REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2015/2016
  • Gemeinsam Teller füllen

In Deutschland gibt es Lebensmittel im Überfluss – dennoch herrscht bei einigen Menschen Mangel. Wenn das Geld knapp wird, sparen viele bei der täglichen Ernährung. Die Tafeln schaffen einen Ausgleich, indem sie bundesweit Menschen mit geringem Haushaltseinkommen kostenlos Lebensmittel zur Verfügung stellen. Die REWE Group unterstützt die Arbeit der Tafeln bereits seit 1996 durch regelmäßige Lebensmittelabgaben aus den Märkten und Lägern.

Viele Menschen in Deutschland wenden sich hilfesuchend an die Tafeln. Bereits heute versorgen die ehrenamtlichen Helfer rund 1,5 Millionen Bedürftige mit Lebensmitteln. Der enorme Zulauf stellt die Tafeln vor große Herausforderungen. Tonnen von Lebensmitteln müssen dort zur Verfügung stehen, wo die Hilfe benötigt wird.

Wer gilt eigentlich als bedürftig?

Bedürftig sind für die Tafeln alle Menschen, die nur über wenig Geld im Monat verfügen können. Das kann etwa an einer niedrigen Rente oder an Arbeitslosengeld, Sozialhilfe oder Grundsicherung liegen. Damit die Hilfe da ankommt, wo sie benötigt wird, lassen sich die Tafeln die Bedürftigkeit ihrer Kunden durch offizielle Dokumente nachweisen. Grundsätzlich gilt jedoch: Die Tafeln helfen allen Menschen, die der Hilfe bedürfen.

Dringend benötigte Lebensmittel

REWE unterstützt die Tafeln seit 20 Jahren dabei, die Lebensmittelversorgung für Bedürftige zu meistern. Die Märkte stellen jeden Tag kostenlos Lebensmittel zur Verfügung, die nicht mehr verkauft, aber dennoch bedenkenlos verzehrt werden können. Das sind beispielsweise Produkte, bei denen das Mindesthaltbarkeitsdatum bald abläuft oder deren Verpackung beschädigt ist, oder auch Obst und Gemüse mit kleinen Schönheitsfehlern. Seit 2009 können auch Kunden helfen und im Rahmen der jährlichen Aktion „Gemeinsam Teller füllen!“ die Tafeln mit dem Kauf einer sogenannten Tafeltüte unterstützen. Dabei werden Lebensmittel zur Verfügung gestellt, die aufgrund ihrer langen Haltbarkeit eher selten gespendet werden, wie zum Beispiel Nudeln, Reis, Schokolade, Marmelade oder Suppen.

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Tafeltüten im Wert von 2,25 Millionen Euro spendeten REWE und Kunden 2016 an die Tafeln.

„Wir sind begeistert von unseren Kunden und über die Solidarität, die sie gezeigt haben. Das Spendenvolumen ist 2016 gegenüber dem Vorjahr um 30.000 Tüten gestiegen. Demnach ist es uns zusammen mit den Tafeln gelungen, noch mehr Menschen dafür zu sensibilisieren, dass es innerhalb unserer Gesellschaft viele Bedürftige gibt, die unsere Unterstützung brauchen.“


Peter Maly,
Geschäftsführer der REWE Markt GmbH
Im Interview berichtet Jochen Brühl, Vorsitzender des Bundesverbands Deutsche Tafel e. V., über Herausforderungen und Hintergründe der täglichen Versorgung Bedürftiger mit Lebensmitteln

Die Tafeln und die REWE Group arbeiten seit 1996 zusammen. Damals gab es 70 Tafeln, heute sind es über 900. Was hat sich in der Zeit an der Arbeit und an den Aufgaben der Tafeln verändert?

Die Tafeln haben sich in den letzten 20 Jahren deutlich weiterentwickelt. Mittlerweile retten die Tafel-Aktiven in Deutschland jährlich über 200.000 Tonnen Lebensmittel und verteilen diese regelmäßig an circa 1,5 Millionen Menschen. Daneben unterstützen die Tafeln auch auf individueller Ebene durch Projekte wie z.B. Kinderkochen oder Mittagstische. Über die Jahre sind die Tafeln somit zu Orten der Begegnung geworden und bieten über die Lebensmittelausgabe hinaus vermehrt einen Treffpunkt und eine Anlaufstelle für viele Menschen.

Was waren für Sie die wichtigsten Meilensteine in der Zusammenarbeit mit der REWE Group? Was zeichnet die Partnerschaft besonders aus?

Der wichtigste und für viele sichtbarste Teil unserer Zusammenarbeit ist die jährliche Aktion „Gemeinsam Teller füllen“, die wir seit 2009 zusammen mit REWE und nahkauf durchführen. Damit haben wir in Bayern angefangen, mittlerweile läuft sie erfolgreich in ganz Deutschland.

Außerdem unterstützen die REWE Group, REWE und PENNY als Hauptsponsoren regelmäßig unser Bundestafeltreffen, bei dem Vertreter der über 900 Tafeln zur Mitgliederversammlung zusammenkommen.

Dass nach dem scheidenden Vorstandsvorsitzenden Alain Caparros nun auch sein Nachfolger Lionel Souque Mitglied im Kuratorium des Bundesverbands Deutsche Tafel e.V. ist, zeigt die enge, auch ganz persönliche Verbundenheit zwischen uns.

Bei der letzten Tafel-Aktion, in deren Rahmen Kunden bei REWE Lebensmittel mit hoher Haltbarkeit als Spende kaufen konnten, kamen rund 450.000 Lebensmitteltüten zusammen. Ist das eine logistische Herausforderung für die Ehrenamtler? Wie lange dauert es, bis diese Tüten verteilt sind?

Bei den Tafeln engagieren sich rund 60.000 Menschen, um Lebensmittel zu retten und Bedürftigen zu helfen. Die Aktion „Gemeinsam Teller füllen!“ ist eine wichtige zusätzliche Spende und funktioniert sehr gut. Die Vorbereitung und Abstimmung läuft über den Bundesverband. Die gespendeten Tüten werden dann bei den Märkten vor Ort von den lokalen Tafeln abgeholt und verteilt. Diese Verteilung geht meist recht schnell, bedeutet aber natürlich Zeitaufwand für die Tafel-Ehrenamtlichen neben der täglichen Tafel-Arbeit – den diese gerne leisten.

Warum ist es wichtig, die Kunden durch solche Aktionen einzubeziehen?

Mit dieser Aktion schaffen wir Aufmerksamkeit für wichtige Themen wie Armut und Lebensmittelverschwendung.

Außerdem ist diese Art der Spende ein konkretes und leicht umsetzbares Angebot für die REWE-Kunden, die Welt direkt vor Ort ein kleines bisschen besser zu machen. Viele Kundinnen und Kunden nehmen gerne und regelmäßig teil und manchmal erreichen uns beim Dachverband sogar Anfragen, wann die Aktion wieder läuft.

Welche Rolle kann eine Ehrenamtsorganisation wie die Tafeln bzw. ein Handelsunternehmen wie die REWE Group bei der Unterstützung von Bedürftigen spielen – und wo sind andere Akteure gefragt?

Die Tafeln können lediglich Armut lindern und die Bedürftigen unterstützen. Jeder Beitrag, der uns bei der Bewältigung dieser enormen Aufgabe hilft, ist wertvoll. Das Engagement von REWE hat in diesem Zusammenhang natürlich angesichts der schieren Menge der gespendeten Waren und der langjährigen Verbundenheit mit den Tafeln einen besonderen Stellenwert.

Wenn es dagegen darum geht, die Probleme, die zur Armut führen, substanziell anzupacken, dann ist die Politik gefragt. Die Tafeln können nur eine zusätzliche Unterstützung anbieten, die Verantwortung für Vollversorgung liegt ganz klar beim Staat.

In den Jahren 2015 und 2016 hat die Unterstützung von Flüchtlingen durch die Tafeln für öffentliche Diskussionen gesorgt. Wie stellt sich die Lage aktuell dar?

Seit Ende 2014 haben die Tafeln insgesamt über 280.000 Flüchtlinge unterstützt. Wir sehen uns leider nach wie vor häufig fremdenfeindlichen Äußerungen ausgesetzt, vor allem in den sozialen Medien. Dabei war für die Tafeln immer klar, nach den gegebenen Möglichkeiten allen Menschen zu helfen, die Hilfe benötigen, unabhängig von Religion oder Herkunft.

In die Zukunft gedacht: Wo liegen für die Tafeln die größten Herausforderungen in den nächsten fünf Jahren?

Wir sehen bei den Tafel-Aktiven einen Generationenwechsel bevorstehen. Das bedeutet einerseits, dass wir neue Ehrenamtliche für uns begeistern müssen, und genauso, dass wichtige Positionen in neue, verantwortungsbewusste Hände übergeben werden. Zudem müssen wir uns auf neue Themen einstellen wie z.B. die Digitalisierung, deren Auswirkungen auf den Lebensmittelhandel und die damit veränderten Anforderungen an die Logistik der Tafeln.

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