentscheidung durch das GOTS-Label am Produkt die Sicherheit, dass es vom Feld bis zu ihm nach den strengen GOTS-Kriterien hergestellt wurde.“


Lina Pfeifer,
Repräsentantin des Global Organic Textile
Standard für den deutschsprachigen Raum

Verbesserungen in der gesamten Textilproduktion:

  • Um den Anteil der aus nachhaltigerer Baumwolle hergestellten textilen Produkte zu erhöhen, setzt die REWE Group in Deutschland auf Cotton made in Africa (CmiA) und den Global Organic Textile Standard (GOTS). Das Ziel, den Anteil der aus nachhaltigerer Baumwolle hergestellten textilen Eigenmarkenprodukte von 56 Prozent im Jahr 2015 auf 70 Prozent bis Ende 2017 auszubauen, wurde erreicht. Als neue Bestrebung soll der Anteil der Textilien aus nachhaltigerer Baumwolle bei REWE, PENNY und toom Baumarkt in Deutschland bis 2025 auf 100 Prozent erhöht werden. Dabei setzt die REWE Group in Deutschland weiterhin auf CmiA, den GOTS und zusätzlich auf Textilien aus recycelten Fasern.
  • Die REWE Group ist Mitglied in verschiedenen Multi-Stakeholder-Initiativen, wie beispielsweise dem Textilbündnis – einer Initiative für nachhaltige Textilien. Das Ziel ist es, gemeinsam die Arbeits- und Umweltbedingungen zu verbessern und Vertreter verschiedener Interessengruppen zusammenzubringen, um Standards auszuarbeiten und Ziele für Verbesserungen zu definieren. Gemeinsam finden Branchenaktivitäten mit Beratern, Wettbewerbern, Wissenschaftlern und NGOs statt. In Bündnisinitiativen werden Projekte entwickelt, um Verbesserungen vor Ort umzusetzen. Die REWE Group engagiert sich in der Bündnisinitiative Umwelt- und Chemikalienmanagement.
  • Alle Textilien, die die REWE Group produzieren lässt, sind OEKO-TEX®-100-zertifiziert. Der STANDARD 100 by OEKO-TEX® ist ein weltweit einheitliches, unabhängiges Prüf- und Zertifizierungssystem für textile Roh-, Zwischen- und Endprodukte aller Verarbeitungsstufen sowie verwendete Zubehörmaterialien. 
  • Seit 2013 engagiert sich die REWE Group im Textilbereich im „Accord on Fire and Building Safety“ in Bangladesch. Das Bündnis hat sich zum Ziel gesetzt, die Textilproduktion sicherer zu machen. Dafür werden die Fabriken intensiv auf Gebäudesicherheit und Brandschutz hin überprüft. Alle in Bangladesch angesiedelten Produzenten der REWE Group durchliefen spezielle Inspektionen für die Sicherheit der Gebäude, der Elektrizität und des Feuerschutzes und setzen Verbesserungs- und Renovierungsmaßnahmen um. Auch zukünftig möchte die REWE Group die Sicherheit in den Produktionsstätten weiter vorantreiben und hat daher ein Folgeabkommen des Accords unterzeichnet.
  • Um die Arbeitsbedingungen in der Textilproduktion zu verbessern, verlangt die REWE Group von ihren Lieferanten gültige Sozialaudits nach den Standards BSCI, SMETA oder SA8000 (siehe dazu auch den Abschnitt Sozialstandards in der Lieferkette im GRI-Bericht).
  • Um die Textilproduktion umweltfreundlicher zu gestalten, hat sich die REWE Group 2014 der Detox-Kampagne von Greenpeace angeschlossen und ein eigenes Detox-Programm aufgesetzt. Das Ziel: bis 2020 auf alle umweltschädlichen Chemikalien innerhalb der Textilproduktion zu verzichten (siehe dazu auch den Abschnitt Umweltstandards in der Lieferkette im GRI-Bericht oder im neuen Detox-Fortschrittsbericht). Um ihre Lieferanten bei der Verbesserung ihres Chemikalienmanagements zu unterstützen, hat die REWE Group ein Trainingsprogramm gemeinsam mit Tchibo und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Rahmen eines develoPPP.de-Programms des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) entwickelt. Die ersten Kick-off-Veranstaltungen mit Lieferanten fanden 2017 statt.

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