REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2015/2016
  • Pionierarbeit im Stall

Im Rahmen verschiedener Projekte engagieren sich REWE und PENNY für eine bessere Haltung von Legehennen und die Aufzucht der männlichen Küken. Damit setzt die REWE Group Maßstäbe für die gesamte Branche.

Wir essen sie in unterschiedlichen Varianten, als klassisches Frühstücksei, Spiegelei, Omlette oder auch in selbst gebackener Schokoladentorte. Die Rede ist von frischen Eiern. Im vergangenen Jahr verzehrte jeder Deutsche im Durchschnitt 235 Eier – frische und natürlich auch als Zutat in fertigen Nahrungsmitteln wie Nudeln, Kuchen oder vielen anderen Produkten.

Doch wo kommen die frischen Eier her? Und wie werden sie produziert? Glücklicherweise sind seit 2010 konventionelle Legebatterien, wo Tausende Hühner in großen Hallen in winzigen Drahtkäfigen zusammengepfercht wurden, in Deutschland verboten. Seither erfolgt die Haltung der Legehennen in Kleingruppen-, Boden- oder Freilandhaltung sowie in ökologischer Erzeugung. Denn Hühner brauchen Platz. Sie möchten picken, scharren, gurren, gackern, flattern und so ihre angeborenen Verhaltensweisen ausleben. Eine Haltung nach den Bedürfnissen der Tiere eben – und diese fängt bereits bei der Aufzucht als Küken an. Noch werden in Deutschland pro Jahr rund 45 Millionen männliche Küken unmittelbar nach der Geburt getötet, weil sie keine Eier legen und nur wenig Fleisch ansetzen. Auch die Legehennen in konventioneller Boden- und Freilandhaltung haben oft einiges zu erleiden. So war es lange gängig, den Hühnern in den ersten Lebenstagen die Schnäbel zu kürzen, um ein gegenseitiges Verletzen zu verhindern.

Ein Pilotprojekt macht den Anfang

Zufrieden scharrende Hühner, eine Aufzucht von männlichen und weiblichen Küken und gentechnikfreies Futter: Bereits seit Jahren arbeitet die REWE Group an der Verbesserung der Geflügelhaltung und bringt diese mithilfe von Pilotprojekten in die Praxis – Pionierarbeit, die oft einen langen Atem erfordert. So wird bei der REWE Group bereits seit 2013 komplett auf gentechnisch verändertes Soja als Geflügelfutter verzichtet. Ein weiteres wichtiges Projekt startete im September 2014, in einem PRO PLANET-Pilotstall in Niedersachsen (mehr zum Thema PRO PLANET im GRI-Bericht). Damals wollte die REWE Group umsetzen, was absolut unüblich bei konventionell gehaltenen Legehennen war: die Haltung ohne gekürzte Schnäbel. Denn das Kürzen ist ein schmerzhafter Eingriff, um zu verhindern, dass sich die Hennen gegenseitig verletzen oder gar töten. Lässt man die Schnäbel intakt, müssen stattdessen die Haltungsbedingungen, das Futter und das Management geändert werden. Wie genau die Bedingungen im Hühnerstall angepasst werden müssen, das sollte in dem wissenschaftlich durch die Hochschule Osnabrück begleiteten PRO PLANET-Projekt ausprobiert werden. Dazu wurden auf einem niedersächsischen Hühnerhof 46.000 Legehennen mit intaktem Schnabel eingestallt. Die ersten Eier wurden bereits zwei Monate später in einem regionalen Testlauf vermarktet. Auch alle anderen PRO PLANET-Eierlieferanten mussten nach Vorgabe der REWE Group mindestens eine Herde mit Tieren halten, deren Schnäbel nicht gekappt werden. So kamen viele Erfahrungen zusammen, die zeigten: Hühnerhaltung mit spitzem Schnabel ist möglich – wenn konsequent bedarfsorientiert gehalten wird.

Mit „Spitz & Bube“ gegen das Kükentöten

Für die REWE Group war es damit Zeit für den nächsten Schritt. Nicht nur das Schnäbelkürzen sollte aufhören, auch das Töten der männlichen Küken. Zu dieser Zeit stieß auch Jennifer Lichter zur REWE Group. Ihre erste Aufgabe: Futtermittel auf Gentechnikfreiheit zu prüfen. Als nach ein paar Monaten dann das Angebot kam, bei der REWE Group ihre Masterarbeit zum Verzicht auf das Kükentöten zu schreiben, zögerte sie zunächst: „Eine wissenschaftliche Arbeit über das Töten von Küken – willst Du das?“ Ihre Zweifel verflogen schnell, denn im Grunde ging es um das Lebenlassen. Ein zusätzlicher Ansporn war, dass sie ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Praxis erproben konnte – in dem Projekt „Spitz & Bube“. Wie der Name andeutet, werden die Schnäbel der Hühner nicht gekürzt (Spitz). Zudem bekommen die Tiere Beschäftigungsmaterial wie Strohballen oder Picksteine, gentechnikfreies Futter und wachsen in Freilandhaltung auf. Zum anderen werden die männlichen Küken (Bube) bis zur Schlachtreife aufgezogen – erstmals in der konventionellen Eierproduktion (wie die REWE Group das Kükentöten in Zukunft überflüssig machen will, erfahren Sie hier im Magazin).

„Ich wünsche mir persönlich, dass der Kunde wahrnimmt, was wir tun, und dass es sich für die Landwirte lohnt, in mehr Tierwohl zu investieren.“


Jennifer Lichter,
Referentin im Bereich Nachhaltigkeit Ware Food REWE Group

Ein voller Erfolg: Im April 2016 startete REWE mit der Exklusivmarke „Spitz & Bube“ in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. PENNY zog nach und brachte im Februar 2017 die ersten Frischeier der Marke HERZBUBE in die Märkte.

Beim Schnäbelkürzen ging es danach sehr schnell bei der REWE Group: Nachdem PENNY als erster Discounter bereits seit Februar 2016 bundesweit Frischeier von Hühnern mit intaktem Schnabel im Sortiment hat, gilt dies ab September 2017 für alle Eigenmarken von REWE und PENNY. So zahlt sich Pionierarbeit aus.

Die Rasse macht’s: „Sandy“ und „Lohmann Brown“

Bei „Spitz & Bube“ kommt mit „Sandy“ eine in Deutschland neue Hühnerrasse zum Einsatz, die sich durch ein ruhigeres Wesen auszeichnet. Sandy hat den Ruf, nicht so schnell in Stress zu geraten, und attackiert dadurch viel seltener ihre Mitbewohnerinnen. Eine weitere Besonderheit: Sandys Eier sind nicht weiß oder braun, sondern sandfarben. Die Rasse „Sandy“ bringt männliche Tiere hervor, die sich auch bedingt zum Mästen eignen – heutige spezialisierte Zuchtrassen liefern entweder Eier oder Fleisch. Die teilnehmenden Landwirte ziehen die männlichen Tiere mehr als doppelt so lange wie üblich auf – bei deutlich geringerer Gewichtszunahme als bei konventionellen Masthähnchen. Ähnlich läuft es auch bei PENNY. Der Unterschied: Die HERZBUBE-Eier stammen von Hühnern der Rasse „Lohmann Brown“.

„Für die HERZBUBE-Eier haben wir je 72.000 weibliche und männliche Küken eingestallt. Als erster Discounter geben wir ein klares Signal in den Markt, dass wir die bisherige Praxis so schnell als möglich überwinden müssen. Wir zeigen, dass es im Hinblick auf das Tierwohl, aber auch mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit praktisch möglich ist, die männlichen Küken nicht unmittelbar zu töten.“


Stefan Magel,
COO PENNY

Die Kunden entscheiden mit

Schmerzhaft gekürzte Schnäbel bei Legehennen, Töten der männlichen Kücken – wer weiß das schon beim Eierkaufen? Vielen Verbrauchern sind die Methoden in der Geflügelhaltung nicht bewusst. Dennoch herrscht Einigkeit, dass sich die Deutschen verbesserte Bedingungen bei der lebensmittelbedingten Tierhaltung wünschen und dafür auch mehr Geld ausgeben würden.

90%

Knapp 90 Prozent der Deutschen wünschen sich eine bessere Tierhaltung. 88 Prozent würden mehr Geld für Lebensmittel ausgeben, wenn diese aus Haltungen mit höheren Tierwohlstandards stammen (BMEL 2017).

Deshalb hat die REWE Group die Einführung der Exklusivmarken „Spitz & Bube“ und HERZBUBE mit viel Kommunikation begleitet. Aufsteller, Flyer und Deckenhänger sorgten für Aufmerksamkeit bei den Kunden. Zudem sind die wichtigsten Mehrwerte der Eier direkt auf der Verpackung nachzulesen. Es lässt sich sagen: „Spitz & Bube“ und HERZBUBE wurden gut angenommen, trotz des etwas höheren Preises. Es scheint, die Frühstückseier, Omeletts, Spiegeleier oder die Torte am Sonntag schmecken gleich noch einmal so gut.

Was REWE und PENNY außerdem für das Tierwohl tun:

Artgerechte Hähnchenhaltung

Verzicht auf unbetäubte Ferkelkastration

Auch bei verarbeiteten Produkten: Verzicht von Käfighaltungseiern

Schweine mit Ringelschwanz

Mehr Informationen zu Tierwohl im GRI-Bericht.

Weiterführende Artikel