REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2015/2016
  • Green Building –
    eine neue Supermarktgeneration

Die Märkte und das Sortiment der REWE Group sind der tägliche Prüfstein für glaubwürdiges nachhaltiges Handeln. Für die Märkte gilt: Auf die Bauweise kommt es an.

Mit ihrem Green Building-Konzept hat die REWE Group einen neuen Standard für nachhaltige Supermärkte entwickelt. Ökologische und soziale Aspekte werden in den aktuell rund 90 REWE Green Buildings vereint. Durch das fortschrittliche Baukonzept sparen die Gebäude rund 40 Prozent Energie im Vergleich zu einem Standardbau ein*. Dafür sorgen der Einsatz von modernster Heizungs-, Lüftungs- und Beleuchtungstechnik, energieeffiziente Kälteanlagen und wirksame Dämmung. Von all dem bekommen Kunden und Mitarbeiter nur einen Bruchteil mit. Doch auch für sie ist ein Green Building kein Standardmarkt. Die Mitarbeiter arbeiten gerne in den hellen und großzügigen Märkten und bekommen positives Feedback der Kunden. Und das ist kein Zufall. Neben Umweltaspekten steht bei einem REWE Green Building der Mensch im Fokus der Planung – denn ein nachhaltiger Verbrauchermarkt berücksichtigt die Frage: Wie fühlt sich der Einzelne in einem Gebäude? Für den stationären Handel ein entscheidender Aspekt, denn heute sind es nicht nur die Artikel, die die Menschen in die Läden bringen, sondern auch die Atmosphäre, die freundliche und gut gelaunte Mitarbeiter den Kunden bieten.

*Angabe bezieht sich auf den Primärenergiebedarf bei der Einführung des REWE Musterkonzeptes 2012 gegenüber vergleichbaren konventionellen Märkten.

Nachhaltigkeit messbar machen

Um höchste Standards in Sachen nachhaltiger Gebäudegestaltung zu gewährleisten, werden grundsätzlich alle Märkte der REWE Group in Deutschland nach den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB e.V.) als Green Building errichtet. Den Anfang machte das 2009 in Berlin-Rudow eröffnete deutschlandweit erste REWE Green Building. Mittlerweile sind ein PENNY-Markt, neun toom-Baumärkte, ein Lager und 79 REWE-Märkte nach den Anforderungen der DGNB erbaut.

Im Interview erzählt Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführerin der DGNB, über Anfänge und Hintergründe des nachhaltigen Supermarktkonzepts der REWE Group:

Was ist für Sie persönlich das Besondere an den Green Buildings der REWE Group?
Kurz nach der Zertifizierung des Prototyps in Berlin habe ich den Markt besucht. Damals war er etwas ganz Innovatives, worauf wir als DGNB heute noch sehr stolz sind. Alleine die Architektur mit dem Einsatz von Holz und einfallendem Tageslicht versprüht ein ganz anderes Raumgefühl und schafft ein besonderes Einkaufserlebnis. Das fand ich sehr beeindruckend.

Welche Rolle spielte die DGNB bei dem Start von REWE Green Building?
2009 haben wir unser DGNB-System auf dem Markt eingeführt und an den ersten 16 Büroobjekten erprobt. Auf der Messe BAU in München haben wir damals die ersten Zertifikate verliehen – das war mein erster Arbeitstag bei der DGNB. Als Leiterin unserer Systemabteilung war ich dafür verantwortlich, das für Büroobjekte entwickelte System für die Zertifizierung großer Gebäude, wie Handelsbauten, weiterzuentwickeln. Und der REWE-Markt in Berlin hat sich relativ schnell und ganz mutig als Pilotprojekt zur Verfügung gestellt, diese neu entwickelten Kriterien zu testen. Das war damals eine sehr dynamische Zeit bei der DGNB, und das war wirklich Pionierarbeit für die Projekte, die damals mitgemacht haben.

„Das erste REWE Green Building in Berlin war für uns und die REWE Group ein Pilot. Gemeinsam haben wir durch gegenseitiges, konstruktives Feedback, durch Evaluierung und ständige Verbesserungen einen praxistauglichen Baustandard für Verbrauchermärkte entwickelt.“


Dr. Christine Lemaitre,
Geschäftsführerin der DGNB
2009 eröffnete in Berlin Rudow das deutschlandweit erste REWE Green Building.

Was macht aus der Sicht der DGNB einen nachhaltigen Verbrauchermarkt aus?
Im Fokus steht der Mensch – denn ein nachhaltiger Verbrauchermarkt berücksichtigt die Frage: Wie fühlt sich der Einzelne in einem Gebäude, das täglich als Anlaufpunkt für wirklich viele Menschen dient? Die REWE Group hat das mit ihren Green Buildings und der innovativen Architektur sehr klar dokumentiert: die bewusste Auswahl der Bauprodukte, die architektonische Integration der Märkte in das Umfeld des Standorts, die Energiekonzepte, das ganzheitliche Denken zwischen lokaler Energieerzeugung und einer effizienten Energienutzung. Beispielsweise hat REWE erstmals Kühltheken mit Türen integriert. Hier wurden zunächst Bedenken geäußert: „Sie machen jetzt eine Tür zwischen Kunde und Ware“, hieß es vereinzelt. Letztendlich hat REWE trotzdem das Konzept umgesetzt und der Grundsatz keine unnötige Energie zu verschwenden, hat sich durchgesetzt.

„Mit ihren Green Buildings verfolgt die REWE Group ein ganzheitliches Konzept und bringt dieses auf einem sehr hohen Qualitätsniveau bei der Umsetzung eines jeden neuen Marktes ein. Das hat bis heute einen Leuchtturmcharakter.“


Dr. Christine Lemaitre,
Geschäftsführerin der DGNB

Die ökologischen Aspekte liegen auf der Hand. Was macht die sogenannte soziokulturelle Qualität eines Gebäudes aus? Welche Rolle spielt diese bei einem Supermarkt?
Die soziokulturelle Qualität geht nach der Definition der DGNB stark auf das Wohlbefinden der Menschen ein. Wir betrachten Themen wie den thermischen Komfort oder die Tageslichtverfügbarkeit, die unmittelbar den Kunden und Mitarbeitern zugutekommen. Des Weiteren adressieren wir Themen wie Außenraumqualitäten: Gibt es Angebote für den Kunden und Mitarbeiter, sich im Außenraum vernünftig aufzuhalten? Wie ist die Infrastrukturanbindung geregelt – hinsichtlich Fahrradstellplätzen oder Entfernungen? Diese Faktoren werden etwa über Zahlen oder Werte, die in der Planung ermittelt werden, in einer Benchmarksystematik gewichtet. Messbarkeit ergibt sich aus der Definition klarer Anforderungen, die sich an gängigen Normen und Standards orientieren.

Um zukunftsfähig zu bleiben, setzt die REWE Group auf eine ganzheitliche, nachhaltige Gebäudeentwicklung, was oftmals mit höheren Investitionen verbunden ist. Ist nachhaltiges Bauen wirtschaftlich sinnvoll?
Ja, natürlich. Auf lange Sicht amortisieren sich die Kosten. Durch eine Standardisierung der Bauweise sinken die Entwicklungskosten und damit die Schwelle für weitere Projekte. Zudem hat sich gezeigt, dass eine ganzheitliche, nachhaltige Gebäudeentwicklung die Kosten der Bewirtschaftung deutlich sinken lässt, während eine minderwertige Bauqualität mit höheren Instandhaltungskosten einhergeht. Diese Lebenszykluskosten sind für uns ein essenzieller Teil unseres Nachhaltigkeitsverständnisses. Manchmal bedeutet das, dass teilweise höhere Investitionskosten entstehen, die über den Lebenszyklus gesehen durch niedrigere Folgekosten ausgeglichen werden.

„Es wird spannend bleiben. Denn Erfolg verpflichtet – uns als DGNB ebenso wie die REWE Group, die hoffentlich weiterhin genauso mutig voranschreiten wird wie bisher.“


Dr. Christine Lemaitre,
Geschäftsführerin der DGNB

Mit dem Green Building Konzept hat die REWE Group ihre nachhaltige Gebäudeentwicklung standardisiert, was durch die DGNB mit einem Gold-Zertifikat ausgezeichnet wurde. Welche Vorteile bringt das?
Die REWE Group richtet die Gebäudeentwicklung der Märkte am DGNB-System aus und hat dadurch einen Qualitätsstandard mit möglichen Varianten und Konfigurationsmöglichkeiten erarbeitet. Diesen hat die DGNB unabhängig verifiziert und die Baubeschreibung mit einem sogenannten Basiszertifikat ausgezeichnet. Das Basiszertifikat hat die Auszeichnungsstufe Gold, wobei es immer die Möglichkeit gibt, bei einzelnen Märkten Weiterentwicklungen umzusetzen und diese dann mit einer Platin-Zertifizierung auszuzeichnen. Das DGNB-System basiert darauf, dass Mehr-Leistungen – also die Übererfüllung von Kriterien, gängigen Normen und Standards – belohnt werden. Die REWE Group verfolgt einen sehr hohen Anspruch und macht mehr, als eigentlich verlangt wird.

Gemeinsam mit der DGNB und ihren Mitgliedern entwickelt die REWE Group innovative Baukonzepte. Welche Nachhaltigkeitsaspekte werden für Handelsgebäude zukünftig stärker an Bedeutung gewinnen?
Eine wichtige Rolle spielten die Themen Materialität, Materialflüsse und Stoffstrommanagement. Dies möchten wir im Rahmen einer Betrachtung der Circular Economy in unserem DGNB-System stärker verankern. Das heißt, bereits in der Auswahl müssen die Recyclingfähigkeit und Rückbaubarkeit der Materialien berücksichtigt werden. Beispielsweise kann es für einen Handelsbau ein wichtiges Thema werden, dass gewisse Dinge nicht mehr erworben, sondern als Dienstleistungen genutzt werden. Sie kaufen also nicht mehr die Leuchte, sondern erwerben die Nutzung von Licht. Auch die Betrachtung des Gebäudes in seinem städtebaulichen Kontext wird an Bedeutung gewinnen. Als wir 2009 mit dem DGNB-System gestartet sind, waren uns Stellplätze für Fahrräder sehr wichtig. Heute reden wir über Elektromobilität, über Carsharing, vielleicht künftig auch über ganz andere Anforderungen, beispielsweise wie die Menschen zu einem Markt kommen oder wie die Ware zu ihnen kommt. Und das sind Dinge, die wir eben auch im DGNB-System perspektivisch mit abbilden möchten.

Das zeichnet ein REWE Green Building aus

  • Mehr Licht: Große Fenster und Lichtkuppeln tragen zum Wohlbefinden von Kunden und Mitarbeitern bei. Dank Helligkeitssensoren im Markt wird das Licht je nach Tageslichtanteil gedimmt und nur dann eingeschaltet, wenn es wirklich gebraucht wird.
  • Umweltverträglich gebaut: Für die Trägerkonstruktion eines Green Buildings wird Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft verwendet, ebenso für die Hauptfassade und in vielen Fällen auch für die Dachschale. Auch bei den weiteren Materialien wird auf umweltverträgliche und recycelbare Baustoffe geachtet.
  • Gut für das Klima: Die Green Building-Märkte nutzen zu 100 Prozent Grünstrom und erzeugen eigenen Strom mit Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern. Energiesparende Kühlmöbel mit natürlichen Kältemitteln verringern den Stromverbrauch und schonen das Klima. Verglaste Wandkühlregale für Fleisch- und Molkereiprodukte lassen weniger Kälte entweichen.
  • Der Mensch im Mittelpunkt: Barrierefrei gestaltete Märkte, Behindertentoiletten und Wickelplätze erleichtern das Einkaufserlebnis für alle Kunden. Das Wohlgefühl wird durch Tageslicht, Holzelemente und hervorragende Raumluft verstärkt. Eingangsnahe Fahrradstellplätze ermöglichen eine bequeme und klimafreundliche Anfahrt.

Für weitere Informationen zu REWE Green Building siehe Green Building im GRI-Bericht.

Weiterführende Artikel