REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2017

Rohstoffe

GRI 204-FP1: Anteil des Einkaufsvolumens, welches in Übereinstimmung mit den Leitlinien des Unternehmens beschafft wurde

Die REWE Group arbeitet kontinuierlich daran, ihre Lieferketten sozial und ökologisch verträglicher zu gestalten. Dabei setzt die REWE Group auf international anerkannte Zertifizierungsstandards und formuliert eigene Anforderungen im Rahmen ihrer Leitlinien und im PRO PLANET-Prozess. Im Folgenden werden die Ansätze für einzelne Rohstoffe vorgestellt.

Palmöl

Zunehmender Palmölanbau führt zu einem Verlust von Torf- und Regenwäldern. Dadurch wird der lokalen Bevölkerung häufig ihre Lebensgrundlage entzogen und Lebensräume für wertvolle Arten gehen verloren. Zudem werden durch die Rodung der Regenwälder große Mengen CO2 freigesetzt.

Vor diesem Hintergrund hat die REWE Group Anfang 2011 mit der Leitlinie für Palmöl- und Palmkernölerzeugnisse das Ziel formuliert, für ihre Eigenmarken ausschließlich Palmöl aus nachhaltigerer Produktion zu verwenden. Um dies zu gewährleisten, setzt die REWE Group vornehmlich auf den Zertifizierungsstandard des Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO - Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl), wo sie seit 2011 Mitglied ist. Bei der Beschaffung von zertifiziertem Palmöl gibt es vier Handelsmodelle in den Lieferketten, die unterschiedliche Ansprüche an die Rückverfolgbarkeit des Rohstoffs zu den Plantagen stellen. Unter Berücksichtigung aller Handelsmodelle setzt die REWE Group in Deutschland bereits seit 2013 zu 100 Prozent zertifiziertes Palmöl ein. Die REWE Group in Österreich bezieht seit 2014 ausschließlich zertifiziertes Palmöl und verzichtet bei der Marke Ja! Natürlich ab 2018 gänzlich auf Palmöl.

Die Ziele der REWE Group-Leitlinie sind auch Teil einer Selbstverpflichtung, die die REWE Group als Mitglied des Forums Nachhaltiges Palmöl (FONAP) 2015 unterzeichnet hat. Diese ambitionierten Ziele der Selbstverpflichtung zielen darauf ab, langfristig die Rückverfolgbarkeit des verwendeten Palmöls unter der Einhaltung definierter Zusatzkriterien sicherzustellen. Dazu gehört auch, Palmöl über das anspruchsvolle Handelsmodell Segregation zu beziehen, bei dem nachhaltig zertifizierte Ware entlang der gesamten Lieferkette durchgängig von nicht zertifizierter Ware getrennt wird. Unter der Berücksichtigung der individuellen Zielsetzung je Palm(kern)ölerzeugnis erzielte die REWE Group in Deutschland im Jahr 2017 mit allen Eigenmarkenprodukten einen Gesamterfüllungsgrad von 99 Prozent.

Die REWE Group in Deutschland arbeitet gemeinsam mit ihren Lieferanten daran, das letzte Prozent zur Vervollständigung der Ziele zu erreichen. Die Anforderungen sind insbesondere für kleinere Lieferanten mit komplexen Lieferkettenstrukturen eine Herausforderung. Einzelne Lieferanten konnten zum Beispiel die Umstellung auf das Handelsmodell Segregation erst sukzessive umsetzen, da die Etablierung separater Warenströme sehr aufwendig ist. Dies gilt insbesondere, wenn ein Lieferant nur eine kleine Menge seiner Gesamtproduktion umstellt. Bei der Umstellung auf zertifiziertes Palmöl ist auch die REWE Group in Österreich bereits weit fortgeschritten. Unter Berücksichtigung der individuellen Zielsetzung je Palm(kern)ölerzeugnis erzielte die REWE Group in Österreich im Jahr 2017 mit allen Eigenmarkenprodukten einen Gesamterfüllungsgrad von über 90 Prozent.

Kakao

Ein Großteil der weltweiten Rohkakaoproduktion stammt aus Westafrika und findet in erster Linie in kleinbäuerlichen Familienbetrieben statt. Die Kakaobauern haben dort mit schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen zu kämpfen und leben mit ihren Familien oft unterhalb der Armutsgrenze. Das führt dazu, dass notwendige Investitionsmittel fehlen und häufig schlechte Arbeitsbedingungen herrschen, bis hin zu ausbeuterischen Formen der Kinderarbeit. In der Leitlinie für Kakaoerzeugnisse hat die REWE Group das Ziel formuliert, bis Ende 2015 sämtliche Rohkakaomengen für ihre Eigenmarken aus nachhaltigeren Erzeugerstrukturen zu beziehen. Dies wird durch die Verwendung der Standards Fairtrade, Fairtrade Sourcing Program, Rainforest Alliance und UTZ sichergestellt. Bis zum Ende der Frist am 01.01.2016 konnte die REWE Group in Deutschland dieses Ziel nicht erreichen. Im Jahr 2016 betrug der Anteil an zertifiziertem Kakao 94 Prozent, 2017 konnte der Anteil nachhaltigeren Kakaos auf 99 Prozent gesteigert werden. Die REWE Group in Deutschland arbeitet gemeinsam mit ihren Lieferanten daran, das letzte Prozent zur Vervollständigung der Ziele zu erreichen. Vor allem die Umstellung von kleinen Mengen der Gesamtproduktion auf zertifizierte Ware ist eine große Herausforderung für einige Lieferanten. Bei der REWE Group in Österreich waren 2017 über 80 Prozent der gesamten Rohkakaomengen für die Eigenmarken zertifiziert.

Darüber hinaus ist die REWE Group Initiativmitglied des Forums Nachhaltiger Kakao e.V. (GISCO). Diese Multi-Stakeholder-Initiative verfolgt das Ziel, die Lebensumstände der Kakaobauern und ihrer Familien zu verbessern sowie den Anbau und die Vermarktung nachhaltig erzeugten Kakaos zu erhöhen.

Bananen und Ananas

Beim Anbau der tropischen Früchte Banane und Ananas können negative ökologische und soziale Auswirkungen in den Produktionsländern auftreten. Dazu zählen schlechte Arbeitsbedingungen auf den Obstplantagen, hoher Pestizideinsatz und die Schädigung von Ökosystemen. Die REWE Group und ihre Vertriebslinien in Deutschland haben die Beschaffung von Ananas und Bananen in den Jahren 2015 und 2016 vollständig auf Rainforest Alliance umgestellt, sodass seit Ende 2016 Ananas und Bananen zu 100 Prozent aus Rainforest Alliance-zertifiziertem Anbau stammen. Auch nach der Revision des Rainforest Alliance Standards setzen die REWE Group und ihre Vertriebslinien auf den Standard. Im Zuge des Zusammenschlusses der Rainforest Alliance und UTZ wird die REWE Group ab 2018 Teil des Komitees zur Weiterentwicklung des Zertifizerungsstandards. Zusätzlich bieten die Vertriebslinien Bio-Ananas und Bio-Bananen an.

Baumwolle

Baumwolle ist einer der wichtigsten Rohstoffe der Textilindustrie, die vornehmlich in Indien, China und den USA angebaut wird. Der konventionelle Baumwollanbau ist wasserintensiv und erfolgt unter hohem Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln. Um den Anteil der aus nachhaltigerer Baumwolle hergestellten textilen Produkte zu erhöhen, setzt die REWE Group in Deutschland auf Cotton made in Africa (CmiA) und den Global Organic Textile Standard (GOTS). Das Ziel, den Anteil der aus nachhaltigerer Baumwolle hergestellten textilen Eigenmarkenprodukte von 56 Prozent im Jahr 2015 auf 70 Prozent bis Ende 2017 auszubauen, wurde erreicht. Nun strebt die REWE Group an, den Anteil der Textilien aus nachhaltigerer Baumwolle bei REWE, PENNY und toom Baumarkt in Deutschland bis 2025 auf 100 Prozent zu erhöhen. Dabei setzt die REWE Group in Deutschland weiterhin auf CmiA, den GOTS und zusätzlich auf Textilien aus recycelten Fasern.

Kaffee

Der Anbau von Kaffee als weltweit gehandeltem Gut ist ein wichtiger Wirtschaftszweig in vielen Ländern Lateinamerikas, Asiens und Afrikas. Die Erträge der meist kleinbäuerlichen Betriebe sind jedoch oft zu niedrig, um den Kaffeebauern und ihren Familien ein ausreichendes Einkommen zu sichern. Hinzu kommen gesundheitliche und ökologische Risiken durch den unsachgemäßen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Um die Lage der Kaffeebauern zu verbessern, haben sich REWE und PENNY das Ziel gesetzt ihre Eigenmarken bis Ende 2020 auf 100 Prozent zertifizierten Kaffee umzustellen. Im Jahr 2017 konnte der Anteil des nach UTZ, Bio oder Fairtrade zertifizierten Kaffees von 61,7 Prozent (2016), auf 69,4 Prozent gesteigert werden. Bei der REWE Group in Österreich sind alle Kaffeeprodukte der Eigenmarken Fairtrade-zertifiziert.

Tee

Der konventionelle Anbau der Teepflanzen erfolgt häufig in Monokulturen und unter einem hohen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Das gefährdet die Artenvielfalt und die Trinkwasserversorgung der Menschen in den Anbaugebieten. Die Arbeiter vor Ort sind zudem mit Herausforderungen wie zu geringen Löhnen, unzureichendem Gesundheitsschutz und mangelnder Arbeitssicherheit konfrontiert. Vor diesem Hintergrund fördert die REWE Group eine nachhaltige Landwirtschaft in der Teeproduktion und bezieht zertifizierte Ware, die das Siegel Rainforest Alliance trägt. 2016 lag der Anteil zertifizierter Teeprodukte bei REWE und PENNY bei 14 Prozent, im Jahr 2017 konnte der Anteil auf 19 Prozent gesteigert werden. Aufgrund der begrenzten Menge an zertifizierten Farmen enthielten die schwarzen und grünen PRO PLANET-Tees bei Markteintritt 50 Prozent zertifizierte Tee-Rohware. Die REWE Group verfolgte das Ziel, diesen Anteil kontinuierlich zu erhöhen. Für das Jahr 2017 haben sowohl REWE als auch PENNY das selbstgesteckte Ziel erfüllt und die Segmente Grüntee und Earl Grey auf 100 Prozent Rainforest Alliance-zertifizierte Rohware umgestellt.

Fisch

Der steigende Bedarf an Fisch und Meeresfrüchten führt dazu, dass ein Großteil der weltweiten Fischbestände stark unter Druck steht und zum Teil bereits überfischt ist. Die REWE Group hat sich daher im Rahmen ihrer Leitlinie für Fische, Krebs- und Weichtiere dazu verpflichtet, zunehmend Fischprodukte aus nachhaltiger und zertifizierter Fischerei und Aquakultur zu beziehen und dies dem Verbraucher transparent darzustellen.


Anteile nachhaltigerer Eigenmarken-Fischprodukte der REWE Group in Deutschland (in Prozent)

2016 2017
Anteil MSC-Produkte 86 % 88 %
Anteil PRO PLANET-Produkte 45 % 41 %
Anteil der Eigenmarken-Fischprodukte mit Tracking-Code  85 % 81 %

Im Sortiment der REWE Group in Österreich sind rund 400 MSC-zertifizierte Fischprodukte bei Eigen- und Industriemarken.

Soja als Futtermittel

In der konventionellen Nutztierhaltung wird für eine ausreichende Eiweißversorgung der Tiere in vielen Fällen auf aus Übersee importierten Sojaschrot zurückgegriffen, der häufig von gentechnisch veränderten Sorten stammt. Die REWE Group hat deswegen in ihrer Leitlinie für Leitlinie für Soja als Futtermittel unter anderem die Gentechnik-Freiheit von Soja als Anforderung für die Erzeuger von Eigenmarkenprodukten festgelegt. Die Umsetzung dieser Anforderung erfolgt individuell für jede Nutztierspezies. Für den Nachweis der gentechnikfreien Fütterung setzt die REWE Group in Deutschland auf das Siegel des Verbands für Lebensmittel ohne Gentechnik e.V. (VLOG). Wie bereits im Vorjahr erhielt im Jahr 2017 das gesamte Frischei-Sortiment der REWE Group in Deutschland das VLOG-Siegel, bei Frischmilch konnte der Anteil von 20 Prozent im Jahr 2015 auf 77 Prozent 2016 und auf 99 Prozent im Jahr 2017 gesteigert werden. Bei der REWE Group in Österreich stammt das gesamte Frischei- und Frischmilchsortiment aus gentechnikfreier Fütterung.

2015 2016 2017
Anteil der Produkte mit Siegel des Verbands für Lebensmittel ohne Gentechnik e.V. (VLOG)
Frischmilch 20 % 77 % 99 %
Frischei-Sortiment 100 % 100 %

Holz und Papier

Die REWE Group setzt sich für den Schutz der Wälder und der dort lebenden Tier- und Pflanzenarten ein. Sie unterstützt daher eine umweltgerechte und sozialverträgliche Waldwirtschaft, indem sie Holz und Papier für ihre Produkte und Verpackungen zunehmend aus nachhaltig bewirtschafteten Quellen bezieht. Dabei setzt die REWE Group auf die Siegel des Forest Stewardship Council (FSC®) und des Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC) sowie auf das Umweltzeichen Blauer Engel. Bereits eine Vielzahl von Produkten der REWE Group sind mit diesen Siegeln ausgezeichnet. Beispielsweise sind fast 80 Prozent der Hygienepapierprodukte bei REWE und PENNY mit dem FSC®-Label ausgelobt. Alle weiteren Hygienepapiere tragen entweder das PEFC™-Label oder den Blauen Engel. Darüber hinaus versucht die REWE Group, kontinuierlich den Recyclinganteil in Hygienepapieren zu steigern – so wird beispielsweise unter der REWE-Eigenmarke ja! ein Hybridtoilettenpapier mit einer Zwischenlage aus 100 Prozent Recyclingpapier angeboten. Es werden sämtliche Papiertragetaschen aus FSC®-zertifiziertem Papier hergestellt ebenso wie alle Verpackungen der Eigenmarke Vivess. Nahezu alle Eigenmarken-Schreibwarenpapierprodukte des REWE-Vollsortiments tragen den Blauen Engel und fast alle Schreibwarenpapierprodukte bei PENNY sind FSC®-zertifiziert. toom Baumarkt bietet ein stetig wachsendes Sortiment an zertifizierten Artikeln aus zahlreichen Produktkategorien an und ist offiziell FSC®- und PEFC-zertifiziert. Damit erfüllt toom Baumarkt die hohen Standards zu Transparenz und Kontrolle der Produktkette der beiden Systeme zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung.

Torffreie Erden

toom Baumarkt hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2025 keine torfhaltigen Erden mehr anzubieten. Dies betrifft Eigenmarken sowie Markenprodukte. Im Zuge der Umstellung wird der Torfanteil über das gesamte Sortiment kontinuierlich reduziert und durch nachwachsende Rohstoffe ersetzt. Darüber hinaus wird das Angebot an torffreien Erdenprodukten jedes Jahr erhöht, im Frühjahr 2017 wurde etwa das Angebot der torffreien toom Naturtalent Blumenerden auf fünf Artikel erweitert, die zusätzlich das PRO PLANET-Label tragen. Auch die Vertriebslinien REWE und PENNY haben ihr saisonales Erdensortiment um torffreie und torfreduzierte Alternativen ergänzt.

Natursteine

toom Baumarkt möchte sicherstellen, dass beim Abbau und der Produktion von Natursteinprodukten soziale Standards und Umweltvorgaben eingehalten werden. Dafür arbeitet toom seit einigen Jahren mit den unabhängigen Experten von XertifiX zusammen, um die Lieferkette von Natursteinen bis in den Steinbruch lückenlos zu verfolgen und die Einhaltung von sozialen wie ökologischen Kriterien unabhängig zu kontrollieren. Seit 2016 sind die ersten zertifizierten Natursteinprodukte in den toom Baumärkten, die das XertifiX PLUS- sowie das PRO PLANET-Label tragen. Dieses Sortiment an zertifizierten Produkten wird kontinuierlich ausgebaut, so tragen z. B. alle in den toom Märkten erhältlichen Natursteinprodukte für den Garten aus China und Indien das XertifiX PLUS-Label (für mehr Informationen siehe auch das Kapitel Natursteine im Magazin).

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