• Wertvolle Vielfalt

Wer fast 50.000 Produkte zu seinem Sortiment zählt, liebt wohl die Vielfalt. Die REWE Group hat einen Lieferanten mit fast unendlicher Auswahl: die Natur. Deshalb engagiert sich das Handelsunternehmen für die Artenvielfalt und den Schutz von Ökosystemen in den Regionen, aus denen die Waren in die Regale kommen – ob Äpfel vom Bodensee oder Bananen aus Panama.

Eine blühende Hecke am Rande einer Apfelplantage – hier fühlen sich Bienen wie zu Hause und fliegen emsig von Blüte zu Blüte. Häufig jedoch müssen Insekten dafür lange suchen, denn solche blühenden Flächen sind selten geworden. So können sich die Bienen zwar im Frühling an den Blüten der Apfelbäume satt essen, doch von Juni bis September herrscht auf vielen Obstfeldern Nahrungsmangel für die kleinen Bestäuber.

Das ändert die REWE Group seit 2010 gemeinsam mit Obstbauern von Friedrichshafen bis Hamburg. Sie sorgen mit Wildblumenwiesen, Nisthilfen und blühenden Hecken auch im Sommer für einen gedeckten Bienentisch. In Kooperation mit der Bodensee-Stiftung und dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) setzen sie sich so gezielt für mehr Biodiversität im Apfelanbau ein.

Dialog hilft, um gemeinsam
etwas zu erreichen

Den Anfang machten zehn Bauern vom Bodensee, inzwischen ergänzen weit über 100 PRO PLANET-Apfel-Erzeuger ihre Felder um Blühstreifen, z.B. mit Margeriten, Malven und Bocksbart. Entscheidend für den Erfolg des Projekts ist die intensive Zusammenarbeit zwischen Handel, Erzeugern und engagierten Bürgern: Die REWE Group trägt die Kosten für die Aktivitäten und das Material des NABU, der den Landwirten mit seinem Fachwissen zur Seite steht. Die Obstbauern setzen die Maßnahmen auf ihren Flächen um, indem sie z.B. den Boden für die Einsaat vorbereiten.

„Das Projekt bietet die schöne Möglichkeit, mit Landwirten als Flächeneigentümern und -bewirtschaftern ins Gespräch zu kommen, sich gegenseitig besser zu verstehen und gemeinsam etwas zu erreichen“, sagt Monika Hachtel, die beim NABU Bonn für die Zusammenarbeit verantwortlich ist. Sie hat beobachtet, dass viele Bauern naturverbunden sind und eigene Ideen einbringen, um die Biodiversität auf ihren Feldern zu fördern.

Die Schönheit der Vielfalt: Obstbauern des REWE-Apfelprojekts säen Blumen wie Margeriten an ihre Feldränder, um die lokale Biodiversität zu fördern. Blühstreifen am Plantagenrand: Bienen freuen sich über einen gedeckten Tisch außerhalb der Apfelblütezeit.

Turmfalken und Obstbauern unterstützen sich gegenseitig

Eine blumenreiche Wiese allein sorgt noch nicht für Artenvielfalt – erst verschiedene Lebensräume schaffen Biodiversität. Gerade in unscheinbaren Elementen wie Stein- und Totholzhaufen wimmelt es von Leben. Blindschleiche oder Iltis lieben sie als Verstecke und Brutplätze. Abgestorbene Pflanzen bilden die Lebensgrundlage für seltene Flechten und Pilze. Einige Tierarten werden gezielt angesiedelt: In unterschiedlichen Nistkästen finden Turmfalken, aber auch Kleinvögel und Fledermäuse ihr Zuhause. Das dient auch der Schädlingsbekämpfung und damit den Bauern: Eine Turmfalkenfamilie vertilgt jährlich mehrere Tausend Wühlmäuse und trägt so zum ökologischen Gleichgewicht bei.

Auch den Bienen kommt der Projekterfolg zugute: 2010 zählten Naturschützer 50 Wildbienenarten auf den Apfelflächen am Bodensee, 2014 waren es bereits 84 – darunter auch drei bedrohte Arten. Seit 2015 finden die wilden Schwestern der Honigbiene zudem in eigenen Häusern Unterschlupf. Im Projekt „Blühendes Österreich“ engagiert sich die REWE International AG seit 2014 gemeinsam mit der Naturschutzorganisation BirdLife Österreich für artenreiche Lebensräume. „Blühendes Österreich“ finanziert den Erhalt und die Entwicklung bedrohter Naturflächen wie Trockenrasen, Magerwiesen oder alter Streuobstbestände. Ein wesentlicher Schritt war 2014 die Einführung der Regionalmarke „Da komm‘ ich her!“. Für jedes verkaufte Produkt dieser Marke fließt 1 Cent in die Initiative „Blühendes Österreich“. Ziel ist es, bis 2025 insgesamt 1.000 Hektar – oder rund 10 Quadratkilometer – an Naturflächen zu schützen.

Steckbrief: Apfel

Laufzeit: seit Frühjahr 2010
Projektpartner: Bodensee-Stiftung, Naturschutzbund Deutschland (NABU), über 100 Apfel-Erzeuger
Weiteres REWE-Engagement: Streuobstwiesen für regionalen Apfelsaft. Sie zählen mit mehr als 5.000 Tier- und Pflanzenarten zu den artenreichsten Biotopen Europas.

Neue Chance für bedrohte Arten

Szenenwechsel ans andere Ende der Welt – nach Panama: Eine Meeresschildkröte bahnt sich ihren Weg zum Ufer. Ihre Heimat, der Nationalpark Amistad Biosphere Reserve, erstreckt sich über 16.125 Hektar voller Flüsse, Lagunen und Mangrovenwälder. Noch vor einigen Jahren mussten die Schildkröten um ihre Brut fürchten. Denn ihre Eier waren als Delikatesse beliebt und ihr Verkauf bot für viele Menschen eine wichtige Einkommensquelle.

Heute hat die Meeresschildkröte unter den Bewohnern der Provinz Bocas del Toro zahlreiche Schützer gefunden: Im Tropenprojekt „San San Pond Sak“ engagiert sich die REWE Group mit der lokalen Bevölkerung seit 2009 für den Erhalt der lokalen Biodiversität. Gemeinsam mit dem PRO PLANET-Bananen-Lieferanten Chiquita und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) fördert das Projekt die Umweltbildung, alternative Einkommensquellen für Einheimische sowie Naturschutz und Öko-Tourismus – das schützt den Bestand der Meeresschildkröte und ihren Lebensraum.

Naturschutz und Umweltbewusstsein gehen Hand in Hand

Neben der Aufforstung und Renaturierung eines 120 Hektar großen Weidegebiets haben die Projektbeteiligten ein umfangreiches Umweltschulungsprogramm ins Leben gerufen: 246 Freiwillige unterschiedlicher Herkunft säuberten die Strände und errichteten Schutzgehege für Meeresschildkröten und deren Gelege. So kamen zwischen 2009 und 2013 über 27.000 Schildkrötenjunge sicher zur Welt. Ebenso schützen Helfer die in der Region bedrohten Seekühe. Das Ergebnis: Seit Projektbeginn fiel keine Seekuh mehr der Wilderei zum Opfer.

Langfristige Perspektiven für die Menschen vor Ort

Das Tropenprojekt setzt sich auch für bessere Lebensumstände in der Region ein: Die Frauen von Arbeitern der Bananen-Plantagen lernten Nähen und fertigen nun Arbeitskleidung für ihre Männer an. Ebenso fertigen sie in Handarbeit traditionelle Produkte für den Verkauf oder bewirtschaften ihre eigenen Familiengärten. Inzwischen beliefern sie mehrere Hotels der Umgebung mit Lebensmitteln. So wurden zusätzliche Einkommensquellen geschaffen und die lokale Wirtschaft gestärkt.Führungen in Naturschutzgebieten erhöhen das Nachhaltigkeitsbewusstsein bei Touristen. Über die Entwicklungen in der Provinz berichten die Angestellten von Bocas Fruit Co. über ihren eigenen lokalen Radiosender und tragen damit zur Umweltbildung bei.

Steckbrief: Tropenprojekt

Laufzeit Tropenprojekt: 2009–2013
Laufzeit Bananen-Fonds: 2013–2016
Projektpartner: Chiquita, Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), lokale Bürger-NGOs wie AAMVECONA
Gesamtprojektvolumen: 1,2 Mio. Euro
Investition der Projektpartner: >700.000 Euro

Projekterkenntnisse fließen in Bananen-Fonds

Insgesamt förderte das Tropenprojekt mit über 1,2 Millionen Euro Umweltbildung, Biodiversität und Naturschutz vor Ort: Die Einbeziehung der lokalen Bevölkerung, von Umweltverbänden und Behörden war für den Erfolg besonders wichtig. „Alle Beteiligten haben viel gelernt“, sagt Robert Dilger, der bei der GIZ 2009 bis 2013 verantwortlich für das Tropenprojekt war. „Vor allem aber freuen wir uns, dass das Projekt über seine Grenzen hinweg wirkt.“ Denn die Erfahrungen aus dem Projekt bestärkten die REWE Group, sich in weiteren Bananen-Anbaugebieten – unter anderem im benachbarten Costa Rica – für Biodiversität und die Verbesserung sozialer Bedingungen im Bananenanbau zu engagieren. Der REWE Group-Bananen-Fonds stellt dafür 2013 bis 2016 ein Projektvolumen von mehr als 1 Million Euro zur Verfügung.
Ergänzt werden die Maßnahmen durch strenge Anforderungen an die Produktion. So müssen alle Erzeugerbetriebe nach Rainforest Alliance zertifiziert werden, um soziale Standards zu gewährleisten und negative Einflüsse auf die Umwelt auf ein Mindestmaß zu reduzieren.

Vielfalt schafft Urlaubsparadiese

Ob vor der Tür oder am anderen Ende der Erde: Wer reist, genießt die Natur am liebsten in ihrer ursprünglichen Form. Etwa 40 Prozent der Deutschen wollen laut einer Analyse aus dem Jahr 2013 der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. einen ökologisch verträglichen Urlaub erleben. „Das ist nur möglich, wenn wir alle dazu beitragen, die Kostbarkeiten der Natur gemeinsam zu erhalten und zu schützen“, sagt Rosemarie Bornscheid-Hoffmann, die den Bereich Einkauf Autoreisen im Zielgebiet Deutschland bei DER Touristik leitet.

Der Reiseveranstalter DER Touristik der REWE Group setzt sich für Biodiversität in der Tourismuswirtschaft ein.

Die DER Touristik setzt dabei auf Information und Sensibilisierung. So fragt sie bei Hotels die Leistung in Bezug auf Nachhaltigkeit ab. Im Projekt „Biodiversität All Inclusive“ wurden unter anderem zusammen mit dem WWF und dem Bundesamt für Naturschutz Kriterien für den Erhalt der Biodiversität entwickelt. Diese Kriterien umfassen zum Beispiel die Verwendung von regionalen Lebensmitteln, Gebäudebegrünung mit heimischen Pflanzen bis hin zu Schulungsmaßnahmen für Hotelangestellte. Seine Kunden informierte das Unternehmen im Berichtszeitraum zum Beispiel im Katalog ITS über das Thema Biodiversität und stellte ausgesuchte Reiseziele vor. Nach dem Motto „Nur wer die Natur kennt und schätzt, schützt sie“ macht die DER Touristik in diesem Rahmen auf spezielle Naturerlebnisprogramme aufmerksam. ITS-Kunden erhalten hier ermäßigte Eintrittspreise, etwa für Naturparkführungen im Erzgebirge, Robbenexpeditionen im Biosphärenreservat Südost-Rügen oder den Baumwipfelpfad im Nationalpark Bayerischer Wald.