REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2015/2016
  • Solide aufgestellt:
    PRO PLANET-Natursteine

Ob Pflastersteine, Treppen oder Küchenplatten – mit Natursteinen kommen wir tagtäglich in Berührung. Ein Großteil der Steine stammt aus China oder Indien und wird teils unter alarmierenden Bedingungen abgebaut. Als erste Baumarktkette in Deutschland hat toom gemeinsam mit einem unabhängigen Zertifizierer einen Prozess entwickelt, um die Lieferkette bis in den Steinbruch lückenlos zu verfolgen. Seit 2016 sind die ersten zertifizierten Produkte in den Märkten zu finden, die auch das PRO PLANET-Label tragen.

Meterhohe Schneideräder fressen sich laut dröhnend durch Gesteinsblöcke, die Luft ist voller Staub, dazu sengende Hitze: Die Arbeit in chinesischen Steinbrüchen und Verarbeitungsbetrieben ist ein Knochenjob. Und sie ist gefährlich. Nach Beobachtung der Organisation Xertifix e.V. tragen die Beschäftigten nur selten geeignete Arbeitsschutzausrüstung. Sie arbeiten unter widrigen Bedingungen ohne Atemschutz, Helm, Schutzbrille und Ohrenschützer. Ihre Füße stecken häufig in einfachen Schuhen oder Sandalen anstatt in Sicherheitsschuhen. Teilweise werden sogar Kinder für die schwere Arbeit eingesetzt. „Damit verstoßen die Produzenten von Natursteinen oft nicht nur gegen internationale Standards, sondern auch gegen die lokale Gesetzgebung“, weiß Thomas Mura, Fachbereichsleiter Aktions- und Stammdatenmanagement sowie Projektmanager PRO PLANET bei toom.

Transparente Lieferkette

Knapp 90 Prozent der Natursteine, die toom Baumarkt in seinen Märkten verkauft, stammen aus China. Vor allem Granit, Basalt und Porphyr – allesamt Materialien, die Gartenfreunde wegen ihrer großen Farb- und Formenvielfalt schätzen. „Als verantwortungsvoll handelndes Unternehmen sind wir in der Pflicht, uns für mehr Arbeitsschutz und gegen Kinderarbeit in Steinbrüchen einzusetzen“, betont Mura. Nur: Wie macht man das im Alleingang und als vergleichsweise kleiner Abnehmer von Natursteinen? Der erste Schritt, so erläutert Kai Battenberg, Fachbereichsleiter Nachhaltige Ware bei toom Baumarkt, sei, Transparenz zu schaffen: „Wir müssen die Lieferkette von Natursteinen bis in den Steinbruch lückenlos verfolgen.“ Nur dann sei es möglich, die Produktionsstätten regelmäßig und auch unangekündigt zu überprüfen.

Die Baumarktkette hat gemeinsam mit dem PRO PLANET -Beirat und den Experten von Xertifix e.V. als Erster in der Branche einen Prozess entwickelt, der für Transparenz in der Lieferkette sorgt, Anforderungen für Verbesserungen definiert und diese auch durch Kontrollen nachhält.

Die Herausforderung besteht darin, die Betriebe zum Einhalten von grundsätzlichen Menschenrechts- und Umweltstandards zu bewegen – und die Lieferbeziehung zu beenden, falls dies nicht der Fall ist. Denn für toom Baumarkt war von Anfang an klar: Wer den Ansprüchen auf Dauer nicht gerecht wird, kommt als Geschäftspartner nicht infrage. „Bei Verstößen beenden wir die Lieferbeziehung und listen die Produkte aus“, betont Kai Battenberg.

Bereits 2014 hatte die REWE Group unter Federführung von toom Baumarkt eine Leitlinie für Natursteinerzeugnisse aufgesetzt. Diese definiert die Anforderungen an die Lieferkette – vor allem für die Steinverarbeitung und Steinbrüche. Die Auditierung durch Xertifix e.V. war der nächste Schritt. Seit 2016 sind die ersten zertifizierten Produkte in den Märkten zu finden, die auch das PRO PLANET-Label tragen.

Was steht hinter der Zertifizierung von Xertifix und PRO PLANET?

Die toom-Natursteinprodukte mit dem PRO PLANET-Label erhalten die Zertifizierung nur, wenn sie aus Steinbrüchen und Produktionsstätten stammen, die unter verbesserten sozialen und ökologischen Bedingungen produzieren.

Durch unabhängige Kontrollen durch die Organisation Xertifix e.V. – in Form von angekündigten und unangekündigten Audits – wird die Einhaltung der vereinbarten Standards regelmäßig überprüft. Anschließend wird entschieden, ob das Xertifix PLUS-Label vergeben wird, das wiederum die Voraussetzung für die Vergabe des PRO PLANET-Labels ist. Bedingungen sind unter anderem:

  • Bezahlung von existenzsichernden Löhnen, zumindest aber Mindestlöhnen nach geltendem nationalen Standard
  • Keine Beschäftigung von Kindern
  • Freies Zugangsrecht zu Gewerkschaften und zu Kollektivverhandlungen
  • Rückverfolgbarkeit der Lieferkette bis zum Steinbruch
  • Bereitstellung und Nutzung von Schutzausrüstung
  • Maßnahmen zur Kontrolle der Verschmutzung/Abfallmanagement

Drei Fragen an:


Friedel Hütz-Adams,
PRO PLANET-Beiratsmitglied und wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Südwind e.V.

toom Baumarkt hat nun auch Natursteine mit dem PRO PLANET-Label im Sortiment. Was sind die wesentlichen Nachhaltigkeitsherausforderungen bei diesem Produkt?

Bereits vor mehr als zehn Jahren habe ich meine erste Studie über den Natursteinsektor geschrieben. Damals ging es um die Situation in indischen Steinbrüchen, und die Missstände waren erschreckend. Die Arbeit in Steinbrüchen ist sehr hart und führt bei mangelnden Sicherheitsvorkehrungen oft zu Verletzungen. Im Sandsteinsektor führt die Staubbelastung häufig zu dauerhaften Lungenerkrankungen bei den Beschäftigten. Eine Zahl, die hängen geblieben ist: Die durchschnittliche Lebenserwartung in Sandsteinbrüchen lag damals unter 40 Jahren. Eng verbunden mit der Armut der Beschäftigten ist die weit verbreitete Kinderarbeit.

In anderen Ländern, insbesondere beim weltweit wichtigsten Exporteur China, ist die Situation in den Betrieben in der Regel bei Weitem nicht so schlecht wie in Indien. Dennoch fehlt es auch dort häufig am Schutz der Beschäftigten vor Verletzungen und es werden teilweise keine existenzsichernden Löhne gezahlt und ökologische Mindestanforderungen nicht eingehalten.

Wie ist der PRO PLANET-Prozess bei Natursteinen abgelaufen? Welche Verbesserungen wurden erreicht?

Aufgrund der immensen sozialen und ökologischen Probleme stand die Frage nach mehr Nachhaltigkeit in der Wertschöpfungskette von Natursteinen seit Jahren im Raum. Der PRO PLANET-Beirat hat daher sehr begrüßt, dass toom sich die eigene Lieferantenstruktur angeschaut hat und zudem eine externe Zertifizierung der Lieferkette angestrebt hat.

Die enge Zusammenarbeit mit einem Zertifizierer war die Voraussetzung für den Beirat, der Vergabe des Labels von PRO PLANET für Natursteine zuzustimmen. Die Kooperation mit Xertifix e.V. belegt, dass Transparenz in den Lieferbeziehungen geschaffen worden ist. Darüber hinaus wurde eine Vielzahl von ökologischen und sozialen Kriterien definiert, die in den Lieferbetrieben erfüllt sein müssen. Dies ist ein großer Fortschritt.

Was muss aus Ihrer Sicht zukünftig geschehen, um Menschenrechte und Arbeitsbedingungen bei der Natursteinproduktion dauerhaft zu verbessern? Welche Rolle können Handelsunternehmen dabei spielen?

Ursache für viele Missstände ist der große Preisdruck in der Branche. Die Schaffung von Transparenz in der Wertschöpfungskette ist daher lediglich ein erster Schritt. Handelsunternehmen müssen darauf achten, dass sie die Preise nicht zu weit drücken, um existenzsichernde Löhne, Investitionen in die Sicherheit der Beschäftigten und Renaturierungsmaßnahmen nach Aufgabe von Steinbrüchen zu ermöglichen. toom geht durch die Zusammenarbeit mit Xertifix voran auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Natursteinproduktion.

PRO PLANET – Das Navigationssystem für nachhaltigere Produkte

Mit dem PRO PLANET-Label hat die REWE Group eine verlässliche Orientierungshilfe für Verbraucher entwickelt. Das Label findet bei unterschiedlichsten Produkten Anwendung und benennt konkret, welchen sozialen oder ökologischen Mehrwert das jeweilige Produkt bietet.

Im Rahmen der Vergabe des PRO PLANET-Labels setzt sich die REWE Group dafür ein, Probleme in der Wertschöpfungskette zu analysieren und systematisch zu lösen. Ein klar geregelter Vergabeprozess, der durch einen unabhängigen Beirat begleitet wird, stellt sicher, dass das PRO PLANET-Label für wirksame Verbesserungen steht.

So ermöglicht das PRO PLANET-Label eine informierte Kaufentscheidung und trägt dazu bei, nachhaltigeren Konsum in der Breite zu fördern.

„Verbraucher wissen, dass Nachhaltigkeit in der Lieferkette kompliziert ist und Zeit braucht. Sie erwarten, dass Unternehmen sich entsprechend engagieren. Je mehr nachhaltigere Produkte auf dem Markt sind, desto einfacher können Verbraucher dieses Engagement honorieren. PRO PLANET gibt Verbrauchern genau diese Orientierungshilfe.“


Georg Abel,
Die VERBRAUCHER INITIATIVE e.V., Mitglied des PRO PLANET-Beirats

Ausgewählte PRO PLANET-Produkte

Für den Schutz der Moore und des Klimas bietet toom Baumarkt torffreie Erde mit dem PRO PLANET-Label an, die außerdem mit dem Bio-Grünstempel® zertifiziert ist.

Für einen nachhaltigeren Schokoladengenuss setzt die REWE Group bei den PRO PLANET-Schokoladen der Marke REWE Beste Wahl auf eine Fairtrade-Zertifizierung.

Mit PRO PLANET-Ananas und -Bananen schützt die REWE Group die Artenvielfalt und verbessert die sozialen Bedingungen der Menschen vor Ort.

Mit den PRO PLANET-Haselnüssen nimmt die REWE Group als erster Handelskonzern in Deutschland UTZ-zertifizierte Haselnüsse in das Sortiment auf.

Wie die Bananenproduktion in Costa Rica im Rahmen von PRO PLANET verbessert wurde.

Mehr Informationen unter dem GRI-Aspekt Beschaffung hier in diesem Bericht und auf der Website proplanet-label.com

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