REWE Group-Nachhaltigkeitsbericht 2015/2016
  • Beruf & Leben – ein gelungenes Zusammenspiel

Damit Mitarbeiter Beruf und Familie gut unter einen Hut bekommen, setzt die REWE Group zahlreiche Maßnahmen um und ist seit mehreren Jahren dafür sogar zertifiziert.

Ein voller Kalender schreckt Anne Cämmerer nicht. Die alleinerziehende Mutter bringt jeden Tag ihren 3-jährigen Sohn in die Kita, um dann in der REWE-Zentrale Region Ost Vollzeit in der Prozesssteuerung zu arbeiten. Dabei reist sie oft zu den Märkten und zeigt den Kollegen dort den Umgang mit den neuen Funkgeräten. Den Alltag dort kennt sie in- und auswendig, weil sie vorher als Marktmanagerassistentin eine REWE-Filiale mitleitete.

Kita-Öffnungszeiten von 7 bis 17 Uhr stellen bei einem vollen Berufsleben oft eine Herausforderung dar. „Meine verständnisvollen Vorgesetzten machen es möglich, dass ich alleinerziehend in Vollzeit arbeiten kann“, erzählt Anne Cämmerer. Als sie noch im Markt arbeitete, unterstützte ihre Marktleiterin die Vereinbarkeit von Beruf und Familie mit einer individuellen Lösung für die junge Mutter: Sie konnte unter der Woche die Frühschicht von 8 bis 16 Uhr fest besetzen. „Ein Tag in der Woche war frei, samstags ging ich dafür arbeiten – da war es leichter, jemanden zu finden, der auf meinen Kleinen aufpasst.“ Auch bei ihrer heutigen Arbeit in der REWE-Zentrale erhält Cämmerer Unterstützung von Vorgesetzten und Kollegen.

Paten ermöglichen individuelle Lösungen

Das Thema Beruf und Familie (BuF) wird in den Märkten und der Verwaltung durch Paten vertreten, die stets über die Angebote für Mitarbeiter auf dem Laufenden sind und ihren Kollegen zur Seite stehen, um die passende Unterstützung für ihre Lebenssituation zu finden. In ihrem Markt war Anne Cämmerer die BuF-Patin. „Die REWE hat viele Angebote für Mitarbeiter und unterstützt sie umfangreich, aber das ist nicht allen Kollegen bekannt“, hat sie seit dieser Zeit erfahren. Darum ist die Arbeit der Paten so wichtig.

In schwierigen Situationen kann sie auf ihren Arbeitgeber zählen: Nach der Trennung muss Anne Cämmerer ohne viel Unterstützung auskommen, denn auch die Eltern können nicht immer da sein – und Freunde gehen selber arbeiten. „Die REWE ist mir sehr entgegengekommen, hat mich zum Beispiel unkompliziert freigestellt für Termine beim Arzt und bei Behörden.“

Viele Beschäftigte kennen solche Herausforderungen. Drei Viertel der rund 100.000 Marktmitarbeiter sind Frauen, im Durchschnitt 42 Jahre alt, eine Vielzahl in Teilzeit beschäftigt. Sie bringen täglich Kasse und Kinderbetreuung, Frischetheke und Pflege von Angehörigen in Einklang.

Personalpolitik nach Lebensphasen

Für immer mehr Mitarbeiter wird die Work-Life-Balance, also die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, zum entscheidenden Faktor bei der Wahl ihrer Arbeitsstelle. Ob kleine Kinder, ein privates Projekt oder pflegebedürftige Eltern: Jeder hat irgendwann im Leben Bedarf, mal flexibler oder weniger zu arbeiten. Die REWE Group engagiert sich deshalb für eine vorausschauende, lebensphasenorientierte Personalpolitik.

Dabei gibt es viele Wege, Arbeitgeberinteressen und Mitarbeiterbelange in Einklang zu bringen: Arbeitszeiten lassen sich auf die Betreuungszeiten abstimmen, eine befristete Job-Auszeit hilft in einer Pflegesituation. Extra ausgebildete Kollegen bieten das Gespräch, bevor eine Krise den Arbeitsplatz gefährdet. Berufliche Auszeiten geben Raum für die Familie und persönliche Interessen.

Zeit für Neues

Eine solche Auszeit nahm sich Simone Dimmerling, um einen großen Traum wahr zu machen: Die Assistentin der Geschäftsführung der DER Touristik half während ihres Sabbaticals in einem südafrikanischen Kinderheim, entdeckte die Natur des Landes beim Camping-Safari, drückte auf Mallorca die Spanisch-Schulbank und wanderte schließlich noch auf dem berühmten Jakobsweg. „Ich möchte keine Sekunde missen. Ich habe sehr viel gelernt: Pragmatismus, Demut, Respekt“, sagt sie über ihre Erfahrung.

Auszeit für Haus und Familie

Einen persönlichen Wunsch verwirklichte sich auch Frank Korte. Der REWE-Mitarbeiter ist bereits seit 1997 im Unternehmen und nahm ein fünfmonatiges Sabbatical. Damit konnte er seiner Frau die berufliche Weiterbildung ermöglichen, sich um die vier Kinder kümmern und lange geplante Renovierungen am Haus in Angriff nehmen.

Der Alltag ist für Frank Korte oft hektisch, gerade wenn alles zusammenkommt wie im Mai: Die Kinder haben Schule, schreiben ihre letzten Klassenarbeiten, Klassenfahrten wollen vorbereitet sein. „Viele Feiertage bedeuten viel Umsatz und Gewusel im Markt“, sagt der Getränkeverkäufer. Im Handel mit 16 Stunden Öffnungszeiten müsse man flexibel sein, denn die Arbeitszeiten variieren zwischen Früh-, Mittel- und Spätschicht.

„Meine Frau war 12 Jahre mit den Kindern zu Hause“, sagt Korte. „Nun bin ich froh, ihr die Möglichkeit geben zu können, beruflich aufzuholen.“ Oma und Opa wohnen gut 70 Kilometer entfernt und so nutzt er die Auszeit, um für seine jugendlichen Kinder da zu sein, weckt sie morgens, bringt sie zur Schule, erledigt mit ihnen Arztbesuche und Freizeitaktivitäten.

Der Garten ist schon flottgemacht, am Haus muss noch einiges gemacht werden: Durch die neue Fassade mit Wärmedämmung will die Familie künftig Gas und Strom sparen. Vor der Auszeit verlagerte sich das Bauprojekt immer aufs Wochenende, „da ist man sehr vom Wohlwollen der Nachbarn abhängig“.

„Als wir von der Möglichkeit eines Sabbaticals bei der REWE Group in der Teambesprechung erfuhren, habe ich nicht lange überlegt“, sagt Korte. Schnell äußerte er den Wunsch gegenüber Bezirksmanager und Marktleiter und sparte fortan Arbeitszeit und -entgelt an: Sieben Monate Vollzeit zu vermindertem Gehalt, fünf Monate daheim, ebenfalls bei vermindertem Gehalt.

„Menschen, die Beruf und Familie gut miteinander in Einklang bringen können, sind zufriedener, wechseln seltener den Arbeitgeber und setzen sich mehr für ihr Unternehmen ein. Deshalb ist es uns ein wichtiges Anliegen, unseren Mitarbeitern ein familienfreundliches Umfeld und entsprechende Angebote zu bieten.“


Dr. Daniela Büchel,
Bereichsvorstand Handel Deutschland - HR und Nachhaltigkeit

Audit für bedürfnisorientierte Wege

Seit 2011 erhält das Engagement der REWE Group eine externe Auszeichnung: Mit dem audit berufundfamilie hat das Unternehmen einen nachprüfbaren und systematischen Weg eingeschlagen, um diese zentralen Lebensbereiche konsequent vereinbar zu machen und eine familienbewusste Personalpolitik fest in der Unternehmenskultur zu verankern. Die Inhalte erarbeiten die Mitarbeiter, Führungskräfte und Verantwortlichen aus den Supermärkten und an den Verwaltungsstandorten des Konzerns gemeinsam, damit sie den Bedürfnissen und Anforderungen der Beschäftigten vor Ort gerecht werden. „In unserem Markt hat uns das Zertifikat berufundfamilie näher zusammengebracht“, schildert Marktleiterin Melanie Koch ihre Erfahrung. „Wir sind nicht mehr einfach nur ein Team, sondern wissen viel voneinander, weil wir uns mit unserer privaten Seite beschäftigt haben.“

Um die Maßnahmen des Audits für alle Unternehmensbereiche verbindlich zu machen, verankert die REWE Markt GmbH „Beruf und Familie“ in den Jahreszielplanungen der Zentrale und des Vertriebs, in den jährlichen Mitarbeitergesprächen als Führungsaufgabe und in internen Personalentwicklungsprogrammen.

„Lebensphasen passend zu begleiten, ist in der REWE Group strategisch durchdacht. Lösungen entstehen im regelmäßigen Austausch mit Mitarbeitern, Führungskräften und Betriebsräten. Immer passend zu den Arbeitsfeldern: Verwaltung, Logistik und Märkte. Einfach hervorragend dieser konsequente Dialog.“


Elke Hömske,
Auditorin der berufundfamilie Service GmbH

Maßnahmen für gelingende Vereinbarkeit

Für ihre Mitarbeiter bietet die REWE Group zahlreiche unterstützende Maßnahmen, damit sie Arbeits- und Privatleben im Alltag vereinen können. Dazu gehören:

  • Urlaubskalender, vorausschauende Personaleinsatzplanung
  • altersgemischte Teams zur gegenseitigen Unterstützung
  • Familienfreizeitangebote, Gesundheitsreisen, kostenlose Jugendherbergsmitgliedschaft
  • Eltern-Kind-Büros an den Zentralstandorten
  • Kontakthalte- und Wiedereinstiegsprogramm für Eltern
  • Auszeit/Sabbatical
  • Pflegezeitmodell, Pflegeleitfäden
  • Lebensphasenorientierte Selbsthilfekompetenz (LoS): Handlungshilfen für Beschäftigte in schwierigen Lebenssituationen
  • Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit an den Zentralstandorten

Wiedereinstieg leicht gemacht

Es wird dunkel, bei Familie Korte gehen die Jüngsten ins Bett. Frank Korte hat heute viel für den Anbau seines Hauses geschafft und nun mit seinen fünf Liebsten Abend gegessen. Frau und Kinder waren froh, dass Papa auch mittags da war. Korte ist dankbar für die freie Zeit, in der trotzdem für sein Einkommen gesorgt ist: „Ich schätze sehr, dass ich bei der REWE einen sicheren Arbeitsplatz in meiner Filiale habe, auch nach der Auszeit.“

Auch Anne Cämmerer bringt ihren kleinen Sohn zufrieden ins Bett. Inzwischen ist sie in die REWE-Zentrale gewechselt, hat flexiblere Arbeitszeiten und arbeitet dafür öfter abends im Homeoffice. „Dass ich nun samstags freihabe, genießt mein Kind sehr.“ Sie könne die Zeit mit ihm nun besser nutzen und am Wochenende schöne Ausflüge machen. „Die Möglichkeit, sich beruflich weiterzuentwickeln, obwohl ich zeitlich nicht so flexibel bin, ist etwas Besonderes. Das gibt es sicher nicht so oft auf dem Arbeitsmarkt.“

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